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Wort, aber eine unumstößliche Thatsache. sich nun die Handwerker in corpore der Sozialdemokratie anschlössen, die ihnen über ihre Lage reinen Wein ein⸗

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Gießen, Mittwoch, den 7. Oktober

1896.

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Ausgabe

Gießen.

undeszeitung.

Redaktion:

f* Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 6. Oktober.(Schluß des Versamm⸗

Es nahm alsdann das Wort Herr Ph. Müller, hessischer Landtags⸗ abgeordneter. Er ist Parteigenosse seines Vorredners

77 Scheidemann und vertritt dieselben Prinzipien wie dieser.

Die Versprechungen, welche die bürgerlichen Parteien dem Handwerk machten, seien billig. Geholfen könne dem Handwerk als solchem auf die Dauer nicht werden. Die

Großindustrie, die fortwährend weiter sich entwickelnde

Technik ruiniere das Handwerk. Das sei ein bitteres

Anstatt, daß

schenke, liefen sie vielfach noch den Bourgeoisparteien

nach, in deren Reihen doch gerade die Leute zu finden seien, die die Kleinen ruinieren. Zwischen Großindustriellen

und Handwerksmeistern sei keine Interessengemeinschaft. Handwerksmeister und Arbeiter hätten beide unter der heutigen kapitalistischen Produktions weise zu leiden. Ebenso auch der kleine Kaufmann. Daraus erkläre sich auch der Zuwachs aus diesen Kreisen zur Sozialdemokratie. Jeder kleine Kaufmann und Handwerker, der sich über unsere heutigen Verhältnisse klar geworden sei, müsse Sozial⸗ demokrat werden. Redner erörtert dann die prinzipiellen Unterschiede zwischen Freisinn und Sozialdemokratie. Erstere selen Individualisten, letztere Kommunisten. Die indivi⸗

daualistische Produktion sei anarchistisch. Es sei auch nicht

zu leugnen, daß zwischen Freisinnigen und den Anarchisten eine ziemlich nahe Verwandtschaft bestände. Der Sozia⸗ lismus wolle gerade diese anarchistische Produktionsweise von heute beseitigen. Redner kritisiert dann noch das Verhalten der Freisinnigen gegenüber den Militärforde⸗ rungen und schließt mit dem Wunsche, daß der Wahlkreis den Reformern entrissen und den Sozialdemokraten ge⸗ wonnen werden möge. Herr Kaufmann Krumm erklärt, daß die sozialdemokratische Partei an der Landtagswahl sich nicht offiziell beteiligen würde. Es werde jedoch er⸗ wartet, daß Sozialdemokraten, die wählen wollten, ihre Stimmen zu Gunsten des Herrn Metz abgeben würden, da dieserdas kleinere Uebel sei. Es nimmt hierauf Herr Stengel das Wort und wendet sich gegen die Ausführungen Scheidemanns. Dieser habe zwar den Freisinnigen recht viel Böses nachgesagt, aber von dem sozialdemokratischenZukunftsstaat habe er kein Wort geredet. Nicht zwischen Freisinnigen und Anarchisten, wie Müller gesagt habe, bestehe eine Seelenverwandschaft, sondern zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten. In ähnlicher Weise spricht sich Herr Dr. Gutfleisch aus. Er präzisiert genau die Stellung der freisinnigen Volks⸗ partei gegenüber den militaristischen Forderungen und

weist die Angriffe auf seine Partei zurück. Das Bündnis,

welches eine Zeit bei den Stadtverordnetenwahlen zwischen der nationallineralen und seiner Partei geschlossen wurde, hätte sich nicht gegen die Sozialdemokratie, sondern gegen die Bezirkskandidaturen gerichtet. Das Handwerk lasse sich von den Sozialdemokraten nicht auf den Zukunfts⸗ staat vertrösten. Unserem Handwerkerstand in Gießen sei jeder Vorteil, den man ihm heute schon bieten könne, viel angenehmer. Die freisinnige Partei sei bereit, dem kleinen Mann schon jetzt beizuspringen, wo sie könne. Nachdem noch Herr Metz sein Verhalten in der hessischen Kammer ausführlich geschildert hat, kommen die Herren Scheide⸗ mann, Krumm und Stengel noch einmal zu Worte. Ersterer meint, es mache immer einen niederdrückenden Eindruck auf ihn, wenn gebildete Leute, wie die beiden frelfinnigen Redner, auf die Märchen vom Zukunftsstaat zu sprechen kämen. Er und seine Parteigenossen ver⸗

