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ganges, die namentlich bei einer Uebersteigerung des Tempos und der Arbeitszeit zu schweren pfychischen Aus diesem Grunde erfolgt in Amerika wie in Deutsch⸗ und nervösen Schädigungen der Arbeiter führen kann. land in der Mehrzahl der Fälle die Regulierung des Tempos unter Hinzuziehung der Belegschaftsvertreter.

Aus unserer Bewegung.

Es dämmert.

In Nr. 5 derDeutsch-evangelischen Korxespon denz lesen wir:

Die kulturellen Bindungen, die bei der Bildung der neuen Regierungsmehrheit dem Zentrum gegen über ganz im Stillen eingegangen worden sind und die man trotz und vielleicht gerade wegen aller Dementis als vorhanden ansehen muß, haben im Lande und ge rade auch in rechtsstehenden Kreisen ein lebhaftes Miß behagen hervorgerufen. Dieses Mißbehagen wohl auch hat unter anderem am 21. Januar 1927 in Berlin zu der Bildung einer neuen politischen Gruppe geführt, die sich alsChristlicher Volksdienst für Berlin und Mark Brandenburg bezeichnet. Der Christliche Volks⸗ dienst erstrebt freie Entfaltungsmöglichkeit für alle auf dem Boden der heiligen Schrift stehenden christlichen Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften, eine christliche

Schule, soziale Gerechtigteit in Volt und Staat, Näch⸗ ö

stenliebe in Gesellschaft und Wirtschaft, Freiheit und Verantwortlichkeit dem Einzelnen, Frieden zwischen Klassen und Völkern, aber Freiheit für Volk und Vater⸗ land. Zum Vorsitzenden des Landesverbandsvorstan⸗ des wurde Direktor D. Spieker gewählt, zu seinem Stellvertreter Geheimrat Eismann und Kaufmann Carl Weinitschke. Bei Gemeinde-, Kreis-, Land- und Reichstagswahlen, sowie bei den Wahlen zu den son⸗ stigen Körperschaften des öffentlichen Rechts will der Christliche Volksdienst eigene Kandidaten aufstellen. Der Anschluß ihrer etwaigen Abgeordneten an eine der bestehenden Parteien wird abgelehnt. Die Abge ordneten stimmen vielmehr im Sinne der Satzungs grundsätze des Christlichen Volksdienstes nach freier Ueberzeugung. Ein das Gewissen knechtender Frak tionszwang soll ausgeschlossen sein. Sehr bemerkens⸗ wert für die in Rechtskreisen bestehende Stimmung ist, daß auch derReichsbote vom 28. Januar 1927 die Ueberzeugung vertritt:Daß keine der bestehenden Parteien den Ansprüchen einer vollchristlichen Politik evangelischen Stiles ganz genügt.Die deutschnatio⸗ nale Partei z. B., die zu unserer Freude immer mehr ehemalige Zentrumskatholiken in ihre Reihen auf⸗ nimmt, ist dadurch selbstverständlich gehindert, sich als evangelische Partei klarster Linie zu formen. Auch sind begreiflicherweise weder die Wähler noch die Ge

wählten der evangelischen Seite der deutschnationalen Volkspartei alle bewußt christlich. Zwar hat der Reichsbote auch seine Bedenken. Sie gipfeln im wesentlichen darin, daß die Zahl der Abgeordneten des Christlichen Volksdienstes vermutlich immer klein bleiben wird, daß das Christentum kein politisches Pro⸗ gramm darbietet, daß es eine bis ins Einzelne ausge⸗ führte Programmpolitik des Christentums nicht gibt. Auch die neue Zersplitterung des Parteilebens sieht er mit Recht nicht als erfreulich an. Gleichwohl erscheint ihm, wie die Dinge bei uns gelaufen sind, die Grün⸗ dung vollauf legitimiert und weit entfernt, die neue Gründung zu bekämpfen, wird er ihre Entwicklung mit Sympathie verfolgen. Diese Stellungnahme ist ebenso beachtlich wie die Gründung des Christlichen Volks⸗ dienstes selber, dessen Entwicklung im evangelischen Lager sicher überall mit lebhaftestem Interesse verfolgt werden wird.

