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werden bestimmt ist, bildet ein Lebenselement jeder Demokratie, und wir mühen uns wahrlich nicht ab, die
um sie in der Kulturpolitik aufzuzüchten.“
wohl der evangelischen Auffassung vom Staate als auch
also der Schulen und Universitäten, verzichtet und das—
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Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, far den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manufkripte wird nicht garanttert.
. Jahrgang.
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Sonnabend, den 12. Februar 1927.
Evangelische Warte
drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft
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Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.] Anzeigenpreise: die 30 mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg.,
am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.
Nummer 7.
Aus Religion und Kirchenleben der Gegenwart.
0 Obwohl offiziell nicht das Geringste darüber ver⸗ lautet, weiß doch jeder Kenner der Verhältnisse, daß ganz in der Stille seit längerer Zeit zwischen den be— teiligten Stellen Verhandlungen im Gange sind über den Abschluß von Konkordaten, d. h. von Verträgen zwischen dem Heiligen Stuhl in Rom einerseits und den Staatsregierungen Preußens oder gar des Deut⸗ schen Reiches andererseits. Diese Konkordate, vom Heiligen Stuhl in Rom angestrebt, sollen die Stellung der katholischen Kirche dem Staats gegenüber über den Rahmen der Staatsgesetze hinaus auf kanonisch-kirchen⸗ techtlicher Grundlage regeln. So ist bekanntlich 1925 mit dem bayerischen Staat ein viel umstrittenes Kon⸗ lordat abgeschlossen worden, das nach Meinung und Ansicht römischer Kreise nur als Anfang weiterer Kon— lordatsgesetzgebung mit allen deutschen Staaten ange— sehen wird. Schon der Nebel des Geheimnisses, welcher jenes bayerische Konkordat umgab, ehe es ans Tages⸗ licht trat, gab viel zu denken. Wenn gegenwärtig diese Geheimpolitik fortgesetzt wird, so erheben sich dagegen abermals schwere Bedenken, und der evangelische Volks tell hat allen Grund, in diese Dinge hineinzuleuchten und seine Stellung zu ihnen in breitester Oeffentlich— leit zur Geltung zu bringen. In diesem Sinne schrieb der frühere badische Staatspräsident Dr. Hell pach in der„Frankfurter Zeitung“ vom 1. 1. 27:„Es will wenig in die geänderte Struktur der Gegenwart passen, daß solche Projekte überaus heimlich verhandelt und anscheinend eines Tages als unaufschiebbar vollzugs⸗ teif der Nation präsentiert werden sollen. Denn öffent— liche Diskussion alles dessen, was öffentliches Recht zu
Geheim⸗Diplomatie in der Außenpolitik zu überwinden,
Um es gleich mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen, warum der evangelische Volksteil gegen den Abschluß irgend welcher Konkordate mit Rom Einspruch erheben muß, sei darauf hingewiesen, daß dieselben so—
der bestehenden Reichsverfassung widersprechen. Es wäre ja wohl möglich, daß z. B. der preußische Staat oder das Reich selber sich hüten würden, sich auf ein Konkordat einzulassen, welches nach Art des bayerischen 05 wäre. Letzteres hat bekanntlich in bedenk— icher Weise die römisch-katholische Kirche fast zu einem Staat im Staate werden lassen und ihre Eigengesetz— lichkeit gegenüber den Staatsgesetzen uneingeschränkt derankert. Umgekehrt hat der bayerische Staat auf jede Eigengesetzlichkeit des staatlichen Bildungswesens,
selbe der völligen Klerikalisierung preisgegeben. Das würde in Preußen und im Reich kaum in dem Maße möglich sein. Man wird sich dort, besonders in der Schulfrage, nicht die Hände binden lassen vor Erlaß eines Reichsschulgesetzes, da ja nach Artikel 147 der Reichsverfassung die bestehenden Rechtsverhältnisse bis
Nuthfolge.
