Gießen, Sonntag, den 3. Mai
1896.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeikung.
1 7 2 7 2 9 0 5 77 5 5 5 N 788. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: der Reih— U. 8 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 20 Kreuzplatz Nr. 4. 1 — 195 7 7 tag, die internationale Solidarität und den Völkerfrieden] die versammelten Lehrer und warf einen Rückblick auf] 50„(diese Karten werden an Turner, sonstige 0 Lokales und Provinzielles. 1 gewillt sind. Mehr noch als die Arbeiter der die vor 12 Jahren hier stattgehabte Generalversammlung Ane am Festzug und die Mitwirkenden Gießen, 2. Mai. Der erste Son tag 25 155 änder müssen 805 8 bereit fein ihre ganze des Vereins und die seitherige segensreiche Entwicklung bei festlichen Darbietungen abgegeben). Alle i Mat— wie viele Millonen und aber Kraft einzusetzen für die Forderung eines ausreichenden] des hessischen Volkschulwesens. Vieles sei seither geschehen, Dauerkarten gelten auch für die Vorfeier. Als Mam, 1 5 Arbeiterschutzes. Die ihnen im Februar 1890 gemachten] um die materielle Lebensstellung der Lehrer und ihrer f N
Millionen Herzen schlagen ihm hoffnungsfreudig
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entgegen! Wird er die richtige Maiwärme, den fen Maihimmel bringen? Sind doch die Mlisonntage, wenn sie ihrem Namen Ehre machen, die schönsten Sonntage im Jahr, so recht geeignet zu wundervollen Ausflügen in Busch
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und Wald, zu traulichen Picknicks und sonstigen 0 Festivitäten im Grünen. Nur ganz verknöcherte Philister bleiben an solchen Tagen grämlich zu Haus oder ziehen die Bierbank in der Kneipe dem luftigen Sitz auf frischem Rasen, dem Dämmern und Träumen auf moosigem Grunde vor. Manchen lockt heute sogar der Ton der Glocke vergeblich zur Kirche, denn leider sind die Sonntage vielen die einzigen freien Tage in der Woche, die einzigen Tage, an denen sie eine Luft⸗ und Duftkur im Garten, auf dem Anger und in der Heide mit gutem Gewissen sich er⸗ lauben dürfen. Der Herr Pastor wird ihnen nicht böse sein, wenn er sie heut bei der Predigt auf dem gewohnten Platze vermißt, und der liebe Gott erst recht nicht. Kündet ja die Blüte am Baum, die Blume auf dem Felde, nicht minder beredt seine unermeßliche Schöpfermacht, wie das fromme, verheißungsvolle Wort in der Bibel. Es ist etwas Schönes und Erhebendes um solch einen Sonntagsspaziergang im Maien. Die Dichter haben ihn wieder und wieder besungen und werden nicht müde, neuen Tönen zu seinem Preise nachzusinnen. Die kleinen Vögel, denen die Kraft und der Schmelz der menschlichen Sprache versagt ist, fühlen sich dennoch festtäglich ge t, und ihr Lied begrüßt ihn schmetternd iu fröhlichem Chore. Vogel- und Menschengesang, Glockenläuten und Waldesrauschen vereinigen sich zu einer gewaltigen Melodie, dagegen die kunst⸗ bollsten Sinfonien der Konzertsäle bescheiden ver⸗ stummen müssen. Holde Sehnsucht, süße Pfingst- ahnung zieht in Millionen und aber Millionen Gemüter ein, die Sonne leuchtet so mild wie ein treues Mutterauge herab, weiße Wölkchen attern wie Friedenstauben über das blaue Zelt. Gegrüßt und Nee du erster Sonntag im Mat! Und Heil und Glück und frohes Genießen
bis zur 0 den Menschen! 0 1 Gießen, 2. Mai.(Maifeier.) Die drei Buckasin. hon der sozialdemokratischen Partei ein⸗
