Ausgabe 
7.2.1896
 
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Regierungskommissar Oberbergrat Braun

Gießen, Freitag, den 7. Februar

1896.

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landeszeikung.

Ausgabe

Gießen.

Redaktion: 7 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 2 Kreuzplatz Nr. 4.

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer. Darmstadt, 5. Februar.

Eingegangen ist u. A. eine Eingabe der Handels- kammer zu Bingen um Aufhebung des Weinsteuer gesetzes; zur Beratung steht zunächst der Antrag Wernher auf Erhöhung des Schutzdammes bei Nierstein. Die Re⸗ gierung hat ein Projekt ausgearbeitet; der Antrag wurde genehmigt. Zur Forderung von 98 400 Mk. zur Ver⸗ besserung der Kuranstalten in Bad-Nauheim erhebt Abg. Ullrich Klage über den schlechten Zustand der Gradier werke; es sei verwunderlich, daß noch keine Unfälle vor Die Wohlthaten des Werkes sollten den ärmeren Volksklassen besser zugänglich gemacht werden. giebt den

schlechten Zustand zu, Reparaturarbeiten seien bereits im

Gange.

Mark genehmigt.

rentablen Unternehmern überlassen solle.

.

Finanzminister Weber bestreitet, daß für Nau heim nicht genügend Mittel verwendet würden. Seit 1866 wurden alle Einnahmen aus dem Bade auch für dieses wieder verwandt, obgleich für den Staat keine Verpflichtung bestehe, alle Kureinnahmen auch wieder in Nauheim zu verausgaben. Seit er Finanzminister, seien die jährlichen Einnahmen von 60 000 Mark auf ca. 370000 Mark gestiegen. Die Gemeinde Nauheim müsse für die Folge größeres Interesse für das Bad zeigen. Die Forderung wurde bewilligt. Zum Antrag von Köhler und Genossen auf Ankauf der Burg Münzen- berg durch den Staat hat die Regierung erklärt, daß die Wiederherstellung des romantischen Baues ins Auge gefaßt sei, da die jetzigen Besitzverhältnisse hierfür kein Hindernis seien. Mit Rücksicht anf diese Erklärung wird der Antrag für erledigt erklärt, nachdem Ministerialrat Schäffer zunächst thunlichsten Schutz des Vorhandenen und spätere Ausgrabungen in Aussicht gestellt hatte.

Nach kurzer Beratung wird der Etat der am 1. April 1897 zu eröffnenden Nebenbahnstrecken mit 129 662 Auf Anfrage des Abg. Hirsch hatte die Regierung erklärt, daß der Bau der Strecke Dittels heim⸗Odernheim sofort begonnen werden solle, da die Geländeerwerbsschwierigkeiten jetzt beseitigt sind. Für Station Alsbach wurde eine nicht heizbare Wartehalle bewilligt, eine Güterverladestelle aber abgelehnt. Aus der Beantwortung der Interpellation Vogt und Genossen, betreffs der Usaregulierung, durch den Staatsminister Finger ist erwähnenswert, daß der Staat die Hälfte der 64 000 Mk. betragenden Kosten zu tragen gedenkt und in den nächsten Tagen dem Landtag eine dies⸗ bezügliche Vorlage zugehen wird.

Bei Berathung des Antrages Vogt auf Bau einer Nebenbahn Lich-Grünberg ersucht der Antragsteller die Regierung, einer sich interessirenden Aktiengesellschaft leine Schwierigkeiten bei der Konzessionsertheilung zu bereiten. Ullrich, Köhler und Wasserburg protestiren dagegen, daß der Staat unrentable Bahnen baue und Die Regierung ist bereit, die seiner Zeit in Aussicht gestellten Vorar⸗ beiten für Butzbach⸗Lich bis Grünberg fortzusetzen, vor⸗ ausgesetzt, daß die durch die deutsche Kleinbahn-Gesellschaft projektierte Schmalspur⸗Bahn nicht zu Stande kommt. Der Antrag Euler auf Erbauung einer Nebenbahn von Bens heim nach Lindenfels fand Erledigung durch ein an die Regierung gerichtetes Ersuchen, eine Verbindung des mitt⸗ leren Odenwaldes mit den bestehenden Bahnnetzen im Auge zu behalten und nach Klärung der Verhältnisse und auf Grund eingehender Untersuchung der mit in Betracht kommenden Linie Fürth⸗Reichelsheim über Lindenfels durch das Modauthal geeignete Vorlage zu machen.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 6. Febr.(Fortsetzung.) Rechtsauwalt Dr. Jung führt weiter aus, wie schon nach dem jetzigen Gesetz der Schöffenrichter es in der Hand

