Ausgabe 
8.3.1896
 
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welcher vergangene Nacht wütete Manchem schlaflose Stunden bereitete,

Gießen, Sonntag, den 8. März

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Gießen.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Tage nach Sonn- und Feiertagen.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 7. März. Wie aus unserm heutigen Bericht über die Stadtverordne ten⸗Versamm lung zu ersehen ist, werden nun mehr die so viel bewitzelten Marktlauben ihrem eigentlichen Beruf, den sie so lange ver sehlt haben, übergeben. 5

* Gießen, 27. März. Gestern verhängte die Strafkammer über eine unnatürliche Mutter eine harte, aber gerechte Strafe. Die Ehefrau des Taglöhners Sack II von Gießen wurde zu Jahren Gefängnis verurteilt und sofort in Haft genommen, weil sie ihr 4jähriges außer eheliches Kind in harsträubender Weise miß⸗ handelt hat. Der Erste Staatsanwalt Dr. Güngerich erklärte mit Recht, die bestialische Rohheit, welche die Angeklagte ihrem Kinde hat zu Teil werden lassen, grenze nahe an Mord bersuch das mißhandelte arme Kind wurde dem städtischen Hospital übergeben.

* Gießen, 7. März. Der Bürgermeister von Steinbach wurde gestern verhaftet. Es soll sich um Unterschlagungen handeln, doch ist dies um so merkwürdiger, als der Verhaftete als gut situirter Mann allgemein bekannt ist. Gießen, 7. März. Wie dieMitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung hört, soll einer im Laufe der nächsten Woche stattfindenden Generalversammlung des Vereins zur Errrichtung eines Volks- Schwimmbades seitens des Ausschusses der Kostenvoranschlag unterbreitet werden. Der⸗ selbe beträgt angeblich 160 000% Wie die genannte Zeitung berichtet,soll sich der Ausschuß dahin geäußert haben, daß man die Stadt mit

% der Kosten heranzuziehen versuchen will,/

soll durch Aktien à 200/ und der Rest durch eine Anleihe aufgebracht werden. Wie uns bersichert wird, sind diese Augaben richtig. Jedoch soll Vorsorge getroffen werden, daß die Stadt in etwa 20 Jahren Allein-Eigentümerin

des Bades werden wird. Wir wollen wünschen,

daß das gemeinnützige Institut recht bald er

stehen möge.

Gießen, 7. März. Der heftige Sturm, und gewiß scheint mürgends ernstliches Unheil angerichtet zu haben. Einzelne Fahnen jedoch, die gestern noch stolz in ihrer ganzen Schönheit flatterten, sind übel zugerichtet. Die Fahne auf demKaiserhof z. B. klönute heute wohl in Bezug aufZerfetztsein

erfolgreich konkurrieren mit manchem Feldzeichen von 1813.

* Gießen, 7. März.(Stadtverord⸗ neten⸗Lversammlung.) 4 Das Gesuch des J. Hildebrand von Heuchelheim um Er⸗ laubnis zur Belassung eines Backsteinhäuschens im Neustädterfeld, sowie das Gesuch des Fabrikanten H. Emmelius um Erlaubnis zur Errichtung einer Remise am Schwarzlachweg aus Fachwerk wird ausnahmsweise genehmigt. Das Baugesuch des Karl Brück für den Kreuz⸗ Matz welches wegen Raummangel in Holzfach⸗ werk auszuführen geplant ist, wird genehmigt

nter der Bedingung, daß das Parterregeschoß an der Ecke der Kaplausgasse abgeschrägt wird.

Zum Neubau einer Kreisstraße von Gießen nach Wismar werden/ der Kosten, L 7500 , bewilligt. Vom Rest, 22,500, trägt

