Ausgabe 
5.12.1896
 
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1896.

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Postzig. Nr. 3239a Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen, Sonnabend, den 5. Dezember

andeszeitung.

Gießen.

Postztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.

Heinrich

kbvangelische Dekanat Nidda, ebangelische Pfarrstelle zu Ranstadt, Dekanat Nidda, t dem Pfarxverwalter Heinrich Wolf endgültig übertragen. Ernannt wurden am 20. November 1. der Heizer bei den Oberhessischen

Eeisenbahnen Martin Hartmann zum Lokomo stbführer, 2. der Bremser Johann Dechert zum Schaffner, 3. der Hilfsheizer Ludwig Aff aus

fseiskirchen zum Heizer,

1 Friedrich Fey aus Kohden und Peter Stom⸗

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Vorsitzender,

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am Freitag, I Uhr, im ofs zum Einh.

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bon 3 bis 6 Uhr,

Redaktion:

. Kreuzplatz Nr. 4..

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Zspaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

2

eokales und Provinzielles.

* Gießen, 4. Dezember. Ernannt

der Gefangenwärter am Propinzial⸗Arresthaus in Gießen Heinrich Otto Wahl zum Ge fangenaufseher Wirkung vom 14. Dezember d. J. an. Dem Pfarrer

an dieser Anstalt

* Gießen, 4. Dezember.

olkewitz

zu Monsheim Pfarrstelle

übertragen worden.

aus Gießen zu Bremsern

ssischen Staatsbahnen, * Gießen, 3. Dezember.

Die

liegen in der Zeit vom 5. bis 8. Dezember, bormittags von 9 bis 12 Uhr, und nachmittags für die Interessenten Buresu des Kammermitgliedes A. Heichelheim 12 Einsichtnahme offen, und müssen Einwen⸗ ungen gegen die Wahl selbst binnen der

Frist angebracht werden. Der Detalllisten⸗

erein kann mit diesem Erfolge zufried

Mag dieses Beispiel andern Berufsständen zur Macheiferung dienen, denn vereinte Kräfte führen weit leichter zum Ziel. * Gießen, 4. Dezember.(Stadttheater.) SudermannsMorituri Abend zum zweiten Male zu mustergültiger Auf⸗ führung auf hiesiger Bühne. ünstlerinnen und Künstler setzten ihr bestes können ein und erzielten auch bei dem leider Hur spärlich erschienenen Publikum einen burchschlagenden Erfolg. Abend, gastiert bekanntlich Käthe Basté vom Lessingtheater in Berlin alsKleiner Lord. g bn wünschen der rührigen Direktion ein volles aus.

gelangte

Heute,

* Gießen, 3. Dezember. chwurgerichts.

Sitzung S

beide Die

von Steinfurth,

lad Reitz, Anklage vertritt:

Meineids.

Staatsanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung 1 Rechtsanwalt Grünewald. Dienstag, den 8. Dezember, gegen Franz Milkan bon Schellen wegen Verbrechens gegen die vertritt Erster

Sittlichkeit. Die Anklage

iit

zu Dauernheim,

4. die Hilfsbremser

bei 5 11 sämtlich Wirkung vom 1. Dezember l. J. an. 1 Die Großherzogl. Handelskammer macht bekannt, daß bei der gestern vollzogenen Wahl gewählt sind der fandidat des Detaillisten⸗Veins dessen 8 Papierwarenhändler E. Balser it 57 Stimmen, Fruchthändler A. Katz mit 54 Stimmen und der Fabrikant Louis Hom⸗