habe, die Beweisaufnahme zu beschränken, wenn auch in seltenen Fällen bisher der Richter davon Gebrauch gemacht habe. Auch die Herabsetzung der Richter von 5 auf 3 sei bedenklich, viel be denklicher sei die neu angestrebte Bestimmung, daß der Richter, welcher den Anklagebeschluß er lassen, auch bei dem erkennenden Gericht mitzu wirken berechtigt sei. Auch die Einführung des summarischen Verfahrens, des sogenannten raschen Verfahrens, welches bisher schon für Bettler be standen, für alle Vergehen und Verbrechen, die der Strafkammer unterstehen, wenn der Thäter auf frischer That ertappt tst, hat seine gewichtigen Bedenken. Erstens läge ein Bedürfnis zu dieser

Neuerung nicht vor und zweitens entspreche die

selbe nicht der deutschen Gründlichkeit. Zwar sei dieses Verfahren in Frankreich eingeführt, aber zu Unrecht berufen sich die Motive auf Belgien und England, denn im ersteren Lande bestehe nur die Absicht das schnelle Verfahren einzuführen und in England könne man gesetzlich nur in dieser Weise gegen den Angeklagten vor gehen, wenn dieser seine Zustimmung dazu gäbe. Unter dieser Bedingung könne man sich auch bei uns mit dem summarischen Verfahren einver standen erklären, aber auch nur dann, wenn der Staat dem Angeklagten einen rechtsgelehrten Verteidiger zu stellen gesetzlich verpflichtet werde. Die Motive weisen daraufhin, wie schwere poli tische Bedenken man gegen die ganze Neuerung haben müsse, denn das summarische Verfahren soll auch Anwendung finden gegen Vergehen wider die öffentliche Ordnung. Zum Gerichts verfassungsgesetz übergehend bemerkt der Redner, daß der Hauptgiftzahn, das Recht der Justizver waltung die Richterstellen zu besetzen, dem neu vorgelegten Entwurf ausgezogen sei. Mit der erweiterten Kompetenz der Schöffengerichte müsse man einverstanden sein. Ebenso finde die Entbin dung des Angeklagten vom persönlichen Erscheinen, bei Vergehen, zur Hauptverhandlung seine volle Billigung, aber schwer verständlich und unan⸗ nehmbar sei die Bestimmung der Einengung der Kompetenz des Schwurgerichts. Im Interesse der belasteten Staatsbürger wolle man die Zu⸗ ständigkeit der Schwurgerichte mindern, so stehe es im Entwurf respektive in den Motiven hierzu. Ordentlich rührend klinge dieser Grund. Weshalb man das Verbrechen des Meineids diesem bewährten Volksgericht entziehen will, darüber sagen die Motive gar nichts. Die Schwurgerichte seien überhaupt der Regierung schon längst ein Dorn im Auge. Sie sind einer freiheitlichen und volksfreundlichen Bewegung zu danken und haben sich besser bewährt als die Institute der Strafkammern. Statt dem alten freiheitlichen Wunsch weiter Kreise des Volkes gerecht zu werden und die Preßdelikte den Geschworenen zuzuweisen, beschneidet man die Kompetenz dieser Gerichte und bröckelt ab, was nur möglich. Rechtsanwalt Dr. Jung stellt nun die Forderungen, deren Erfüllung man zum Mindesten von der Regierung bei einer Aenderung der Gesetze verlangen müsse: Die Regelung des Gerichtsstandes der Presse sei überaus wichtig. Von dem alten Postulat der freigesinnten Presse, der Zeugnisverweigerung, stehe nichts im Entwurf und doch verbiete die Ehren pflicht der Redakteure das ihnen anver

traute durch den Zeugniszwang preiszugeben. In vielen Fällen stehe den Männern der Feder diese Ehrenpflicht höher, und sie lassen sich lieber zur Erzwingung einer Aussage 6 Monate einsperren. Wir haben, so meinte der Redner, vor Kurzem das 25jährige Jubiläum des deutschen Reiches

gefeiert. In Bälde können wir auch das gleiche Jubiläum unserer deutschen Justizgesetzgebung begehen. Wir wollen hoffen, daß der Reichstag

das Brauchbare und Gute aus dem Gesetzentwurf herausschält, denn mit all den Mängeln, die nur zu Gunsten volksfeindlicher reaktionärer Streb ungen dem Gebotenen anhaften, darf dasselbe nie und nimmer Gesetz werden. Lieber wollen wir auf die Entschädigung unschuldig Verur⸗ teilter, auf die Einführung der Berufung gegen die Strafkammerurteile verzichten, ehe wir auf das reaktionäre, das Recht verschlechternde des geplanten Gesetzes eingehen.

