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Evangelische

drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft

arte

Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.

Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)

Haben wir auf Grund des biblischen Wortes das Recht, von den Christen zu fordern, daß sie sich im öffent lichen Leben betätigen?

Nach meiner Auffassung kann es sich hier nicht um Rechte handeln, welche wir etwa aus der Bibel abzu⸗ leiten hätten. Es handelt sich vielmehr um Pflichten, die das Wort Gottes uns auferlegt.

Mir ist das begreiflich geworden nicht nach theoreti schen Erwägungen und Studien über Sittlichkeit, christ⸗ liches Leben und derartiges, sondern auf viel elemen⸗ sarer Weise! Die Frage ist: Was verlangt Dein Herr von Dir im Gericht?

Wenn es eine Antwort auf diese Frage gibt, so ist es eine brennende Antwort, um die wir in keinem Fall und durch keinerlei Mittel, und wären es die schönsten christlichen Systeme, Formulierungen und Erwägungen, herumkommen werden. Die Antwort ist uns gegeben im Ev. Matth. 25 in der Rede vom jüngsten Gericht: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das Euch bereitet ist, vom Anbeginn der Welt, denn ihr habt nun was? merken wir doch 5 auf euer inneres Leben gepflegt?, ihr habt Er⸗

bauungsstunden gehalten, Reichsgottesarbeit getan und ihr seid fromme Leute gewesen? Nein und nochmals nein! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich ge⸗ sränkt. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich be herbergt. Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich be⸗ leidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir ge⸗ kommen.

Das ist also die Frage im jüngsten Gericht, ob ihr einen unter diesen geringsten Brüdern gespeist, getränkt, beherbergt, bekleidet, besucht habt!

In Holland gibt es ein Haus, das mir sehr wert geworden ist. Links der Haustüre steht eine Inschrift: Alles mit Gott. Das sagt sicher sehr viel. Aber die Inschrift rechts der Tür ist noch vielsagender:Nichts ohne ihn! Also auch nicht in der Politik ohne ihn.

Und wenn nun Matth. 25, 41 das furchtbare Wort, es ist das furchtbarste der Bibel, steht:Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!, so trifft das nicht etwa Tatsünder, sondern die Unterlassung ünder!!:

Ich bin hungrig gewesen und du hast mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen und du hast mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen und du hast mich ghicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen und du hast mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen ge wesen und du hast mich nicht Na!

1 Nur Versäumnisse sind es, die hier aufgezählt wer⸗ den. Wir können uns schlechterdings nicht um die Tat⸗ fache drücken, daß uns der Staat durch seine Verfassung das Recht der Mitausübung der Staatsgewalt zuschiebt.

Der Herr wird uns einst fragen am jüngsten Tage: Wie hast du dieses Recht gebraucht? Was habt ihr zur Behebung der Wohnungsnot, der Steuerung der Not von Waisen, Witwen, Erwerbslosen, Kriegsbeschädigten und sonstigen Notleidenden getan? Was für die Ent⸗ rechteten der heutigen Wirtschaftsordnung? Wenn unser Herr durch die Reihen der gläubigen EChristen Deutschlands ginge, wer würde bestehen können?

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Von D. Jäger-⸗Bethel.

Wollen wir erkennen, was der Herr von uns heischt?

Der alte Bodelschwingh sagte einmal: Ich muß immer bitten, Herr vergib, was ich heute versäumt habe.

Nein, es ist nicht zu verstehen, wie man überhaupt noch fragen kann, ob wir das Recht haben, uns um das öffentliche Leben zu bekümmern!

Was sagt uns das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus? War der reiche Mann nicht tadellos? Hat er denn irgend etwas Schlechtes getan? Er war sicher ein rechtschaffener Mann, der etwas auf seine gute Manieren und seinen guten Ruf hielt. And doch Hölle und Qual?

Nein, meine Freunde und Brüder, wenn man dieses Kapitel einmal begriffen hat im innersten Herzen, dann hört man nicht auf, sich zu schümen. Man disputiert gar nicht mehr. Es gibt dann nur noch zwei Bitten: Herr vergib und Herr hilf!

Wenn es nun solche Pflichten gibt, lassen sich dann die christlichen Grundsätze nur auf das soziale Leben oder auch auf die Gestaltung des gesamten öffentlichen Lebens überhaupt anwenden?

