Ausgabe 
1.3.1896
 
Einzelbild herunterladen

pfiellt; Mark an, Mark an, 7 Mark an,

I- Uhren

an, fark al. ul und pill,

zometer, . tze.

uu

Cagen weist al, stner Wohuunt part, Tigse

laufen ue.

* ohn, Kesselschnc

lw.

, jenoß.

Nichtbestehen für diese Betriebe, aber der gesunde Menschen⸗ bderstand mußte dem Angeklagten sagen, daß bei

Gießen, Sonntag, den 1. Mürz

1896.

.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

A 2

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 29. Februar. Gestern fand am h'esigen Gymnasium unter dem 1510 des Herrn Geh. Oberschulrat Soldan die mündliche Reife prüfung statt. Von 16 Abiturienten bestanden 15 die Prüfung. 8 Prüflinge waren ganz, 4teil weise vom mündlichen Examen befreit.

* Gießen, 29. Febr. Die Delegiertenver sammlung des mittelrheinischen Verbandes evang. per elne welche am letzten Sonntag imScheffeleck zu Frankfurt a. M. tagte und von allen Verbandsvereinen außer Dotzheim beschickt war, wählte den Evang. Ar⸗ beiterverein Gießen zum Vorort und Pfarrer Dingeldey⸗Gießen zum Verbandsvorsitzenden für die nächsten beiden Jahre.

Gießen, 28. Februar. Gestern hatte sich vor der hiesigen Strafkammer der Sand grubenbesitzer Engel aus Oberroßbach wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. In der Grube des Angeklagten wurde im November vorigen Jahres der Knecht Lautenschläger verschüttet und fand so seinen Tod. Es wird dem Angeklagten zur Last gelegt, nicht die ge hörige Vorsicht angewendet zu haben bei der gefährlichen Arbeit. Engel erklärt, er habe seit 9 Jahren stets in derselben Weise arbeiten lassen. Lautenschläger sei stets zur Vorsicht ermahnt worden, aber trotzdem sehr leichtsiunig gewesen. Der als Sachverständiger vernommene Architekt Stein⸗Gießen, welcher die Uuglücksstelle be⸗ sichtigt, erklärte, daß die Sandgrube wie alle derartigen Gruben in Hessen, senkrecht abgebaut gewesen, sodaß wahrscheinlich der obere Rand der der irg an der Unglücksstelle über die Sohle der Grube etwas hinaus geragt habe. Diese geübte Methode der Sandgewinnung sei überaus gefährlich für die Arbeiter. Es sei be dauerlich, daß von der betreffenden Behörde zum Schutze der Bedrohten hiergegen keine An⸗ ordnungen getroffen würden. Staatsanwalt Koch hielt den vorliegenden Fall um deswillen lehr milde liegend, weil der Verunglückte offenbar selber trotz der Warnung leichtsinnig sein Leben gewagt habe, aber dieser Umstand könne doch den Angeklagten nicht ganz entlasten. Engel mußte wissen, wie leichtfertig er die Saudgewin⸗ mung betreiben ließ. Lautenschläger war gar nichk an der jäh senkrecht stehenden Wind thätig, er stand 2 Meter davon entfernt, als dieselbe über ihm zusammenbrach und so dessen Grab wurde. Auch der Staatsanwalt bedauerte das von Unfallverhütungsvorschriften

dem senkrechten Abbau seiner Grube einmal Menschenleben in Gefahr kommen würden. Sein Antrag laute, daß 2 Wochen Gefängnis eine nus reichende Sühne für das Vergehen des An⸗ geklagten seien. Der Verteidiger des Angeklagten Dlaidierte auf Freisprechung seines Klienten. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten dem An⸗ trag der Staatsbehörde gemäß zu 14 Tagen Gefängnis.

Eine Grabschrift. Plauderei von V. Buchwald. (Fortsetzung.)

Sie haben einen wetterwendischen Verbündeten.

Das finde ich nicht. Er ist beständiger als sein Zruder, der Lenzwind; kommt nicht wie dieser mit Dagelschauern und Regen und dann wieder kosender, schwüler Freundlichkeit. Ich liebe den Herbst mit feinen Fernsichten, seiner durchsichtig klaren Luft.