Markus 8, 34. Wer mir will nachfolgen, der ver⸗ leugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Warum glauben wohl noch so viele Menschen an Gott? Mues bei den meisten von ihnen ein anderer Grund als der, dadurch ein schönes Leben zu bekommen? Sie stellen sich das Lerhältnis zu Gott als ein gegenseitiges vor. Wenn sie so lieb nd und Gott den Gefallen tun, an ihn zu glauben, dann, beinen sie, müsse auch Gott ihr Leben recht schön und bequem einrichten. Kommt es dann nicht so, wie sie gewünscht, dann ind sie enttäuscht. Dann fragen sie erstaunt:„Warum muß das gerade mir geschehen, wo ich doch so fromm und brav war, immer die Kirche gegangen bin und zu Hause in Bibel und Andachts⸗ buch gelesen habe?“ Haben diese Leute etwas aus der Geschichte us Christentums gelernt? Nein, sie kennen sie meistens nicht. Sie wissen nicht, was ein Paulus für ein schwerzes Leben durch⸗ gachen mußte.! Sie haben überall, aber nicht in der Apostel⸗ kschichte, gelesen. Sie kennen auch nicht die Leiden der ersten hristen um ihren Glauben. Haben sie je gehört, wie Nero die Christen mit Pech bestreichen ließ und sie dann als lebende sadeln bei seinen Abendausfahrten verbrennen ließ? Wer hüt ihnen erzählt von den Kämpfen der Christen mit den wilden eren, von denen der römische Kaifer sie hat zerreißen lassen? Wenn man von diesen Zeiten des Urchristentums lieft, dann gaß man sich wundern, daß noch Menschen Christen geblieben d. Denn schon diese ersten chtistlichen Jahrzehnte zeigten bautlich,! daß der Glaube an den Heiland Jesus Christus keine Lersicherung eines schönen und bequemen Lebens war. Das
Ipristentum brachte vielmehr Kampf und Leid. Sobald es sich
Konkordatspolitit.
zum Erlaß dieses Reichsgesetzes unverändert bleiben sollen. Es würde gewiß auch allerschwersten Wider— spruch erfahren, wenn römischerseits— wie es im bayerischen Konkordat vereinbart worden ist— ver— langt würde, daß jedwede Ordensniederlassung als mildtätige Stiftung und Wohlfahrtsanstalt auf— zufassen sei und von der staatlichen Besteuerung zu La— sten der Allgemeinheit befreit werden. Aber das trifft nicht den Kern der Sache. Die Hauptsache ist und bleibt folgendes: Die römische Kurie ist eine von den Staaten anerkannte ausländische Macht, und der Papst gilt als souveräner Fürst. Ein Konkordat mit dem römischen Stuhl würde also einen internationalen Ver— trag bedeuten, der einem ausländischen Souverän be⸗ sondere Rechte innerhalb deutscher Staatsgrenzen zu⸗ gesteht, die ihm im Reiche oder in einem Einzelstaat eine privilegierte Stellung verleihen. Das ist für einen modernen Staat unerträglich.
Hieran ändert auch nichts die Tatsache, daß der souveräne Papst zugleich das kirchliche Oberhaupt auch der deutschen Katholiken ist. Ein Konkordat ermöglicht immer Eingriffe einer ausländischen Instanz in deut— sche Rechte. Das kann ein gesundes nationales Emp— finden niemals dulden. Außerdem gewährleistet ein Konkordat, wie das bayerische beweist, niemals die gleiche Behandlung der bestehenden Konfessionen. An— genommen, es würde mit einer der evangelischen Lan— deskirchen ein ähnliches Konkordat abgeschlossen, so würde ein solches kein internationaler, sondern nur ein innerstaatlicher Vertrag sein, also gleichsam ein Ver— trag minderen Rechtes. Diese Erwägungen weisen auf den Kernpunkt der Sache. Wir sehen die Souveräni⸗ tät des Staates gefährdet, und das können wir evange— lischen Deutschen unter keinen Umständen gutheißen.
Dieser Protest gegen alle Konkordate ist keines⸗ wegs antikatholisch. Möge der katholischen Kirche in Deutschland alles zuteil werden, was sie mil Recht be anspruchen kann, und was wir auch für unsere evange— lische Kirche verlangen müssen, z. B. wirtschaftlich— finanzielle Existenz und ungehinderte Arbeit im katho— lischen Volksteil. Aber im Interesse gemeinsamen Volkstums und gemeinsamer Kultur, die uns mit dem deutschen Katholizismus doch immer noch verbindet, können wir diesem nur wünschen, daß er vor völliger Bindung deutscher katholischer Eigenart durch Rom be— hütet werden möge.
