Ausgabe 
7.8.1896
 
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Gießen, Freitag, den 7. Angust

1896.

Ausgabe

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Adeszeitung.

Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

68 .

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 6. August. Eine eben veröffent⸗ und Darlehnskassen in Hessen ergiebt, daß

aus den Ueberschüssen von 1894 neun Darlehns⸗

kassen zusammen 7873, für

gemeinnützige wecke aufwendeten, 1895 sieben Darlehnskassen 3652. Zu diesen Zahlen wird bemerkt, daß sie nur einen Teil der Aufwendungen ent⸗ hielten, da andere regelmäßige Aufwendungen von Genossenschaften für milde Stiftungen ꝛc. für die Statistik nicht genannt würden. Zahl⸗ reiche andere ländliche Genossenschaften sind erst in den letzten Jahren gegründet und können noch keine Aufwendungen machen.

* Gießen, 6. August. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr fand auf dem Grundstück des städt. Gas⸗ und Wasserwerks unter Teilnahme von Mitgliedern der Gas⸗ und Wasse werks⸗Depu⸗ tation, des gesamten Beamten- und Arbeits⸗ personals, sowie der Fabrikanten des neu zu errichtenden Gasbehälters Nr. 4 die einfache, aber schöne Feier der Grundsteinlegung dieses Gasbehälters statt. Auch einige Damen hatten sich zu dem feierlichen Akt ein⸗ efunden. Herr Direktor Bergen eröffnete die Heier mit einer Ausprache. Er führte aus, daß ein bedeutungsvoller Augenblick in dem Bau dieses neuen Gasbehälters herangekommen sei. Die Gründung und ein wichtiges Stück seines eisernen Aufbaues sei vollendet. Reduer fuhr fort, daß die auszuführenden Beamten, einem schönen Brauche folgend, eine Urkunde und einige Schriftstücke einfügen wollen über die Geschichte des Werks und dieses in Ausführung begriffenen Gasbehälters, zum Gedächtnis für fernere Nach kommen. Dabei wolle die Verwaltung aber auch dem Stadtvorstand, ihrer Deputation und ins⸗ besondere dem Oberbürgermeister Gnauth, der die Entstehung auch dieses Werkes auf das That⸗ kräftigste gefördert habe, ihren Dank aussprechen. Indem diese Dokumente eingefügt werden unter dem Pfeiler des Werkes, erbittet der Redner den Segen des Allerhöchsten zum gelungenen An⸗ fang desselben, zu seiner meisterhaften Fortführung und glücklichen Vollendung. Redner schloß seine Ansprache mit den Worten: Möge unser Gas⸗ behälter Nr. 4 unserer lieben Vaterstadt Gießen und der gesamten Einwohnerschaft zum Segen gereichen bis in die fernsten Zeiten, möge derselbe eine immer mächtiger strömende Quelle werden von Licht, Wärme und Kraft! Das walte Gott. Herr Assistent Förtsch verlas sodann die in das

Fundament des Behälters einzufügende Urkunde . Der Beigeordnete Wolff führte hierauf die ersten 3 Hammerschläge mit seinem Glückwunsch für das Werk, unsere Vaterstadt und deren Be⸗

bohner, welchem Zermoniell sich die übrigen Versammelten unter sinnig gewählten Sprüchen

anschlossen.

Hiermit war der feierliche Akt be⸗ endet.

Auch wir unsererseits, die wir durch

Funseren Verichterstatter bei der Feier vertreten 0

waren, geben in Gedanken die drei Hammer⸗

schläge mit den Worten: Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen. Wir wählen den Spruch als Antwort auf die erstaunte Frage des Herrn Direktor Bergen an unseren Berichterstatter, woher jener denn von dem Festakt Kunde erhalten. Der neue Gas⸗ behälter, dessen erhöhtes Fundament aus reiner Kiesbettung, die mit Asphalt abgedeckt ist, be⸗ steht, hat einen Bassindurchmesser von 23,3 Meter und eine eben solche Höhe von 6,8 Meter. Die Glocke faßt bei 22 Meter Durchmesser und einer Höhe von 8,5 Meter einen Inhalt von 2500 Cubikmeter Gas. Durch sogenannte Teleskopie⸗ rung ist, wenn später nötig, die Möglichkeit ge⸗ geben ohne den Durchmesser und die Höhe des Ganzen zu ändern, den Fassungsraum zu ver⸗ doppeln. Der Gasbehälter ist von der Braun⸗ schweiger Dampfkessel- und Gasmotorenfabrik, ent Aug. Wilke u. Co., zu Braunschweig ge⸗ iefert.