wendeten ihre Zeit besser als mit Träumereien über den

Zukunftsstaat. Daß die freisinnigen Herren so besonders für den Gießener Handwerker⸗ und Mittelstand eingetreten seien, habe man gelegentlich der Abstimmung über die Verlegung des Viehmarktes nicht bemerkt. Die Herren von der freifinnigen Volkspartei möchten behilflich sein, daß auch seiner Partei ein Saal in Gießen zur Ver⸗ fügung gestellt werde. Er sei jeden Tag bereit, in öffent⸗ licher Versammlung ausführlich auseinander zu setzen, was seine Partei wolle. Herr Stengel war der letzte Redner. Er schilderte in kurzen Worten den Verlauf der Versammlung und wandte sich nochmals gegen die sozlaldemokratischen Anschauungen. Um 9 Uhr schloß sodann Herr Eichen auer nach fünfstündiger Dauer die Versammlung mit einem Hoch auf das Vaterland.

Gießen, 6. Oktober.(Ergebnis der gestrigen Landtagswahl in Gießen⸗ Stadt.) Von 2573 eingeschriebenen Wählern zur Landtagswahl haben 923 ihr Stimmrecht ausgeübt. 464 Stimmen wurden für die 45 Kandidaten der freisinnigen Volks⸗ partei abgegeben. Die Liste der National- liberalen erhielt 451 Stimmen; 8 Zettel waren ungültig. Die Wahl des Herrn Rechts⸗ anwalt Metz⸗Gießen ist somit gesichert.

* Gießen, 5. Oktober.(Militärdienst⸗ nachrichten.) Dr. Hochheimer, Unterarzt vom Juf.⸗Regt. von Stülpnagel(5. Branden⸗ burg.) Nr. 48, unter Versetzung zum 2. Großh.

ef Drag.⸗Regt.(Leib Drag.⸗Regt.) Nr. 245

k. Ries gen. Hagedorn, Unterarzt der Ref. vom Landwehr⸗Bezirk Mainz, zu Assistenz⸗ ärzten 2. Kl. befördert; Dr. Vogel, Stabs⸗

arzt der Landwehr 2. Aufgebots vom Landwehr⸗ Bezirk Gießen, der Abschied bewilligt.

Gießen, 6. Oktober. Wir hören aus zuverlässiger Quelle, daß die Gendarmerie dem sträflichen Handeln eines Mannes aus einem Dorfe im Kreise Gießen auf die Spur gekommen sei. Derselbe soll eine dem Verenden nahe Kuh geschlachtet, deren Fleisch zum größten Teil nach Gießen gebracht und hier auch Ab⸗ nehmer gefunden haben. Die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ist bereits erstattet.

Gießen, 6. Oktober.(Stadttheater.) Wie es sich die Direktion unseres Stadttheaters angelegen sein läßt, die Theaterbesucher zu be⸗ friedigen, bewies die gestrige Aufführung des Lustspiels von Blumenthal und Kadelburg Mauerblümchen. Nicht allein nach jedem Aktschluß, bei offener Szene wurden die Dar steller für ihre vortrefflichen Leistungen mit Bei⸗ fall überschüttet. Die hauptsächlichsten Figuren stellten Herr Helm als Tapetenfabrikant Wör⸗ mann, Frl. Clementine von Winterstein als dessenBraut, G. Fritzschler, als des Tapeteufabrikanten Neffe und Fräulein Egger als Edith Marburg. Auf vielseitigen Wunsch wird heute Abend nochmalsDer Hypochonder über die weltbedeutenden Bretter schreiten. Es wäre aber nun endlich an der Zeit, daß unser Publikum den Bemühungen des Stadttheaters etwas mehr Juteresse entgegenbrächte.

* Gießen, 6. Okt. In der nicht öffentlichen Sitzung der letzten Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung genehmigte das Kollegium die Ver⸗ pachtung des Thorhauses am Neustädter Thor zur Herrichtung desselben als Station s⸗ gebäude für den Personenverkehr der Bieber thalbahn.

* Gießen, 6. Okt. Bei der gestrigen Lan d⸗ tagswahl hatten bis zur Mittagspause von 10 Uhr Vormittags bis 1 Uhr 400 Wähler ihre Stimme abgegeben. Der stärkste Andrang war jedoch in der letzten Stunde von 56 Uhr Abends. Es wählten in dieser Zeit nicht weniger als 225 Personen, also beinahe der vierte Teil der Wählerschaft, soweit dieselbe überhaupt das Wahlrecht ausübte.

