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rgan der Evangelischen Volksgemeinschaft

„Des Menschen Sohn ist nicht gekomme

Hauplschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhesser). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.

Für Rücksendung ungewünschter Manustkripte wird nicht garantiert.

. Jahrgang.

Erscheint Sonnabends.. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.

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Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen

Sonnabend, den 25. Juni 1927.

n, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28.

Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg.,

am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.

Nummer 20

Evangelische Volks gemeinschaft

ist der

politische Zusammenschluß

der Evangelischen Deutschlands zur Wahrung der evangelischen Interessen im deutschen Reichstag und in den Parlamenten der Länder und der Kommunen.

Warthurg-dels dem deutschen Folk. 8 unsere Losung!

Evangelische jeden Standes! In den Reihen der Eu. ist Euer Platz! Werbt überall für die EV.:

Lest u. fördert die„Evang. Warte“, das Organ der Eu.

Näheres durch die Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Volks gemeinschaft in Ober-Lais(Oberhessen)

Tretet der EV. bei!

uflage,

90 Pfg. Ne in

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05 90 Badebel

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Dieser Frage nachzugehen, bietet uns ein Artikel beranlassung, der aus der Feder von Oberst a. D. Dr. bornemann im Heft 2(Jahrgang 192728) des„Zu⸗ einer Zeitschrift, die sich„politische Nonatsschrift zur Pflege der Deutschen Eintracht“ gennt, erschienen ist. Dr. Bornemann, der auf der letz— en Seite des Blattes als verantwortlicher Redakteur r den Inseratenteil zeichnet, ist in der politischen Oef— entlichteit zuerst dadurch hervorgetreten, daß er bei der vorletzten Reichstagwahl gemeinsam mit dem Kultur⸗ istorikter Prof. Dr. von Martin(München) seinen Na⸗ gen unter ein Flugblatt setzte, in welchem die evange— schen Wähler aufgefordert wurden, dem Zentrum als der christlichen Volkspartei“ ihre Stimmen zu ge⸗ hen. Er ist auch, soviel wir wissen, eingeschriebenes Gwangelisches Mitglied der Zentrumspartei. In dem Iwähnzen Artikel nun legt er dar, daß und warum bie Bemühungen, unsere Evangelische Volksgemein— haft für ein freundschaftliches Zusammenarbeiten mit em Zentrum zu gewinnen, nach seiner Auffassung ge⸗ ceitert seien, und was geschehen müsse, um dennoch auf dem eingeschlagenen Wege vorwärts zu kommen. Inm Grunde liegt schon in der Tatsache, daß die

Von Christian Deutschmann.

Evangelische Volksgemeinschaft die Versuche, für eine Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Zentrum eine tragfähige Basis zu gewinnen, als aussichtslos abge— brochen hat, unsere Antwort auf die in der Ueberschrift gestellte Frage. Aber es erscheint doch angezeigt, diese verneinende Antwort zu erklären und zu begründen. Unsere E. V. ist entstanden als eine Bewegung zur bewußten Wahrnehmung und entschiedenen Vertretung der evangelischen Interessen. Es ist kein Zufall, daß sie zuerst in Hessen aufgekommen ist. Denn hier hat die einseitige Begünstigung der katholischen Interessen (durch die aus Zentrum und Sozialdemokraten gebil— dete Koalitionsregierung) und damit die Brüskierung des evangelischen Bevölkerungsteils Formen angenom— men, die auch den bescheidensten Forderungen nach Ge— rechtigkeit und Gleichberechtigung Hohn sprechen. So ist die E. V. auf den Plan getreten, um gegen offen— bare Ungerechtigkeit die Sache der Gerechtigkeit zu füh⸗ ren. Daß sie seither auch in anderen deutschen Län— dern, in welchen die Envangelischen nicht über solche Mißstände wie in Hessen zu klagen haben, zahlreiche Anhänger gefunden hat und ihrer mit jedem Tage neue gewinnt, ist ein erfreuliches Zeichen dafür, daß

Ist für die Evangelische Vollsgemeinschaft eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum möglich?

das positive Wollen unserer Bewegung, das sich lapi— dar durch die Losung: Wahrheit! Gerechtigkeit! Näch— stenliebe! umschreiben läßt, weithin Verständnis und Zustimmung findet. Weithin, doch nicht überall! Un— sere Gegner stellen es gern so dar, als seien wir stark nur in der Negation, in dem bloß immer„Nein!“ Sagen; sie verbreiten durch ihre Presse mit einer er— staunlichen Unbedenklichkeit über uns die Meinung, als ginge es uns um nichts Anderes als um die rücksichts lose Unterdrückung aller auch der berechtigtsten— latholischen Belange und um die brutale Inferiori— sierung unserer katholischen Volksgenossen. Auf welches Niveau sie zu diesem Zwecke bisweilen herabsteigen, das mögen folgende Stilproben aus dem oben erwähnten B.'schen Artikel zeigen:

„So sind unsere ernsten Vorhaltungen und War— nungen, den inneren Frieden planmäßig zu stören, fruchtlos verhallt.. Die parteipolitische Saat wächst, äußerlich betrachtet, leicht besser, wenn sie sich von der Verhetzung der Volksgenossen(von B. ge⸗ sperrt!) nähren kann. Aber Parteien, de⸗ ren wesentliches Lebenselement der innere Unfriede ist. 5