herger mit 53 Stimmen. Wahlakten

Die mitwirkenden

Montag, den 7. De⸗ zember, gegen Heinrich Balzer und Kon⸗

Staatsanwalt Dr. Güngerich. Die Vertei⸗ digung führt Rechtsanwalt Weidig. Mitt⸗ woch, den 9., und Donnerstag, den 10. Dezember, gegen Heinrich Eckstein II und Georg Ludwig Pauli, beide von Kirdorf, wegen Mein eids resp. Anstiftung und unternommener Verleitung dazu. Die Anklage vertritt Gerichts⸗Assessor Dr. Friedrich. Die Verteidiguag führen Rechtsanwalt Metz und Rechtsanwalt Grünewald. Freitag, den 11., und Samstag, den 12. Dezember, gegen Heinrich Scheerer von Rüddings⸗ hausen wegen Verbrechens im Amt, Ur⸗ kundenfälschung und Betrugs. Die Anklage wird vertreten vom Staatsanwalt Zimmermann. Rechtsanwalt Kraft führt die Verteidigung. Montag, den 14. Dezember, gegen den Eisenbahn-Assistenten Karl August Laatsch, früher in Butzbach, jetzt in Gießen, wegen Verbrechens im Amt. Die Anklage vertritt Gerichts⸗Assessor Dr. Friedrich. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Grünewald. Gießen, 4. Dezember. Von Offenbach wird geschrieben: Das Großh. Hauptsteueramt teilte mit, daß das Großh. Ministerium der Finanzen den von der Handelskammer bean⸗ tragten Anschluß des Hauptsteueramts an die Stadtfernsprechanlage genehmigen will, wenn die Handelskammer die Hälfte der Kosten übernimmt. Die Handelskammer hat sich zu der Uebernahme der halben Kosten bereit erklärt. Für Gießen zur Nachahmung empfohlen. Steinberg, 2. Dezember. Am Sonntag wurden die Mitglieder des Krieger-Vereins auf Veranlassung des Verbandsvorsitzenden, Post⸗ sekretär Meyer aus Gießen, zu einer Ver- sammlung eingeladen. Die Einberufung der Versammlung geschah aufgrund der Denunzfation eines Mitgliedes, die darin gipfelte, als hätten sich mehrere Kriegervereinsler gelegentlich der Wahl als sozialdemokratische Agitatoren entpuppt. Thatsächlich war an der ganzen Sache nichts weiter, als daß einige Mitglieder des Kriegervereins, die einer antisemitischen Ver⸗ sammlung beiwohnten, in der man, wie gewöhn⸗ lich, von einer Bureauwahl nichts wissen wollte, energisch für eine solche eintraten. Herr Meyer, der sich für verpflichtet gehalten, die Sache zu untersuchen, erklärte aufgrund dessen, zu irgend welchen Maßregeln keine Veranlassung zu haben. Von einzelnen Beteiligten wurde dem Sinne nach ausgeführt, daß sie die Eigenschaft als Mitglied des Krieger⸗ vereins nicht bestimmen könne, bei einer Reichs⸗ tagswahl ihre Interessen als Arbeiter hintenanzustellen. Der Denunziant aber, der schon mehr Unfrieden unter den Mitgliedern gesät hat, hat sich durch dieseedle That in ein besseres Licht stellen und sich vor dem bevor⸗ stehenden Ausschluß aus dem Verein retten wollen. * Neu⸗Ulrichstein, 3. Dezember. In der Arbeiterkolonie waren zum heutigen Ter⸗ mine 68 Arbeits-, bezw. Stellenlose, darunter 17 aus dem Großherzogtum, 9 aus

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dem Regierungsbezirk Kassel, 10 aus dem Re⸗ gierungsbezirk Wiesbaden. Arbeiter waren es 42, Kaufleute 4, Anstreicher, Bäcker, Gärtner, Schneider, Schuhmacher je 3 usw. Man zählte 1472 Arbeits-, 1700 Verpflegungstage. Auf eigenen Wunsch wurden 8, weil ihnen die Arbeit zu schwer 2 Mann entlassen. Die Anstalt hat im ganzen jetzt 3147 Mann aufgenommen.

* Butzbach, 3. Dezember. Den Ehenleuten Jakob Meier und Frau, geb. Bendheim,

hier, wurde anläßlich der Feier ihrer goldenen Hochzeit ein Ehrengeschenk des Groß⸗

herzogs übermittelt. Bei der am 30. November in Niederweisel abgehaltenen Stichwahl wurde Herr Georg Dietz mit 139 Stimmen zum Beigeordneten für die Gemeinde Nieder⸗ weisel gewählt. Herr Jakob Winter erhielt 118 Stimmen.

