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4 Sonnabend, den 26. März 1927.

u. a. auch in Korntal, gesprochen. D. Mumm gehört zu den wenigen Männern unseres öffentlichen Lebens, die dag erkannt haben, daß der Grund unseres nationalen und 0 sozialen Elends in der bkehr vom klaren Willen Got— N 1 tes zu suchen ist, und daß die Christen deshalb in die ah, Kampffront des öffentlichen Lebens zu treten haben,

5 dem Willen Gottes Gehör und Gehorsam zu ver

du, schaffen. Aber, wenn man ihn fragt, wo sich diese zum dan Dienst bereiten Christen sammeln sollen, dann verweist h Her auf die Programme der Parteien, vor allem auf das an Programm der D. N. V. P. Als ob unserem armen al Volke mit solchen Programmen geholfen werden könnte! , D. Mumm scheint den ganzen Ernst der Fragestellung gal, der Gegenwart noch nicht empfunden zu haben. Es

geht heute wahrhaftig nicht mehr darum, ob es möglich

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un, ist, mit Hilfe einer großen Partei für die Kirche oder sege, die christliche Schule eine möglichst wirksame staatliche id, Hilfsstellung zu schaffen, sondern die große Frage ist die, einn, ob die erneuernden Kräfte unseres christlichen Glaubens dein, stark genug sind, die großen Fragen unseres politischen we und sozialen Lebens zu meistern. Wir als Christen int, wollen nichts vom Staat erwarten, wir sind vielmehr am der Ueberzeugung, daß die gestaltenden Kräfte des lichen Evangeliums dem siechen Staatskörper sehr wohl neues estell Leben zuführen können. Die darinliegende Aufgabe lic des Zeugnisses und des Dienstes der Christen ist eine mitg, Tat des Glaubens und des Gehorsams. Die Frage des unge persönlichen Erfolgs scheidet dabei zunächst aus, auf f d jeden Fall wird der Sieg der Sache, die Gottes ist, nicht gun durch Zahlen oder Organisationen bestimmt. Man isch, sieht immer so gerne herab auf den Materialismus der tte flu. Linken, und selbst fühlt man sich mit der Vertretung Sehe der Forderungen Gottes nur sicher und geborgen im gro— we ßen Haufen oder in einer starken Organisation! Wir e n haben diesem Materialismus ein für allemal abgesagt, in d und vertrauen allein auf die sieghafte Kraft des heute -D noch ungeschwächt wirkenden Geistes Gottes. Wer wagt e, aber zu behaupten, daß die Parteien, denen D. Mumm Lid das Wort redet, gewillt seien, dem Wirken dieser Kräfte es h. Raum zu geben? Ihnen kommt es nicht darauf an, ih unser öffentliches Leben durch die Kräfte des Evange— hing lums zu erneuern, sondern ihr Streben ist vielmehr den!“ darauf gerichtet, das Christentum in den Dienst ihrer ft; parteipolitischen und standesegoistischen Ziele zu stellen. m J. Hier mitzumachen, ist uns trotz D. Mumm nicht möglich. an h.(„Christlicher Volksdienst“ Nr. 11 vom 12. März 19279) de and“

Versthiedenes.

g Konkordat oder Staatsgesetz?

die Ordination unter Assistenz sämtlicher Missionare. — 2————

rechte bedeutet und die Gewissensfreiheit aufs äußerste bedroht.

Die evangelische Arbeiterbewegung.

. Unter Arbeitervereinen stellt man sich gewöhnlich sozialdemokratische oder römisch-katholische vor. Daß es auch evangelische Arbeitervereine in nennenswerter An— zahl gibt, ist vielen immer noch unbekannt. Am 1. Ok⸗ tober 1925 betrug die Zahl der im Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine zusammengeschlossenen Organisationen 657, die 93.397 Mitglieder zählten. Neben diesen Männervereinen stehen 117 evangelische Arbeiterinnenvereine, die 8 500 Mitglieder haben. Die evangelische Arbeiterpresse besitzt zur Stunde 12 Blätter. 31 Berufsarbeiter sind in der Bewegung tätig. Die Jugend hat sich zu einem Verband Evangelischer Arbei terjugend zusammengeschlossen. * Römisch⸗katholische Unduldsamkeit.