* Gießen, 5. Oktober.(Arbeiter-Fahr⸗ karten.) Ueber die Benutzung von aaf durch Arbeiter mit Arbeiterfahrkarten sind auf den preußischen Bahnen die folgenden neuen Bestimmungen erlassen worden: 1. Mit direkten Arbeiterfahrkarten versehene Arbeiter, die auf Unterwegsstationen umsteigen müssen, sind mit dem nächsten Zuge, der die 4. Wagenklasse führt, weiter zu befördern. In Ermangelung der Klasse hat die Beförderung in der 3. Klasse zu erfolgen. 2. Arbeiter, die mangels direkter Fahr⸗ karten auf einer Unterwegs- oder Uebergangs⸗ station Arbeiterfahrkarten zur Weiterfahrt nach der Arbeitsstelle nachlösen, sind mit dem nächst fälligen die 4, oder 3. Klasse führenden Zuge weiter zu befördern. 3. Soweit auf besonderen Antrag einzelnen Arbeitern die Benützung anderer Züge oder die Benützung bestimmter Züge an Sonn⸗ und Feiertagen auf Arbeiterrückfahrten genehmigt ist, bleiben diese Ausnahmen bestehen. 4. Die den Stationsvorständen zustehende Be⸗ fugniß, ausnahmsweise in einzelnen dringenden Fällen den Arbeitern die Rückfahrt nach dem Wohnorte auch an anderen als den ein⸗ für allemal bestimmten Tagen oder mit anderen als den zugelassenen Zügen zu gestatten, bleibt durch vorstehende Bestimmuungen unberührt. 5. Alle Härten, die geeignet sein könnten, den Ar⸗ beitern die Ausübung ihrer Erwerbsthätigkeit zu erschweren, sollen vermieden werden. Zu be⸗ grüßen ist, daß gleichzeitig mit dem Erlaß dieser Verfügung nun fast alle Wagen 4. Klasse mit Sitzbänken versehen wurden.

* Langgöns, 6. Oktober. Am Sonntag feierte Herr Förster Bergk sein fünfund⸗ zwanzigjähriges Dienstjubiläum. An⸗ läßlich dieser Feier ließen ihm die Gemeinde, die Waldkultur⸗Arbeiter und die Kollegen je ein Geschenk überreichen. Die Feier fand in dem GasthauseZum Gambrinus statt, in dem die zahlreichen Gäste den Tag in heiterster Stimmung verlebten. Möge der allfeitig beliebte Jubilar noch lange Jahre seines Amtes walten.

* Bad Nauheim, 5. Okt. Bekanntlich wurden die Staatsarbeiten au dem Badehaus Nr. 6 an den Bauunternehmer Morschel in Friedberg aus freier Hand vergeben, nur die Installationsarbeiten und die Heizanlagen wurden an andere Firmen übertragen. Die hie⸗ sigen Bauhandwerker haben nun eine Petition an die zweite Kammer der Stände zur Unter⸗

schrift offen gelegt, wonach in Zukunft staat⸗

4. rufen werden mußte.

liche Neu- und Reparaturarbeiten, wenn irgend möglich, an ortsangesessene Gewerbetreibende vergeben werden mögen oder wenigstens ein⸗ heimischen Firmen Gelegenheit gegeben werden soll, sich um solche Arbeiten zu bewerben. Im Fragefall soll blos wegen der Dringlichkeit die Vergebung der Arbeit aus freier Hand erfolgt sein. Der regelrechte Weg ist der Submissions⸗ weg, Ausnahmen sind aber in Dringlichkeitsfällen zulässig.

* Darmstadt, 5. Oktober. Lieutenant von der Mülbe vom 115. Regiment hat heute durch einen Schuß in das Herz sich getötet. Die Ursache ist unbekannt.(Frkf. Ztg.)