* Darmstadt, 3. Dezember. Infolge der bevorstehenden neuen Eisenbahnorganisa⸗ tion wird Finanzrat Welcker mit Wirkung vom 1. April k. J. der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. zugeteilt, während Oberfinanz⸗ assessor Dr. Clemm Mitglied der neu zu er⸗ richtenden Eisenbahndirektion Mainz wird. Beide Herren waren seither im Finanzministerium beschäftigt.

* Darmstadt, 3. Dez. Bei der Heran⸗ ziehung der Reichsbank zu den Gemeinde- umlagen handelt es sich um die Gemeinde⸗ Einkommensteuer; zur Gewerbesteuer ist die Reichsbank von der Gemeinde bereits heran gezogen. Der Provinzialausschuß Darmstadt hat sich nun für die Heranziehung der Reichs⸗ bank zur Gemeindeeinkommensteuer ausgesprochen, während der Kreisausschußantrag Darmstadt in einer früheren Sitzung gegenteiliger Meinung war. * Mainz, 3. Dezember. Die städtische juristische Kommission hat in ihrer gest⸗ rigen Sitzung das Statut des städtischen Arbeitsnachweises nach dem Gießener Muster mit einigen von sozialdemokratischer Seite gestellten Anträgen angenommen. Ge⸗ ändert wurde der Titel, indem an Stelle des WortesArbeitsnachweis die Vezeichnung Städtisches Arbeitsamt gewählt wurde. Der Strikeparagraph, wonach das Ar⸗ beitsamt bei Strikes seine Thätigkeit für die Beteiligten einstellt, falls nur von einem Teil das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen wird, wurde beibehalten und im§ 1 wurde be⸗ stimmt, daß das Arbeitsamt fremden Arbeitern auch über Wohnungs⸗ und Lebensverhältnisse Auskunft geben soll. Den letzten Passus hatte die Regierung in der früheren Vorlage ge⸗ strichen.

* Mainz, 3. Dezember. Die Militär- behörde hat an sämtliche Intendantur⸗ beamte der Reserve oder der Landwehr, die des Reitens nicht kundig sind, das Ersuchen gestellt, alsbald Reitunterricht zu nehmen, damit sie nötigen Falls Proviant⸗ oder Muni⸗ tionskolonnen zu Pferde begleiten können. An der städtischen Gasfabrik wurde gestern

einem Arbeiter, der zwischen einen Wagen und das Thor geraten war, die Brust ein- gedrückt. Einem Ackersmann aus Weisenau gingen die Räder seines Wagens über die Oberschenkel, wodurch der Mann schwer verletzt wurde.

Mainz, 3. Dezember. Bei der Station Weiterstadt(Strecke Darmstadt⸗Mainz) ent⸗ gleiste heute früh durch Achsenbruch ein Güter- zug. Der Unfall verursachte eine größere Ver⸗ kehrsstörung. Die herausgesprungenen, zum Teil mit Frucht beladenen Wagen versperrten beide Geleise. Der Verkehr wurde durch Um⸗ steigen vermittelt, was für die Züge mit stunden⸗ langen Verspätungen verknüpft war. Gegen halb 9 Uhr war ein Geleise frei, das zweite dürfte nachmittags fahrbar werden.

* Mainz, 3. Dez. In der Angelegenheit der Errichtung einer genossenschaft⸗ lichen Zuckerfabrik für die Provinz Rhein⸗ hessen angestellte Erhebungen ergaben, daß in den letzten Jahren in Rheinhessen etwa 7600 Morgen mit Zuckerrüben bebaut gewesen sind, davon im Kreise Worms etwa 5100 Morgen, im Kreise Alzey etwa 1100 Morgen, im Kreise Mainz etwa 780, im Kreise Oppenheim etwa 480 Morgen. Den stärksten Rübenbau haben die Orte zwischen Alzey und Monsheim, zwischen Osthofen und Guntersblum und das Eisbach⸗ thal. Neuerdings sind durch die Eröffnung der Linien BodenheimAlzey und Wendelsheim Essenheim neue Rübenbaugebiete dem großen Verkehr erschlossen worden. Mainz, 3. Dezember. Der gefährliche Einbrecher Ziegler von Pettau, der wegen Einbruchs bei einer Krankenkasse in Worms zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt war und Reviston eingelegt hatte, ist heute Nacht ent- sprungen.

