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Auch stieg noch Witborg
Gießen, Sonnabend, den 5. September
1896.
und die thätige Beteiligung an der fortschreiten⸗
Ausgabe
ische Landeszei
Gießen.
Nedaktion 5
Kreuzplatz Nr. 4. 8
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Fspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 4. Sept.(Militärdienst⸗ nachrichten.) Dem Hauptmann und Kom⸗— pagniechef Nücker, sowie dem Premierlieutenant Giese vom Inf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116 ist ein Patent ihrer Charge verliehen.
* Gießen, 4. September. Dem jetzt im Druck erschienenen Bericht der Verwaltung der Unter stützungskasse der Hessischen Landes- Irrenanstalten für das Rech⸗ nungsjahr 1895—96 entnehmen wir als von allgemeinerem Interesse folgendes: Die Zahl der einzelnen Geber ist während der letzten zehn Jahre von 9000 auf 27000 gestiegen und hat allein in dem jetzt abgelaufenen Jahre 1895 bis 1896 im Vergleich zum Vorjahre 1894—95 um
Jahresberichten, so haben wir es auch in der Anleitung zur Geschäftsführung für unsere Ver⸗ trauensmänner ausgesprochen und können es nicht oft genug wiederholen, daß ein Beitrag von 5 oder 10 Pfg. ebenso gut wie die Gabe von 5 oder 10 Mk. das Bewußtsein vermittelt, daß man einem Verein zur besseren Gestaltung des Irrenwesens angehört und daß man in dieser Beziehung bestimmte Verpflichtungen über⸗ ommen hat. Die Vermehrung der Mitglieder unseres Vereins, die am sichersten durch die immer ausgedehntere Einführung der Pfennigbeiträge erreicht wird, ist unentbehrlich, nicht allein um den für jeden notleidenden Geisteskranken erfor⸗ derlichen Beitrag sicherzustellen, sondern auch um uns dem höchsten Ziele unserer Bestrebungen näher zu bringen, daß nämlich das Verständnis der Wichtigkeit der Irrenfürsorge sich kläre, das Mitleid mit den Geisteskranken sich überall rege,
den Entwickelung der öffentlichen Irreufürsorge zu einer freiwillig übernommenen Obliegenheit der gesamten Bevölkerung des Landes werde. Als ein zweites für uns nicht weniger erfreu⸗ liches Ereignis des Jahres 1895—96, ja als eine für das Blühen und Gedeihen unserer Be⸗ strebungen sehr wichtige und vielversprechende Thatsache, dürfen wir den am 27. August 1895 in der in Heppenheim stattgehabten Jahressitzung des Kuratoriums vollzogenen Anschluß der neuen psychiatrischen Klinik zu Gießen an unseren Verein bezeichnen, so daß nun unsere Kasse aus drei Teilen, der Heppenheimer Hauptkasse und den beiden Nebenkassen zu Hof⸗ heim und Gießen besteht, ohne daß deshalb eine Störung der erforderlichen geschlossenen Einheit der Bestrebungen unseres Vereins zu befürchten wäre. Den Vertrauensmännern wird im weiteren für ihre Thätigkeit herzlicher Dank ausgesprochen
richts beleuchtet die Bedeutung großer Provin⸗ zial⸗Pflegeanstalten für die Beselttgung er l not in den Landes-⸗Irrenanstalten und für die zweckmäßigere und weniger kostspielige Gestaltung der hessischen öffentlichen Irrenfürsorge überhaupt. Dann wird des weiteren von den wichtigsten Ursachen der fehlerhaften Benutzung der Landes⸗ anstalten durch die Hilfesuchenden(Fehlen an einem sachverständigen ärztlichen Berater, Scheu vor der Entrichtung des Pflegegeldes) in gemein⸗ verständlicher Ausführung besprochen. Der Unterstützungskasse sind seitens des Staates und öffentlicher Kassen an Beiträgen in 1895—96 zugegangen: aus Starkenburg 1637,64 Mk., Oberhessen 892 M., Rheinhessen 742 M., zu⸗ sammen 3271,64 M., ferner von Privaten: in Starkenburg von 7967 Gebern 4700,52 M., in Oberhessen von 12631 Gebern 3607,30 M., in Rheinhessen von 6312 Gebern 3648,68 M., zu⸗ sammen 11 956,50 M. Einschließlich der Pfleg⸗ geldbeiträge flossen der Unterstützungskasse insge⸗ samt 18 239,48 M. zu. Die Gesamteinnahme war 23 708,63 M., die Gesamtausgabe 20 952,69 M., das Vermögen der Kasse betrug Ende 1895 bis 1896: 5747/24 M.
