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Gießen, Sonnabend, den 8. Februar
Ausgabe
Gießen.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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5 Expedition: 2 Kreuzplatz Nr. 4.
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Hessischer Landtag.
Zweite Kammer. Darmstadt, 6. Februar.
Die zweite Kammer beschäftigte sich heute zunäcchst mit Eisenbahn⸗Angelegenheiten. Zur Eingabe von Bewohnern der Bergstraße um Einrichtung von Lokalzügen auf der Main⸗Neckarbahn empfiehlt der Finanzausschuß, die Re⸗ gierung zu ersuchen, bei Feststellung des Fahrplanes den wirthschaftlichen Bedürfnissen der Gesuchsteller thunlichst Rechnung zu tragen und namentlich auf Einschaltung eines 7 Uhr 30 Min. in Heidelberg abgehenden Zuges hinzu— wirken; Ullrich führte Namens der Arbeiter von Sprendlingen und Dreieichenhain Beschwerde über die Main⸗Neckarbahn. In Folge von Verspätungen könnten die Arbeiter häufig nicht rechtzeitig an ihren Frankfurter Arbeitsstellen sein, wodurch ihnen wirthschaftliche Nachteile erwüchsen. Das Anhalten des späteren Zuges 52a lehnte die Direktion aus kaum begreiflichen Gründen ab. Die Regierung möge auf Abstellung dringen, welche zugesagt wird. Der Ausschußantrag wird angenommen. Eine Regierungsvorlage betrifft den Staatsvertrag mit Preußen und Baden über den Betrieb der Nebenbahnen Bicken— bach⸗Seeheim und Weinheim-Fürth. Er wird genehmigt. Einem Gesuch der Steueraufseher um Gehaltserhöhung wird insofern stattgegeben, als man ein Ersuchen an die Regierung beschloß, im nächsten Staatsvoranschlag ent⸗ sprechende Diäten für auswärtige Dienstgeschäfte der Steueraufseher und auf Antrag des Abg. Jöst auch Ge⸗ haltserhöhung vorzusehen. Allseitig wurde hervorgehoben, daß diese Beamten im Vergleich zu andern zu gering be⸗ zahlt sind. Die Regierung ist der Gewährung angemesser Zehrungskosten geneigt, lehnte aber die Gehaltserhöhung ab.— Die Vorlage, nach welcher den älteren Rent— amtsgehülfen u.s.w. eine Pension bis zu 1400 Mark zugebilligt wird, fand unbeanstandete Annahme. Die Distriktseinnehmer sind um Gehaltserhöhung und Gleichstellung im Gehalt, um höhere Bureaukostenver⸗ gütung, dann um Transport⸗ und Zehrungskosten bei auswärtigen Dienstgeschäften eingekommen. Der Finanz⸗ ausschuß empfahl Berücksichtigung dieser Wünsche, insbe⸗ sondere Erwägung, ob die sämmtlichen Revisionsbeamten mit den Distriktseinnehmern in gleiche Gehaltsklassen ein— zureihen wären. Lautz und Genossen beantragen Ein⸗ theilung der Distriktseinnehmer in sieben Gehaltsklassen mit 1900 Mark Anfangsgehalt, steigend um je 300 Mark bis 3800 Mark. Der Antrag wird von Lautz lebhaft befürwortet.
Nach mündlicher Erläuterung des Berichterstatters Schröder erfuhr der Ausschußantrag eine nach⸗ trägliche Abänderung dahin, daß den Petenten ein Höchst⸗ gehalt von 3565 Mk. zugebilligt werden soll. Ullrich forderte sehr energisch die endliche Vorlage eines Beamten⸗ gesetzes und polemisirt gegen Stellenvergebung aus korps⸗ brüderlichen Rücksichten. Ministerialrat Michel: Die Regierung sei einem Beamtengesetz nicht abgeneigt. Eine Vorlage auf Grundlage von Dienstalterszulagen sei aus⸗ gearbeitet und würde 200,000 Mk. jährlich mehr er⸗ fordern, aber damit würde die Klage der Beamten wegen schlechter Geldverhältnisse nicht verstummen. Es müßten bedeutendere Mittel und zwar nicht unter/ Million aufgewendet werden. Abg. Schmitt ist dazu bereit. Sichere die Regierung das Eindringen des Beamten⸗
gesetzes für das nächste Budget zu, so blieben endlose Debatten erspart. gerne die weitgehendsten Wünsche berücksichtigen, aber es
Finanzminister Weber: Er würde fehle an den Mitteln. Auf den Zuruf aus dem Hause „Lotterie“, meint der Minister:„Ach bleiben Sie mir doch mit der alten Lotterie weg.“ Er klagt über den Fortfall der Weinsteuer, von Tilgungsrenten über Nach⸗ Die Hoff⸗ nung auf höhere Verträge aus dem neuen Einkommen⸗ steuergesetz sei illusorisch. Ein sorgsamer Hausvater frage erst, was er ausgeben könne, bevor er sich zur Ausgabe entschließe.