Soweit dieD. E. K. Es ist erfreulich, daß in Berlin sich jetzt scheinbar eine größere Bewegung ganz im Sinne unserer Evangelischen Volksgemeinschaft ge⸗ bildet hat. Erfreulich ist auch, daß derReichsbote seit seiner Auseinandersetzung mit uns gelernt hat, daß eine solche Bewegung heute nötig ist. Unerfreulich ist, daß die Schriftleitung derD. E. K. scheinbar noch nichts von dem Vorhandensein der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft im Deutschen Reiche weiß.

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Für Söhne und Töchter.

Bist du frei?

Unsere Seele ist entroaunen wie ein Vagel dem Strick des Voglers, der Strick ist zerrissen

und wir find frei. Pf. 124, 7.

Früh morgens eines gewiffen Tages konnte man an der Zuchthausmauer in K., hoch oben auf dem Dach der Gefängnis⸗ ltrche, die dicht an der Mauer stand, ein Seil befestigt sehen, das aus zerschnittenen Strohsäcken verfertigt war und fast bis auf die freie Straße herunterreichte. An diesem Seil hatten lich in der letzten Nacht zwei Gefangene die fürchterliche Höhe heruntergewagt und waren entflohen.

Ach. hinter Zuchthausmauern sitzen, mit dem Freiheitstrieb in der Brust, muß schrecklich sein. Ja, die Armen sind zu be⸗ dauern, ob ihrem bösen Wege und seinen traurigen Folgen. Doch es gibt eine Gefangenschaft auch ohne Kerkermauern und Eisengitter. Ich will dir ein Gefängnis zeigen, worin so manch armes Menschenkind, gleich einem Vöglein im Käfig, sich den

Kopf an den eisernen Gitterstäben zerstößt, daß es einem wah

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ren Menschenfreund Schmerz und Wehmut, Mitleid und Trä⸗ nen wecken muß. Sieh' dort das bleiche junge Weib mit den hohlen Augen und der eingefallenen Wange. Sie trägt alle Anzeichen der Schwindfucht an sich und scheint eilend in ein frühes Grab finken zu sollen. Du hättest sie früher sehen sollen, da sie blühte wie eine Rose und fröhlich sang und sprang, einem Böglein gleich. Ja, das war ein schönes Leben, wo Mutter und Tochter in schöner Harmonie das Gotteshaus besuchten, wo am Nachmittag die Freundinnen vom Jungfrauenverein kamen zur Bibelbesprechung, wo die schönen Jesuslieder gefungen wurden. Warum ist das so ganz anders geworden, was hat das blühende, sprühende Leben so geknickt, so abgehärmt und drängt es so eilend dem Grabe zu? Ach, sie schmachtet im Gefängnis. Zwar sind's keine hohen Steinmauern, nicht düstere Kerkerzellen, im Staatsgefängnis, die sie umschließen, sondern Mauern von lüternem Fleisch. Der Mann, dem sie unterworfen ist, hat sie zur Sklavin seiner Unreinheit und Lustseuche herabgewürdigt. Die Lüfte und Triebe des Mannes sind die Nägel an dem Sarge des armen Weibes und die Ursache zu ihrem frühen Grabe. Armes Geschöpf, warum nahmst du diesen unflätigen Fleischesmenschen? Ach, hätte ich mit mehr Vorsicht gewählt, mit mehr Treue geprüft! Aber da er mit in die Kirche ging

und sogar die Bibelstunde besuchte, im Gesangchor Mitglied

war und selbst die Gebetstunde nicht versäumte, hielt ich ihn für einen Christen. l

Ja, es gibt schreckliche Männer. Wenn der heilige Gott mit seinen Flammenaugen dereinst die Männer mustert, werden

0 viele gefunden werden, denen das Blut ihrer Gattinnen an

den Händen klebt.

gBrich nicht den Stab, ehe du mich hörtest, Mutter. Er⸗ schwere mir nicht meine Erzählung. Er schwieg und sah zum nahen Wald hin, wo über den Baumwipfeln ein Bussard mit stolzer Ruhe kreiste. Könnte er so stolz und ruhig die Schwingen tegen und zurückkehren, dorthin, wo er Glück und Frieden ge⸗ funden nach der steten Irrfahrt seines Lebens.