. 7500 der Kreis Gießen und, 15,000 die Provinz, so daß die ganze Straße 4 30,000 kosten wird. Die der Versammlung in letzter Sitzung vorgelegene Polizeiverordnung wegen des Schrittfahrens vor der Stadt kirche während des Gottesdienstes wird nach lebhafter Debatte unter der Bedingung ange⸗ nommen, daß bei Tage deutlich erkennbare Schilder mit der Aufschrift Schrittfahren an entsprechender Stelle an der Straße placiert werden, an denen Abends Laternen angebracht sein müssen. Das Kollegium genehmigt eineneue Wochenmarkts ordnung, deren wesentliche Bestimmungen fol gende sind:Es finden Wochenmärkte statt: Dienstag, Donnerstag und Samstag. Die Märkte beginnen vom April bis 15. September um 7 Uhr Morgens und dauern während dieser Zeit bis 1 Uhr Mittags, im Uebrigen wird die Markt zeit von 8 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags festgesetzt. Feilgehalten dürfen werden alle nach § 66 der Gewerbeordnung als Gegenstände des Marktverkehrs zulässigen Artikel, besonders Lebeus mittel. Als Marktplätze sind bestimmt: a) für Geflügel, Wild und Fische der Markt platz; b) für Beeren und Obst in einzelnen Körben die Schulstraße; c) für Kartoffeln im Kleinen, für Blumen, Pflanzen und Samen der Lindenplatz; d) für Butter, Käse und Eier die Marktlaubenstraßez e) für Kar⸗ toffeln Krauf und Obst in Wagenladungen Kanzleiberg und Brandplatz; 0) für Heu, Stroh, Holz und Brennmaterialien Oswalds- garten; g) die Gegenstände a b und e dürfen nur in den Marktlauben feil gehalten werden. DiefPlätze der Marktlauben werden nur fürs Jahr, frei bleibende Räume auch wochen weise überlassen. Nur während der Zeit des Marktverkehrs dürfen auf öffentlichen Straßen Wochenmarktsgegenstände zum Verkauf gebracht werden. Der Handel in den Marktlauben ist jedoch jederzeit gestattet. Die Versammlung genehmigte dann ein neues Reglement, das wir in nächster Nummer veröffentlichen werden. Zur Beschaffung weiterer Unterrichtsräume für das Realgymnasium und die Real- schule wird ein dreistöckiger Neubau mit der Front nach der Bismarckstraße, Voranschlag 78 750, genehmigt. Es werden dadurch sechs neue Schulsäle geschaffen. Bei der Beratung der Erhöhung städtischer Trottoirs waren aus der Versammlung Wünsche betreffs einer Verbesserung der Marxktstraße, des Neuenweges, des Kirchenplatzes und der Wagengasse laut ge worden. Die Wagengasse ist für Trottoiranlagen zu eng. Den Anliegern ist eine Erhöhung des Trottoirs nicht erwünscht. Es bleibt also bei den früher von der Baudeputation gemachten Vorschlägen, wozu noch eine Verbesserung der Marktstraße kommt. Zur Erbauung einer Brücke über die Wieseck im Zuge der Goethe straße und zum Ausbau dieser Straße zwischen Südanlage und Wieseck werden 38 000. be⸗ willigt. Zur Chaussierung eines Feld⸗ weges im Neustädterfeld an der Heuchelheimer straße werden 6600 ½¼ genehmigt. Die Kanalisation des chemischen Labora toriums und eines Teiles des Universitäts⸗ gebäudes wird widerruflich gestattet. Ebenso wird genehmigt der Ankauf zweier kleiner Par zellen am Riegelpfad seitens der Stadt vom