Lautz zog seinen Antrag zurück, worauf der Aus⸗ schußantrag in der Fassung zur Annahme gelangte, daß Gleichstellung im Maximalgehalt mit den Revisions⸗ beamten festgesetzt wurde.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 6. Febr. In dem Verwaltungs— bericht der Bürgermeisterei sind die Mitteilungen über das Gewerbegericht von großem In⸗ teresse. Den Vorsitz führte Oberbürgermeister Gnauth, welcher darin von dem Beigeordneten Grüneberg oder dem Stadtverordneten Keller vertreten wurde. 1894—95 wurden beim Ge— werbegericht 92 Sachen behandelt(gegen 100 im Vorjahre.) Es erledigten sich im resp. vor dem 1. Termin durch Klagezurücknahme 4 bezw. 6 im Ganzen 10 Fälle, durch Vergleich 45 Fälle, durch Versäumnisurteil 28 Fälle, durch End— urteil 3 Fälle, durch Klageverbindung 1 Fall, Ferner im 2. Termin durch Endurteil 14 Fälle, durch andere Erledigung 1 Fall. Es sind somit mehr als ¼ Galler Klagen(im 1. Jahre rund 180 ohne Heranziehung von Beisitzern vielfach durch Vergleich erledigt worden. Im Ganzen hielt das Gericht 102 Termine ab. Von den an⸗ hängig gemachten Klagen waren 11 von Arbeit⸗ gebern und 81 von Arbeitnehmern erhoben. In 9 Fällen ging die Klage der Arbeitgeber auf Wiederaufnahme der Arbeit. In den beiden anderen Fällen wurde auf Entschädigung geklagt. Nach Zurückziehung von 2 Klagen der Arbeit— geber wurde von den verbleibenden 9 Klagen in 3 Fällen durch Versäumnis⸗ und in 2 Fällen durch Endurteil entsprochen.— Die 81 Klagen der Arbeitnehmer erledigten sich wie folgt: DurchKlage⸗ rücknahme vor und im ersten Termin in 8 Fällen, ferner im ersten Termin durch Vergleich 32 und durch Versäumnisurteil 26 Fälle, durch End— urteil im 2. Termin 13 Fälle und durch Klage⸗ verbindung und Beruhenlassen je 1 Fall. In 4 Fällen war dabei auf Herausgabe des Arbeits— buches, in einem Falle auf Zeugnisausstellung geklagt und diese 5 Fälle durch Vergleich erledigt. —. Die übrigen Klagen waren sämtlich auf Ent⸗ schädigung gerichtet und zwar in einer Gesamt⸗ höhe von Mk. 2149,01. Von diesem Betrag haben die klagenden Arbeitnehmer 61/ d. h. Mk. 1310,90 erhalten. An Gerichtskosten sind den Parteien erwachsen Mk. 61,60, an Ver⸗ gütungen für die Beisitzer Mk. 36. Der Bericht giebt auch für das 2. Jahr des Bestehens des Gewerbegerichtes nur wiederholt der Befriedig⸗ ung Ausdruck über die Wirkung dieser Ein⸗ richtung, insbesondere auch was Raschheit, Ein⸗ fachheit und Billigkeit des Verfahrens anlangt.