Im übrigen bedarf es überhaupt keiner Konkor— date mehr, seitdem in der deutschen Reichsverfassung die Rechte und Pflichten der Religions-Gesellschaften bereits festgelegt worden sind. In Artikel 10, 135 ff. sind die diesbezüglichen Grundsätze durch Mitarbeit der Zentrumspartei, also des katholischen Volksteils, auf⸗ gestellt worden. Nur zwei Dinge harren noch der Rege— lung durch das Reich, nämlich die Festlegung der Grund— sätze für die Ablösung der Staatsleistungen an die Re— ligionsgesellschaften sowie das Reichsschulgesetz. Diese
Aufgaben können nach Artikel 10 der Verfassung nur
die Christen bequem machten in ihrem Glaubensleben, trat Entartung und Verweltlichung ein. Dann kam wieder Kampf und Leid, welches allein die Reformation ermöglichten
Schauen wir nun auf das obige Jesuswort, dann hat es ja der Herr schon vorausgesagt, daß es so sei. Bei ihm war kein Ausruhen. Wer ihm nachfolgen wollte, der mußte sein Kreuz auf sich nehmen, der mußte Leid und Haß der Menschen zu tra— gen wissen. Auch unser Dr. Martin Luther hat das erfahren. Man hat die päpstliche und die kaiserliche Macht gegen ihn auf— geboten. Wenn nicht sein Landesherr so treu für ihn gesorgt hätte, wäre er diesen Mächten auch sicher erlegen. Es war eine göttliche Vorsehung, die dem deutschen Volke trotz Acht und Bann den deutschesten Mann erhalten hat, bis er sein Werk hat vollbringen können. Aber nach ihm haben ja noch viele treue Christen ihr Kreuz auf sich nehmen müssen, haben den Tod durch den Inquisitor gefunden oder mußten die Heimat der Väter verlassen, vertrieben um des Glaubens willen. Das alles waren treue Nochfolger des Herrn, die mit ihrem Herrn zu leiden bereit waren.
Merken wir uns das auch in unserer Zeit! Es ist leicht, bei der Konfirmation mit den anderen Jawort und Handschlag zu geben. Es ist leicht, in der Kirche sitzen und den Herrn mit dem Munde zu bekennen. Aber schwerer ist es, einem Spötter in das freche Gesicht zu sehen und seinem Spott mit Mut zu wehren. Jesus wirklich bekennen, heißt mit ihm leiden.
Wie hängen die Menschen oft an ihren Wünschen! Die Jünger des Herrn hatten auch ihre Wünsche. Sie dachten an Königsherrlichkeit, an Ministersessel und an Gesandtenposten. Ihr Herr aber dachte gleichzeitig an sein Leiden und Sterben. So gehen die Menschenwünsche und die Gotteswege weit aus⸗ einander. Wer Jesu will nachfolgen, der muß die Gotteswege
Fuß sucht nach der sicheren Stütze.
auf dem Wege der Gesetzgebung, also nicht durch ein Konkordat gelöst werden. Auch für die Einzeldurch— führung der aufgestellten Grundsätze kommt nur die Landesgesetzgebung in Frage. So ist es in Württem⸗ berg bereits geschehen, und zwar im Gegensatz zu Bayern zur allgemeinen Befriedigung. Aus allen diesen Grün den sind Konkordate jeder Art evangelischerseits ener— gisch abzulehnen. Und wer mit einem konkordatähn⸗ lichen Vertrage liebäugelt, den der Staat etwa auch den evangelischen Kirchen anbieten könnte, möge be— denken, welche Verleugnung protestantischer Grundsätze das bedeuten und welchen unermeßlichen Schaden der Protestantismus in seinem innersten Leben dadurch er leiden würde. B.
Deuljche Gesetzgebungsnacht.
Vom Senatspräsidenten beim Kammergericht Dr. Baum bach, Berlin. (Aus d.„Deutschen Juristenzeitung“ vom 1. Jan. 1927.)