Hospital für 1, 12& pro Quadratmeter. Zur versuchsweisen Abhaltung eines Kursus konfirmierter Mädchen in der Haushaltungs schule, die der Allgemeine Verein für Armen und Krankenpflege unterhält, bewilligt die Ver⸗ sammlung die Kosten in Höhe von 788 /. Eine Eingabe der Lohnkutscher der Stadt Gießen betreffs der Schädigung ihres Ge werbes durch die Omnibusgesellschaft, insbesondere durch deren Touren nach Wieseck und dem Schiffenbergerwald, verlangt von der Stadt, diesem Unternehmen für die Folge keine Zuschüsse aus der Stadtkasse mehr zu gewähren. Die Versammlung ist der Meinung, daß das Omnibusunternehmen im Interesse der Allge meinheit unterstützt wurde und geht deßhalb zur Tagesordnung über. Die Allarmsignale bei Bränden für den Türmer werden so ge ordnet, daß die Stadt für diese Zeichen in 5 statt wie bisher in 4 Bezirke geteilt wird. Dem Anton Koch wird für das Haus Bahnhofstraße 48, dem Karl Rühl für das Haus Schanzen⸗ straße 2 die Erlaubnis zum Wirtschaftsbe trieb erteilt. Die Prüfung der Rechnung für das Gas- und Wasserwerk pro 1894/95 ergiebt keinen Anstand. Die Abrechnung für die Erbauung resp. Erweiterung der Wasser⸗ werke, welche im Voranschlag mit ι 400,000 veranschlagt war, hat einen Mehraufwand von b 89,500, ergeben. Oberbürgermeister Gn auth motiviert die Kreditüberschreitung und wird die selbe von der Versammlung nachträglich gut ge⸗ heißen. In Abwesenheit des Oberbürger⸗ meisters referiert Stadtverordneter Scheel namens der Finanzdepatation über die Prü⸗ fung der Rechnuug pro 1894/95 und wird dieselbe hierauf ohne Debatte genehmigt. Es folgt eine geheime Sitzung.

Sehwurgerichtssitzung. Gießen, 6. März.

Zeuge Johann Hofmann von Saamen be bekundet, der Schmied Möller habe die Absicht gehabt, ihm einen alten Schlitten für einen neuen anschmieren zu wollen. Ein weiterer Zeuge be schuldigt den Zeugen Möller, daß er Gelder, die er an ihn gezahlt, nicht an den berechtigten Em pfänger abgeliefert hat, sodaß er noch einmal Zahlung leisten mußte. Später hat Möller ihm sein Geld wiedergegeben. Sebastian Damer von Bermuthshain beschuldigt den Zeugen Hergen röder der Verleitung des Meineides. Ph. Wolf⸗ Orb hat den Schimmel von Ey für 130. ohne Währung gekauft und denselben für 200 mit Währung weiter verkauft. Der Gaul habe nur leichte Arbeit gethan. Er habe gelahmt. Anton Keiling von Orb hat den Schimmel von Wolf gekauft. Er hatte gehört, das Tier sei lahm, aber beim Kauf habe er nur ein zartes Auftreten beobachtet; seine Arbeit habe das Tier gethan. Das Pferd hat, als er es weiter ver kaufen wollte, gelahmt. Er hat das Tier zum Schmied gebracht, der hat den Huf ausgeschnitten und es drei Tage stehen lassen. Dann hat er das Pferd für 203, verkauft. Zeuge war bei dem Nachbesitzer und wollte das Schimmelchen für 250. wieder kaufen, weil es für seine leichte Arbeit passend war. Eduard Kröber, Gastwirt in Orb, ist mit dem Schimmelchen, als es Keiling hatte, nach Wächtersbach gefahren.

Es ging die gelahmt hat es nicht.