* Gießen, 4. Sept. In dem soeben heraus⸗ gegebenen Bericht Großh. Handelskammer zu Gießen heißt es betreffs der Arbeiterver⸗ hältnisse, daß diese durchaus befriedigend zu nennen sind.„Zu Entlassungen hatten unsere Fabriken infolge genügenden Absatzes keine Ver⸗ anlassung, vielmehr würden gute Arbeiter, zumal bei unserer hochentwickelten Zigarren⸗ industrie, noch in größerer Anzahl dauernde Be⸗ schäftigung finden. Es gilt dies jedoch nur für die Zeit nach dem Fall der Tabak⸗ fabrikat⸗Steuervorlage, während zur Zeit der durch dieselbe hervorgerufenen Unsicher— heit Arbeiterentlassungen drohend ge— worden waren.“ Die Kammer giebt aufs Neue der Erwartung Ausdruck, daß sie im nächsten Jahresbericht bon der endlichen Gewährung des Rohstofftarifs zu berichten in der Lage ist.„In gleicher Weise, wie der Landwirtschaft vom 1. Januar 1890 ab ein ermäßigter Tarif für Düngmittel, Erden, Kartoffel und Rüben be⸗ willigt worden ist, muß diese Tarifmaßregel für die den Massenverbrauch der Industrie bildenden Rohstoffe als eine unerläßliche Vorbedingung für die günstige Entwicklung unseres Erwerbslebens gefordert werden. Wenn hierdurch für die Bahn⸗ verwaltungen anfangs auch ein Einnahme-Aus⸗ fall eintreten sollte, so ist doch anzunehmen, daß durch die bewirkte Stärkung der Leistungsfähig⸗ keit unseres Gewerbefleißes dies bald ausge— glichen sein würde. Es muß als ein Gebot nationaler Pflicht bezeichnet werden, daß die— jenigen Kreise, in deren Hände die Regelung der Verkehrsmittel gelegt ist, mit Eifer darauf be⸗
und im Anschluß daran die Wärterfrage erörtert. Ein weiterer Abschnitt des inhaltsreichen Be⸗
dacht seien, ein vorübergehendes Opfer nicht zu
scheuen, wenn es sich um größere Gewinne handelt, uns andern Nationen gegenüber, welchen das billigste Verkehrsmittel— ausgedehntes Kanalisationssystem— zur Verfügung steht, nach Möglichkeit leistungsfähig zu erhalten.“ Gießen, 4. September.(Spruchliste der Geschworenen für die am 28. d. Mts. beginnende Schwurgerichtstagung.) 1. Wilhelm Kölzing IV⸗Groß⸗FJelda. 2. Heinrich Weiß II Nieder⸗Breidenbach 3. Wilhelm Streb⸗Grindel. 4. Johannes Carle III-Nieder⸗-Ohmen. 5. Viktor von Oven-Hungen. 6. Otto Robert⸗Grünberg. 7. Ludwig Falk⸗Friedberg. 8. Ernst Wag Ahenhaln. 9. Domänenrat Brunhard⸗Gedern. 10. Ludwig Rakke⸗Gießen. 11. Wilhelm Becker IV-Kesselbach. 12. Max Heß-Friedberg. 13. Bernhard Hof— mann⸗Ramstadt. 14. Karl Brück⸗Gießen. 15. Karl Felsinger⸗Weismühle bei Rabbeckhausen. 16. Georg Hyronimus- Friedberg. 17. Gustav Schwarz⸗Friedberg. 18. Charles James Wilson⸗ Altenschlirf. 19. Georg Stoll III⸗Gettenau.] 20. Ferdinand Ohnmeis⸗Ober⸗Erlenbach. 21. Hein⸗ rich Schuchhard⸗Herchenhain. 22. Peter Joseph Ruhl⸗Herbstein. 23. Friedrich Fendt-Büdingen. 24. Baumeister Junker⸗Ortenberg. 25. Konrad Heinrich Christian Ihring⸗Lich. 26. Joh. Enders IV⸗ Münzenberg. 27. Philipp Müller Ober⸗-Hörgern. 28. Johannes Leun VIII-Großen⸗ Linden. 29. Adolf Busch⸗Gießen. 30. Ludwig Seybold Nieder-Eschbach.