Sie standen auf einem Hügel am Ausgang des Parkes, wo das Auge eine entzückende Fernsicht Weite Wieseuflächen zogen sich ins Land nein, zwischen denen ein Fluß seine Wellen zum Meere trug. Sanft in die Höhe steigend erschienen

schtenbewachsene Berge in der Ferne, an die sich

n Dörfchen wie au einen Mutterarm schmiegte. Dazu die bunte Pracht, mit der sich die Erde

1 94 cmückte, das leuchtende noch einmal aufflammende Sonnengold, die frische herbe Luft wie von nahendem Lis durchzittert die durchsichtige Ferne, aus relcher die Ewigkeit grüßte.

Ist mein Freund, der Herbst nicht schön? bchelte Ilse.

Rochus neigte sein Haupt wie in Gedanken wrsunken. Wie kaun man sich nur in durchhitzten Zim-

rern aufhalten, wenn es draußen so herrlich ist? fir Ilse fort.

Der Geburtstag meiner Schwägerin wird

imer mit einem Ballfest gefeiert, das schou am hachmittag beginnt, sagte Rochus.

Wie nach alter Tradition das Geburtsfest der serrin von Rochusberg, entgegnete Ilse.Der-

Gießen, 29. Febr. In der am Montag, den 2. Marz unter Vorsitz des Landgerichtsrats Seeger beginnenden Schwurgerichtsperiode werden folgende Fälle zur Verhandlung kommen: Mon⸗ tag, den 2. März gegen Georg Baetz von Gar benteich wegen Mordversuch. Ankläger: Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich. Verteidiger: Justizrat Dr. Reatz. Dienstag, den 3. März gegen Wilhelm Eckhardt von Ruppertsburg wegen Meineid. Ankläger: Staatsanwalt Zim- mermann. Verteidiger: Justizrat Ba ist. Mittwoch, den 4. März Ludwig Becker von Ruttershausen wegen Notzuchtsversuch. Ankläger: Staatsanwalt Zimmermann. Verteidiger Rechtsanwalt Weidig. Donnerstag, den 5. März Nathan Sommer II von Crainfeld wegen Meineid. Ankläger: Staatsanwalt Koch. Verteidiger Rechtsanwalt Katz. Die Sitzung beginnt Morgens 9 Uhr.

Gießen, 29. Februar. Wegen des der Gotteslästerung beschuldigten und von der Strafkammer dieserhalb zu 6 Wochen Gefängnis verurteilten Schuhmachermeisters Schelper ist vor einigen Tagen ein mit zahlreichen Unter schriften versehenes Gnadengesuch nach Darm stadt abgegangen.

Gießen, 29. Febr. Gestern Abend fand im Hotel Viktoria eine gemeinsame Sitzung des Verwaltungsrats und Vorstandes der Gießener Omnibus⸗-Gesellschaft statt. Es wurde beschlossen, zum 28. März im Restaurant Feidel (Bavaria) eine Generalversammlung mit folgen⸗ der Tagesordnung einzuberufen: Geschäftsbericht Rechnungsablage Vorstandswahl Neu wahl des Verwaltungsrats Versicherung des Pferdebestandes. Es soll sich ferner die General versammlung schlüssig machen, ob und in welcher Weise eine Betriebs-Einschränkung eintreten soll.

Gießen, 29. Februar. Heute Morgen brach bei dem Gießen⸗-Frankfurter Zuge in Eschersheim die Kuppelung eines Wagens in der Mitte des Zuges. Die Beseitigung des Fehlers führte eine halbstündige Verspätung herbei.

Gießen, 29. Februar. Das Theater Wallenda, welches zuletzt vor drei Jahren hier mit großem Beifalle Vorstellungen gab, hat in Oswalds Garten wieder sein Theater aufge richtet. Es ist uns bekanut, daß dasselbe in andern größeren Städten bemerkenswerte Er folge erzielte. Wir können den Besuch ange legentlichst empfehlen.

