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13 un 1 gei U lar 5 Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft 0„Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28. 0——„———— 8 ane, Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Samstags.— Bezugspreis 30 Pfennig monatlich.] Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg. 1„Verantwortlich für Politit und Wirtschaft: Edwin Hamburger, Abonnements⸗ und Anzeigen ⸗Annahmestelle, am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Tezt 96 Pfg. fee für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Für Kückendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.] Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckonto 8437 Frankfurt a. M. Vergünstigung. ————.————— un 23. Jahrgang. Sonnabend, den 5. März 1927. Nummer 10. 0 iber die Regierungsbild 0 Gedanken über die Regierung ung. vu 5 Von Ern st Müller. Knapp hinter uns liegen politisch bewegte Wochen,] der Vergangenheit in dieser Beziehung aussieht. Aber] das bei einer Partei, die ihre Grundeinstellung von zwar frei von einem oft unabwendbar scheinenden[man wird mir gewiß zugeben, daß es dem Zentrum nach] heute morgen in das Gegenteil verwandelt? Weiter 1 0 hlkampf, aber doch mit einer politisch hochgeladenen] der Staatsumwälzung 1918 darauf ankommen mußte,] muß festgestellt werden, daß die Deutsche Volkspartei „ Atmosphäre, wie sie bei einer ohne Wahlkampf vor fich[an dem sich vollziehenden Wechsel des öffentlichen Ein- heute ihr lieberales Herz entdeckt hat, daß ihr die„Kul⸗ g, gehenden Regierungs⸗Neubildung nicht häufig anzu- flusses der verschiedenen politischen Richtungen möglichst[ tur“-Bestrebungen des Zentrums heute„einige Unruhe“ treffen ist. Weit über den Kreis der Parlamentarier, weitgehend beteiligt zu sein. Wie glänzend ist dieseverursachen. Wie sagt der gutunterrichtete Gewährs⸗ 0. u der Fraktions⸗Vorstände und Mitglieder hinaus bis Aufgabe gelöst worden! Wie meisterhaft hat es das] mann der„Frankfurter Zeitung“? 0 in die Winkel der Groß⸗ und Kleinstädte, bis hinaus Zentrum verstanden, sich seine freundschaftliche Anleh⸗„Die Aussichten dafür(für ein Konkordat) in 9 auf's flache Land schlug dieses Mal das Meer der poli- nung an die Links⸗Parteien gerade bei der Vergebung einem Block der Rechten sind umso besser, als Herr 0 lischen Erregungen, der Hoffnungen und Wünsche, der der öffentlichen Aemter teuer bezahlen zu lassen. Ein Stresemann, wie wir wissen, einem Konkordat aus Befürchtungen und ernstesten Besorgnisse seine Wellen.] Hinweis genügt, obwohl hier der Erfolg ausblieb: Die diplomatischen Gründen(1) nicht abgeneigt ist...“ Jedem, auch dem nur im allergeringsten Grade an Reichspräsidentschaftskandidatur des Herrn Dr. Marx, Wie kommt die D. V. P. zur Wieder⸗Entdeckung 1 den Tagesereignissen Interessierten ist es klar, daß die[des Vorsitzenden der zahlenmäßig kleineren Partei, leb⸗ des Liberalismus, wie komml es daß sie sich heute für 9 vollzogene Rechtsschwenkung des Zentrums— oder haft unterstützt von der großen S. P. D.— Wir müssen evangelische Interessen erwärmt? Ich habe Grund — sagen wir besser: die Tatsache der Koalitionsbildung uns merken: als indifferente Mittelpartei oder als Op⸗ zu der Annahme, daß sie vermeiden möchte, für ihre zwischen Zentrum und Rechtsparteien— die politischen] positionspartei wäre für das Zentrum in der öffent⸗ Unterlassungssünden der jüngeren Vergangenheit eine ö l. Wellen so hoch schlagen ließ. Es scheint mir unumgäng⸗ lichen Einflußnahme ein derartiger Erfolg, wie wir ihn ausreichende Quittung zu erhalten.