berufenen Versammlungen waren sehr gut 5 besucht; in starker Anzahl waren auch Frauen anwesend. In allen Versammlungen wurde nach 0 90 Entgegennahme eines Referates über die Be⸗ 5 Dee
heutung des 1. Mai folgende Resolution an⸗ genommen:
Die heute am 1. Mai, am Weltfeiertage der Arbeit, bersammelten Arbeiter und Arbeiterinnen beweisen, daß sie mit aller Energie für die in der Maifeier zum Ausdruck
Mai ab lommenden Forderungen, vor allem für den Achtstunden⸗ Nl. 4 Sascha. Novelle von Graf Günther Rosenhagen. Haus). Schluß. arthie? Alimäßlich verspürte er Müdigkeit und eine 5 hurchtbare Angst ergriff ihn. Er raffte seine ganze chterei. nergie zusammen, er wollte, er mußte weiter, sonst Wust. 2 par Alles verloren, und wieder ging er eine Stunde . 15 100 der anderen, bis das Unwetter sich legte, aratur el die Morgenkälte seine Glieder durchfröstelte und 1 2 dlich die Sonne mit hellem Schein durch die Taschenußt
Bolken brach. Nun machte er Halt, setzte sich nieder und gönnte sich Zeit zur Stärkung. Er ahm das Brot, das er sich mitgenommen, aus feiner Tasche und trank von dem Wein, den seine Feldflasche barg. Er sah sich um: so weit das lunge reichte, nur Meer und Dünen, kein mensch— hes Wesen war zu erblicken, nur in weiter, weiter Ferne sah er mit seinen scharfen Augen einige Isscher, die mit ihren Booten zum Fang hinaus⸗ fahren waren. Neugestärkt wollte er sich erheben, ler seine Füße und Glieder schmerzten und eine llergroße Müdigkeit nahm plötzlich seine Sinne engen:„Nur nicht schlafen,“ dachte er,„uur des nicht.“ Er stand auf und wanderte weiter, er wie ein Schlaftrunkener taumelte er hin und Nun kühlte er seine heiße Stirn und seine en, dem scharfen Wind brennenden Augen mit en kalten Meerwasser, für eine kurze Zeit er⸗ sschte es ihn und mutig ging er vorwärts. Da guchte nicht weit vor ihm ein Fischerdorf auf, er ch die Bewohner mit der Arbeit am Strande be— gäftigt. „Sie werden mir helfen“, dachte er,„sie werden ich verstecken und verbergen, wenn ich ihnen Geld be. Bis zum Abend kann ich bei ihnen bleiben id mich dann im Dunkeln wieder aufmachen.“
Versprechungen sind zum großen Teil noch nicht einmal bis zu Erwägungen der Regierung gediehen, und erst in diesen Tagen hat die Majorität des Reichstags bewiesen,
daß sie auf dem persönlichen Standpunkt des bürgerlichen
Klasseninteresses steht, daß sie den Bäckerei-Arbeitern nicht einmal die küumerlichen Arbeiterschutz-Bestimmungen, bie der Bundesrat dekretierte, zugestehen will. Dieses Ver⸗ halten sowie der Kampf gegen den Achtuhr-Ladenschluß für die Handlungsgehilfen, bei dem alle bürgerlichen Par⸗ teien einig gehen, beweist, daß die Arbeiterklasse sich durch feste, alle Arbeiter umfassende Organisationen zu stärken hat, um ihren Forderungen den gebührenden Nachdruck zu geben. Dieses Ziel bald zu erreichen, hierfür mit aller Energie einzustehen, verpflichten sich alle Anwesenden. Sie erklären bestimmt, anch ferner durch Bekämpfung des Militarismus dem hohen Ziele des Völkerfriedens ent⸗ gegenzustreben. Als ihre höchste Pflicht betrachten es die Anwesenden, die Arbeitermassen mit der Ueberzeugung zu erfüllen, daß nur durch die Arbeiter selbst, ohne falsches Vertrauen auf Unterstützung von den besitzenden Klassen, das Loos der Arbeiter in der Gegenwart gelindert und eine bessere Zukunft herbeigeführt werden kann. Die Ver⸗ sammelten richten brüderliche Grüße an die zur Bekundung der Solidarität heute am 1. Mai versammelten Arbeiter der ganzen Welt.