Ich würde lieber den Ausdruck christliche Grundsätze nicht gebrauchen. Das sagt nicht alles, worum es sich handelt. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger als um die Gebote Gottes. Um die Gebote, die er denen gegeben hat, die seine Stimme hören.

Und nun ist die Frage, ob dieses Gebot, dieses Wort Gottes etwa irgend wann und auf irgend einem Gebiet einmal aufhört, seine Geltung zu haben?

Lassen Sie mich ein Beispiel gebrauchen.

Als der Papst in Rom sich für unfehlbar erklärte, beanspruchte er das Recht,nur! in allen Fragen des religiösen und sittlichen Lebens ex cathedra ein unfehl⸗ bares, für jedermann verbindliches Urteil abzugeben.

Die meisten europäischen Staatsmänner zogen die Folgerung daraus, daß das soziale und politische Leben hiernach den Papst nichts angehe. Allein der große englische Staatsmann Gladstone erklärte:Was gibt es eigentlich dann noch, was nicht unter das Arteil des Papstes fällt? Ueberhaupt nichts mehr! Er hatte selbstverständlich recht.

Wir haben es nicht mit dem heiligen Vater zu tun, sondern mit dem lebendigen Gotte.

Seine Gebote erstrecken sich auf das ganze Leben! Ob es sich nun um persönliche, sittliche, soziale oder po⸗ litische Fragen handelt, wir haben uns immer und über⸗ all nach seinen Geboten zu verhalten.

Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.

Ob wir die Gebote Gottes für durchführbar halten, das ist gar nicht die Frage. Wenn Er sie für durch⸗ führbar hält, dann sind sie auch durchführbar.

Die Geschichte des Reiches Gottes und auch die Weltgeschichte zeigt es uns sehr deutlich: Sobald ge⸗ wagt, gehorcht und geglaubt wurde, wurden Dinge möglich, die niemand vorher für möglich gehalten hatte.

Es handelt sich nicht ums Debattieren, sondern ums Glauben!

Was ist doch das Gleichnis vom Senfkorn für eine äußerst unglaubwürdige Sache. Und wie völlig hoff⸗ nungslos war die Lage des Christentums am Karfrei⸗ tag. Und doch ist alles so gekommen, wie der Herr es

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Nummer 27.

Glauben und Gehorchen.

Aber wir, wir glauben nicht mehr an die Oster⸗ tatsache. Wir rechnen nicht mehr mit dem Lebendigen! Wir glauben nicht mehr daran, daß er lebt und wirkt und in unser Leben hineingreift!

Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn!

Nicht Berechnung der wahrscheinlichen Entwicklung brauchen wir. Kein Fragen nach Zahlen, nach Macht, nach Einfluß, nach Erfolg steht uns zu.

Die Frage ist nur, haben wir den Glauben an den lebendigen Gott? Haben wir ihn, dann müssen wir ge⸗ horchen. Gehorchen auch auf die Gefahr hin, daß wir säen und andere ernten.

Wir haben nie und nirgends den Anspruch darauf, ernten zu dürfen. Selbstlosigkeit gehört zu jeder Arbeit im Reiche Gottes. Wer irgendwie und auf irgend einem Gebiete einen Nutzen oder einen Vorteil, und sei er von seinster, geheimster Art, auch nur in seinen innersten Ge⸗ danken sucht oder erwartet, den kann Gott nicht ge⸗ brauchen.

Der Herr gebietet und der Knecht gehorcht! So liegen die Dinge.

Wie war es denn mit dem Paulus von Tarsus? Wie stand er einsam in der Welt? Wie war damals die Chance für das Christentum, für das Reich Gottes? Nichts vom Christentum existierte bei uns in Deutsch⸗ land, wenn Paulus nicht geglaubt und gehorcht hätte.

Wie kann man überhaupt noch debattieren über solche Fragen?

Die Flammenschrift der Geschichte weist uns den Weg: Glauben und gehorchen!

Und nun die Frage der Anwendung auf die ein⸗ zelnen Gebiete des öffentlichen Lebens.

Im großen Ganzen werden uns die meisten Fragen sofort klar, wenn wir sie unter dem Gesichtspunkt prüfen. Wie würde Jesus gehandelt haben an unserer Stelle? Und wenn diese Frage noch keine Antwort gibt, so wer⸗ den wir sofort Licht bekommen, wenn wir prüfen: Wie würde Jesus nicht gehandelt haben? 6

Zunächst ist festzustellen, daß das soziale Gebiet durchaus kein kleines und engumrissenes ist, sondern sehr weit reicht.