Gießen, 6. Aug. Heute Morgen wurde zwischen je einem Fahrer der Wanderer G.⸗R.⸗G. und dem Radfahrer⸗Verein Gießen ein Privatmatch ausgefochten. Es galt, die Strecke Gießen Steinberg 6 Kilometer) am schnellsten zu nehmen. Während Minuten wurde die Tour gemacht. Das Mitglied der Wanderer siegte mit einem Vor⸗ sprung von 150 Meter. Der Austrag der Wette geschah in heiterster Stimmung in der Aufer stehung beim Frühschoppen, der heute Morgen allerdings etwas länger dauerte.

* Gießen, 6. August. Eine schöne Abend⸗ unterhaltung bot gestern Abend das Konzert der ungarischen National-Kapelle in Steins Garten. Der temperamentvolle Cha rakter, diese Eigentümlichkeit der ungarischen Nationalweisen, kam im gestrigen Konzert so recht zum Ausdruck.Czardas, die Weisen der Nationaltänze, waren auf dem Programm ver⸗ schiedene vorgesehen. Kapellmeister Vilmos Budai kennzeichnete sich als Violin⸗Virtuose. Wie sehr die Leistungen der Kapelle den zahlreich erschie⸗ nenen Zuhörern after bewies der rauschende Beifall, der die Musikerschar nach jeder einzelnen Nummer zu einer Zugabe zwang.

* Gießen, 6. August. Auf dem gestrigen Schweinemarkt waren 6700 Stück Vieh, zu zwei Drittel Ferkel, aufgetrieben. Schon zu Beginn des Marktes waren zahlreiche Käufer erschienen und der Handel setzte sofort flott ein. Die Preise aller Sorten Schweine zogen gegen den letzten Markt stark an. Gesucht und sehr hoch bezahlt wurden schwere Läufer, doch wurde hierin der Markt nicht ganz geräumt, weil die Verkäufer in Rücksicht auf die Tendenz des Marktes hohe Forderungen stellten und nicht mit sich handeln ließen. Fettvieh, welches nur ver⸗ einzelt aufgetrieben, war sehr gefragt und wurde gut bezahlt. Die Preise, die erzielt wurden, sind die folgenden: Ferkel, 67 Wochen alt, 24 28, bis 13 Wochen alt, 4050, Läufer,/ jährig, 6575, jährig, 80 bis 100, schwerere Ware wurde bis 120. be⸗

zahlt. Die Preise verstehen sich sämtlich pro Paar. Fettvieh kostete 4548/ pro 50 Kilo Schlachtgewicht. Nach der Tendenz unseres letzten Marktes scheint es, als wenn die Preise für Schlachtvieh zum Herbst hin steigen werden, da das magere Material besonders bei Schweinen schon jetzt verhältnismäßig hoch im Preise steht.

Eberstadt(b. Lich), 5. August. Heute Nachmittag 4 Uhr wurde die von der Firma Beduwe-Aachen, durch deren Vertreter Gail Gießen unserer Gemeinde gelieferte neue Saug⸗ und Druckspritze in Anwesenheit des Regie⸗ rungsrats Dr. Wallau, Kreisfeuerwehrinspektor Loos, beide von Gießen, sowie des Gemeinde-Vor⸗ standes einer technischen Prüfung unterzogen und für ausgezeichnet befunden. Das Resultat ergab größere Leistungsfähigkeit, als durch die Garantie bedingt verlangt werden konnte. Jeder Ge meinde können wir daher die Beduweschen Spritzen zur Anschaffung bestens empfehlen.

Butzbach, 4. August. Der dritte Flügel der hiesigen n e eht seiner Vollendung entgegen. Sämtliche Arbeiten bis auf einen kleinen Rest der Weißbinderarbeit sind vollständig beendigt. Mit 1. Oktober l. J. wird der neue Teil der Anstalt bezogen werden können. Der neu errichtete Bau mit zwei Beamten⸗ wohnungen ist ebenfalls soweit fertiggestellt, daß er gleichzeitig mit dem neuen Gefängnis⸗ flügel bezogen werden kann.