Gießen, 2. Mai. Herr Dr. med. H. Heubel, seither Assistenzarzt in der hiesigen gynäkologischen Klinik hat sich als Arzt in Romrod nieder⸗ gelassen und bereits die Praxis aufgenommen.
* Gießen, 2. Mai. Am 21. April wurde dem Schulamtsaspiranten August Habicht aus Langenhain, Kr. Lauterbach, eine Lehrerstelle an hiesiger Volksschule übertragen.
Mainz, 2. Mai. Herr Kaplan Landvogt zu Ilbenstadt wurde zum Kaplan im Konvikt zu Bensheim und Kaplan Blum daselbst zum Kaplan in Nieder⸗Olm ernannt.
Gießen, 2. Mai. Unser Abdruck eines Aushangs am schwarzen Brett des Kreisphysikus Dr. Roth in Marienburg⸗Westerwald über die angeblich traurigen Verhältnisse für einen zweiten Arzt im dortigen Kreise hat das Gute gehabt, daß die Kreiseingesessenen gegen diese Behauptung mit Erfolg Verwahrung einlegen konnten. Einer unserer jungen Aerzte hat sich dort niedergelassen und soll, wie uns mitgeteilt wird, im Kreise sehr viel in Anspruch genommen werden. Er hat also doch eine auskömmliche Praxis gefunden.
Gießen, 2. Mai. Die Berufung der Studenten Freißfeld und Schnitzler ist nicht, wie wir gestern mitteilten, zurückgenommen, sondern die Verhandlung wurde nur vertagt.
* Bad Neuheim, 30. April. Die heutige ordent⸗ lichedeneralversammlung des hessischen Landes- lehrervereins war von etwa 500 Lehrern aus allen Teilen des Landes besucht. Bei Beginn der Versamm⸗ lung wurde unter allgemeiner Zustimmung ein Huldigungs⸗ telegramm an Se. Königl. Hoheit den Großherzog abge⸗ sandt. Obmann Backes begrüßte in warmen Worten
Hinterbliebenen zu heben. Auch der Landeslehrerverein, der in seinen Bestrebungen mit dem obersten Schul⸗ regiment Hand in Hand ginge, sei seither von 1900 auf 2600 Mitglieder erstarkt. Besonders segensreich habe sich der vor 12 Jahren hier gegründete gegenseitige Unterstützungsverein provisorisch angestellter Lehrer in Erkrankungsfällen erwiesen. Oberlehrer Feuerbach be⸗ grüßte die Versammlung namens der Stadt, des Orts⸗ ausschusses und der hiesigen Lehrerschaft. Die Festrede hatte Schulinspektor Scheerer von Worms übernommen, um gelegentlich des neulich stattgehabten und gefeierten 150. Geburts⸗Gedenktages Pestalozzis in fast einstündiger Rede ein von Begeisterung zeugendes Lebensbild des großen Volkserziehers zu entwerfen. Reicher Beifall lohnte den Redner. Ferner wurde fast einstimmig ein Antrag des Bezirksvereins zu Darmstadt auf Er⸗ weiterung des Züchtigungsrechts() des Lehrers in der Schule angenommen. Der Vorsitzende, Obmann Backes, dankte zum Schluß noch einmal für das freundliche Ent⸗ gegenkommen, das die Lehrer hier gefunden und schloß dann die Versammlung. Gestern Abend hatten sich Lehrer und hiesige Schulfreunde zu einem Festkommerse zusammengefundrn, der durch Gesang, Musik und An⸗ sprachen belebt und durch die Anwesenheit von Damen verschönt war.