Gießen, 7. Februar. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr geleitete eine gewaltige Trauer— versammlung die Leiche des so jäh um's Leben gekommenen Karl Schwan jr. zu ihrer letzten Ruhestätte. Der Sarg war mit Blumen⸗ spenden, die teilweise mit prachtvollen Schleifen versehen waren, reich bedeckt. An den Straßen⸗ kreuzungen, welche der Leichenzug passierte, bildete eine zahlreiche Menschenmenge Spalier.
h. Gießen, 7. Febr. Der Name Stroh— ecker hatte auch gestern Abend die nie versagende Anziehungskraft ausgeübt. Der Leib'sche Saal war recht gut besetzt. Die drei Einakter, welche das Frankfurter Dialekt⸗Ensemble zur Aufführung brachte, wurden überaus flott ge— spielt. Herr Strohecker war wohl als flotter Dragonergefreiter in„Frankfurt im Feindesland“ wie auch als Sachsenhäuser Weingärtner Atzemer in dem Beckschen Lokalscherz„Wie Du mir, so ich Dir“ unübertrefflich. Den Schwank„Durch den Kaufmäunischen Verein“ scheint Ad. Stolze geradezu für Strohecker verfaßt zu haben. Ein besserer Jonas Rappel, als ihn Strohecker dar— stellt, ist nicht denkbar. Aber wir wollen nicht ungerecht sein und über Herrn Strohecker die übrigen Mitglieder des Dialekt-Ensembles ver— gessen. Sie waren alle am richtigen Platz. Frl. Mühlbach war eine reizende Margot. Ob Frl. Hartwig als Gretchen oder als Lucia besser war, wer will das feststellen? Frau Schöning und Herr Hofmann entledigten sich ihrer Aufgaben ebenfalls recht gut. Das Publikum zeigte sich für die trefflichen Leistungen recht dankbar. Nicht nur nach jedesmaligem Aktschluß sondern auch verschiedentlich bei offener Szene brachen mit elementarer Gewalt die Bei— fallssalven los. Hoffentlich besucht uns das Frankfurter Dialekt⸗Ensemble recht bald wieder. Gießen, 7. Febr. Der Ersten Fahr⸗ rad-Versicherungs-Gesellschaft Ger— mania in Berlin ist vom Großherzoglichen Ministerium die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Großherzogtum Hessen erteilt.
Wieseck, 7. Febr. Unsere Gemeindejagd wurde heute Vormittag für zusammen Mk. 985 in zwei Teilen verpachtet. Höchstbietende blieben
D. Z. Münster(Kreis Gießen), 6. Februar. Eine hiesige Familie wurde von einem bedauer— lichen Unfall betroffen. Der Vater derselben, der am Bahnhofe zu Laubach mit dem Verladen von Stämmen beschäftigt war, wurde dabei gestern Vormittag von einem Hebel au den Kopf getroffen, daß er schwer verletzt nach dem Johann⸗-Friedrichstift zu Laubach gebracht werden mußte. Der Zustand des Verunglückten soll bedenklich sein.
Darmstadt, 6. Febr. Im verflossenen Jahre kamen in hiesigen Betrieben im Ganzen 506 Unfälle bei der Polizei zur Anmeldung. Dieselben verteilen sich wie folgt: Im Fabrik⸗ betriebe 238, beim Maurerhandwerk 80, in Brauereien 19, beim Zimmergeschäft 16, in der Landwirtschaft 17, bei Weißbindern 5, in Schreinereien 6, in Druckereien 4, in Seifen⸗ siedereien 5, bei Metzgern 6, im Eisenbahnbetriebe 52, in verschiedenen städtischen Betrieben 14. Die übrigen 38 Unfälle gehören den verschiedensten anderen Gewerben an. Von diesen 506 Unfällen ist in 60 Fällen, die eine längere als 13 wöchige Erwerbsunfähigkeit zur Folge hatten, eine amt⸗ liche Untersuchung vorgenommen worden. Ihren Tod fanden infolge Unfalls drei Personen.
ch. Offenbach, 6. Februar. Gestern Abend gab ein junger Mann von hier in selbstmörderischer Absicht einen Revolverschuß auf sich ab, doch scheint die Kugel, die in die linke Seite drang, keine lebensgefährliche Verwundung hervorgerufen zu haben.— In einer hiesigen Staniol⸗Kapsel⸗ Fabrik kam gestern Abend 6 Uhr der 15 jährige Sohn eines in der Sandgasse wohnenden Schuh machers mit dem linken Arm in das Walzwerk. Der Verunglückte wurde sofort ins Spital ver⸗ bracht und dürfte schwerlich eine Amputation des Armes zu umgehen sein.— In der Feist⸗ mann'schen Fabrik kam gestern Werkmeister H. mit der Haud in eine Kreissäge und schnitt sich 3 Finger ab.