Bad Nauheim, 4. August. Gestern veranstalteten Herr und Frau Meunier-Sélar aus Frankfurt a. M. auf der Terrasse des Kur⸗ hauses ein großes Kinderfest, das bei sehr zahlreicher Beteiligung einen sehr schönen Ver⸗ lauf nahm. Das Kurpublikum sah mit lebhaftem Interesse dem fröhlichen Treiben der Kleinen zu, die sich während zweier Stunden bei mannig⸗ fachen Spielen ergötzten. Bei der Veranstaltung wirkte die Kurkapelle unter Leitung des groß⸗ herzoglichen Musikdirektors Herrn C. Machts mit. Zum Schluß wurden zwei größere Luft⸗ ballons, natürlich ohne Insassen, aufgelassen, die eine ziemliche Höhe erreichten; der eine Ballon fiel, wie eine eingegangene Meldung besagt, in Wiesbaden.

* Nidda, 5. August. Die schweren Wetter der letzten Woche und in ihrem Ge⸗ folge die mehrtägigen Landregen hatten die Landleute mit bangen Sorgen wegen der liegen⸗ den Frucht erfüllt. Diese Sorge ist durch den eingetretenen Sonnenschein wieder gehoben. Der Regen hat jedoch die gute Wirkung gehabt, daß er endlich einmal durchgedrungen ist. Am Samstag Nachmittag schlug der Blitz zwei⸗ mal ein; in der Nähe des Forsthauses Glaub zahl in den Wald und in Unter⸗Schmitten in die Wohnung des Fabrikarbeiters Uhl, jedoch ohne weiteren Schaden zu thun. Ueberaus reich fällt die Ernte der Bohnen und Gurken aus, auch die Kartoffeln geben reichlichen und guten Ertrag; jedoch thun die Engerlinge an Kartoffeln und besonders an Dickwurzeln em⸗ pfindlichen Schaden; die Wiesen sehen stellen

weise geradezu trostlos aus. Auch die Blattläuse haben an Bäumen großen Schaden gethan.(D. Z.)

* Mainz, 5. August. Zu den großen Kavallerieübungen, die in den nächsten Wochen dahier stattfinden, sind bereits einige Offiziere und Mannschaften angekommen, um die Vorbereitungen für die Unterbringung von Mann⸗ schaften und Pferden zu treffen. Die Nachbar⸗ orte erhalten Einquartierung; die Pferde werden in Schuppen und Zeltlager eingestellt. Letztere werden bei Kastel und in der Umgebung des Sandbruchs erbaut.

* Mainz, 5. August. Die vier hier be⸗ stehenden kaufmännischen Korporationen: der Kaufmännische Verein, der Katholische Kauf⸗ männische Verein, der Kaufmännische Verein Merkur(Kreisverein Mainz im Verbande Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig) und die Sektion Mainz des Vereins für Handlungs⸗ kommis von 1858 zu Hamburg haben an die Großh. Bürgermeisterei und Stadtverordneten⸗ Versammlung eine Eingabe gerichtet, worin sie ersuchen, eine endgültige Regelung der Sonntagsruhe durch ein Ortsstatut herbei⸗ zuführen, in dem u. a. die einheitliche Schlußzeit für alle Geschäfte und für das ganze Jahr auf 1 Uhr nachmittags festgesetzt wird. In letzter Zeit ist hier wiederholt an der Sonntagsruhe gerüttelt worden; der Verein Mainzer Kaufleute und die Großh. Handelskammer sind dafür, daß die Schlußzeit auf 2 Uhr, bezw. 3 Uhr hinaus⸗ geschoben werde, während viele Geschäftsinhaber den Schluß um 1 Uhr befürworten.

Vermischtes.