Tour sehr gut, zwar langsam, aber Matthäus Elsässer⸗ Wiesen in Bayern, der jetzige Besitzer des Schimmels, erklärt, das Tier sei willig und folgsam, es sei aber für schwere Arbeit nicht geeignet. Der Zeuge benutzt das Tier zur Feld⸗ arbeit. Es hinke ab und zu. Der eine Schmied meine, es sei vernagelt, der andere meine, es läge am Huf. Das Schimmelchen habe ihm 203 /. gekostet, er habe es mit 50 Gewinn verkaufen können. August Elsässer-Wiesen in Bayern, erklärt, kein Pferdekenner zu sein. Das Schimmelchen habe er im leichten Wägelchen selber gefahren, das Tier sei willig und sei gern gelaufen. Bei einer Sand- und einer Holzführe habe der Schimmel seine Schuldigkeit gethan, doch waren beide Fuhren nicht schwer. Makler Grünebaum⸗Ulrichstein: Es sei auf dem Schottener Markte gewesen, er habe den Ey ge⸗ kannt und dieser habe ihn aufgefordert, ihm beim Pferdehandel zu helfen. Unter welchen Be⸗ dingungen der Handel geschlossen worden sei, wisse er nicht mehr. Der Zeuge bestreitet dem Ey, nicht später nach dem Kauf vom Ey nach dem Namen des Verkäufers des Schimmels gefragt worden zu sein. Er erinnert sich ferner nicht, den Ey nach dem Pferdehandel getroffen zu haben. Die Zeugenvernehmung ist damit beendet. Tierarzt Nuß erklärt als Sach⸗ verständiger, daß das Leiden des Pferdes seit dem zweiten Jahre durch eine Krankheit entstanden ist. Dadurch hat sich der Zwang⸗ und Flachhuf gebildet, der es nur allein am ordentlichen Gebrauch der Vorderfüße ab⸗ hielt. Der Sachverständige glaubt, daß jeder Bauer die abnorme Hufbildung des Pferdes hätte sehen müssen. Er selber hat, als er das Tier sah, auf den Fehler infolge des Ganges und der Haltung des Tieres geschlossen. Dieser Fehler war zu vermeiden, wenn ein entsprechen der Beschlag aufgelegt worden wäre. Professor Dr. Pflug erklärt, am vergangenen Dienstag das Pferd in Wiesen gesehen und untersucht zu haben. Das Tier hat sogenannte Rehhufe, der linke Vorderhuf ist ein Rennhuf, der andere ist Vollhuf. Das Pferd war links lahm. Die Hinterhufe waren vernachlässigt. Das Pferd resp. dessen Hufe sind nicht hochgradig verbildet. Nach dem Befund ist das Tier seit dem zweiten Jahr durch eine Entzündung lahm gegangen und ist nach den Zeugenaussagen bald besser, bald schlechter gewesen. Bei Seipel hat es durch eine Anstreugung einen Rückfall erhalten. Die Frage, ob der Angeklagte hätte wissen müssen, warum das Pferd lahmt, ob er den Fehler gekannt hat, sei schwer zu sagen. Er glaube es nicht. Allerdings mußte jeder Mensch sehen, daß das Tier am ordnungsmäßigen Gebrauch seiner Vorderfüße gehindert gewesen. Tierarzt Remy schließt sich dem Gutachten seines Kollegen Nuß an. Es wird nun vom Vorsitzenden die an die Geschworenen zu richtende Schuldfrage ver lesen. Sie lautet: Ist der Angeklagte schuldig des wissentlichen Meineides? Auf Antrag der Verteidigung wird noch für den Fall der Verneinung der 1. Frage die Hilfsfrage gestellt: Ist der Angeklagte schuldig, einen fahrlässigen Eid geleistet zu haben?

Nachmittags um 5 Uhr beginnen die Plai⸗ doyers. Staatsanwalt Koch führt den Ge

Das Recht des Kindes. Von Reinhold Herrmann. (Schluß.)

Meine Liebe? Wissen Sie, wem ich dieses roße Opfer elnst brachte? Hat sie Sie vielleicht zu ir geschickt? Hat sie Ihnen die Geschichte unserer Freunung erzählt? Wahr erzahlt? Auch von der

Ilxutalen Wirklichkeit jener Scene vor Gericht, in

velcher man mir mein Kind absprach, weil ich als

100 eben erst aus dem Gefängnis Freigelasseuer 000

( beigerte mir ja Ihre Mutter begründen zu

nir noch nicht so viel erschrieben hatte, um einen seuen Hausstand die Trümmer des alten ver

Unnen, und hat sie Ihnen auch gesagt, wie leicht 8 ist, Jemand, der durch verschuldetes oder zu

illiges Unglück in despektierliche Verhältnisse ge

ten, tötlich zu treffen? Haben Sie eine Ahnung, die ich über diese Wirklichkeit das schöne Märchen, 1* vergaß? Was seitdem das Glück mit nem Zauberstabe um mich geschaffeu, darf Ihnen icht zum Maaße meiner Empfindungen dienen. l war zu stolz, un Recht zu betteln, dessen gätt⸗ sche Freiheit irdische, armselige Bestimmungen ver

N rebt und zerdeutelt hatten.

Sylvia war betäubt, eine Beute rasenden Schmerzes. Sie erkannte nur zu wohl die felsen ug, welche aus diesen Worten sprach

etwa von falschen Gefühlen getragen

wurde. Sie empfand, daß dieser Mann so wenig

heucheln würde, wie sie. Aber ihn aufgeben? Das Glück, die Tochter eines solchen Vaters zu sein, begraben in dem nichtigen Sichbegnügen mit dem stillen Bewußtsein? Nimmermehr! Lieber kämpfen bis zum letzten Atemzug! Lieber ein lautes eisiges Nein, als einen freundlichen Händedruck zum Lebewohl.