Rechtsanwalt Grünewald erklärte, daß ihm so manches aus seiner Praxis während des Vor trages seines Kollegen Jung eingefallen und meint, er müsse den Forderungen des Referenten noch die eine hinzufügen, daß dem Verteidiger gesetzlich dasselbe Recht eingeräumt werde wie der An klagebehörde, nämlich das Recht, Zeugen zu ver nehmen.

Er erinnerte an den Fall Plank, wo es nur möglich war, die Unschuld eines Angehörigen einer achtbaren Bürgerfamilie unserer Stadt durch besonders glückliche Umstände zu erweisen. Ihm sei es passirt, daß man vom Richtertische aus ihn scheel angesehen habe, weil er Zeugen in einer Strafsache vernommen und die sen Ge bühren für Zeitversäumnis gezahlt habe. Redner dankt dem Dr. Jung für seine Ausführungen und schließt die Versammlung.

Gießen, 5. Febr. Auf den Ober hessischen Eisenbahnen(Hauptbahnen)

hat sich im Dezember 1895 gegen den gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr bei einer Mehrbeförderung von 5000 Personen nur eine geringe Mehreinnahme ergeben. Im Güter verkehr dagegen ist in Folge des frühzeitigen Schlusses der Campagne der Stockheimer Zucker fabrik im Monat Dezember ein Einnahmeausfall und zwar von ca. 16,72 Prozent eingetreten. Jufolge des erwähnten Umstandes sind etwa 13 100 Tonnen Zuckerrüben, Braunkohlen und Rohzucker weniger befördert worden, und würde der Ausfall daher noch weit erheblicher gewesen sein, wenn nicht eine teilweise Deckung durch Mehrtransporte anderer Güter, wie Kohlen, Steine, Getreide, zusammen etwa 1200 Tonnen, stattgefunden hätte. Hinsichtlich der drei Nebenbahnen sei bemerkt, daß die Kürzung der Campagne der Zuckerfabrik auch nicht ganz ohne Einfluß auf den Güterverkehr der Neben bahn Stockheim-Gedern gewesen ist.

*Giesten, 5. Febr. In Zeiträumen von drei zu drei Jahren finden in Darmstadt unter der Leitung des Herrn Turninspektors Marx Turnkurse für Lehrer statt. Auch in diesem Jahre wird ein solcher wieder abgehalten und zwar in der Zeit vom 13. April bis 19. Mai. An demselben soll aus jedem der 18 hessischen Kreise ein Lehrer und zwar jedes Mal aus einer großen Gemeinde teilnehmen. Dem so ausge

bildeten Lehrer wird dann der gesamte Turn- unterricht in der Aufenthaltsgemeinde übertragen.

Gießen, 5. Febr. Einen Prachtbau beabsichtigt der Juwelier Karl Brück an Stelle seines niederzulegenden alten Hauses am Kreuz⸗ platz zu errichten. Die Facade des Neubaues soll im mittelalterlichen Zunftstyl gehalten werden und wird somit der Ecke des Kreuz platzes und der Kaplansgasse ein eigenartiges Gepräge geben.

Gießen, 6. Februar. Vor dem hiesigen Schwurgericht wird sich nächsten Monat auch der Gemeindeeinnehmer H. Rausch von Vilbel zu verantworten haben. Durch genaue Bücherrevision wurde festgestellt, daß sich die Unterschlagungen desselben von Gemeinde⸗ geldern auf 14,000 Mark belaufen.

* Gießen, 6. Febr.(Besitzwechsel.) Das vormals Bäcker Germann'sche Besitztum im Neuenweg wurde an den Bäcker Spamer von Schotten für Mk. 31,000 verkauft.