*Darmstadt, 2. Mai. Von der Fest⸗ ordnung für die Jubelfeier der Turngemeinde Darmstadt wird folgendes bekannt: Am 31. Mai findet die Vorfeier mit einem Schauturnen am Nachmittag, Ansprachen, Gesängen, Musikvorträgen und turnerischen Darbietungen in dem Festzelt am Abend statt. Mit der Begrüßungsfeier am Abend des 6. Juni wird das Jubelfest eröffnet werden, und ist dieser Teil der Festordnung für die Uebermittelung der Glückwünsche an die Turn⸗ gemeinde vorbehalten. Der Hauptfesttag, 7. Juni, soll den Festzug, ein großes Schau— turnen am Nachmittag und ein Festbankett am Abend im Festzelt bringen. Am zweiten Festtag ist ein Vereins-Riegenturnen unter Mitwirkung auswärtiger Turngenossen am Vormittag, ein Volksfest am Nachmittag und der Schluß der Feier am Abend in Aussicht genommen. An allen abendlichen Veranstaltungen werden Gesang, Musikvorträge und Aufführungen der Turn⸗ mannschaft in die Festordnung eingereiht werden. Außerhalb des Festzeltes soll der übliche„Jux⸗ platz“, wenn auch in dem durch die Raumver⸗ hältnisse gebotenen kleineren Maßstabe, für die Unterhaltung der Festplatzbesucher sorgen.— Nach dem vom geschäftsführenden Ausschuß ge⸗ nehmigten Antrag des Finanzausschusses ist der Kartenverkauf wie folgt geregelt: Familien⸗ Dauerkarten, gültig für vier Personen, 3, Einzel⸗Dauerkarten 1, Turnfestkarten mit Gewährung von Freiquartier an Auswärtige 1%, Tageskarten nur für den 7. Juni zum beliebigen Ein- und Austritt gültig
Tages⸗Kassenpreise— für einmaligen Besuch des Festplatzes— sind bestimmt: für die Vor⸗ feier 30 H, für jeden der drei Hauptfesttage 50.
*Pfungstadt, 2. Mai. In diesem Jahre feiert die Brauerei J. Hildebrand ihr fünf⸗ zigjähriges Bestehe n. Nachdem der Gründer derselben, Herr Justus Hildebrand seine kleine Handbrauerei im nahen Orte Hahn verkauft hatte, errichtete er im Jahre 1846 in Pfungstadt die jetzige Brauerei. Es war dies eine der ersten in Mitteldeutschland, die untergährige Biere erzeugte und fanden dieselben einen solchen An⸗ klang, daß sich das Geschäft von Jahr zu Jahr vergrößerte. Die Produktion war anfangs etwa 480 Hektoliter, steigerte sich aber so, daß 1864 bereits 7000, 1871 schon 35000 und hente über 60000 Hektoliter verkauft werden. Beschäftigt sind 107 Personen und betragen die Gehalte und Löhne etwa 150000 l, die Brausteuern 60 000 Mark. Verarbeitet werden an Gerste 40000 Ztr., an Hopfen 450 Ztr., an Kohlen 52 000 Ztr. Hierzu die verschiedensten Unkosten und was für die Pfungstädter Handwerker nicht unweseutlich ist, die baulichen Reparaturen und Neubauten. Alles in allem handelt es sich hier um ansehn⸗ liche Beträge. Aus Anlaß des 50jährigen Be⸗ stehens der Brauerei soll im Laufe des Sommers eine größere Feier stattfinden. Sämtlichen Ar⸗ beitern ist aber bereits vom 1. Mai ab eine Lohnzulage verwilligt, auch wurde die Ar⸗ beitszeit um eine Stunde gekürzt.
* Mainz. Kündigung. Gestern Abend, unmittelbar nach Genehmigung der Verbrei⸗ terung der Schusterstraße durch die Stadtver⸗ ordneten⸗Versammlung, sind den Mietern in dem Hause der Frau Lekisch Wittwe, die Mieträume auf den kürzesten Termin gekündigt worden.