Ohne Grund im Irrenhaus. Das Berliner Tageblatt bringt folgende Notiz, für die wir ihm die Verantwortung überlassen müssen: Vier Jahre im Irrenhaus hat ein Mann zubringen müssen, dessen Behauptungen, weil sie als Ergebnisse geistiger Störungen aufgefaßt wurden, seine Internirung veranlaßten, und die nunmehr mit Hilfe der Röntgenstrahlen bestätigt worden sind. Es handelt sich um einen Konditorgehilfen, der im Jahre 1886 in Hamburg, als er wegen eines Vergehen verhaftet wurde, einen Selbstmordversuch mittelst Revolvers beging. Er behauptete seitdem, eine Kugel im Kopfe zu haben und führte die Kopfschmerzen, an denen er bestän⸗ dig litt, darauf zurück. Nach Beendigung seiner Strafhaft ließ er sich, wie er angiebt in ein Hamburger Kranken⸗ haus aufnehmen, seine fortgesetzten Behauptungen jedoch von derKugel im Kopf wurden Anfangs als Simu⸗ lation, später als Geisteskrankheit angesehen, und da er ferner einen Streit mit einem andern Kranken, der in Thätlichkeiten ausartete, veranlaßte, wurde er als Geistes⸗ kranker, der gleichzeitig als gemeingefährlich angesehen wurde, in die Hamburger Irrenanstalt und von da im Jahre 1890 in die Irrenanstalt in Nietleben bei Halle überführt. Vor seiner Ueberführung wurde er, wie er versichert, einem Inquisitorium unterworfen, und erst als er trotz ärztlichen Abratens bei der Behauptung verblieb, er habe eine Kugel im Kopf, erfolgte seine Internirung. In Nietleben befand sich der angeblich Geisteskranke vom Oktober 1890 bis April 1895 und wurde dann als ge⸗ bessert und arbeitsfähig entlassen, nachdem sich der An⸗ staltspastor für ihn verwendet hatte und derKranke selbst schriftlich und mündlich erklärt hatte, er sehe seinen

Das blaue Herz.

Roman von Karl Ed. Klopfer. (Nachdrud verboten.) .(Fortsetzung.)

Kein Wunder! Ich bin so aufgeregt, flüsterte Ignaz und faßte sie an der Hand, die sie ihm wie in momentaner Zerstreuung überließ.Fragen Sie jetzt nichts weiter, ich bitt! Sie! Es wird ja Alles ohnedies nur zu bald für Alle offenbar werden.

Er hauchte einen Kuß auf ihre rundliche Hand, drückte dieselbe dann an seine Brust und riß sich in elwas pathetischer Pose von ihr los.

So jetzt geh' ich meinem Fassung entgegen! Melden Sie Wetti! Wir sehen uns dann in

stunden wieder, um ein gewisses miteinander zu ordnen. g

Derpoetische Schwung in Nazis ganzem Wesen übte auf Wettis empfindsames Herz eine gewaltige Wirkung aus. Obgleich sie andererseits ö

Schicksal mit mich, geliebte freundlicheren Tauschgeschäft

vor Wißbeglerde schier platzte, unterdrückte sie weitere n, nickte dem Burschen teilnehmend zu und

lte ihre Schritte nach dem Arbeitszimmer des

Ah.

4 der Bediente des Herrn v. Fröden! sag e der Baron,

als Nazi auf der Schwelle

Mit Verlaub nein, entgegnete dieser.Ich nicht als der Lakai des Attaches mein

hat mit dem, was ich dem Herrn Baron mit⸗ zuteilen habe, nicht das Geringste zu thun. Er

nicht einmal, daß ich hierhergegangen bin. be in Allem, wozu ich mir das Gehör des

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Herrn Barons erbitte, ganz auf eigene Faust gehandelt. i

Erklären Sie sich näher! befahl der Freiherr sehr befremdet.Wen betrifft denn die Sache?

In erster Linie den Grafen Degenstein.

Meinen Sie wieder die leidige Geschichte mit jenem goldenen Berlok, dann begreife ich nicht, warum Sie sich nicht gleich an den Grafen selbst wenden. a

Dies wollte ich eben Ihnen, Herr Baron, überlassen, sobald Sie mich vernommen hätten. Von dem blauen Herzen könnte ich allerdings an⸗ fangen indem ich zu behaupten wage, daß ich jene zwei Personen, von denen das Medaillon da⸗ mals in München verloren wurde, jetzt bestimmt bezeichnen kann. 5 a

Schön. Das wird den Grafen wohl freuen, aber

Pardon! unterbrach Ignaz mit einem ver⸗ bindlichen Kratzfuß.Das glaube ich kaum, denn ich werde ihm in's Gesicht sagen müssen, daß jene zwei Personen wirklich Graf und Gräfin Degen stein gewesen sind.

