Einzelbild herunterladen

nöltg of 5 Er n gp. D

de 01%

stan, e N

fl.

U

laubes

9 1

Evangelische Warte

N

drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft

Hauptschriftleiter: Edwin Dancers in Staden(Oberhe en Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin 8 Hamburger, für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.

Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert.

3. Jahrgang.

Erscheint 8 4 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen- Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21.

Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M.

Sonnabend, den 12. Mürz 1927.

Anzeigenpreise: die go mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.

Nummer 1.

WMogegen wir kümpfen.

Die Evangelische Volksgemeinschast kämpft gegen den das Volk um seine heiligsten Güter berauben Macht und gegen den Ultramontanismus, der unser freies nach der Weltherrschaft strebenden Papstes zu bringen sucht.

den Atheismus, gegen den das Volk mit der

des Geldsacks knechtenden Materialismus

deutsches Volk unter die politische Macht des

Mehr evangelisches Bewußtfein!

gehalten auf der hilfe Hannovers in Osnabrück am 3. Mai 1926.

Vortrag von Superintendent C. Brandt,

Werte evangelische Schwestern und Brüder! ist Frühlingszeit, der Mai ist gekommen. Wie ist uns das Herz aufgegangen, als wir heute auf der Fahrt nach Osnabrück unser liebes hannoversches Heimatland durcheilten und uns nicht sattsehen konnten an seinen lachenden, saatglänzenden Fluren, seinen Höhen und Wäldern im ersten Frühlingsgrün und seiner bräut lichen Blütenpracht. Das muß doch schon ein unver besserlicher Pessimist, ein grämlicher Schwarzseher sein, dem da nicht ein neues Hoffen in die Brust zieht, dem nicht das Auge erglänzt von frischem, fröhlichen Mut, dem nicht das Dichterwort im tiefsten Innern wider hallt: O frischer Duft, o neuer Klang, nun armes Herze sei nicht bang, nun muß sich alles, alles wenden!

Wir denken an unser deutsches Volk und Vater land. Haben wir irgendwelchen Grund zu der Hoff nung, daß auch diesem unserem armen, geplagten, in Winterleid versunkenen, und was schlimmer ist, inner lich tief krankem Volk, noch einmal ein neuer Lebens frühling erblühen wird? Wir wissen, wie unendlich viel dagegen spricht. Wir sehen, wie deutsche Männer und Frauen, wenn sie hinblicken auf die dämonischen Kräfte innen und außen, die unser Volk in Fesseln schlagen, in dumpfer Verzagtheit ihr Haupt neigen und klagen: es geht rettungslos bergab, dem unentrinn baren Verderben entgegen. Und wie oft, wenn die un geheure Not unserer Tage uns an die Seele greift, sind wir versucht, ihnen beizustimmen.

Und doch, trotz alledem, wir heißen Euch hoffen! Wohl sind es schauerliche Tiefenwege, die uns der un erforschliche Gott gegenwärtig führt, Abwege und Irr wege, die er uns gehen läßt. Aber ist das nicht gerade ein Zeichen, daß Gott noch an uns arbeitet? Ist es nicht so: je fester man einen Gummiball zur Erde schleudert, desto kräftiger springt er in die Höhe? Aus der Enge in die Weite, aus der Tiefe in die Höh führt

Es

der Heiland seine Leute, daß man seine Wunder seh

N

0 genoss

nan sel Main abe ch Ne 1 Mu

un 6

0

1 zu beten.

Gebet?

Eins läßt uns hoffen für unser Volk mit aller Kraft und Zuversicht: Unser Gott ist noch bei uns, unser Hei land lebt. Wir haben noch sein heiliges Wort, seine Verheißungen, sein Evangelium. Hell steht es, zumal bei uns evangelischen Deutschen, noch immer auf dem Leuchter, und es findet noch immer sein Volk. Viel

Ein enges Band.

Matthäus 18, 19. Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.