Unbeweglich hinter dem Bosquet saß Dammrat. Seine Augen funkelten wie die eines Naubtiers, zitternd, in höchster

Erregung, vermochte er kaum mit dem Messer sein Vesperbrot zu

zerschnelden! 1Sie wird ihn in das Unglück stürzen, eher ruht sie nicht!

murmelte er, während Frau Petronella fortfuhr:Sprich, aber

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kurz und bündig. Ich weiß, daß du mir eine Ketzerin in das Haus bringen willst. Als der anonyme Brief lam, mußte Ger⸗ hard Erkundigungen einziehen. Es ist etwas Geld da, wenn auch nicht unsern Verhältnissen entsprechend; sie stehen auch in sehr

gutem Leumund; aber eine mit dem leichten Gläubchen geht nicht

über meine Schwelle, das merke dir! 9

sich belde in die Augen, als wollten fie gegenseitig ihre Kräfte messen. Wie erschreckend ähnlich waren sie sich, ob auch diefelbe schwante Seele in dem kräftigen Männerkörper wohnte, wie in dem der Frau? Ob er sich auch niederzwingen ließ?

N 1Wenn du mittellos deine nötigen Studien, wie du dich aus⸗ zuenücen wagteft, nallenden lannst, die Tür steht offen, er⸗ wmiderte sie kalt.

1Ist das dein oder der Entschluß von Pater Markus? fragte er scharf. In seinem gutmütigen Gesicht glomm es auf, fest sahen

O, ihr Töchter, seid nüchtern, handelt doch in den hoch⸗ wichtigsten Fragen eures Lebens mit göttlicher Weisheit, rennt doch nicht blindlings ins schimmernde Elend wie die Mücke auf jeden Honigtopf lossteuert. Es gibt viele Männer, die scheinen auswendig fromm, sittsam und treu, aber inwendig sind sie ge⸗ mein, roh, gottlos, voll unreiner Lüste, aussätzig bis ins Mark hinein, stinkende Leichname trotz der Rose im Knopfloch und den feinen Glacehandschuhen. Billig sollten solche Wichte einen Zettel an ihre Stirn geheftet bekommen mit der Aufschrift: Hier herrschen die schwarzen Blattern. An ihrer Wohnung müßte mit Flammenschrift geschrieben sein:Eingang zum Löwengraben, zur tiefsten Hölle.

Ach, ich will ihn schon bekehren, sagte jenes Mädchen, als man es warnte vor einem gefährlichen Bewerber. Der Mann hat das Mädchen belehrt; da seine Worte nicht halfen, da belehrte er es mit der Faust, heraus aus der Gemeinschaft der Frommen, fort von Bibel und Umgang mit Gottes Volke.

Ja, das sind dann gar elende Gefängnisse, und manche Ge fangene sucht sich einen Weg ins Freie zu bahnen. Schau her, da liegt sie vor uns im Sarge, die arme Mutter, die mit ihren zwei Kindlein ins Wasser sprang, in jedem Arm eins dieser Aermsten. Ach, armes Menschenkind, dies ist der Weg zur Frei⸗ heit nicht. Du mußt in andere Arme springen, als in die Arme des Todes, mußt dich einer andern Hand anvertrauen, als einer todbringenden Mörderhand. Hört, Jesus ruft:Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Freiheit, selige, wahre Freiheit, die ich meine, ist kein Schattenbild, sondern volle ganze Wirklichkeit. Jesus er⸗ rettet auf's völligste, alle, die zu ihm kommen. Sollte es auch dein Los sein, lieber Leser, ob Mann, ob Weib, Jüngling oder Jung⸗