Gießen, 29. Februar. Schaltjahre haben die üble Gewohnheit, einen Tag länger zu dauern als andere normale Jahre. Sie sind deswegen bei Pessimisten wenig beliebt, die den überzähligen Tag, den unglücklichen neunund zwanzigsten Februar, etwa wie ein Findelkind betrachten, das jedem im Wege ist und von jedem geknufft und gepufft wird. Selbst Bruder Studio, der das Leben noch stets von der heitersten Seite nahm, schaut trüb und verdrossen drein, wenn der Neunundzwanzigste herannaht: trennt er ihn doch einen vollen Tag länger vom sehnlichst er

harrten Monatswechsel! Die wackere Hausfrau, der sonst der Februar aller Monate liebster war, weil sie so hübsch zwei Tage Wirtschaftsgeld sparen und für den neuen Frühjahrshut weg⸗ legen konnte, ist nicht minder erbost auf das tückische Schaltjahr, das ihre Berechnung grausam zu Schauden macht; und aller Groll, den sie heimlich im Busen hegt, kommt natürlich am Neunundzwanzigsten schrecklich zum Ausbruch. Der Gatte muß sich, obwohl er die Schaltjahre nicht erfunden hat, mit dünner Mehlsuppe oder Kartoffeln und Hering begnügen und entschädigt sich selbstredend durch ein schwelgerisches Mahl in der Kneipe, was ihn seinerseits veranlaßt, dem Neunundzwanzigsten zu fluchen, der so unnütze Ausgaben heraufbeschwört; die Kinder murren, weil sie mit trocknen Semmeln zur Schule und halb verhungert abends zu Bette geschickt werden; Guste, die Köchin, provoziert wegen schlechtbelegter Stullen mit derGnädigen einen Skandal, der gleichfalls dem bösen Neundundzwanzigsten zur Last fällt. Allen, die keine Krösusse sind und auf Geld warten, ist dieser Tag ein Gräuel; mit gerunzelter Stirn und giftiger Rede em pfangen sie ihn, und aufatmend, ohne Klage, sehen sie ihn scheiden. Nur ein kleines Häuflein geplagter Erdenkinder begrüßt ihn als eine will kommene Galgenfrist. Das sind die Aermsten, die am ersten März einen fälligen Wechsel zu zahlen, eine Schneiderrechnung oder sonst eine drückende Schuld zu berichtigen haben. Am liebsten möchten sie, daß er ewig währe; da er jedoch diese löbliche Eigenschaft nicht besitzt, viel⸗ mehr genau so kurzlebig ist wie alle übrigen Tage des Jahres, so stellt er auch sie nicht völlig zufrieden und wird mit bitteren Gefühlen und bangen Seufzern von ihnen zu Grabe geleitet. Nun, tröstet Euch, Ihr Unzufriedenen. Wenn Ihr den heutigen neunundzwanzigsten Februar überstanden habt dann ist acht Jahre Ruhe vor dem bösen Tage. Erst im Jahre 1904 kehrt er wieder. Und dann werden wir hoffentlich auch mit ihm fertig werden.

D. Z. Bad Nauheim, 26. Februar. Der unselige Hang zu alkoholhaltigen Getränken hat hier ein Opfer gefordert. Der Fuhrknecht eines hiesigen Fuhrunternehmers kam gestern Abend gänzlich betrunken mit seinem Fuhrwerke in einer vor der Stadt gelegenen Sandgrube an und wurde dort von dem Aufseher der an den Erd arbeiten beschäftigten Arbeiter verwiesen, da ihm bei seinem Zustande die Pferde nicht mehr länger anvertraut bleiben konnten. Der Betrunkene wußte sich aber trotz dem Verbot seines vor der Grube stehenden Fuhrwerks heimlicherweise zu bemächtigen und fuhr mit demselben ab. Es war sein Verhängnis. An einem Hohlweg geriet er unter den Wagen, dessen Räder ihm den Kopf förmlich zermalmten. Der Tod trat augen blicklich ein.

Nidda, 28. Febr. Hier bildete sich ein Verein, der einem allgemeinen Bedürfnis Ab hilfe schaffen will. In der Dißphteritisepidemie von 1893 wurden einzelne Geschäftsleute durch vorkommende Krankheitsfälle schwer geschädigt,

da sie ihre Kranken in kein Krankenhaus bringen konnten und jedermann ihnen auf Wochen das Haus mied. Der neue VereinKranken⸗ pflege hat sich nun zur Aufgabe gesetzt, Mittel zu einem solchen Haus und zugleich zur Unter⸗ haltung einer Krankenschwester zu beschaffen. Die Sache findet große Sympathie in unserer Stadt.