Wie das„Evangelische Kirchenblatt“ für Posen Nr. 1/2 erzählt, starb unlängst in Nowy Sacz eine junge Protestantin. Die Eltern gaben eine Traueranzeige in Auftrag, in der mitgeteilt wurde, die Tote sei heimge— gangen,„versehen mit dem heiligen Sakrament“. Der Drucker setzte sich ohne Wissen des Auftraggebers mit den katholischen Geistlichen des Ortes in Verbindung, die alsbald diese Wendung für unzulässiag erklärten, offenbar, weil sie die Bezeichnung„Sakrament“ aus schließlich für die römisch-katholische Kirche in Anspruch

nehmen. Darauf änderte der Drucker eigenmächtig den Text der Anzeige in„versehen mit den heiligen Tröstungen“.

Wedding⸗„Bildung“.

Im Berliner Verwaltungsbezirk Wedding hat der Ausschuß für Kunst und Wissenschaft unter dem Vor sitze des Stadtrats und Rektors Rinek beschlossen, aus der städtischen Lesehalle im genannten Bezirk Bibel, Gesangbücher und andere religiöse Bücher zu entfernen. Religiöse Bücher in einer öffentlichen Lesehalle seien geeignet, Anstoß zu erregen. Wer solche Bücher lesen wolle, solle sie sich anschaffen. Die bürgerliche Minder heit erhob zwar gegen diese„Adolf Hoffmann“-Ansich— ten Einspruch, genützt hat es nichts. Der Beschluß ist bereits ausgeführt worden. Um zu verhindern, daß Bibel und Gesangbuch der Verbrennung verfielen, sind sie den Kirchenbehörden im Bezirk Wedding zugestellt worden. Wenn einmal die Geschichte des geistigen und sittlichen Niederbruchs und der seelischen Verrohung unserer Zeit geschrieben werden wird, wird dieser„Hel den“-Tat vom Wedding ein besonderer„Ehren“-Platz eingeräumt werden müssen.

Die Schleswig⸗Holsteinische Missionsgesellschaft zu Breklum wird am 10. April(Sonntag Palmarum) den 50. Gedenktag der Einweihung ihrer Anstalt begehen. Der damalige General— superintendent von Schleswig, D. Godt, hielt die Weiherede im Betsaal der neuen Anstalt, worauf der Gründer der Mission, Pastor Jensen, in der Kirche sein unvergeßliches Glaubens— zeugnis über den Missionsbefehl des Herrn ablegte. Die Missionsanstalt ist aus einem„Lutherhof“ hervorgegangen, d. h. aus einem Bauernhof, der sich Geschlechter hindurch in den Hän— den von Nachkommen Luthers bzw. einer Seitenlinie befunden hat. Propst emer. Hansen aus Kappeln, der vor 50 Jahren an der Einweihung teilgenommen hat, wird am 10. April in Breklum die Festpredigt halten. Die Missionsgesellschaft hat seit Herbst vorigen Jahres ihr Hauptarbeitsfeld in Indien mit vier Missionaren und zwei Flensburger Diakonissen wieder in An— griff genommen. Die Zahl ihrer Christen beträgt 20000. Am 6. Februar wurden in Kotapad zwei Eingeborene zu Pastoren ordiniert. Missionar Gloyer, Pastor von Süderlügum, vollzog In dem

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von der Breklumer Mission gegründeten Aussätzigenasyl Phila delphig bei Salur sind 100 Aussätzige untergebracht, die größten teils Christen geworden sind. Ein christlicher Arzt in Salur, der ihnen einen wesentlichen Teil seiner Zeit widmet, erzielt unter ihnen mit der neuen Behandlungsmethode gute Resultate. Auf dem zweiten Arbeitsfeld der Mission in Süd-Ching wurden in Limtschau, wie in ganz China, zur Weihnachtszeit Demon— strationszüge gegen das Christentum und die Mission gehalten; die treibenden Kräfte waren, wie allerwärts, die„Studenten“, Wahrscheinlich war in Limtschau eine Störung der Missions arbeit geplant. Aber als der Demonstrationszug herannahte, besetzte plötzlich eine vom Magistrat gesandte Postenkette den Eingang zur Station, und so blieb die Station unbehelligt. Der Magistrat hatte diese Schutzmaßnahme aus freien Stücken, ohne Bitte seitens der Mission, getroffen. Die Mission in Limtschau steht in hohem Ansehen.