Worms, 6. Februar. Stadtverordneter J. Schüttler wurde heute Vormittag von Fischern in der Nähe der Wormser Dampfziegelei als Leiche aus dem Wasser gezogen. Ob Selbstmord oder Unglücksfall vorliegt, ist noch nicht bekannt.
Mainz, 5. Februar. Der wegen Unter⸗ schlagung und Urkundenfälschung in Haft ge⸗ nommene Obereinnehmereigehilfe bezog ein Ge— halt von sage und schreibe Mark 40 monatlich und dabei ging ihm in seiner Eigen— schaft viel Geld durch die Hände. Ein solches Einkommen für einen brauchbaren Kassengehilfen ist freilich zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel, wenn auch die leichtsinnigen Streiche des Betreffenden damit nicht entschuldigt werden können. Der junge Mensch— er ist 19 Jahre alt— hat im Zeitraum vou noch nicht 13 Min. sich Mk. 3400 angeeignet u. die Unterschlagungen durch Fälschung von Büchern und Belegen zu verdecken gewußt. Bei seiner Verhaftung hatte er nur noch Mk. 3 im Besitz.
Vermischtes. —„Klappern gehört zum Hand— werk“, wie ein alter Spruch behauptet. Oder ist es gar kein„alter“? Er hört sich wenigstens in unserer Zeit der Reklame verzweifelt modern au. Das„Handwerk“ thut's heutzutage wirklich nicht allein; man frage nur unsere Handwerker,
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wie vor und nach ihm unzählige Kanzelkollegen. Der berühmte englische Dichter und Gesandte am preußischen Hofe Thomas Carlyle schrieb im vorigen Jahrhundert über Berlin:„Im allgemeinen sind die Unterthanen Friedrichs des Großen arm, faul und eitel“, und er bedauerte den großen König von Herzen, in einem so mangelhaften Jahrhundert geboren zu sein. Rousseau pries begeistert die schöne Zeit seiner Jugend, wie wir die unsre als das „goldene Zeitalter“ preisen, und so wird's bleiben bis in die fernste Zukunft hinein. Denn dieses Moralpredigen ist, nach der Meinung der Kenner, ein notwendiger Ansporn. Dort, wo wir es nicht finden, belehrt uns Professor Hans Delbrück, ist sein Fehlen ein unverkennbares Zeichen von Stagnation, das besonders vor großen Kriegen und Revolutionen in Erscheinung tritt. In Wirklichkeit sind die Klagen fast immer unge⸗ rechtfertigt. So hat sich beispielsweise die Be⸗ völkerung Deutschlands vom Anfang bis zum Ende des Jahrhunderts mehr als verdoppelt, die Lebensbedingungen sind ungleich günstiger ge⸗ worden, die Sterblichkeitsziffer ist im Verhältnis erheblich gesunken, aber unsre„Alten“ hören nicht auf, zu behaupten:„Ja, zu unserer Zeit war es doch anders“! Und die Dichter singen und sagen von der„guten alten Zeit“, die nie⸗ mals existiert hat und niemals existieren wird, aber die Einbildungskraft so 1 a beschäftigt und dem Greise die goldenen Tage der Jugend leuchtend zurückruft.