Darmstadt, 28. Febrnar. Das Großh. Polizeiamt macht darauf aufmerksam, daß ge⸗ brannte Kaffeesorten, die zur Erzielung eines schöneren Aussehens durch Zusätze, wie Zucker, glasirt oder andere Zusäße, wie Fette, Pflanzen- oder Mineralöle, glänzend gemacht werden, ohne Bezeichnung und Angabe dieses Umstandes nach den Bestimmungen des Nahrungs⸗ mittelgesetzes von 1879 nicht in den Handel ge⸗ bracht werden dürfen und ein Vertrieb in dieser Weise strafbar ist. Gleiches gilt für Zusätze jeglicher Art bei Herstellung von gebranntem Kaffee ohne nähere Angabe des zur Verschöne⸗ rung benutzten Mittels.

Darmstadt, 27. Febr. Der Aufsichts rat der Bank für Handel und Industrie beschloß in seiner gestrigen Sitzung, die Ver⸗ teilung einer Dividende von 8 ¼ pCt.(gegen 7 pCt. im Vorjahre) der Generalversammlung vorzu⸗ schlagen. Die Bank erzielte einen Reingewinn von 7,625,892 Mark(gegen 6,305,959 Mark im Vorjahre).

Aus dem Keeise Offenbach, 28. Febr. In unserem Verwaltungsbezirke hat sich die Er⸗ richtung eines Siechenhauses als ein Be⸗ dürfnis erwiesen; dagegen soll von der Erbau ung eines vierten Kreis-Krankenhauses Abstand genommen werden. Das Siechenhaus erheischt etwa 150000 Mark. Die Sparkassen zu Seligen⸗ stadt und Langen sollen hierzu Vorschüsse von je 40000 Mk. gegen einen geringen Zinsfuß leisten. Die Zinsen sollen aus den Beträgen bestritten werden, welche den Gemeinden aus den jährlichen Sparkassenüberschüssen zufließen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt.

Worms, 27. Febr. Der hiesige Arch i⸗ tekt A. Bauer stand gestern vor dem hiesigen Schöffengericht unter der Anklage, seine Ehefrau, mit der er seit drei Jahren verheiratet ist, wieder holt in schlimmster Weise mißhandelt zu haben, und zwar stets unter Anwendung eines gefähr⸗ lichen Werkzeugs, als da sind: Beil, Schürhaken, Reißbrett u. s. w. Die Zeugenvernehmungen er⸗ gaben, daß die arme Frau ein wahres Martyrium durchgemacht hat. Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate, das Gericht erkannte auf 3 Wochen Gefängnis.

* Mainz, 27. Februar. Heute wurde mit der Einrichtung der Stadthalle für die vom 7. bis 10. März dahier stattfindende große Ge flügel⸗ und Vogelausstellung begonnen. Die Anmeldungen sind zahlreich eingelaufen, insbesondere werden die Abteilungen des Zier⸗ und Parkgeflügels, der Zier- und Brieftauben und der Vögel reich besetzt sein. Nach hierher gekommenen Nachrichten wird die dritte deutsch⸗ nationale Geflügelausstellung im Frühjahr 1897

jenige Ihrer Mutter traf im August, und ich er innere mich, daß ich trotz der fast jedesmal herr schenden Hitze die eifrigste Tänzerin gewesen bin, Das machte die Jugend heute ziehe ich einen Spaziergang vor.

O, über das gebrechliche Alter! neckte Rochus.

Sie waren einen Buchgang entlang gegangen und standen nun vor dem Friedhof, welcher durch seine immergrünen Cypressen und Tannen, seinen trotz der vorgerückten Jahreszeit noch praugenden Blumenschmuck eher einem Garten. als einem Toten acker glich. An seinem Thor stand ein St. Michael aus Erz, mit dem gezückten Schwert den Eingang wie den des Paradieses bewachend.

Sie traten ein, Beide mit dem Gefühl einer stillen, aber erhebenden Andacht.