Wer hätte sich nicht schon tiefe Gedanken gemacht über das Es gibt solche, die wollen nur ganz für sich beten. Zu ihnen gehört ein bedeutender Mann unserer Tage, Dr. Johannes Müller, welcher so weit geht, auf Seite 199 der zweiten Auflage seines BuchesDie Bergpredigt zu schreiben:Das Ge bet als gottesdienstliche Handlung, das Gebet auf dem Pro gramm, das Gebet als religiöse Uebung liegt zweifellos in der Richtung, die Jesus verwiesen hat. Dieser sehr religiböse Mann nimmt die Keuschheit des Gebetes so ernst, daß er alles öffent liche Beten verwirft. Andere prostituieren geradezu ihr Gebet. Sie können überall beten. Eine Schwester hatte junge Mädchen am Sonntag um sich gesammelt, damit sie nicht auf der Straße herumlaufen und Unfug treiben. Diese Mädchen sind in jugend Iiichem Uebermut einmal ungezogen. Da fängt die Schwester an Die Stimmung der Mädchen war sicher nicht die, die zum Gebet gehört. Oder es gibt Leute, die können bei jedem Kranken, in jeder Versammlung beten. Diese haben das Gebet handwerksmäßig erlernt, ohne die ernste Wahrhaftigkeit zu emp finden, welche im Gebet liegt. Sie haben gar nicht das Gefühl * dafür, daß es auch Menschen gibt, in deren Gegenwart eine 1 innere Stimme uns vom Beten abhält. 4 Sicher ist das Gebet etwas, das wir mit aller Keuschheit vor 18 Augen der Welt verbergen sollen. Darum hat uns ja auch Jesus in das Verborgene geschickt, wenn wir beten. Im stillen Kämmerlein läßt sich am besten das Herz ausschütten vor dem, auf den wir alle unsere Sorgen werfen dürfen, weil er ja für uns sorgt. Die tiessten inneren Kümmernisse, die wir keinem Menschen anvertrauen mögen, dort im Gebetskämmerlein dür

1 1 1 1

1

Provinzialtagung der Evangelischen Frauen

altes Gold echt evangelischen Glaubens und sittlicher Kraft schlummert noch verborgen auf dem Grunde der deutschen Volksseele, und im Schmelzofen der Not, da kommt des nun wieder in Fluß und das gereinigte Edel metall fängt wieder an zu blinken und zu glänzen und ist im Begriff, wieder zu vollwertiger Münze sich aus prägen zu lassen. Welch ein neues Frühlingsleben auf hundert Gebieten unseres evangelischen Kirchen- und Gemeindewesens in unseren Tagen, welch ein Erwachen nach langem Winterschlaf! Gerade als der Protestan lismus darniederlag wie ein Epheu, hinter dem man die Mauer abgebrochen hat, gerade als man das Glok lenseil ergriff zum Totengeläut für die evangelische Kirche, gerade da erlebte sie eine Auferstehung. Und in demselben Moment, wo wir zitternd und bangend auf das entwurzelte, verwirrte und haltlose kommende Ge schlecht sahen und uns fragten: was werden die aus unseren teuren Glaubensgütern machen? Da durften wir es staunend sehen, wie uns daneben eine neue Ju gend erstand, mit der Glut der ersten Liebe greifend nach den ewigen Dingen, entschlossen abgekehrt von dem Sumpf öden Genußlebens, ein junges Geschlecht, immer neue Scharen werbend, das die alte Kreuzesfahne mit starker Hand ergriff, das Wort von der Königsherr schaft Jesu darauf schrieb und sie nun stürmend voran trägt zu neuen Siegen. Und weil dieser Heilungs prozeß von innen heraus eingesetzt hat, weil aus der unergründlichen Tiefe des Evangeliums heraus neue Lebenskräfte auf den Plan getreten sind, leise erst und zaghaft, aber immer deutlicher die Knospenhülle ah streifend, darum hoffen wir nicht nur auf eine neue Blüte unserer evangelischen Sache, sondern durch sie auf einen neuen Aufstieg unseres lieben deutschen Vol kes. An dem wieder erstarkenden christlichen Wesen muß und wird noch einmal unser Volk genesen. Gewiß, finstere, feindliche Gewalten ringsum. Aber viel Feind, viel Ehr. Heute können wir wieder kühn mit dem Dichter Gustav Falke beten:

Herr, laß mich kämpfen dann und wann!