* Offenbach, 5. Oktober. Ueber einen vor 5 Jahren unschuldig Verurteilten hatte nach derO. Ztg. das Schöffengericht dieser Tage zu befinden: Im Jahre 1891 war ein aus Stalitzky in Polen stammender und zu Darmstadt wohnhafter Hausterer unter Anklage gestellt worden, in der Wirtschaft zumRitter von St. Georgen zu Mannheim ein einem Gast entfallenes Zehnmarkstück an sich gebracht zu haben. Die Verhandlung fand dieserhalb vor dem hiesigen Schöffengericht statt und Angeklagter wurde auf Grund der eidlichen Aussage des Hausburschen in genannter Wirtschaft wegen Diebstahls zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Angeklagter hat die Strafe hingenommen und auch verbüßt. Im vorigen Jahre hat er ein Verfahren wegen Meineids gegen den Haus⸗ burschen veranlaßt, in dessen Verlauf dieser flüchtig ging. Sodann hat er beim verurteilen⸗ den Gerichte die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt, welcher Antrag zugelassen wurde und heute zur Verhandlung steht. Es 1 dem Verurteilten, durch Zeugen die Unrichtigkeit der Aussage des Hausburschen in manchen Punkten nachzuweisen, wodurch das Gericht in die Lage versetzt war, das frühere verurteilende Erkenntnis aufzuheben und den Angeklagten freizusprechen. Der Vorsitzende bedauerte, daß der Angeklagte das frühere Urteil durch Berufung nicht ange⸗ fochten, sondern die Strafe verbüßt habe.

* Offenbach, 5. Okt. Die in voriger Woche eröffnete Nebenbahnstrecke Offenbach-Die⸗ burg⸗Reinheim wurde bisher schon außer⸗ ordeutlich stark benutzt. Gestern, am ersten Sonn⸗ tag seit der Eröffnung, war der Verkehr ganz enorm. In Offenbach hielten dicht gedrängte Massen den Bahnsteig besetzt. Der Verkehr war trotz der langen Züge kaum zu bewältigen. Eine Lokomotive wurde am Nachmittage unterwegs defekt, sodaß eine weitere Maschine zu Hilfe ge⸗ Die dichtbesetzten Züge fuhren von da ab mit zwei Maschinen. Heute früh, am Anfang der ersten vollen Woche, hatte der erste hier einfahrende Zug 16 Wagen und doch konnten die Arbeiter, die ihre Arbeitsstätten in Offenbach aufsuchten, nicht alle in den langen durchgehenden Wagen Unterkunft finden, sondern es mußten viele auf der Plattform stehen. Bei diesem Verkehr wird die Bahn bald ein weiteres Geleise benötigen.

* Mainz, 5. Oktober. In einer von mehr als 4000 Personen besuchten Volksversamm⸗ lung, die in der Stadthalle stattfand, sprachen

estern Vormittag die beiden sozialdemokratischen zandtagskandidaken Dr. David und Schrift⸗ setzer Haas, sowie der Reichstagsabgeordnete Liebknecht. Liebknecht wurde mit lebhaftem Beifall empfangen.

* Mainz, 3. Oktober. Vor dem Schwur⸗ gericht stand heute der 22 jährige Taglöhner Franz Joseph Barth aus Höchst a. M., an⸗

eklagt der Körperverletzung mit töd⸗ 17 Erfolge. Er hat am 28. Juli zu Kastel auf einem Holzlagerplatze dem Arbeiter Günther, der ihn geschlagen und verfolgt hatte, mit einem Holzkeil derart auf den Kopf ge⸗ schlagen, daß die Schädeldecke verletzt wurde und Günther noch in der Nacht verschied. Die Ver⸗ teidigung plaidierte auf Notwehr. Die Ge schworenen verneinten die Schuldfrage, worauf Freisprechung erfolgte.

Mainz, 5. Okt. Ein Soldat vom In⸗ fauterie-Regiment Nr. 117 wurde zu drei Monaten Festungsstrafe verurteilt, weil er die von einem Kameraden geplante, ihm zur Kenutnis gekommene Desertion nicht zur Anzeige gebracht hatte. In Kastel wurde ein Deser⸗ teur vom Dragoner-Regiment Nr. 23 aus Darmstadt festgenommen, der in den Manövern zu Wörrstadt einen Einbruchsdiebstahl be⸗ gangen, einen Civilanzug und 40 A4 an Geld entwendet und noch mehrere Kameraden bestohlen hatte. Die Uniform hatte er vergraben. Der Besuch der Stadthalle war gestern den ganzen

Tag, auch für eine abendliche Theater⸗Vorstellung, sämtlichen Angehörigen der Garnison ver⸗ boten, weil die Sozialdemokraten Vor⸗ mittags mit Erlaubnis der Bürgermeisterei im

roßen Saale eine Wähler⸗Versammlung abge⸗ Aden hatten.

Die Landtagswahlen in Hessen.

