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Januar 1927.

Sonnabend, den 1.

Ein schwarzer Mantel wurde auf der Erde ausgebreitet und das grausige Würfelspiel begann. Sechsunddreißig Männer mußten paarweise vortreten und auf dem Mantel um ihr Leben würfeln. Zwei von den Verlierern wurden durch Grünzacher freigegeben, die andern aber sofort vom Henker gepackt und an der Linde des Haushamerfeldes sowie auf den Kirchtürmen von Frankenburg, Vöcklamarkt und Neukirchen aufgehängt. Am darauffolgenden Samstag wurden die Leichname abgenommen und vor Vöcklamarkt längs der Salzburgerstraße auf Spieße ge— steckt,„damit Bürger, Bauern und Wanderer sähen, welchen Ge— winn der Aufruhr gebracht.“

In den Bauernhäusern aber trieb das Kriegsvolk noch lange Zeit sein schändliches Wesen.

Heute befindet sich an jener Stelle eine Bronzetafel mit den Namen der Spieler.

Das war das berüchtigte Frankenburger Würfelspiel von

Es sollte nur ein Vorspiel sein.——

Kaiser Ferdinand gab im August 1625 seinen Reformations⸗ lommissaren verschärfte Weisungen und ließ am 10. Oktober im ganzen Land bekannt machen und an den Kaucenuten an- schlagen, daß die evangelischen Prediger dauernd abgeschafft bleiben sollten. Den übrigen Protestanten blieb nur die Wahl zwischen Bekehrung oder Auswanderung. Jeder Auswanderer mußte der Regierung den zehnten Teil seines Vermögens als Nachsteuer und der Grundherrschaft ebensoviel als Freigeld zu⸗ rücklassen. Endfrist war Ostern 1626.

Dieser Erlaß wandte sich aber auch gleichzeitig gegen den Adel. Nur denjenigen Adeligen, deren Vorfahren nachweis⸗ lich bereits vor fünfzig Jahren den Landständen angehört hatten, sollte es erlaubt sein, bei ihrem lutherischen Bekennt⸗ nis zu verbleiben. Der Adel protestierte, erlangte jedoch nur Verlängerung der Auswanderungsfrist auf zwei Jahre und für die alten Landstände die Erlaubnis, sich in Niederoester⸗ reich niederlassen zu dürfen, wo es ihnen gestattet sein sollte, ihre Religion beizubehalten, nicht aber, sie auszuüben.

Um dem Erlaß mehr Nachdruck zu geben, wurden die Häu⸗ ser sämtlicher Protestanten mit starker Einquartierung belegt Der ausgeübte Druck verfehlte, wie zu erwarten stand, seine Wirkung nicht, aber das oberoesterreichische Bauernvolk war doch weit zäher, als man sich vorgestellt hatte. Bis Anfang Mai 1626 war zwar die Bürgerschaft aller Städte und Märkte fast ausnahmslos wieder katholisch geworden, vom Adel jedoch waren nur zwei abgefallen und die Bauern verharrten steif— nackig bei ihrer Aeberzeugung: sie wollten weder vom Aus⸗ wandern noch vom Katholischwerden etwas wissen.

Am 15. Mai befahl Maximilian die allgemeine Entwaff⸗ nun und versprach, daß die Besatzung vermindert werden solle, wenn diesem Befehl Folge geleistet würde. Die Bauern ge⸗ horchten und lieferten ihre Waffen ab in der Hoffnung, auf diese Weise die Soldaten loszuwerden und wieder freie Hand

1626.

der Gedankenlosigkeit heraus!

8 bekommen.———(Schluß folgt!)

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. Warte“

Tat und Geschwät.

Es ist immer so gewesen auf der Welt: Nur die Tat gilt! Das Wort ist wahr und wird so oft von wohlmeinenden Mah⸗ nern gesagt, daß es das traurige Schicksal erlitten hat, eine Phrase, eine Redensart geworden zu sein. Darum überhören es die Menschen; darum bleibt es nicht im Bewußtsein haften! Darum geht unser Leben dahin wie ein Geschwätz!

Darum ist auch das Geschwätz zu einer Angelegenheit der Masse geworden! Auf Markt und an Straßenecken, auf Bühnen und Tribünen, an andern Stellen, an denen man es nicht er⸗ wartet, nichts anderes als Geschwätz. Womit bringen die meisten Menschen ihre Zeit hin? Mit Nörgeln, Besserwissen, mit heim⸗ lichem Fäusteballen in verborgenen Hosentaschen, mit Afterreden und bösem Leumund. And die tägliche Arbeit wird unfroh, höch— stens um des Erwerbs willen getan. Wie wenige setzen ihr gan⸗ zes Leben daran, wie wenige bedenken, daß sie Säeleute und Bauleute einer besseren Zukunft sind!

Aus dieser Verkennung der Tat heraus erwuchs Unzufrie— denheit. Unzufriedenheit kann sich niemals breit machen, wenn jeder bei seiner Arbeit an die anderen denkt und seinem Werk den Adel des Schaffens beilegt! Denn es ist zweierlei: arbei— ten und schaffen. Schaffen ist das Größere, weil Menschenliebe dazu gehört!