Satt sein macht stumpf und träge;

Und gib mir Feinde, Mann um Mann!

Kampf die Kräfte rege.

Ja, es ist Frühlingszeit! Es geht wieder vor wärts, aufwärts, langsam aber sicher. Und dreut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden, und streut er Schnee und Eis umher, es muß doch Frühling wer den. Wir heißen Euch hoffen!

Darum ist aber auch die Losung, abend in Eure Herzen rufen soll: Mehr evangelisches Bewußtsein! lein letzter, verzweifelter Angstruf an die Pumpen eines versinkenden Schiffes, sondern der zu kunftssichere Weckruf an jedermann, den es angeht, daß; ex seine Schuldigkeit tue und sich der Ehre und Freude nicht beraube, mit dabei zu sein, wenns zu neuen Sie gen geht.

Mehr evangelisches!

die ich heute

Bewußtsein! Was will denn das eigentlich besagen? Was fordert dieser Ruf von uns? Ich denke zunächst das, daß wir evangelische Christen einmal ordentlich die Augen aufmachen und sehen, wie unendlich reich wir sind.

Wir haben erstlich Gottes Wort, unser deutsches Bibelbuch, wie es uns Martin Luther in die Hand ge geben hat, das leuchtendste Kleinod und Erbe der Re formation. Und wenn es auch heiß umstritten ist, dies Gotteswort, und man uns dies Fundament immer wieder unter den Füßen wegziehen will, so daß wir's uns immer neu erringen müssen, es ist und bleibt doch die zuverlässige Stimme Gottes an uns, er ist und bleibt wahr, der alte Spruch des weisen Sirach, der an der Ratsapotheke in Lüneburg in goldenen Lettern steht: Es heilt sie weder Kraut noch Pflaster, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt. Und in dieser heiligen Schrift, da haben wir das Person gewordene Wort Got tes, unseren Herrn und Heiland Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, dem alle Gewalt ge geben ist im Himmel und auf Erden, der bei uns ist alle Tage, der unseres Glaubens felse ufester, unerschüt terlicher Grund ist. Wir haben unseren kleinen lutherischen Katechismus, dieses unendlich gesegnete Volks- und Kinderbuch, wir haben unser evangelisches Kirchenlied und Gesangbuch, um das uns die ganze Welt beneidet, wir haben unsere teure evangelische Ge meinde und Kirche, die Hüterin dieser Schätze, unser aller Mutter. Ja gewiß, sie ist nicht volllommen, diese alte Mutter, und es gehört zu den schmer rzlichsten Er fahrungen eines Kindes, wenn es auch an seiner Mut ter Fehler entdeckt. Aber schätzt man sie deswegen weni ger? Nein, man hält zu ihr bis zum letzten Atemzuge, denn man weiß, was man an seiner Mutter hat

Und in dem allen und durch das alles haben wir unseren evangelischen Glauben. Was ist dieser Glaube? Glauben, so sagt einer unserer hervorragenden evan gelischen Zeitgenossen(Dryander), ist mehr als nur das Fürwahrhalten dessen, was wir gelernt haben; mehr als sonntäglich mit einstimmen in das, was die Jahr tausende vor uns geglaubt und bekannt, und was die Edelsten aus allen Zeiten uns zurufen: Gott ist und lebt! Glaube ist das felsenfeste Vertrauen auf diesen

Wie wohltuend ist,

sen wir sie uns vom Herzen herunterbeten. eine solche Stunde mit Gott allein. Auch Jesus hat solche Stun den gebraucht. Wie oft ist er fort von seinen Jüngern in die Einsamkeit und hat zu seinem Vater im Himmel gebetet. Auch im Garten Gethsemane wollte Jesus allein sein mit seinem Vater. Deshalb hat er auch seine Liebling fünger zurückgelassen. Allein wollte er sich hindurchringen zum Glaubensgehorsam.