Aus unserer Bewegung.

Guntersblum. Im hiesigen Ort fand eine erste vorberei tende Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft am Sonntag, den 20. März, im„Pfälzer Hof“ statt. Nach Rese raten der Herren Proescher und Greb konnte der Weg zu einer Ortsgruppe vorbereitet werden. Vetrauensleute in Gun tersblum sind die Herren Schniering und Fleischmanmn. Demnächst findet eine größere Versammlung statt.

In Höchst a. M. fand am 3. März die erste Vierteljahrs versammlung unserer Mitglieder und Freunde im neuen Jahre statt. Vor zahlreichen Zuhöhrern sprach Herr Stadtverordneter Kümper- Frankfurt a. M. über„Die soztalen Auf gaben der E. V.“ und erwärmte die Herzen der Anwesenden für tatträftiges und zielbewußtes soziales Arbeiten. Der Vor sitzende der Ortsgruppe, Herr Pfarrer Ide, gab Bericht über den gegenwärtigen Stand unserer Bewegung. Die Versamm— lung nahm mit Freuden Kenntnis von den Fortschritten in der jüngsten Zeit, und die Mitglieder erklärten sich bereit zur Unter stützung der Werbearbeit(Kauf eines Autos für die Reichs— geschäftsstelle), den Jahresbeitrag für 1928 schon jetzt im vor aus zu zahlen.

In Königstein(Taunus) sprachen am 16. März Herr Pfar rer Ide über die Evangelische Volksgemeinschaft. Der Ortspfarrer von Königstein, Herr Hofprediger Bender, hatte um einen Vortrag über die E. V. gebeten und das Ge— meindehaus zu der Versammlung zur Verfügung gestellt. Die zahlreiche Zuhörerschaft, welche sich aus Gliedern aller Stände und aus Mitgliedern aller politischen Parteien zusammensetzte, folgte mit sichtlichem Interesse und lebhaftem Beifall den Aus— führungen des Redners, der aus der wirtschaftlichen, sittlichen und konfessionellen Not die Notwendigkeit einer bewußt evan gelischen politischen Partei erkennen ließ. In der lebhaften Aussprache, die sich an den Vortrag anschloß, erlebte der Redner dasselbe, was unsere Redner in allen Orten hören, wo die E. V. zum ersten Male auftritt, die Fragen: Warum ruft man uns erst jetzt auf den Plan? Warum sind wir nicht längst nach dieser Seite hin aufgeklärt? Und wieder wurde die viel gehörte Klage über das Fehlen einer bewußt evangelischen Presse laut. So war es verständlich, daß unsere„Evangelische Wart eie von welcher Probeexemplare verteilt waren, von zahlreichen Anwesenden sofort bestellt wurde. Auch meldete sich eine statt— liche Anzahl sofort als Mitglieder der E. V. Herr Rechnungs rat Demme wurde von der Versammlung als Obmann ge— wählt, welcher eine zweite Versammlung vorbereiten soll, in der die Ortsgruppe Königstein errichtet und der Vorstand ge— wählt werden soll. Wir wünschen unseren neuen Königsteiner Freunden rechten Erfolg in ihrer Werbearbeit und begrüßen sie herzlich als Mitarbeiter an unserer guten Sache.

Oppenheim. Nach einem Referat des Herrn Studienrat Proescher in Mainz über die„Evangelische Volksgemein— schaft“ kommt auch hier die politische Bewegung der Evangeli— schen in Fluß. Vertrauensleute sind die Herren Ziegler und Wolpert.

Weisenau b. Mainz. Hier fand am Samstag, den 19. März, eine gut besuchte Versammlung der Evangelischen Volksgemein—