Was tun die Menschen, gleich welcher Richtung, die auf den Redepulten vor den Volksversammlungen stehen und das Para⸗ dies auf Erden verkünden. Arbeiten oder schaffen sie?

Sie hetzen und verführen!

Wollen sie ihre Zuhörer zum Schaffen erziehen? Lieber Freund, was wird die Folge ihrer Predigt sein? Die Menschheit wird die Hände in den Schoß legen, den Mund aufmachen und auf die gebratenen Tauben warten! Da ist weder Arbeit, noch Schaffen! Das alles ist eitel und Haschen nach Wind! Und dürr und trocken wird die Seele wie eine erfrorene Fledermaus im Gebälk.

Es ist gewiß Gottes Zulassung, daß wir in diesen Zeiten unter dem Fluche des Geschwätzes leben! Er, der die Plagen über Aegyptenland schickte, der es litt, daß die Welt den Heiland ans Kreuz heftete und in Finsternis abglitt, legt jetzt erneut eine Plage auf uns. Sein Wille ist heilig— und wir haben uns zweierlei zu fragen:

Warum tut Er das?

Und wie kommen wir los von dem Fluche?

Er will, daß jeder von uns, der Tagelöhner, der Büdner, der Bauer, der Herr, der Arbeiter, Angestellte, Beamte und Be— sitzer, daß jeder von uns nachdenke! Wir sollen aus der Sünde Er will nur bewußte Menschen in den Himmel aufnehmen. Dazu müssen wir uns lösen von der Macht der Phrase, der Redensart! Wir sollen erkennen, wie viel wir an uns selber erziehen müssen. Denn dem Glauben geht . voran! Gott 2 5 uns 815 7 nur, wenn

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Nr. 1

wir die unsrige zuvor nach Ihm ausstrecken! Gewiß— Seine Gnade— sucht! Aber sie sucht nur erhobene Hände und sehnende Herzen, Herzen, die ehrlich wollen! Niemals greift Er aufs Geratewohl in die Menschenmassen hinein und nimmt sich den heraus, den Er gerade faßt, wie es etwa Deine Hand tut, wenn sie lässig ins Laubengewirr faßt und ein Blatt abpflückt, das ihr gerade in die Finger kommt. Nein— Gott will Selbster⸗ ziehung von uns. Und weil so wenig Menschen sich selbst erziehen, schickt Er den Fluch des Geschwätzes über uns.

Wie kommen wir davon los? Wir können nur selig wer⸗ den in der Nachfolge Jesu Christi! Das ist eine tausendfach aus⸗ gesprochene Tatsache; und doch muß sie immer wieder den Men— schen wie etwas überraschend Neues gesagt werden!

In Jesu Leben war kein Geschwätz! Seine stundenlangen Predigten waren Taten! Weil dahinter Sein ganzes Leben, die ganze Inbrunst Seiner schaffensfrohen Persönlichkeit stand! Wenn Er den Kranken berührte, wenn Er die Rolle aus Pregament mit den Reden der Propheten in die Hand nahm, so war das immer eine Tat, weil das alles bewußt geschah und ganz ohne den Ge⸗ danken an Seine Person, sondern immer im Hinblick auf die an⸗ dern! Der Blick, mit dem Er der durch Phrasen verseuchten Menschheit, den Priestern und Schraftgelehrten, den Pharisäern und Römern ins Herz sah, war auch eine Tat, weil Er wußte, wie anders man sein Leben einrichten muß, um in dem hellen Lichte der schaffenden Tat zu stehen.

Hüte Dich, lieber Leser, vor dem Geschwätz der andern, und laß Dein eigen Leben nicht zum Geschwätze werden. Prüfe die Geister, die da reden, die Dich überreden wollen. Die linke

Hand an die Bibel und die rechte an den Pflug! Und suche nicht immer bei Deiner Arbeit nur das Deine. Du wirst um so reicher an Tat, je mehr Du Deiner Mitmenschen gedenkst!

Kleine Geschichten.

Dr. Stukeley besuchte einst Newton. Man sagte ihm, Newton sei in seinem Arbeitszimmer, wo niemand ihn stören dürfe. Stu⸗ keley wartete also. Es wurde Mittag, und Newtons Mittag⸗ essen wurde aufgetragen, das in einem gesottenen Huhn bestand. Stukeley, der unterdessen hungrig geworden war, konnte der Versuchung nicht wiederstehen, aß das Huhn auf und deckte die Schüssel wieder zu. Bald darauf kam Newton in großer Eile die Treppe herunter, entschuldigte sein langes Ausbleiben und sagte zu Stukeley:„Erlauben Sie mir nur, schnell mein Mit⸗ tagsmahl zu verzehren, ich bin fast ohnmächtig vom Arbeiten. Ich stehe Ihnen dann gleich zu Diensten“. Dabei deckte er die Schüssel auf und fand sie leer. Darauf wandte er sich lächelnd zu Stukeley: Was wir Gelehrten doch für sonderbare Leute sind! Ich hatte ganz vergessen, daß ich schon zu Mittag gegessen habe.

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