Sie faßte sich gewaltsam.Und das natürliche Gefühl? Gilt Ihnen das nichts? Opferten sie es so leicht einem Spruch des Gerichts? Ich las von Männern, die ihr Kind raubten sie kamen mir wie Helden vor und ich verstand sie. Aber von einem Vater, der sein Kind aufgab, nie.

Er verließ seinen Platz am Kamin und trat dicht vor das junge Mädchen, welches sich ebenfalls erhoben hatte.

Sie verstehen das nicht, weil die Chronik der Zeiten für Sie kein Beispiel dazu hatte! Bitte, behalten Sie Platz, mein Fräulein, und danken Sie Gott, daß Ihrer Seele die Vorgänge in der meinen fremd geblieben sind. Ich bin müde geworden in dem Kampf um das Recht der menschlichen Em pfindung. Ich habe mich gewehrt, wie Einer, dem man das Herz aus dem Leibe schnitt. Und Ge walt? Die einzige Gewalt, welche mir nach dem Recht der menschlichen Empfindung zustand, war, Sie zu töten. Kein Mord im allgemeinen Sinne, Fräulein; nur einer an dem Leben, das Sie in

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That. Das klingt weniger romantisch, war aber eine schwerere Aufgabe.

Und nach ihr finden Sie keinen Weg, auf dem ein Vater seinem Kinde begegnen könnte? O, ich ie eee

Keinen. Ju die erste Jugend, in die Freude am Aufblühen, in die ersten, lieblichen Tändeleien führt keiner zurück. Ich müßte lügen, wollte ich auch die leiseste Regung dahin zugeben.

Dann allerdings

Ein tiefer, beinahe schluchzender Atemzug... sie hatte sich zum Gehen gewendet, und der Dichter war mit einer höflichen Verbeugung zur Seite ge treten.

Noch eine Frage, kam es tonlos über Sylvias Lippen, indem sie sich noch einmal, die Hand schon auf dem Knauf der Thür, bleich, mit tötlicher Ruhe in Miene und Wort, zurückwandte:Sie haben mir noch nicht gesagt, wen ich dafür verant wortlich machen soll.

Ein paar Sekunden fixierte er sie schweigend. Augenscheinlich überlegte er den Sinn ihrer Frage.

Wenn es Ihnen darauf ankommt, sagte er dann einfachden Richter. Etwas weniger Aeußerlichkeit im Verfahren und dafür mehr Durch dringen der Wahrheit, und es wäre nie so viel Unheil über drei Menschen gekommen, welche Liebe

mir lebten in meinem Herzen vollzog ich die

und Natur verband. Wir hätten einander heute nicht fremd sein zu brauchen.

Die Thür fiel hinter ihr zu die Tochter des Dichters war hinausgetreten.

Auf der Straße war es inzwischen vollständig dunkel geworden und es hatte von Neuem zu schneien angefaugen. Sylvia ging unter den herab fallenden Flocken weg, ohne ihrer zu achten. Ihr Schritt war jetzt nicht mehr beflügelt, sondern ihr Fuß trat schwer und langsam auf sie kam sich vor, wie auf einmal zur Matrone geworden. Auf halbem Wege nach Hause trat sie in ein Postbüreau und schrieb mit fester Hand auf ein ihrem Notiz buch entnommenes Blatt:

Ich erinnere Sie noch einmal, auf schriftliche Weise, daß Sie eine Tochter haben. Aber ich er innere Sie daran nur, um Ihnen zu sagen, daß ich Ihr Andenken, wie es die Mutter bis heute in mir hegte, jetzt mit vollem Recht aus meinem Herzen tilge. Es giebt noch einen höheren, als den kurzsichtigen, irdischen Richter das eigene Gefühl. Ist das erst tot, verbraucht in dem ge meinen Lauf der Dinge, vermag es die heißeste Kindesliebe nicht wieder zu erwecken. Das haben Sie mich heute gelehrt.

Sylvia König.