— 1 10 lich 5 9 8 7 en noch einmal Stellung erleben mußten, in der Nachkriegszeit nicht möglich ge— Evangelische än den Plan! An die Arbeit, die ö 5 zu nehmen, obwohl in den Nummern 5 und 6 unsereswesen. i 77 5 5 1 ö einn Blattes bereits sehr bemerkenswerte Hinweise für un⸗ Es zeigt sich wieder, wie Politik auf lange Sicht ge⸗ reiche Früchte verspricht, indem wir die A188 5 1 % sere Freunde gegeben sind; denn, das läßt sich nicht trieben wird. Die öffentliche Bedeutung des Altramon- fahren nicht nur für uns, nein, auch für unsere Kinder 1 a g. 8 1; und Kindes-Kinder abwehren. Volle Berücksichtigung 4 in leugnen, es waren doch vor allen die evangelischen T tanismus ist groß und stark geworden, und jetzt kommt 15 5 f Int icht bei Par⸗ 46 u Volksgenossen, denen bei den Verhandlungen und dem die Nutzanwendung: jetzt blüht der Weizen, die Ernte eien el e mi 0 5 In a u 0 find. 1 Abschluß der Regierungs⸗Neubildung Herz und Seele ist nah. Die aber, die das Feld bestellten, sind frei von nicht be eiter Wache, 8 f en 5 1 beschwert wurden. der Sorge, mangels ausreichender Kräfte nicht in den litischer Macht ihre Grundsätze weitgehend preisgibt,
Wenn man sich mit einem politischen Ereignis be⸗ faßt, das unter maß- und ausschlaggebender Mit— wirkung des Zentrums zustande kam, so tut man gut, sich einmal die großen Programmpunkte dieser Partei ins Gedächtnis zu rufen. Da heißt es, was leider, leider den meisten unter uns garnicht bekannt, anderen in seiner Tragweite nicht bewußt ist, an allererster Stelle: „Wahrung der kulturellen Belange.“ Man kann auf
Grund von Erfahrungstatsachen hinzufügen:„um jeden Preis und durch jedes Mittel!“ Der Preis ist diesmal
die Hingabe der Freundschaft mit den Linksparteien, das Mittel der Anschluß an die Rechte.
Daß der Preis besonders hoch war, kann man wohl nicht sagen, denn die Regierungs⸗Erklärung verrät alles andere als eine „Preis“ gabe der in den letzten Jahren eingenommenen inner⸗ oder außerpolitischen Standpunkte. Das kleine Zugeständnis an die Vorkriegs-Vergangenheit, das als einziges von den Deutschnationalen auf der Haben-Seite verbucht werden kann, ist ganz gewiß nicht derart be— deutungsvoll, als daß es nicht auch von der Sozialdemo⸗ kratie hätte gemacht werden können. Oder erhebt nicht 3. B. die früher internationale S. P. D. heute den An⸗ spruch, national zu sein?
Biegsam und gewandt, wie die Zentrumspolitik nun einmal ist, hat sie nicht nur die seitherige Links⸗ Koalition, sondern auch die Rechtsschwenkung zu Nutz und Frommen ihrer„kulturellen Aufgabe“ verwertet. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, wie das Fazit
Dienet einander!
Matthäus 20, 28. Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.
1 Die Leidenszeit hat nun wieder begonnen. Es ist die stille geit im Jahre. Da will man keine Musik, kein Gelärme, keinen Fastnachtsunfug mehr hören. In dieser Zeit vertiefen sich die
Christen in das bittere Leiden unseres Herrn und Heilands. Da werden wir alle ernst und denken darüber nach, was doch 9 der Heiland für die Menschen getan hat. Die schönste Antwort flürfte unser heutiges Textwort geben. Es stammt aus Jesu
Munde selbst:„Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sch dienen lasse, sondern daß er diene.“ Denken wir über das ganze Leben des Heilands nach, so hat er mit diesem Worte echt.
Herrschen ist leichter als Dienen. Als Jesus noch seine Vor⸗ bereitungszeit in der Wüste verbrachte, da kam auch an ihn die Versuchung der Herrschsucht heran. Wenn er der Masse Brot gab, dann konnte er hoffen, von ihr zum Führer gemacht zu werden. Wenn er ihnen ein Gauklerkunststück vorgemacht hätte, dann hätte er ebenfalls ihre Verehrung gefunden. Am mäch⸗ sigsten aber wäre er wohl als politischer Herrscher geworden. Doch im Herrschen bestand nicht seine Sendung, sondern im Dienen. So widerstand er allen diesen Versuchungen und wurde in Diener der Menschheit.