frau, vom Fleischeswesen umgeben zu sein, ob du in eigener

Brust oder in den Krallen eines Lüstlings schmachten mußt, höre es, Jesus kann Gräber öffnen, Ketten zersprengen, kann lüsen und erlösen. O, Seele, schwinge dich empor, hin zu Jesu. Wie der Magnet das Eisen, so zieht Jesus die Seelen an, die frei werden wollen, die ihren Blick im Glauben auf ihn, das ge schlachtete Lämmlein, richten. Josef entriß sich der Verfüherrin in Potiphars Hause(1. Mose 39, 12), als sie ihn beim Kleid erwischte, indem er sein Kleid in ihren unreinen Händen ließ; entblößt eilte er davon. Das war himmlische Energie; lieber äußerlich bloß aus dem Hause der Sünde fliehen, als in die Sünde zu willigen und innerlich entblößt zu werden von dem Brautschmuck der Keuschheit. Beißt sich doch ein Fuchs lieber das Bein ab, mit dem er in die Falle gerannt, als daß er sich fangen läßt und zugrunde geht, und sollte der für die Herrlich⸗ keit bestimmte Mensch nicht alles einsetzen und drangeben, um seine Seele, das einzig wertvolle, aus den Krallen des Würgers herauszubekommen? O, lernet davonlaufen, ihr Jünglinge und

Du vergißt wohl, daß ich das Erbteil meines Vaters besitze, gab er ebenso zurück.

Du hast dich verrechnet; der Nießbrauch war mein. Was du in den Klöstern usw. gekostet, ging vom Kapital. Dir ist doch be⸗ kannt, daß das Hauptvermögen von mir herstammt!

So ungerecht kannst du nicht sein mit deinem frommen Ge⸗ müt. Du gabst doch Rudi 70 000 Mark zum Eintritt in die Fabrit, jedem halfst du, bin ich dein Stiefkind?

Alle fügten sich meinem Willen, du nicht! Ich verweigere dir sogar das Geld zur Rückreise, ich lasse deine Sachen von dort schicen. Meine Hand öffnet sich erst wieder für dich, wenn Paula Neuenburg deine Braut ist! Die gebenedeite Mutter Gottes helfe dir zur Einsicht! Hastig, wie in gesunden Tagen, erhob sie sich, schöpfte tief Atem, suchte gottergeben das Himmels blau und ging zum Hause zurück.

Kaum war sie verschwunden, da stand der alte Gärtner wie aus der Erde gewachsen in dem Eingang der Laube. Wie in eines Wahnsinnigen Antlitz flackerten die Augen umd die stroh⸗ gelben Haare hingen in Strähnen über seine Stirn, als wäre er verzweifelt mit den Händen hindurchgefahren.

Herr Hans! rief er,bringen Sie Ihre Braut nicht hier herein, das wäre eine Marter für sie und Pater Markus würde die zu Tode hetzen, wie meinen armen Herrn! Ich will Ihnen Geld zur Reise borgen. Fahren Sie fort, weit fort; kein Mensch lebt ewig!

Schritte hallten vom Kiesweg herüber. Dammrat ver⸗ schwand lautlos, wie er auftguchte. Johannes Wendtland saß

Jungfrauen, hinweg vom glattzüngigen Verführer, hinweg von den unheimlich funkelnden Augen der Verführerin, hinweg von dem schäumenden Becher, der so verlockend euch anschaut. Hätte manche Armee sich rechtzeitig aus ihrer ungünstigen Stel⸗ lung zurückgezogen, wäre sie nicht aufgerieben worden. Lernet Nein sagen zu dem freundlichen Verführer, ein kaltes, festes Nein, und wendet dem Betrüger den Rücken. Das ist wahre Weisheit, und höher zu schätzen, als alle sonstige Erdenkunst. Du weißt was der Dieb liegen läßt? Glühend Eisen faßt er nicht an. O, laßt euch von der reinen, himmlischen Gottesliebe so entflammen, daß ein heiliger brennender Eifer für Gott und sein Reich eure Seele durchdringt, dann werden die Fleisches⸗ menschen sich hüten, euch anzutasten.