Gießen, 4. September.„Gazetten dürfen nicht genieret werden“— diese Mahnung des preußischen Königs ist wohl zu keiner Zeit besser am Platze, als vor einem Wahlkampfe, bei dem es ohne harte Worte gewöhnlich nicht abgeht. Wir stehen zur Zeit vor zwei Wahlschlachten und da ist es wohl an⸗ gebracht darauf hinzuweisen, wie Anfang der 60er Jahr der Bürgermeister Vogt⸗Gießen an⸗ läßlich einer Gemeinderatswahl handelte, als er sich durch einen im Wetterauer Boten erschienenen Artikel beleidigt fühlte. In einer Beilage zu Nr. 69 des„Anzeigeblatts“ für die Stadt und den Kreis Gießen lesen wir unter„Vermischte Anzeigen“:„Da der Wetterauer Bote ein in hiesiger Stadt wenig gelesenes Blatt ist, so finde ich mich veranlaßt, den in demselben erschienenen Schmähartikel, welcher hauptsächlich gegen meine Person gerichtet ist, unten im Abdruck der verehrlichen Einwohnerschaft Gießens zur gehörigen Würdigung andurch mitzuteilen und dabei zu bemerken, daß der vermeintliche gebildete Verfasser des fraglichen Artikels leicht zu errathen sein dürfte, wenn ich andeute, daß jener die in diesem erwähnte Stelle eines sogenannten ge⸗ borenen Mitgliedes des Schulvorstandes gerne einnehmen möchte, indem nur der derzeitige Bürgermeister gesetzlich ständiges Mitglied des Schulvorstandes ist. Wogt, Bürgermeister.“—
Gießen. ratswahl nimmt bereits die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grade in Anspruch und dies um so mehr, da es sich jetzt zeigen muß, ob die Bürger Gießens jetzt wirklich den Standpunkt in Bildung und bürger⸗ licher Selbständigkeit einnehmen, welchen sie sich so gerne vindtzieren. Denn gegenüber den Wühlereien eines bekannten unter sehr pfiffiger Leitung stehenden Häufleins altersschwacher Zünftler ist es Aufgabe der liberalen Partei, den Rest der jetzt ausgeschiedenen Ge⸗ meinderatsmitglieder durch selbständige, wahrhaft frei⸗ sinnige Männer zu ersetzen. Es gilt heute nicht mehr
der als der Beste, welcher den dicksten silbernen Knopf 1
auf seinem Bambus in die Ratsversammlung trägt und dort in gemütlich sich wiegender Sitzung, mit aufge⸗ blasenen Backen, die Hände über den Hängebauch ge⸗ faltet, mit schläfrigen Augenlidern sich von dem Schrei⸗ ber die unverdauten Fremdwörter unterbreiten läßt, dann den Angstschweiß sich von der Stirne trocknend ausruft:„widde amohl e Tourche durchgemacht“ und sich zur Erholung mit verschiedenen Portionen Spansau und den dazu gehörigen Flüssigkeiten tröstet. Man hat heute andere Ansichten und verlangt mehr! Nur der, welcher heute wirklich Bildung besitzt, kann auch Achtung beanspruchen und in der Zeit, in der wir leben, ist ohne diese kein Vertrauen. Wie kann ein Mann geborener Schulvorstand sein, der selbst kaum lesen und schreiben kann?— dem es passieren könnte, daß er wie jener Gensdarm das französische Lesebuch verkehrt vor sich hält und verlegen nach seiner Brille in der Hosentasche sucht.“
Nun folgt die Herabsetzung der von einer, wie es heißt, Vertrauensmänner⸗Versammlung ohne Vertrauen als Kandidaten nominirten Ge⸗ meinderäte.— Es war doch damals eine herr⸗ liche Zeit. Wehe heute dem Zeitungsredakteur, der, wie es damals hier geschehen, den Bürger⸗ meister und Schulvorstand so beleidigen würde, den nähm sicher der Staatsanwalt beim Schopf und von Amtswegen würde die Anklage ver⸗ treten. Der längst verstorbene ehemalige Bür⸗ germeister der Stadt Gießen that das heute noch in solchem Falle einzig vernünftige, er hing die Sache tiefer. Die Gießener amüsterten sich gewiß damals köstlich über die Charakterisierung ihrer Ge⸗ meinderäte. Nach unserer Information gingen die von der angeblichen Vertrauensmänner⸗Versamm⸗ lung ohne Vertrauen aufgestellten Kandidaten mit großer Mehrheit aber durch; sie wurden als Stadträte gewählt.