Wull⸗ Die amtlichen Erklärungen der letzten Zeit haben fein der Annahme, daß ein Reichskonkordat ebenso wie ein 0„Konkordat mit Preußen vorbereitet wird, neue Nah— De, rung gegeben. Vielfach herrscht die Auffassung, daß eine seng“ Neuregelung der Beziehungen zwischen Staat und fab, Kirche sich aus der durch die Weimarer Verfassung ge⸗ une, schaffenen staatlichen Neuordnung als Notwendigkeit ergebe, und ein Konkordat daher nicht umgangen wer⸗ sen be den könne. Man übersieht aber dabei, daß auch die ti Form eines Staatsgesetzes statt eines Konkordates die⸗ ag sem Bedürfnis zu genügen vermag. Diesen Weg haben ersch Württemberg und der Freistaat Sachsen beschritten. In el f 1 Württemberg hat sogar die Zentrumspartei nachher zu⸗ 1 W. gegeben, daß sie keinen Anlaß habe, die dort gefundene Lösung zu bedauern. Dieser Weg wäre sicherlich auch 15 1 sonst gangbar. Er würde unter dem Gesichtspunkt der „%% Wahrung der staatlichen Interessen unbedingt den Vor⸗ zug verdienen. Nach den Erfahrungen, die man mit mea, dem bayrischen Konkordat gemacht hat, ist die wachsende ne Besorgnis weiter Kreise nur zu erklärlich, daß der Weg des Konkordates zu Abmachungen führt, die für den Staat Verzicht auf einen wichtigen Teil seiner Hoheits—

—x———j—— en Aaemi geboren wurde. Auch Hans war überglücklich, schrieb u, es sofort nach Haus; aber kein Glückwunsch kam, keine teil—

nehmende Frage: wie geht es der jungen Mutter?

hell Es war ja überhaupt nur ein Mädchen, das erst den zweiten tnc Platz im Herzen beanspruchen durfte, ja Ludmilla! Die hatte geopfert und gebetet und auch einem Knaben acht Wochen vor⸗ geh Sher das Leben geschenkt. Hans erhielt freilich einen Brief seiner ol“ Mutter, aber sie erhielt nur die Mahnung: Vergiß nicht, das Kind muß am dritten Tage getauft werden. Ich habe als Paten Ludmilla und deinen Onkel Hubertus Wendtland bestellt. Es

u li N erhält die Namen der Paten. ante! 1 Hans sann vergeblich, wie er Urle das beibrachte. Handelte

a, er dem ganz zuwider, war der alte Zorn erweckt. Sein Wesen Hauch m

war im Grunde viel zu ehrlich, um darin Nat zu finden. Des⸗ halb legte er einfach den Brief in ihre Hände.

Sie las ihn, wohl nach einem lieben Wort suchend; dann blitzten ihre Augen zornig. Sie richtete sich in halbsitzender Stel— lung auf und zeigte nach dem Kinde:„Gehört das Kind, welches da im Bettchen schläft, mir oder deiner Mutter?“ Er strich wie sonst liebkosend über ihr volles Haar. Das unge Weib, das noch nicht die Kräfte wieder erlangte, litt schwerer als in gesunden Tagen und am Abend lag sie fiebernd, chwer krank.

Trotzdem durfte er keinen Vorwurf gegen seine Mutter erheben. Er mußte schweigen, schweigen um jeden Preis, weil er ihrer Hilfe bedurfte. Die Jugend errang den Sieg. Nach bangen vier Wochen durfte Urle aufstehen, und wieder bezwang sie sich um seinet— villen. Naemi erhielt die verhaßten Paten, aber nicht deren Namen. Einige Zeit darauf fuhr Hans nach Haus und nahm seine Geschäftsbücher mit, bat seinen Schwager, gleichzeitig einzu—

ja später von seinem Vermögen; gekürzt konnte niemand werden.

Pater Markus beruhigte nach dem mißglückten Glaubens— streit damals Frau Petronella mit dem gehässigen Ausspruch:

„Wenn die gebenedeite Mutter Gottes hilft, dann kniet die Ketzerin noch im Staube vor uns!“

Frau Petronella triumphierte. War das nicht ein Schritt ihrem heißesten Wunsche näher? Hans hätte sich das wohl nie träumen lassen. Hoffnungsarm reiste er zurück; denn jeder, wo er auch anklopfte, war von dem Vorurteil befangen: wo die Mutter sich zurückzieht, muß es doch auf der letzten Sprosse stehen.

„Lieber trockenes Brot essen, als von dort einen Pfennig nehmen“, sagte Urle, als ihr Hans in der ersten Aufwallung die ganze Verhandlung erzählte und da keine Pforte sich ihnen öffnete, fallierte die kleine Fabrik, die so glänzend im Ent⸗ stehen war.