* Worms, 3. Dezember. Unsere Polizei macht einen recht praktischen Gebrauch von der wegenWässerung konfiszierten Milch. Gestern wurden etwa 70 Liter verwässerter Milch, die zwar minderwertig, aber keineswegs gesund⸗ Nee ist, an bedürftige alte Leute verteilt.

Vermischtes.

Ueber die moderne Fahrrad⸗Industrie sprach kürzlich Herr Ingenieur Alexis Schleimer in der letzten Versammlung des Vereins deutscher Ingenieure in Berlin. Das Fahrrad, so führte der Vortragende aus, ist eine deutsche Erfindung, denn zwei Nürnberger, ein Uhrmacher und ein Zirkelschmied, kamen um die Mltte des 17. Jahrhunderts zuerst auf den Gedanken, zwei in eine Linie gestellte Räder durch ein verbindendes Gestell mit Sattel zu einemTriumphwagen genannten Vehikel zu gestalten, und der Oberforstmeister Willi von Dräse hat im Jahre 1816 die Idee der beiden Nürnberger wieder aufgenommen. Allein dieDräsine blieb nur ein Spielzeug, bis 1867 Michand in Paris die Pedale er⸗ fand. Mit dieser Verbesserung war der Boden für die praktische Verwertung des Fahrrades gegeben. Dennoch dauerte es noch länger als zwanzig Jahre, ehe diese Folge eintrat. Für den Techniker, der die Entwickelung

Mächte der Finster

Roman von Helmuth Wolfhard

(Fortsetzung.)

Milow zu nehmen.

an aus dienstlichen Rücksich en nicht gut

zuführen ist. N Ja, er ist ein unverbesserlicher Trin tätigte Einer.Ich habe diese Leidenschaft

lalb scherzend und halb im Ernst gewar Nilow ist im Grunde ein tüchtiger Kerl,

ühlte ihn früher zu meinen besten Freunden. is war kein Halten mehr auf der schiefen Bahn. Mit dem Tode seiner Frau fing es an. Die Beiden

satten eine wahrhaft rührende Liebe für gehabt, und als das junge, gackte den Milow die Verzweiflung so naß wir glaubten, Davor ist er nun

nis. Nachdruck verboten.)

Was hat er angestellt?Ist es denn so schlimm gewesen?Erzählen Sie doch, Herr Inspektor! ertönten mehrere Stimmen. Alle schie⸗ sen ein gewisses Interesse an dem Packmeister

Es sind da Dinge vorgekommen, über welche

ann, lautete die ausweichende Antwort,aber Sie lennen den Mann ja zur Genüge, um zu wissen, auf welche Ursache schließlich Alles bei ihm zurück

n ihm heranwachsen sehen und habe ihn oft genug

blühende Weib plötzlich sach einer Krankheit von wenigen Stunden starb,

er würde sich ein Leid anthun. freilich bewahrt geblieben, denn * versuchte es eben auf audere Weise, seinen Schmerz wenigstens vorübergehend zu beta

Gorher hatten ihn die Bekannten oft mit seiner

übermäßigen Nüchternheit und Enthaltsamkeit auf⸗

gezogen; jetzt aber sahen wir ihn zu unserer Ueber⸗ raschung zum ersten Male schwer berauscht. Und wenn er auch für die Zukunft der verderblichen Neigung zeitweilig noch Herr zu werden vermochte, so fiel er ihr doch nach kurzer Besserung immer von Neuem zum Opfer, und es war am Ende vor⸗ auszusehen, daß sie ihn früher oder später seine Stellung kosten müsse.

Hat er denn gar keine Kinder? warf ein Anderer dazwischen.