Dienen ist schwer. Als die Umwälzung im Jahre 1918 über unser deutsches Volk hereinbrach, da wollte sich bekanntlich
eder leicht machen. Da wollte möglichst jeder herrschen und 0 einer mehr dienen. Das Wort„dienen“ wurde geradezu als Awwgs Verächtliches betrachtet. Die Mädchen am Lande sagten: Wir brauchen nicht mehr zu dienen.“ Ein Mädchen sagte mir: Ich bin doch das Dienen so müd!“ Haben früher die Bauern⸗ Rädchen auf anderen Höfen eine Stelle eingenommen, so sieht
Genuß ihrer Arbeit zu kommen. Sie haben ihren Lehr— meister, der ihnen mit gutem Rat zur Hand geht. Das wird uns sogar durch eine Meldung der„Frankfurter Zeitung“ klargemacht:
„Es wird uns von einer Seite, die wir für sehr gut unterrichtet halten müssen, auf das Bestimmteste erklärt daß die Kurie schon seit langem, mindestens seit der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten systematisch und auf verschiedenen Wegen auf das Zentrum eingewirkt hat, um es zu einer Verbindung mit der Rechten zu bewegen. Selbstverständlich spie⸗ len sich solche Dinge immer nur zwischen wenigen Personen ab, die anderen wissen in der Regel gar— nichts davon. Die Absicht der Kurie geht vor allem auf ein Konkordat. Die Aussichten dafür in einem Block der Rechten sind umso besser, als Herr Strese— mann, wie wir wissen, einem Konkordat aus diplo⸗ matischen Gründen nicht abgeneigt ist. Die Frage des Schulgesetzes spielt natürlich auch eine Rolle.“
Nachdem uns von einem Blatt, das uns Evange— lischen als solche gewiß nicht sympathisch gegenübersteht, die nächstliegenden kulturellen Gefahrenmomente klar— gemacht wurden, fragen wir uns, was von evangelischer Seite zur Abwehr getan wurde. Dabei muß anerkannt werden, daß ohne das Eingreifen des Evangelischen Bundes heute womöglich kein einziger deutschnationaler Glaubensgenosse, sondern nur Herren des Katholiken⸗ Ausschusses in der Regierung säßen. Aber: was besagt
man heute verächtlich auf die Dienenden herunter. Das Dienen ist heute nur den Kindern aus geringem Hause vorbehalten. Das Lächerlichste, was nun in dieser Beziehung geschehen konnte, war wohl, daß man die Dienstboten durch Aenderung ihres Berufsnamens eine Stufe höher stellen wollte. Da nannte man sie„Hausangestellte“! Dieses Wort gebrauche ich grundsätzlich nicht. Denn nach meiner Auffassung bedeutet dieses neumodische Wort eine Heruntersetzung dieser Mädchen. Nennen wir sie lieber weiter„Dienstmädchen“! Dann können sie sich wenig⸗ stens in die Nähe des Größten stellen, der je über die Erde ging, in die Nähe unseres Heilandes, der nicht gekommen war, um sich dienen zu lassen, sondern selber zu dienen. Zum Dienen gehört also eine gewisse Liebe zu unserem Heiland, ein Ver⸗ ständnis für seine Aufgabe, eine Schätzung für seine große Liebestat. Darum ist das Dienen schwer.
Man hat das Dienen aufgefaßt als ein von Herrenmenschen ausgehender Zwang. Man hat geglaubt, daß unserem Volke geholfen sei, wenn alles Herrenmenschentum beseitigt sei. Man hoffte, daß dann jeder ein Herr werden könne. Unter einem Herr verstand man allerdings niemand anderes als einen Ge⸗ bieter. Herren sollen wir alle werden. Das ist eine Aufgabe, die wir haben. Unser Volk wird trotz seiner Freiheitssucht ein Knechtsvolk genannt. Es ist heute mehr als früher ein Knechts⸗ volk. Im Volke selbst haben nur die Namen gewechselt. An⸗ stelle der fürstlichen Gewalt ist die des Geldes getreten. Wir haben wieder Gebieter und Knechte. Zu Herren können wir nur auf dem Wege unseres Heilandes gelangen. Er war kein Gebieter, ist trotzdem ein Herr geworden!