* Grünberg, 3. September. Zwei saubere Früchtchen, die sich erst kürzlich der Tierquälerei schuldig gemacht hatten, haben dieser Tage wieder verschiedene Die bstähle be⸗ gangen. U. a. entwendeten sie in einem Metz⸗ gerladen eine Wurst vom Ladentische. Während iu einem andren Fall der eine der beiden jugend⸗ lichen Gauner Wache stand, begab sich der andre mit einer Flasche durch das Kellerloch in den Keller eines Nachbarhauses und füllte aus einem
Hiernach folgt dann der„Schmähartikel“:
dort lagernden Fäßchen die Flasche mit Brannt⸗
Marja, das Heldenmädchen
von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vry burg (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 8. Kapitel. Spurlos verschwunden.
Marja Witborg war in der Wüste aufge⸗ wachsen. Ihrem Wege boten sich tausend Merk⸗ male, wo ein Anderer nichts sah als Steppe und wieder Steppe.
Sie hatte ihrem Vater die Zügel abgenommen und steuerte das wild dahinstürmende Zebragespann genau nach dem Punkte hin, wo sie vorhin den ent⸗ seelten Körper des Deutschen hatte liegen sehen.
Sie fand die Stelle, der Gesuchte aber war verschwunden.
„Hyänen“, sagte ihr Vater kurz.
Marja sprang vom Wagen. 5 4 Sie war bleich wie der Tod und sprach kein
Wort. Ihre Augen glühten wie im Fieber. Suchend glitten sie über den Boden hin. Sie fand nichts, keine Spur. Das Mondlicht war zu schwach,
um Fußeindrücke auf dem betauten Grasboden er— 1 kennen zu lassen.
„Nun?“ fragte ihr Vater ungeduldig.
E Sie schüttelte nur traurig den Kopf und starrte in die Weite. N „Du meinst, daß er sich entfernt haben könnte? Geben wir ein Zeichen!“/ i Der Farmer gab den beiden Knechten einen Wink, worauf diese vom Wagen sprangen und den stets unbändigen Zebras in die Zügel fielen. herunter, nahm sein wehr von der Schulter und gab einen Schuß worüber die Wüstenpferde scheuten und durch⸗ zen drohten. 5 Da im weiten Umkreise nichts war,
woran der
5
Wüste.
vergebens. 0 4 nirgends ein leiser Anruf. spurlos verschwunden.
Der Fremde
Wort. auch sonst von ihrem schrecklichen Mahl Spuren hinterlassen haben.“
„Wenn es ein Löwe war“, entgegnete Witborg gleichmütig,„dann schleppte er sein Opfer fort nach seinem Lager, um es mit Ruhe zu verzehren. Allerdings ist dieses Edelwild bei uns selten ge⸗ worden. Die Boerenbüchsen haben den einst wild⸗ reichsten Boden Süd⸗Afrika's verödet.“
„Wie magst Du daran denken“, sprach Marja vorwurfsvoll,„während vielleicht ein Mensch unter den Klauen dieser Bestie verblutet!“
„Ich denke wohl daran“, sagte Witborg mit finsterem Trotz.„Hätten wir nur mehr von diesen Bestien leben lassen! Transvaal würde dann nicht von Uitländers übervölkert worden sein. Ich möchte ganze Herden von Löwen auf diese über⸗ mächtigen goldgierigen Fremden loslassen, um sie zu zerreißen.“.
Marsa wandte sich unwillig hinweg.
Immer sah sie das bleiche Gesicht des Deutschen aus dem Grase zu sich emporblicken, dieses schöne, männliche Gesicht mit den edlen Zügen. Wohin war er entschwunden?
„Kehren wir heim!“ sagte ihr Vater.