* Mainz, 5. Okt. Bei der heute stattge⸗ habten Wahl zur zweiten Kammer des hessischen Landtages siegte die Wahlmännerliste der sozialdemokratischen Partei. Von 9117 Wahlberechtigten stimmten 4360 ab. Es erhielten die Sozialdemokraten 1635, die Zentrumspartei 1271, die National⸗ liberalen 799 und die vereinigten Demo⸗ kraten und Deutsch⸗Frseisinnigen 654 Stimmen. Als gewählt sind zu betrachten die Herren Dr. Ed. David(früher Gymnastal⸗ lehrer in Gießen) und Schriftsetzer Ph. Haas. In Mainz⸗Land wurde der ultramontane Rechtsanwalt Dr. Frenay gewählt. Im neuntenrheinhessischen Landtagswahl⸗ bezirk(Mombach, Gonsenheim, Finthen, Ingel⸗ heim, Sauerschwabenheim) siegte bei der heutigen Wahlmännerwahl der deutschfreistnnig⸗ultramon⸗ tane Compro mißzettel, trotz erheblichen Stimmenzuwachses der Sozialdemokraten.

* Friedberg, 5. Oktober. Hier wurden die Wahlmänner für die Wiederwahl des seit⸗ herigen Abgeordneten Justizrat Jöckel(utl.) gewählt. Eine Gegenliste war diesmal nicht aufgestellt.

* Offenbach a. M., 5. Okt. Die ver⸗ einigten Bürgerparteien erhielten 1352, die Sozialdemokraten 1563 Stim⸗ men. Die Wahl des sozialdemokratischen Reichs⸗ tagsabgeordneten Ulrich ist damit gestchert.

* Darmstadt, 5. Oktober. Hier siegten die Wahlmänner der Nationalliberalen Wolfs kehl und Schmeel mit ganz geringer Ma⸗ jorität.

Bingen, 5. Oktober. Die von dem Ko⸗ mitee der vereinigten Parteien aufgestellte Wahlmännerliste ging unter schwacher Be⸗ teiligung durch. Die Wiederwahl des seitherigen 1 i Redakteur Pennrich ist sicher.

Sehwurgericht.

W. Gießen, 6. Oktober.

In der Verhandlung gegen Konrad Strack von Homberg a. d. Ohm bejahten die Ge⸗ schworenen die aus den§§ 173 und 174 des deutschen R.⸗St.⸗G. an sie gerichtete Schuldfrage und verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu 6 Jahren Zuchthous und sprach dem⸗ selben auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren ab.

Gießen, 6. Oktober.

Heute Vormittag um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Möbius die Sitzung. Es wird in die Verhandlung gegen den noch unbestraften, ver⸗ heirateten Maurergesellen und Taglöhner Heinrich Man⸗ gold zu Rainrod wegen Meineid eingetreten. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Weidig. 15 Zeugen sind zu hören. Die Beschlußkammer des Landgerichts Gießen hatte die Sache vor die Strafkammer verwiesen, weil sie der Meinung war, der Angeklagte habe nur fahr⸗ lässig geschworen. Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft hob das Oberland gericht Darmstadt den ergangenen Beschluß wieder auf und verwies die Sache an das Schwurgericht, weil es annahm, daß Mangold wissentlich falsch geschworen habe. Der Thatbestand der Anklage ist der folgende. Am 6. Juli 1895 hatte der Angeklagte mit Johannes Georg in Rainrod Streit, wobei dieser jenem eine Verletzung beibrachte. Diese Rauferei kam am 14. Oktober vor dem Schöffengericht zu Alsfeld zur Ver⸗ handlung und ichtete sich die Anklage gegen Georg wegen Körperverletzung. Der damals als Zeuge vernommene heutige Angeklagte hatte aber am Tage vor dieser Schöffengerichtsverhandlung wieder gerauft, und zwar in der Düringschen Wirtschaft, wobei er leicht an der Backe verletzt worden war. Vor den Schöffen beschwor nun der Angeklagte, er habe sich die Verletzung an der Backe durch einen Fall über eine Wagendeichsel zugezogen. Diese Behauptung soll nun wissenlich falsch abgegeben sein. Der Angeklagte, welcher sich bei der Vernehmung in die ärgsten Widersprüche verwickelt, bleibt zum Schluß

dabei, er habe in Alsfeld vor den Schöffen die Wahrheit beschworen.

Der als Zeuge vernommene Heinrich Hafer mehl von Rainrod schirdert die Rauferei in der Düringschen 14 Wirtschaft, bei welcher der Angeklagte zum Schluß vor Ob Mangold schon in der

die Thüre geworfen wurde. Wirtschaft geblutet, weiß der Zeuge nicht, im Hofe der Düringschen Wirtschaft stand kein Wagen, über den der

Hinausgeworfene hätte fallen können. Mangold sei an 1