Mainz, 2. Mai. Ueber die Verstaat⸗ lichung der Hessischen Ludwigssbahn geht die Annahme dahin, daß der Schwerpunkt der Verhandlungen von Darmstadt nach Berlin verlegt werden dürfte, weil die großen Gruppen von Aktionären aus Norddeutschland, welche in der Generalversammlung vertreten waren, in Berlin die Hebel ansetzen werden, was vielleicht günstig ist, weil bei den in Preußen zuletzt vor⸗ genommenen Bahnverstaatlichungen man von größeren Gesichtspunkten ausging, als dies bei der Verstaatlichungsangelegenheit in Darmstadt der Fall war. Am Mittwoch, den 3. Juni, vormittags 11 ¼ Uhr, hält die Eisenbahn-Gesell⸗ schaft eine außerordentliche Generalversammlung ab, in welche über das gemeinsame Anerbieten der königlich preußischen und großherzoglich hesst⸗ schen Regierung wegen freihändigen Ankaufs der Hessischen Ludwigsbahn und die hierdurch bedingte Auflösung der Gesellschaft verhandelt wird.
Seine Sohlen brannten wie Feuer, er zog Stiefel und Strümpfe aus und badete seine Füße. Langsam und mühsam waren seine Schritte, er fühlte, daß es bald mit seinen Kräften zu Ende sei, die Glieder waren ihm wie zerschlagen. Er raffte seine Kräfte zusammen und lief, um die ersten Häuser zu erreichen. Mutig biß er die Zähne auf einander und sank endlich, wenige Schritte vor den Fischern, ohnmächtig zu Boden. Mitleidig hoben ihn die Leute auf und trugen ihn in eine Hütte
Ein tiefer Schlaf bemächtigte sich des ermatteten Knaben. Er hatte seine Leistungsfähigkeit über— schätzt. Als er nach einigen Stunden aus einem todesähnlichen Schlummer erwachte, saß Markewitz an seiner Seite, seine glühenden Hände in seiner Rechten. Sascha versuchte aufzuspringen und zu entfliehen.
„Onkel Markewitz, laß mich— laß mich gehen, ich muß fort, damit Ihr Beide, Du und mein Mamming, glücklich werdet. Wie kommst Du auf meine Spur?“
Liebevoll strich ihm Markewitz über das erregte Gesicht und zwang ihn durch seinen Blick auf die Kissen zurück.„Sascha, mein Galupschick, bleibe ruhig bei mir! Die Zollwächter haben einen kleinen tapferen Jungen in Sturm und Regen am Strand entlang laufen sehen, aber ihn wegen der Dunkel— heit trotz ihrer Bemühungen nicht einzuholen ver— mocht!— Und was Du in dem thörichten Un— verstand Deines guten Kinderherzens unternommen, hat mich in meinem tiefsten Innern beschämt. Wie Dir die Liebe Mut und Kraft gegeben hat, zu leiden und Strapazen zu ertragen, so wird mir die Liebe fortan Kraft und Lust zur Arbeit geben. Es wird mir gelingen, durchzuführen, was ich mir vor⸗ genommen habe. Noch heute fährst Du zu Deiner
Mutter zurück, ich aber gehe, um Arbeit zu suchen, die uns zusammenführen soll. Sag das Deiner Mutter— bald bin ich wieder bei Euch und dann, mein Sascha, werde ich so stolz auf Dich sein, wie es nur immer ein Vater auf seinen Sohn sein kann.“
Vermischtes.
— Fulda, 2. Mai. Als der Tag der feierlichen Einweihung der neuen evangelischen Kirche zu Fulda ist der 1. Juli d. Is. in Aussicht genommen.
— Ober-Mörlen, 2. Mai. Eine Loosgesellschaft von 21 Personen, von denen 20 dem Arbeiterstand ange⸗ hören, hat in der preußischen Klassenlotterie 50 000, l gewonnen.