— Um die schlesische Gemütlichkeit zu beleuchten, erzählt die„Schles. Volksztg.“ folgende Geschichte, die ihr aus dem Ohlauer Kreise mit⸗ geteilt wird. Der Vorfall spielte auf der zweiten Hofjagd in Ohlau. Kaiser Wilhelm I. war nebst dem Kronprinzen und großem Gefolge soeben auf dem Bahnhofe eingetroffen und stand im Be⸗ griffe, die bereitstehenden Wagen zu besteigen, welche zum Teil von wohlhabenden Bauern aus dem Kreise gestellt wurden. Unter diesen befand sich auch der jetzt noch lebende Bauerngutsbesitzer B. aus G. bei Ohlau, ein offener, gerader Maun, aber kein Höfling, der im Besitze aus⸗ gezeichnet schöner Pferde und eines eben solchen Wagens war. Er ließ sich selbstverständlich nicht die Ehre nehmen, selbst zu kutschiren. Fürst v. Pleß sieht den B., der ihn schon bei der ersten Jagd gefahren und der bei ihm wegen der Drollig⸗ keit, mit der er ihn beständig„Herr Pleß, Herr Pleß!“ ohne jegliche andere Titülatur in seiner schnellen Sprechweise anredete, noch in gutem Andenken steht und tritt an seinen Wagen heran, um sich wiederum seiner zu bedienen. In seiner Nähe steht der Kronprinz, nachmalige Kaiser Friedrich, um ebenfalls seinen Wagen zu besteigen. Plötzlich zieht B. eine Flasche aus der Tasche und reicht sie vom Bocke herab dem Fürsten zu mit den Worten:„Na, Herr Pleß sis schien, daoß se wiederkumm'n zu m'r: 87s kaalt heute: hier, nahm'n se und trink' se amol, doas wird Ihn'n schunt wärmen. Sie brauchen sich erndte(etwa) nicht zu fercht'n, s'is guter Kunjack von Kurpache(Korbach, Restaurant am Ringe), 8 Quart kust't o enn Thaler.“ Lachend nimmt der Fürst die dargereichte Erfrischung und nach⸗ dem er einige herzhafte Schlucke genommen, will er sie dem edlen Spender mit Dank zurückreichen. Doch unser B. schmunzelt nun seelenvergnügt über die seinem„Kunjack“ widerfahrene Ehre, ohne Miene zu machen, sein„Butt'lchen“ wieder
sie werden die Antwort darauf nicht schuldig bleiben. Wer am besten zu„klappern“ versteht, der rennt am schnellsten die Konkurrenz über den Haufen. Und wie im Handwerk, so ist's in der Kunst, in der Politik, im Handel und Wandel. Kurz: wir leben in einer Periode des Nieder⸗ gangs, der allgemeinen Fäulnis und Verderbtheit. So behaupten wenigstens alle, die jene„gute alte Zeit“ noch genossen haben. Wir freilich, wir Modernen, ketzerisch und abtrünnig, wie wir sind, wir behaupten just das Gegenteil; wir fühlen uns als Bürger einer großen und herr— lichen Zeit, die nach unserm Urteil, trotz aller Mängel, die ihr anhaften, der vielgerühmten „guten alten Zeit“ in keiner Weise nachsteht. Und wir haben recht, so zu urteilen, wie unsere Vorfahren ihrerseits reiht hatten und unsere Nach⸗ kommen wiederum recht haben werden. Jeder hält eben seine Zeit für die gute, und die Mär von der„guten alten Zeit“ ist daher so alt wie die Welt. Schon ein Philosoph des dritten Jahrhunderts beklagte bitterlich, daß die Erde nur noch„böse und verkümmerte Menschen“ er— zeuge, denen„die Haare ausfielen, noch bevor sie gewachsen wären“, und Luther hat über die
die Gießener Offiziere.
einzustecken und auf den daneben stehenden Herrn, den Kronprinzen zeigend, meint er treuherzig: Gilt, Herr Pleß, dam durte thun se amal schenk'n.“ Und unter fröhlichem Lachen der ganzen Jagdgesellschaft, sowie der umstehenden Menge entsprach der Kronprinz der urwüchsigen Einladung mit jener Liebenswürdigkeit, die ihm überall die Herzen eroberte..
Letzte Telegramme.
Hd. Karlsruhe i. B., 7. Febr. In der Marmorfabrik von Rupp und Möller ist ein Streik ausgebrochen. Sämtliche Arbeiter legten wegen Lohndifferenzen die Arbeit nieder.
Hd. Paris, 7. Februar. Der„Figaro“ führt aus, daß der Schiffs⸗Lieutenant Mandat de Graucey, Militär-Attache bei der Botschaft in Berlin, auf Betreiben des Botschafters Her⸗ bette, dessen Ansehen er wahrscheinlich Abbruch gethan hat, vom Maxine⸗Minister Lockroy ab⸗ berufen worden ist. Der Kaiser hat bei dem letzten Hoffest Herrn de Grancey sein lebhaftes Bedauern über dessen Weggang ausgedrückt. Bei dieser Gelegenheit verbreitete sich das Gerücht
„heutige Verderbtheit“ genau so eifrig gewettert,
von der Abberufung des Botschafters Herbette.