Es ist hübsch, begann Rochus nach einer Weile,daß die Rochusse es verschmähten, ein balsamiert in steinernen Grüften anstatt in der freien Natur zu ruhen.

Ilse nickte.Ja, das ist wahr. Ich möchte nicht einmal einen Sarg. So in kühler, dunkler Erde ruhn, muß schön sein im Sommer Blumen und Sterne über Einem, im Winter den Schnee

Er sah sie lächelnd an, die traumverloren an einem Gitter lehnte. Ein letzter, eilender Sonnen strahl vergoldete ihr dunkles Haar. Eine eigen tümlich herbe, frische Poesie umgab sie, eine Poesie, welche durch Denken und Leiden in ihr entstanden war und sich in ihrer Erscheinung ausprägte.

Er wußte mit einem Mal, daß er sie liebte.

Ich war lange nicht hier, sagte sie, Umschau

haltend.Wie die Cypressen gewachsen sind und dort die Trauerrose auf dem Grabe Ihrer Mutter!

Sie ging auf den bezeichneten, mit einem Mar morkreuz geschmückten Grabhügel zu und knieete nieder. Leise verrichtete sie ein Gebet.

Jetzt stand es felseufest in ihm, daß sie zu sammen gehörten.

Dann gesellte sie sich wieder zu ihm, und sie schritten stumm neben einander her. Er bog in einen kleinen Seitenpfad ein, auf dem sie zu einem von hohen Cypressen beschatteten Grabe gelangten. Die marmorne Gestalt eines Engels erhob sich aus üppig wucherndem Epheu, das Autlitz von ent zückender Schönheit zum Himmel erhoben, in der rechten Hand einen Palmenzweig, die linke umschloß eine Rose.

Ein Künstler hatte hier ein schaffen.

Ilse hatte die Figur häufig gesehen, war aber, wie an etwas Alltäglichem daran vorüber gegangen.

Jetzt war sie überwältigt von ihrer Schönheit

Rochus trat näher, bückte sich, zog den Epheu heruieder, der das steinerne Postament völlig um rankte und nun wurden die dort eingehauenen Buchstaben sichtbar:

n

Ilse bog sich ebenfalls nieder, las laut, aber verstand nicht.

Was soll das heißen? fragte sie.

Es ist ein Geheimnis für unsere ganze Familie, entgegnete er,dem ich aber endlich auf die Spur gekommen zu sein hoffe. Onkel Ralph

Meisterwerk ge

der wunderliche Alte, der hier unten ruht, hat diese

Figur sschon zu seinen Lebzeiten modellieren und die Buchstaben in das Postament einhauen lassen. Eine Erklärung der letzteren hat er nicht hinter lassen, aber die Thatsache, daß dieser Engel die Züge seiner Gemahlin trägt, sowie sein kleiner, aber interessanter Liebesroman können uns eine Richtschnur geben.

Nun kommt die Geschichte, sagte Ilse.

Rochus nickte.

Onkel Ralph ist in seiner Jugend ein flotter Husarenoffizier und Lebemann gewesen. Ich habe in seinem ehemaligen Regiment gedient und noch damals erzählte man sich, gleichsam als Ueber lieferung, von seinem liebenswürdigen Humor, seinem Uebermut, seinen geradezu Sandorschen Rei terstückchen. Allgemein war es bekannt, daß er sich für eine blutarme Baronesse interessierte, die mit ihrer Mutter ein ödes Scheinleben führte. Die junge Dame soll von phänomenaler Schönheit ge⸗ wesen sein und Grafen und Fürsten haben zu ihren Füßen geschmachtet. Aber es schien als ob sie ihre Gunst dem übermütigen Reiteroffizier zuwenden wollte, der zwar keine indischen Schätze, aber ein immerhin bedeutendes Auskommen hatte. Mit dem ihm eignen Feuer bewarb sich Ralph Rochus um das Mädchen. Da fiel es plötzlich der schönen Baronesse ein, die Rosen, die ihr Ralph als Morgengruß gesandt, zu verweigern. Er lag, am Fuß durch eine Unvorsichtigkeit beim Schießen mit Pistolen verwundet, darnieder, aber als er die Rosen zurückbekam, hielt ihn kein Schmerz, kein Vernunftgrund mehr auf dem Lager.

Gortsetzung folgt.)