„So jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener. Und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht.“ Das ist der Weg unseres Herrn Jesu, den er selbst ging, um uns ein Herr zu werden. Das ist aber auch unser vorge⸗ schriebener Weg, der allein zum Ziel führt. Wir müssen in Deutschland wieder das Dienen schätzen lernen. Wir müssen wieder erkennen, daß Dienen keine Schande, sondern eine Ehre
nicht bei einer Machtgruppe, bei der Reden und Han— deln ursächlich getrennte Dinge sind, sondern nur dort, wo evangelische Grundsätze oberste und einzige Richt⸗ schnur sind für Gedanken, Worte und Werke.
Staatserhallende Parteien.
Das Schlagwort von den„staatserhaltenden Par⸗ teien“ spielt bei den Kombinationen zur Lösung der der⸗ zeitigen Regierungskrise eine nicht unwesentliche Rolle. Bei dem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft des preußischen Staatsrats zur Bildung einer bürgerlichen Arbeitsge⸗ meinschaft unter Führung von Jarres und v. Gayl wurde zum ersten Male der Ausdruck von den„im tief⸗ sten Sinn des Wortes staatserhaltenden Parteien“ ge⸗ prägt. Wir können es für heute ruhig dem hohen Ver⸗ stande der Parteifanatiker überlassen zu entscheiden, welche unserer gegenwärtigen Parteien nun im tiefsten Sinn des Wortes staatserhaltend sind. Vielleicht würde sich diese Frage auch zu einer Preisfrage oder als Thema einer Doktorarbeit eignen. Ich muß gestehen, daß ich beim Nachdenken über diesen bestrickenden Ausdruck zu ganz ketzerischen Ergebnissen gelangt bin. Aber davon soll bier nicht die Rede sein, vielmehr soll uns nur die Frage beschäftigen, was wir von einer Partei, die sich staatserhaltend nennen will, heute vor allem fordern müssen.
ist. Unser Herr Jesus hat auch nicht gebieten, sondern dienen wollen.
Wer will denn nun heute dem deutschen Volke dienen? Wenn es gilt, eine neue Regierung zu bilden, dann streiten sich die Parteien um die Macht. Da sind die verschiedensten Geldinteressen dabei und suchen nach Möglichkeit recht viel Einfluß bei der neuen Regierung zu bekommen. Denn wer heute die Gewalt hat, der hat auch das Recht, der ist fein her⸗ aus, der macht Gesetze, wie es in seinen Kram paßt. Damit wollen wir aufräumen. Wir wollen unser Volk wieder dienen lehren, wie der Heiland seine Jünger auch gelehrt hat. Er hat selbst gedient mit seinem ganzen Leben, hat es als höchsten Dienst für die Menschheit dahingegeben am Kreuze.
Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft, die wir alle auf dem Boden des Evangeliums unseres Herrn stehen, wir wollen bei unserer ganzen Arbeit, die wir unserem Volke zugute kommen lassen, nie vergessen, daß wir unserem Volke dienen müssen. Deshalb soll unser Organ, unsere„Evangelische Warte“, von heute ab jenes Heilandswort am Kopfe tragen. Es soll, so Gott will, noch unsere Nachkommen daran erinnern: Wir wollen nie Gebieter, sondern Diener unseres deutschen Volkes sein! So hat auch unser großer Reformator Dr. Martin Luther es ausgesprochen, wenn er sagte:„Meinen Deutschen will ich dienen!“
Zünd auch in mir die Liebesflammen
zum Dienste deiner Glieder an;
bind mich und ihre Not zusammen,
damit ich mich versichern kann,
ich sei also wie du gesinnet,
wenn mein Geist die Gestalt gewinnet,
die deinem Sinn recht ähnlich ist;
so werd ich Freund und Feinde lieben,
so wird ihr Kummer mich betrüben,
wie du mir vorgegangen bift. Amen. Ht.
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