Effenberg machte verwunderte Augen, weniger vielleicht über diese Behauptung selbst, als über den degagierten Ton und die geradezu weltmännische Haltung dieses jungen Menschen, den er neulich fast für einen Tolpel erklärt hätte.

Ignaz ließ sich auch nicht mehr aus der Fassung bringen. Jetzt stand er wahrhaftig nicht als Bedienter da, sondern als freier Mann gegen⸗ über dem andern, völlig durchdrungen von der

Mission, deren Vorbereitungen ihm nach und nach

eine höhere moralische Reife verliehen hatten. Und nun, wo er wußte, was er wollte und sollte, war mit einem Male auch alle Baugigkeit von ihm ge nommen, und die Worte flossen ihm wohlgeordnet und treffend von der Zunge.

Ich hätte schon neulich dabei bleiben sollen, aber der Graf schüchterte mich durch sein ganzes Auftreten ein. Ich konnte den Widerspruch nicht losen zwischen seiner Ableuguung, deren Zweck ich nicht begriff, und meiner Ueberzeugung, daß doch er, er jener Herr sei, der damals die maskierte Dame als seine Schwester in den Friseurladen brachte.

Ich begreife nicht wozu, warum hm! Ueberhaupt wenn Sie Ihrer Sache doch so ge wiß waren und ihn sofort wiedererkannt haben....

Ja ganz dieselbe Erscheinnug war es nicht. Der Herr von damals hatte sich den Spaß gemacht, schwarzes Haar, schwarzen Bart und eine aparte Gesichtsfarbe anzunehmen vielleicht zu seiner Maskerade als altitalienischer Edelmann; das paßte ja auch Alles sehr gut zusammen. Aber sofort als ich ihn neulich wiedersah, schien mir seine Gestalt und seine Bewegung mit dem jenes Fremden in München übereinzustimmen. Besonders als er mich so scharf ansah und den mit Respekt zu sagen so schnodderigen Ton gebrauchte, um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das waren eben die grauen Augen jenes Fremdeu, die Alles so durchdringend ansahen und jene Stimme, die Alles so verächtlich behandelte. Es giebt auch gewisse Geberden, die einem ursprünglich gar nicht

auffallen, an die man sich aber, sobald sie einem später wieder unterkommen, sofort erinnert. Ich habe mir schließlich auch noch den Gaug des Herrn Grafen angesehen und fand Alles zutreffend. Rechne ich dazu noch alle die Aehnlichkeiten, die mir im Portrait der Gräfin Degenstein mit jener Dame sofort aufgefallen sind so wäre es schon bis hierher sehr seltsam, daß diese Aehnlichkeiten nur zufällige sein sollten. Nun sagten aber die gnädige Baroneß und Graf Degenstein selbst, daß das blaue Herz unzweifelhafte Beweise dafür enthalten habe, daß es das Eigentum der mittlerweile verstorbenen Gräfin Thekla gewesen sei, und da soll ich noch eine Minute zögern, fest und bestimmt zu erklären: die Gräfin selbst war es, die das Medaillon in München verlor, und ihr Gemahl war ihr Begleiter?

Erlauben Sie mein Bester, erlauben Sie! Sie machen mich wirbeln mit Ihren angeblichen Beweisen, von denen ich, beiläufig gesagt, auch immer noch nicht begreife, warum Sie sie gerad⸗ mir vorlegen. Waren Degenstein und seine Frau jenes Paar, so sehe ich nicht ein, warum er das läugnen sollte. Aber sie können es nicht gewesen sein, denn sie befanden sich wie wir ja gehört haben zur Zeit schen in Paris.

Das bin ich so frei eben als unwahr zu erklären. Und für das Verhalten des Grafen da⸗ mals und jetzt wüßte ich einen Grund. Ehe ich darauf eingehe, bitte ich, diese Papiere zu prüfen, die ich in letzter Zeit gesammelt habe.

(Fortsetzung folgt.)