Gießen, 6. Februar. Gerade in diesen Tagen, wo so viel geschnitten und gestichelt, gestickt und geflickt wird, wo alte Maskenkostüme wieder hervorgeholt und zurechtgestutzt und neue ersonnen und phantasievoll ausgeführt werden, wird es gewiß die fleißige Leserin interessieren, einiges von der geschichtlichen Entwickelung der Nähkunst zu erfahren, in welcher sie das setzen wir aus angeborener Galanuterie voraus! sicherlich Meisterin ist. Zunächst stellen wir da die überraschende Thatsache fest, daß man eher zu sticken verstand, als zu nähen. Schon die alten Lateiner stickten höchst kunstvoll, aber das Nähen kannten sie kaum. Die reichen Gewänder der vornehmen Römer bedurften keiner Naht; in freien, durch Agraffen gefesselten Falten um⸗ wallte die Toga und das Pallium die Glieder. Nur Zierraten nähte man an die Gewänder oder benutzte den freilich schon lange erfundenen Näh⸗ stich zum Sticken. Obwohl man im Orient, woher doch alle Kleiderpracht, aller Luxus der wechselnden Moden stammt, schon sehr früh etwas vom Nähen wußte, so war diese Nähkunst doch sehr verschieden von der unseren; sie beschränkte sich auf ein leichtes Zusammenhängen der Ge⸗ wänder, und dieses Amt lag dem Manne ob, nicht der Frau, die am Webstuhle dafür um so eifriger wirkte. Zur Notwendigkeit wurde das Nähen erst mit dem Gebrauche der Wäsche, deren die Alten wenig bedurften, weil sie durch fort⸗ währendes Baden ihren Körper rein hielten. Das feine Linnen, welches die emsige Hausfrau des Nordeus mit ihren Mägden spann, erzeugte ganz natürlich den Wunsch, dieses Linnen auch in zweckmäßige Kleidungsstücke zu verwandeln. So leicht ging es damals mit dem Nähen freilich nicht vorwärts, und die Wäsche stand demgemäß hoch im Preise; Königin Elisabeth von England war nicht wenig auf ihre sechs Hemden stolz, und hochstehende Damen besaßen oft deren nur zwei. In Frankreich soll im fünfzehnten Jahr⸗ hundert die Gemahlin König Karls des Siebenten die ersten leinenen Hemden getragen haben, und Ludwig der Vierzehnte litt in seiner Jugend noch Mangel an Leinentüchern. Erst im acht⸗ zehnten Jahrhundert finden wir das Nähen auf der Stufe der Vollendung, ja vielleicht sogar, was die Feinheit der Arbeit betrifft, ausgebildeter

Bonjours Mittagessen. Von Felix von Stenglin. 0(Schluß.)

Merkwürdig, alles steigt aus, denkt Bonjour. Aber das ist ihm ganz angenehm. Da braucht er sich über diese beschränkten Philister nicht zu ärgern.

Der Kapitän tritt zu Bonjour heran.Wollen Sie wieder mit nach Berlin? fragt er.Der Dampfer fährt nicht weiter.

Bonjour wankt kopflos über den Steg an's Land. Da hätte er auch in Treptow bleiben können! Einen Augenblick denkt er daran, dorthin zurückzukehren und sein Huhn in Ruhe zu vertilgen, aber nein, es wird längst kalt sein, oder was

wahrscheinlicher ist, der Kellner wird es verzehrt

haben. Ueberhaupt ist ihm der Appetit auf Hühner braten vergangen. Er wird sich hier lieber etwas Anderes bestellen. Da er ja Zeit hat, wählt er ein Beefsteak von Filet.

Es dauert sehr lange. Verschiedentlich hat er den Kellner ungeduldig schon nach der Küche ge schickt.

Endlich! Es duftet vorzüglich.

Indem er Messer und Gabel ergreift, blickt er über das Wasser und bemerkt, daß ein Dampfer an der Landungsbrücke angelegt hat. Dies sei doch nicht der Dampfer nach Cöpenick? fragt er einen

Gast.Allerdings! erwidert der. schon zum zweiten Male.

Bonjour schlägt aufspringend wütend mit der Hand auf den Tisch, daß Messer und Gabel in Sand fallen. Er muß mit, es hilft nichts. Wer weiß, wann wieder ein Schiff kommt. Einen Happen will er wenigstens zu sich nehmen. Er bemerkt in seiner Hast nicht, daß die Gabel voller Sand ist. und beißt sich fast die Zähne kaput. Hastig spukt er den Bissen wieder aus und eilt davon. Bezahlt hat er diesmal schon.