An anderen Stellen hat aber auch Jesus im Kreise seiner Zuhörer gebetet. Bei den Speisungendankte er und dann erst teilte er aus. Als er am Gründonnerstag abend mit seinen Jüngern das Passahlamm und dann sein letztes Gleichnis, das von seinem Leiden und Sterben, gab, heißt es:Er nahm das Brot, dankte und brach's. Wir haben es hier also mit öffentlichem Beten unseres Heilands zu tun. Man sieht, Jesus war auch beim Beten durchaus nicht einseitig. Es gab auch für ihn Gelegenheiten, wo er in einem Kreis von Menschen betete. Nun ist das oben zum Text genommene Wort gerade eine Auf forderung zum gemeinsamen Gebet. Jesus will, daß gleich⸗ gesiunte Menschen zusammen beten. Wenn wir zum Gottesdienst welche Gottes Wort hören und zusammen beten wollen. Ja, dann ist gerade das Gebet das feste Band, das alle miteinander verbindet. dann ist gerade das Gebet das seste Band, das alle verbindet, Sie sind alle Gotteskinder, welche ihre gemeinsamen Bitten vor Gott, ihren Vater, bringen wollen. Alle Kirchenbesucher sind dann verbunden durch eine enge Gebetsgemeinschaft. Dieser Gebetsgemeinschaft ist die Erhörung verheißen. Deshalb fällt es uns auch leicht, in der Kirche zu beten. Dort ist alles auf das Gebet gestimmt. Dort ist alles so feierlich, so erhebend, so ernst. Wohl dem, der diese Stätte des Gebets lieb behält für sein ganzes Leben.

Wenn nun das gemeinsame Gebet ein so enges Band um Menschen schlingen kann, dann muß es dies auch um die engste menschliche Gemeinschaft schlingen können, um Mann und Frau. Eine engere Gemeinschaft, als die Ehe, kennen wir ja nicht,

Wollen zwei Menschen miteinander den Bund der Ehe schließen, dann gibt es kein besseres Mittel, zu prüfen, ob die Ehe ge lingen wird, als dadurch, daß beide sich fragen, ob sie zusammen beten können. Hat eines das Gefühl, ich kann in Gegenwart des anderen nicht beten, dann ist es Zelt, daß jeder seinen eigenen Weg geht. Deun das Gebet ist wirklich auch ein enges Band der Eheleute. Wenn sie da wirklich eins werden in ihrer Bitte, dann haben sie eine große Verheißung. Es ist ja da wirk lich ein Jammer, in wie wenig Familien auf unseren Land. orten noch gemeinsames Gebet im Familienkreis gepflegt wird. Wie die Tiere im Stalle, so geht man auch zum Futter. Noch nicht einmal gemeinsames Tischgebet trifft man an. Ganz schweigen wollen wir von dem gemeinsamen Lesen in Bibel und Andachtsbuch und im darauf folgenden gemeinsamen Gebet der Hausgemeinde. Wohl den Familien, bei denen dies alles eine Stätte hat. Denn gerade das Gebet kann wie nichts anderes innere Gemeinschaft der Hausgenossen stisten und erhalten. Denn miteinander beten, heißt doch eins werden miteinander, sich ineinander schicken. Wo die Gemeinschaft der Seelen in Gott ist, da hilft eins dem anderen zurecht mit besserem Ver ständnis des Gottes Willens, da kann eins das andere trösten. Darum brauchen wir wohl das einsame Gebet im engen Käm merlein. Aber das gemeinsame Gebet in der Kirche, besonders aber auch im Familienkreise brauchen wir es. Wie viel besser wäre es in unseren Familien bestellt, wenn sie alle durch das enge Band des gemeinsamen Gebetes verbunden wären.

Wohl einem Hause, da Jesus Christ allein das All in allem ist!

Ja, wenn er nicht darinnen wär',

so ständ' es und wüst und leer

Wohl, wenn der Herzen sromm' Gebet beständig in die Höhe geht,

und man nichts treibet fort und fort,

als Gottes Werk und Gottes Wort. Amen,

d'

Hr.