Ja, einen Jungen, um den es mir noch mehr leid thut als um den Packmeister, der am Ende sein Schicksal selber verschuldet hat. Bernhard war beim Tode der Mutter ein hübsches Kind mit den besten Anlagen; aber bei dieser unglückseligen Schwäche des Vaters konnte natürlich nichts Ordentliches aus ihm werden. Erst wollte Milow den Knaben selber erziehen, aber er gab den Gedanken bald auf; denn nachdem er ein paar Mal betrunken nach Hause ge⸗ kommen war, fürchtete sich das Kind vor ihm und er schämte sich vor dem Kinde. Er gab den kleinen Bernhard dann nach auswärts in Schule und Pension; aber obwohl er verhältnißmäßig große Opfer für seine Erziehung brachte, mußte er viel Ungemach au ihm erleben. Der Junge war zu sehr an die treue, sorgsame Liebe einer vortrefflichen Mutter gewöhnt gewesen, als daß er so schnell hätte lernen können, sich unter einer fremden Zucht⸗ rute zu beugen. Wohl zehn Mal lief er davon und marschierte oft Tage lang, ohne auch nur einen Pfennig in der Tasche zu haben, nach Rothhaide zurück. Der Packmeister hatte sich's in den Kopf

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sprechen

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nt, denn und ich Aber

einander

gewaltig,

betäuben.

unter solchen Umständen natürlich nichts werden, und vor einem Jahr hat er ihn denn endlich weit von hier bei einem Maschinenbauer in die Lehre gegeben. Er soll eine große Geschicklichkeit für diesen Beruf haben, und hoffentlich ist er inzwischen auch einigermaßen zur Vernunft gekommen.

Das wäre zu wünschen, meinte der Inspektor, denn von dem Vater wird er nicht mehr viel zu erwarten haben. Der Mann hat sich unter dem Einfluß des Branntweins so traurig verändert, wie ich es nie zuvor bei einem andern Menschen gesehen habe. Wenn er nüchtern ist, läßt es sich ja trotz seiner Wortkargheit und Menschenscheu noch einiger maßen mit ihm auskommen, sobald aber die bösen Geister des Rausches ihre Herrschaft über ihn ge⸗ wonnen haben, ist nichts mehr mit ihm anzufangen, und man thut am besten, ibm weit aus dem Wege zu gehen. Es ist dann etwas Wildes und Tückisches in feinen Augen, das mich manchmal geradezu un heimlich berührt hat.

Und war es denn nicht wirklich nur ein glück licher Zufall, daß der Bauer Steffens mit dem Leben davonkam, als ihn Nilow einmal in der Trunkenheit niedergeschlagen hatte? Drei Tage vor her hatten sie einen ganz unbedeutenden Wortwechsel mit einander gehabt, und Steffens dachte kaum noch an den kleinen Streit, als er den Packmeister auf dem schmalen Feldwege daher kommen sah. In demselben Augenblicke aber, als er dem Milow ganz freundlich einenGuten Abend! bietet, erhält er einen Schlag über den Kopf, daß er wie tot zu sammeubricht. Hätte Steffen nicht einen so harten

gesetzt, ihn studieren zu lassen; daraus konnte aber

nicht durch die dicke Pelzmütze einigermaßen abge schwächt worden, so würde ihm wohl kein Doktor mehr auf die Beine geholfen haben. Milow konnte von Glück sagen, daß der Andere gutmütig genug war, keinen Strafantrag gegen ihn zu stellen, denn wer weiß, was für ein bedenkliches Aussehen die Sache drinnen der Stadt vor dem grünen Tische gewonnen hätte.

Auch einige Andere stimmten dem Erzähler darin bei, daß sie den Packmeister Milow für einen äußerst rachsüchtigen und in der Berauschtheit ge⸗ radezu gefährlichen Meuschen hielten, und Einer erwähnte noch, daß er dem so übel beleumundeten Manne in der Frühe dieses Tages fast eine Meile hinter Rothhaide auf der mit dem Bahndamme parallellaufeuden Landstraße begegnet sei und daß er sich über das wilde und verstörte Aussehen des Packmeisters, der sich aus irgend einem unbegreif lichen Grunde vor ihm zu verbergen gesucht, sehr gewundert habe.

Dann kam die Unterhaltung an dem runden Tische auf andere Diuge, und als sich gerade jetzt der einsame, grauhaarige Herr aus dem halbdunklen Hintergrunde des Wartezimmers erhob, um nach einer nochmaligen ungeduldigen Vergleichung der beiden Uhren durch die auf den Bahnsteig hinaus führende Thür zu verschwinden, da wendete sich durch eine hingeworfene Bemerkung des Bahnhofs inspektors das Gespräch auf ihn.

(Fortsetzung folgt.)

Bauernschädel und wäre die Wucht des Schlages