Ein Mädchen saß im Eisenbahnwagen. Ein Weltvogel, dem die Fleischeslust aus den Augen sah, setzte sich neben dasselbe und suchte ein unsittlich Gespräch mit ihm anzufangen. Doch das Mädchen war Braut. Schnell zog sie ihren Handschuh aus und hielt die Hand mit dem Verlobungsring dem Lüstling hin. Wie von einer Natter gestochen, wandte sich der Verführer weg. Ja, du kommst zu spät, du eitle Welt, mit deiner Werberei; das Jawort ist schon fort, mein Jesus hat es schon, so sollen wir der Welt entgegentreten, und wie der Löwe das Feuer fürchtet, so der gierige Fleischesmensch ein geheiligt Gotteskind. Kennst du diese Gnade, teurer Leser, Sieg zu haben über Augenlust und Fleischeswesen? Bist du entronnen oder noch eingekerkert, bift du frei oder noch schmählich gebunden, kennst du aus seliger Er⸗ fahrung Jesus deinen Befreier oder bist du noch ein Sklave deiner und anderer Leidenschaften? Wer von unsern Lesern stimmt mit David ein in Pf. 124, 7?(Gemeinschaftsbote.)

Was gibst du dem Herrn?

In meiner Jugend, so erzählte einmal eine treue Jüngerin des Herrn, wohnte ich mit meinen Eltern auf dem Lande. Eines Tages erhielten wir den Besuch eines Kolporteurs. Meine Mutter, die ihn kannte und schätzte, besprach fich gerne mit ihm. Sie unterhielten sich lange über religiöse Fragen. Da es ein heißer Tag war, bot ich dem Mann ein Glas Milch an, was er auch dankend annahm. Ich stand vor ihm und wartete, bis er das Glas geleert hatte, um es wieder fortzubringen. Er aber behielt es mit einem kleinen Rest Milch in der Hand und sprach ernsten Tones:Würden Sie es als eine Ehre betrachten, wenn ich Ihnen nun den Rest anbieten würde?Nein, gewiß nicht, rief ich lebhaft aus,Sie wollen sich wohl über mich lustig machen?

Da erwiderte der Mann feierlich:Wie verhalten Sie sich denn Ihrem Gott gegenüber? Solange Sie noch jung, gesund und stark sind, leben Sie allein nur zu Ihrem eigenen Ver⸗ gnügen, wenn Sie aber warten, bis das Alter kommt und Ihre

in sich zusammengesunken, es zuckte in seinem bleichen Antlitz wie verhaltene, schwere Mannestränen. Vor dem Hause hörte er die laute Stimme seiner Schwägerin, die Rosen für den Hausaltar pflückte. Sie verstand es besser, der Mutter nach dem Munde zu reden. Seine Urle würde das nie können zum Lügen gehört Talent!

Er wußte, jetzt saß seine Mutter in ihrem Zimmer und betete. Ob keine Stimme in ihrem Herzen sie der Härte zieh? Nein, eigene Gedanken würden nie einen Schluß aus ihren Hand⸗ lungen ziehen. Pater Markus dachte für sie, seine willenlose Maschine war Frau Petronella.!

Er legte die Hand auf seine Brusttasche; da drinnen kni⸗ sterte Urles Brief ein poesiedurchwebtes Liebesstammeln voller Sehnsucht. Er sah ihr sonniges Gefsicht im Geiste und schloß die Augen. Wie sollte er lämpfen im Leben ohne Stütze, wo man ihm die nötige Vorbereitung dazu absichtlich versagte? Durfte er Urle so an sich ketten? Nicht einmal einen Jugendfreund nannte er sein. Die zusammengewürfelten Zöglinge der Klöster hatten kein dauerndes Gedenken bei ihm hinterlassen. Allein war er, ganz allein; denn auch den Landrat sargten sie vor drei Wochen ein.

Die Abendkühle legte sich um seine schmerzende Stirn. Vom Bache stiegen zarte Nebeldünste auf und lagerten sich über die feuchte, blumige Wiese. Eine Kröte schlich lautlos an seinem Fuß vorüber; er schüttelte sich vor dem ekelhaften Tler, sprang auf und suchte sofort sein Zimmer auf.

Fortsetzung folgt.

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