Hinauf auf das dampfende Ungetüm. Sein schon zweimal gefoppter Magen knurrt. Er möchte weinen. Geknickt sitzt er in seiner Ecke und stiert in die Flut.

Endlich kommt ihm ein erlösender Gedanke. Er wird sich in Cöpenick durch nichts stören lassen. Und wenn er fertig ist, wird er sich durch einen Kahn zu der gegenüberliegenden Villa von Kulbrich u. Comp. übersetzen lassen.

In Cöpenick am Wasser läßt er sich also zum dritten Male nieder. Diesmal bestellt er sich ein Kotelette mit Spargel. Kostet mich alles in allem ungefähr fünf Mark, denkt er, während er darauf wartet. Aber was schadet's Spargel ißt er so gern.

Es ist zwar schon etwas spät, die Dinerstunde ist nahe herangerückt, nun wird er sich mit dem

Es läutet

Essen etwas beeilen.... Aber was ist deun das?

Wer sitzt denn in dem Kahn, der gerade auf das Lokal lossteuert? Kein Zweifel, es sind die beiden Kulbrich'schen Söhne, denen er Unterricht giebt, wenn die Familie in der Stadt wohnt. Sie haben ihn bemerkt, sie winken mit dem Taschentuch.

Wie von der Tarantel gestochen springt Bonjour empor und verschwindet im Hause. Soeben will der Kellner das Kotelette holen. Nein, nein! die Knaben dürfen das nicht sehen, um keinen Preis! Er wäre ja auf ewig in der Familie blamiert. Er fragt den Kellner, ob er es bezahlen müsse? Na türlich! Er schilt die Deutschen: Räuber und Ban diten, während er sein so viel leichter gewordenes Portemonnaie wieder in die Tasche schiebt. Am liebsten verzichtete er auf das ganze Diner, aber das geht nicht aus Rücksicht auf die Kundschaft.

Als Bonjour zu seinem Platz zurückkehrt, suchen ihn die Knaben schon. Sie haben, wie sie erzählen, die von Berlin kommenden Dampfer von drüben aus mit dem Operuglas beobachtet und Bonjour aussteigen sehen. Sie hätten sich darüber gewundert und geglaubt, er irre sich. Deshalb seien sie schnell mit dem Kahn gekommen, um ihn abzuholen.

Bonjour schüttelt ihnen etwas heftig die Hand. Sie glauben, es sei Freude, nein, es ist. Verzweiflung.

Nun, auch bei einem Diner giebt es ja zu essen, und Kulbrichs führten eine gute Küche. Bonjour legte sich mit fabelhafter Ueberwindungs

kraft zuerst einigermaßen Schranken an. Doch die verschiedentlichen Enttäuschungen auf der Fahrt hatten seinen Appetit so gereizt, daß alle Vorsätze nicht Stand hielten und er schließlich das Unglaub lichste in Vertilgung von Speisen und Getränken leistete. Die Hausfrau war zuerst erstaunt, dann belustigt, dann wiederum erstaunt, dann entrüstet. Bonjour merkte von dem allen nichts.

Abends beteuerte er seiner Wirtin, daß er Berlin für die wunderbarste Stadt der Welt halte.

Es war sein letztes Diner in Berlin. Kulbrichs luden ihn nicht wieder ein und bald darauf verlor er auch die Stunden.

Berlin magere Städtchen! Nix satt zu essen! so lautete jetzt sein Urteil.

Doch auch diese Mißstimmung ging vorüber. Bonjour hatte Glück. Er fand einen Brotherrn und in diesem eine gleichgestimmte Seele, das heißt er erhielt einen Posten als Musik und Sprach⸗ lehrer bei einem Gothaer Wurstfabrikanten, der in ganz Thüringen an Leibesumfang und an Eßlust seines Gleichen suchte, Bonjour wurde zwar nie dick, das lag nicht in seiner Natur. Aber er wurde ruhiger und zufriedener, seit er seinem Appetit keine Schranken mehr aufzuerlegen brauchte.

Wenn aber auf seine Berliner Erinnerungen die Rede kam, vergaß er nie sein Mittagessen bei Kulbrich und Comp., das so verhängnisvoll für ihn geworden war.