— Nassau a. d. L., 2. Mai. Der 24 Jahre alte Postgehilfe Georg Gros gebürtig ans Neuenrod, hat einen Wertbrief mit 1 915 unterschlagen und ist vorgestern in der Richtung über Koblenz flüchtig gegangen.
— Nach fünfundzwanzig Jahren. Unter dieser Spitzmarke bringt der„Kobl. G.⸗A.“ folgende Erinnerung an 1870 bis 1871: Es war in der Schlacht bei Amiens, als eine Husarenpatrouille von 6 Mann unter Führung des Sekonde-Lieutenants Werlitz gegen Franktireurs von den Franzosen angegriffen und heftig beschossen wurde; Werlitz wurde durch eine Flintenkugel schwer verletzt. Schließlich mußte die Patrouille der Uebermacht weichen und retirieren. Da trat der Husar Hillesheim aus Horch⸗ heim bei Koblenz an die Spitze und kehrte mit seinen Kameraden in die Schußlinie der Feinde zurück, um seinen Offizier zu retten. Es gelang ihm auch unter eigener Lebensgefahr den Schwerverwundeten in Sicherheit zu bringen.— Dieser Tag nun trafen sich die beiden Kämpfer von 1870 bis 1871 bei dem Regimentsfeste in Trier wieder, der ehemalige Lieutenant als Major und der ehemalige Hillesheim als Wirt und Veteran. Daß das Wiedersehen ein mehr als herzliches und rührendes war, ist klar.— Wie erstaunte uber unser wackerer
Vaterlandsverteidiger, als er kurz nach seiner Rückkunft nach Hause eine Kiste erhielt, die einen prächtigen Pokal. mit Goldfassung enthielt, mit folgender Widmung:„Treue gegen Treue! Selnem Lebensretter, dem Husaren Franz Hillesheim aus Horchheim zur Erinnerung in Dankbarkeit gewidmet von seinem ehemaligen Patrouillenführer, Se⸗ konde⸗Lieutenant jetzigen Major Werlitz. 1870— 1871— 1895/1896.“
— Succi blamirt? Eine Wiener Lokalkorrespon⸗ deuz bringt über den bekannten„Fastenkünstler“ und sein jüngstes„dreißigtägiges Fasten“ sehr überraschende Mit⸗ teilungen. Hiernach wäre am 25. Fasttage Succis ein klinischer Operateur des Wiener allgemeinen Kranken⸗ hauses unvermatet in das Zimmer Succis getreten, dem gerade ein Kellner Sekt eiugeschenkt hat, während der berühmte Fastenkünstler gleichzeitig einen Bissen Beefsteak in den Mund führte. Anstatt heftig zu erschrecken und an dem fatalen Bissen zu würgen, habe Succi mit kaum merkbarer Verlegenheit gelächelt, worauf sich der Arzt von dem heroischen Italiener verabschiedete. Wahrschein⸗ lich habe der Fastenkünstler Succi gehofft, der Besucher sei der Meinung, daß die nahrhafte Speise für den Kellner bestimmt gewesen sei. Wie dies sich mit dem Umstande reimt, daß der Arzt den Fastenkünstler beim Essen er⸗ tappt habe, ist nicht recht begreiflich; ebenso bleibt uner⸗ klarlich, warum der ärztliche Besucher bis nach Abschluß der Hungerperiode mit seiner Enthüllung gewartet haben soll. An das Ueberwachungs-⸗Komitee sei“ aber eine Zu⸗ schrift gelangt, damit eine hochnotpeinliche Untersuchung eingeleitet werde. Succi wird übrigens nicht leugnen, zur kritischen Zeit Champagner getrunken zu haben, da ihm die Aerzte in den letzten Tagen zur Präparirung seines Magens für die erste Mahlzeit Champagner ver⸗ schrieben hatten. Das Ueberwachungskomitee, das gleich⸗ zeitig mit Succi blamirt wäre, wird sich mit dem Ope⸗ rateur, der den Hungerer entlarvt haben will, ausein⸗ andersetzen.
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