Schall sich hätte brechen können, verpuffte der Schuß fast ohne Nachschall und dann senkte sich wieder die frühere Grabesstille auf die mondhelle
Noch einen zweiten und dritten Schuß gab der Farmer in kurzen Zwischenräumen ab, und alle spähten und lauschten hinaus in die Ferne, aber Nirgends eine schattenhafte Gestalt, war
„Wilde Tiere können es nicht gewesen sein“, nahm endlich Marja mit gepreßter Stimme das „Sie würden den Boden aufgewühlt und
Ist der Fremde am Leben, dann werden wir wohl noch
einmal von ihm hören; ist er tot, so haben wir kein Interesse weiter, seinen Leichnam aufzuspüren. Komm'!“
Er bestieg den Wagen wieder. Die Knechte folgten.„Nun!“ rief er ärgerlich, als Marja noch immer zögerte.„Was soll's denn noch?“
Das junge Mädchen kämpfte seine Thränen nieder und nahm ihren Platz an des Vaters Seite wieder ein.
„Was denn?“ fragte er halb unwillig, als sie noch einmal nach den Zügeln griff.
„Laß!“ entgegnete sie kurz. Im nächsten Augen- blick beschrieben die gestreiften Renner einen Bogen. Marja plante nichts weniger, als eine Rundfahrt im Großen, denn noch klammerte sie sich an den Ge⸗ danken, daß der Deulsche wieder zu sich gekommen und aufgebrochen war, um sie zu suchen. Witborg protestierte. Aber da half nichts. Seine Tochter war ebeuso starrsinnig wie er.
Marja's Unstern wollte es, daß sie zuerst nach Süden ablenkte.
Plötzlich zog sie im rasenden Laufe die Zügel so straff an, daß Zebras und Maulesel über einander stürzten.
„Was machst Du?“ schrie Witborg.
„Vater, hörst Du nichts?“
Marja war aufgesprungen. Unbekümmert um die von ihr angerichtete Verwirrung starrte sie bang lauschend in die Ferne, während die abgesprungenen Knechte den gestürzten Tieren auf die Beine halfen.
„Schüsse!“ rief aufhorchend der Farmer.
Matt drangen sie aus unbegrenzter Steppen⸗ ferne zu den Ohren der Lauschenden.
„Räuber— Uitländers!“ murmelte Witborg, sein Gewehr fester aupackend.„Verdammt, und da nicht zwischen zu fahren! Nach einem Toten suchen, während die Lebenden—“
Er vollendete den Satz nicht, riß die Zügel an
sich und die Tiere empor. Kaum, daß die Knechte Zeit hatten, auf den Wagen zu klettern, dann flog das Zebragespann schattengleich über die mondhelle Steppe nach Norden.
Auch dieses Jagen war vergebens.
Als die Wageninsassen in Sichtweite der stillen Farm an dieser vorüberfuhren, lag das von den Verschwörern verlassene Gehöft wieder so dunkel und öde da, als wäre es unbewohnt gewesen.
Nun ging die Fahrt heimwärts und endete ohne weiteren Zwischenfall..
Seit jener ersten Begegnung mit dem Deutschen trug Marja ein ganz verändertes Wesen zur Schau. Mehr als sonst weilte sie jetzt in der Wüste, und daheim zeigte sie sich einsilbig und in sich gekehrt. Ihre schönen, von der Mutter erlernten Lieder waren verstummt, sehr zum Verdruß des Boeren, der bei aller landesüblichen Rauheit seine ver⸗ storbene deutsche Frau aufrichtig geliebt hatte und
Entschlafenen weilte.
„Was soll das heißen?“ fragte er einmal Marja streng.„Du bist zerstreut, einsilbig und immer in Gedanken versunken. Deine trüben Augen sprechen von durchwachten Nächten und heimlich vergossenen Thränen. Bist doch nicht etwa verliebt.“
Marja, noch eben so bleich, errötete bis unter die Stirnhaare.
„Nein, Vater, das bin ich nicht“, entgegnete sie gepreßt und schlug die Augen zu Boden.
„So“, sagte er zweifelnd.„Und was fehlt Dir denn? Bist krank?“
Sie schüttelte still den Kopf.
„Zum Donnerwetter—“ begann er.
„Ich muß nur jetzt öfter an meine Mutter denken“, fiel sie besänftigend ein.
(Fortsetzung folgt.)
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Die demnächst stattfindende Gemeinde⸗
auch heute noch oft in der Einnerung bei der teuren