Die Gesetzgebung ist in Nacht getaucht, in eine Nacht, die wenig Sterne hat.
Wie ist der Zustand der Gesetzgebung? Das Reichsgesetzblatt schwillt; es spaltet sich in einstweilen zwei Teile; es vergrößert sein Format. Wer wäre so nermessen, fich der Kenntnis unseres Reichsrechts zu rühmen? Dazu das Landesrecht auf den ihm vorbe⸗ haltenen Gebieten. Dazu die ministeriellen Vorschrif— ten... Kurz jura nec novit curia.(Nicht einmal die Behörden kennen die Gesetze.)
Gleichzeitig wächst die Unübersichtlichkeit. Wild schießen die Rechtsnormen aus dem tropischen Gesetzes— boden, nehmen sich gegenseitig Luft und Licht, bedecken den Boden mit abgestorbenen Trümmern und spotten des Verstandes, der Ueberblick und Richtung sucht. Sondergesetze, Verlegenheitsgesetze, Gelegenheitsgesetze. Sogar die Sprache ist nicht einheitlich. Uralten Fach— ausdrücken gibt ein Sondergesetz plötzlich verschwiegen eine andere Bedeutung. Der juristische Turmbau zu Babel!
Dabei geht es um die höchsten Güter. Schlechte Gesetzgebung bedeutet Rechtsunsicherheit: der Richter greift leicht fehl; urteilt er richtig, so befremdet die Entscheidung oft das Volk, weil das Gesetz der inneren Vernunft entbehrt; das Volk wird zum Spielball des Rechtes, es fängt an, das Recht zu hassen, es haßt seine Organe, es haßt den Staat.
Was sind die Gründe dieses Niederbruchs des Eck— pfeilers des Staates? Ich teile sie in stoffliche, poli— tische, persönliche.
Als erste stoffliche Ursache mag gelten, was man als Entschuldigung vorschützt: die Vielgestaltigkeit der heutigen Lebensformen. Wir gleiten in ein neues Zeitalter. Industriealisierung und Mechanisierung nehmen zu. Der alte feste Boden schwankt, und unser Schön! Das mag 717 ²⁵˙ m /// ccc wühlen, muß sich in Gottes Willen gerne fügen. Gewiß sind diese Gotteswege manchmal ganz wunderlich. Sicher steht der Mensch dann oft da und kann und kann nicht begreifen. Dennoch sind diese Gotteswege die einzig richtigen. Deshalb dürfen wir nicht wählen, was menschlich ist, sondern was„göttlich“ ist.
Damit erlärt sich auch, daß der Konfirmationsentschluß so vielen nichs im Leben hilft. Am Konfirmationstag, in begei sterter Stunde, nimmt sich der junge Mensch alles Gute für das Leben vor. Der Tag ist kurz. das Leben aber ist lang. Die Jünger hatten sich auch in einer Stunde der Begeisterung für die Nachfolge Jesu entschlossen. Wie oft aber hat der Herr sie als„Kleingläubige“ angetroffen. Wie manchmal wußten sie nicht,„welches Geistes Kinder“ sie waren. Immer wieder mußte Jesus sie daran erinnern, was sie mit der Nachfolge auf sich ge— nommen hatten. Jesu nachfolgen, heißt, ihm treu bleiben durch das ganze Leben hindurch in Freud und Leid. Jesu nachfolgen, heißt, sich selbst verleugnen, das schwere Kreuz mit aller Unehre vor der Welt auf sich zu nehmen, nicht fragen: Wie bekomme ich es am leichtesten? Sondern fragen: Wie komme ich am weitesten mit meinem Gott? Jesu nachfolgen, heißt, keine großen Ansprüche an das Leben machen, sondern sich seinem Gott ge— horsam zur Verfügung stellen, damit er etwas durch uns aus— richten kann. Gott hat uns sicher nicht nötig. Aber wir wollen für uns froh sein, wenn er uns hat brauchen können, und wir etwas in unserem Leben für sein Reich haben leisten dürfen.
So laßt uns denn dem lieben Herrn
mit Leib und Seel' nachgehen
und wohlgemut, getrost und gern
in allen Leiden stehen;
denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron! des ew'gen Lebens nicht davon. Amen.
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