Qualvoll war Urle der Tag von seinem ersten Grauen an, bis die Dämmerung ihn verhüllend endete. Aber nicht lange gab sie sich dem Schmerze hin. Immer schneller wanderten die fertigten Arbeiten zu Dore in ihre Lehrzimmer. Wie sagte einst ihre stille kluge Großmutter?„Die Axt des Mannes ist schwer, die Nadel der Frau schwerer!“ Sie lachte als sorgloses Kind so herzhaft darüber. Heute verstand sie die ganze Schwere des Wortes; aber sie besaß ja ihre mutige Dore und fleißige Mutter. Sie arbeiteten und sorgten vereint, und ihr Glück alles tragen zu können war Naemi, das süße Geschöpf mit den lachenden Augen und dem vollen Blondhaar der Mutter

Hans fand nicht so schnell einen ihm zusagenden Wirkungs— kreis. Alle Mühe war vergeblich. Eben war er wieder aus— gegangen, um mit einem Herrn Rücksprache zu nehmen. Da traf ein Brief von Königsborn ein.

Wie Urle diese Episteln haßte, die nur beständig ihr ganzes Leben aufrührten, alles vernichteteen wie ein Sirocco! Dieses Mal enthielt der Brief keine näheren Angaben. Kurz und bün dig verlangte seine Mutter, Hans solle wichtiger Vorgänge halber auf einige Zeit kommen.

2 an den ungünstigen Einfluß von daheim, wie verändert er immer zurückkehrte.

„Selbstredend fahre ich. Wer weiß, was da wieder in Un⸗ ordnung geraten ist. Jedenfalls werde ich mir die Geschichte erst einmal näher beleuchten“, scherzte er.„Nun sieh mich nicht so leidvoll an, als müßte ich eine Weltreise antreten und könnte in Teufels Küche geraten. Ich schreibe dir tägliche, und fort war er.

Wieviel freie Zeit würde hr nunmehr bleiben, wo sie schaf— fen und arbeiten konnte, es sonst sogar oft Mitternacht vorüber, wenn sie ihr Lager aufsuchte. Ihre Kasse füllte sich aber auch zusehends. 385 Mark waren es heute geworden; sie hatte ja fast keine Ausgaben; Dore und Mutter bestritten alles.

Heute abend blieb sie ganz allein mit Naemi, ein seltener Fall. Mutter und Dore waren zur Verlobungsseier bei einer Schülerin. Naemi schlief fest; sie hatte ihre Fäustchen gegen die roten Schlafbäckchen gepreßt: ein Bild traumsüßen Friedens, Urle blickte lange das kleine Geschöpf an; dann ging sie hinaus, um sich an ihre Arbeit zu setzen. Ach nein, die Hände wurden ihr so heiß. Es war, als halte eine unsichtbare Macht sie fest. Sie warf plötzlich ihre Stickerei in einen Arbeitskorb, holte einen Bleistift vom Schreibzeug und schrieb auf einen alten Papierfetzen:

Wie hab' ich mich gesehnt nach jenen Tagen, Wo alle Genien, die in mir schliesen, Erwachend nach des Lebens Lichtglanz riefen Und voll beschwingt den Weg zur Höhe wagen, Ich habe mich gesehnt! Und voll Erstaunen Ließ ich die Seele dann am Liedborn nippen, Sie labte ihre glühenden Singelippen

Und lauschte zitternd, was die Götter raunen. e Ee

Da wurde heftig an die Schelle gedrückt. Wer kam in, so später Stunde? Wie auf böser Tat ertappt schob sie hastig den Zettel in ihre Kleidertasche. Die Uhr hub gerade an 9 zu schlagen. Wieder schellte der Ungeduldige. Sie ging, um zu öffnen,

Fortsetzung folgt.

0 156 reffen. Arle blickte ihn angsterfüllt an, als er Abschied nahm; eil aber er zerstreute lächelnd ihre Sorgen. Die Fabrik ging sehr Zut; auch sein Kompagnon war eine ehrliche Haut. Eine helle Ba Zukunft winkte ihnen; aber das Betriebskapital war Ju klein. 95. Da wollte er Mutter um ein paar Tausend bitten. Es ging

„Gelt, du wirst nicht reisen“, bat Urle angstvoll und dachte

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