5 Anser Ruhm.

2. Korinther 11,30. So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen.

So manchmal habe ich schon bei Kindern beobachtet, daß ganz verlegen und schamrot werden, wenn man sie für eine ute Tat lobt. Sie denken so bescheiden von sich und ihrem gönnen, daß sie das Lob gar nicht ertragen. Andere wieder

seht man ganz selbstverständlich ein Lob hinnehmen. Ihr Ge— ihtsausdruck spricht deutlich, daß sie sich ihres großen Könnens ll und ganz bewußt sind. Da lachen vielleicht manche Leute her so ein verschämtes Kind und streichen das freche selbst⸗ wußte noch heraus. Mir gefallen jene bescheidenen Kinder, le ein Lob verlegen macht. Bei ihnen hat man es mit gut⸗

tzogenen Kindern zu tun. Die anderen jedoch sind verzogen. die gelten daheim als die großen Könner, alles, was sie ma⸗ hen, wird bewundert und gelobt. Dann kann aus ihnen nichts Ilderes als diese eingebildeten Fratzen werden. Ein Apostel Paulus fand Gegner in der von ihm gegrün— Iten Gemeinde in Korinth. Diese Gegner wollen ihn ver⸗ sbeinern. Er muß sich wehren, muß den Korinthern vor Au— 0 In stellen, daß er ein Apostel ist, der lauter und rein das Evan⸗ Ilium Christi bei ihnen verkündet hat. Sein Ruhm soll ge⸗ hmälert werden, diesen Ruhm muß er verteidigen. Worin be⸗ ht denn sein Ruhm? Er ist der erfolgreiche Apostel ge⸗ sen. In Kleinasien und Griechenland sind die Zeugen seines waltigen Erfolges. Doch dessen rühmt er sich nicht. Die folge verdankt er ja selbst seinem Gott. Worin besteht also en Ruhm? Er spricht von seiner vielen Arbeit, von seinem iden um Christi willen. Das ist sein Ruhm. Wenn man in wohl für die Erfolge gelobt hätte, dann wäre er so ver⸗ zen geworden, wie die oben erwähnten Kinder.

Die Riesenlast von Plagen sind für ihn der Ausweis, ein treuer Jünger des Herrn zu sein, der sagte:„Der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister, und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub ge— heißen, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen also heißen!“ Diese Leiden sind„die Schwachheit“, deren sich Paulus allein rühmen will.

Wie ganz anders als dieser Paulus sind meist die Men— schen. Die Ruhmsucht treibt oft häßliche Blüten. Ist irgend— etwas gelungen, dann ruft jeder„Ich“. Ich habe das fertig gebracht. Ich habe dies oder jenes dazu beigetragen. Hätte ich das nicht getan, wäre nichts daraus geworden. Welche Form diese Ruhmsucht annehmen kann, lasen wir neulich von Kassel, wo ein völlig unbeteiligtes Mädchen sich zur Heldin hat machen wollen. Wie eitel und verlogen kann diese Ruhm— sucht machen.

Auch wir, liebe Leser, stehen eben an einer guten Arbeit. Wir sind völlig davon überzeugt, daß es eine Erlösung unseres ganzen lieben deutschen Volkes ist, das wir erstreben. Weil dies in den drei Jahren schon viele sehen, so haben wir auch vorher nicht geahnte Erfolge. Denken wir aber dabei wie Paulus. Wir wollen uns dieser Erfolge nicht rühmen. Wir wollen Gott danken, wenn er unser Werk zum Wohle unseres lieben Volkes und teuren Vaterlandes fördert

Wir haben auch solche in unseren Reihen, liebe Freunde, die von sich sagen können:„Ich habe mehr gearbeitet!“ Auf manchen Schultern liegt mehr Last als auf anderen. Auch die Gaben sind verschieden. Der eine wirkt auf dieser, der andere auf jener Art für die große Sache. Des einen Wirken tritt auch deutlicher in Erscheinung, wie das des anderen. Der eine steht in der Oeffentlichkeit und hält den ganzen Sturm der

Feinde aus. Ein anderer widmet sich stiller Organisationsar—

beit oder arbeitet unsere Gedanlen weiter und tiefer aus. Nie— mand sage, er schaffe allein die Arbeit, niemand rühme sich seiner Leistungen. Ein jeder soll sich allein der Schwachheit rühmen.

Die Person des Einzelnen muß sich unter die Sache ord— nen. Wenn unsere Sache nur immer weiter vorwärts schreitet, das ist allein unser Wunsch. Haben wir alle treu den Glauben an unsere Bewegung, dann kann der Erfolg, den wir weiter erhoffen, nicht ausbleiben. Mögen unsere Gegner noch so sehr toben. Denken wir immer an den großen Apostel Jesu. Mit welchen Gegenkräften hat er stets zu kämpfen gehabt. Wie oft entging er nur knapp dem Tode. Dabei war er ein kränk licher Mann. Sein Leben war nicht ohne Sorgen. Wir haben es uns sehr bescheiden und dürftig vorzustellen. Trotzdem siegt bei ihm immer wieder der Optimismus und läßt ihn den Kopf hochhalten. Wenn er schwach war, war er dennoch stark. Er erlebte es, daß Gott in seiner Schwachheit mächtig war. Darum konnte keine Verzagtheit über ihn kommen. Immer besaß er eine unversiegbare Freudigkeit. So wollen auch wir es halten bei unserem Wirken. Dieses kann sich gar nicht mit dem eines Paulus messen. Jenes war viel gefahrvoller, die Gegnerschaft viel mächtiger, die Gegenwirkung viel gewalttätiger, als das heute bei uns möglich ist. Umsomehr dürfen wir mit tragender, hoffender und starker Liebe gegen unser Volk, unsere evan— gelische Sache, unsere notleidenden Schichten wirken so lange es Tag ist.

Seine allmächtige Stärke beweiset

in dem Ohnmächtigen mächtige Kraft;

dann wird alleine sein Name gepreiset,

wenn er den Zagenden Freudigkeit schafft Darum, o Jesu, gib, daß ich dir traue,

wenn ich die Hilfe nicht sichtbarlich schaue! Amen

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