Wie haben wir uns im Innern zu verhalten?

Zuerst fragen wir: Was ist der Wille Gottes?

Er zeigt uns das letzte Ziel, aber nur den näch⸗ sten Schritt. Wir haben keinen Anspruch darauf, den übernächsten zu sehen.

Tuend und gehorchend erkennen wir, welches der Weg ist. Reiches Leben erst erzeugt christliche Erkennt⸗ nis. Christliche Erkenntnis auf Vorrat gibt es nicht, so sehr man auch versucht, etwa auf Universitäten den jungen Leuten solche beizubringen.

Also tun wir immer den nächsten einfachen Schritt. Aber tun wir ihn auch wirklich ohne den Zweifel, daß dieser Weg weiter führt. In dieser Linie liegt er⸗ fahrungsgemäß alles, was praktischen Wert haben soll und zum Ziele führt. Dazu brauchen wir Männer aller Berufe und aus allen Ständen.

Suchen wir kein System, das alle Bedenken vorher theoretisch beseitigt, ehe der erste Schritt getan wird. Bodelschwingh sagte:Ueberzeugen kann man nur mit

Wie können wir nun Gott gehorchen, z. B. in unse⸗ rem Verhalten in der Außenpolitik?

gesagt hatte.

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Glauben und gojsen.

Psalm 37,5:Besfiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen. Glaube was kann er nicht alles schaffen....

Aber der Gläubige fühlte die Nähe seines Gottes, weiß, daß er das Gute um des Guten willen tut wenn es auch noch so schwer ist, er läßt nicht davon ab und ringt sich durch zum Ziel auch durch Dunkelheit und Finsternisse die Hoffnung beseelt ihn, es muß auch wieder Tag werden, es muß einmal die Stunde kommen, wo Gott mir rettend die Hand darbietet und mich lie⸗ bend in seine Vaterarme schließt. Dieser Glaube ist ein Trost für uns, er ist ein Wanderstab, an dem wir uns in bösen und ge⸗ fahrvollen Tagen stützen können und der uns in guten Tagen den rechten Weg zeigt.

Doch Glaube verpflichtet auch. Wer ihn hat, der muß vieles meiden, was andere lachend tun. Der Glaube bringt Verant⸗ wortung, Verantwortung vor Gott und Verantwortung vor den Menschen das mag manchem unbequem sein; die aber, die mit Ernst Christen sein wollen, die wissen, daß der Wert des Lebens davon abhängt, wie groß die Verantwortung ist die wir haben und haben wollen, wie groß die Lasten und Aufgaben sind, die wir aus freiem Entschluß auf uns nehmen. Wer nur klein und

gering denkt, der wird ewig klein und gering bleiben in allem, was er tut, wer aber aufschauet nach den Sternen, dem weitet sich der Blick, der fühlt, Gott wacht über ihm, er ist gewiß, hinter allem, was der Mensch erduldet, steht Gott. Mit allem Unheil verfolgt er seinen bestimmten Zweck, und alles Unglück führt er doch zum Guten. Dieser Glaube allein gibt ein helles Licht im Leben er klärt manches Dunkel auf: Woher kommen wir, wozu leben wir, wohin wandern wir, die drei großen Lebensfragen aller Zeiten und nur der Glaube gibt die rechte Antwort darauf: Von Gott, mit Gott, zu Gott Von Gott her kommen wir, mit Gott wandern wir, zu ihm wollen wir. Wer diesen Glauben hat, der ist gefeit gegen alle Zweifel. Stunden gibt es, in eines jeden Leben, da versagt alles menschliche Selbstbewußtsein, da verkümmert alle Klugheit, da hilft nur der Glaube, der spricht:

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen.

Wenn wir schier verzweifeln wollen an allem Hohen und Heiligen, an allem Großen und Guten, dann möge uns die Hoff⸗ nung auf den allgegenwärtigen und allgütigen Gott schützend uns zur Seite stehen und uns zurückführen zum Glauben. Wenn hier in diesem beschwerlichen Erdenleben Stunden kommen, in denen es uns erscheint, als ob die Lasten, die wir zu tragen haben, uns fast erdrücken wollten, in denen wir den Tod herbei⸗

sehnen, nur um endlich frei zu sein von dieser ewigen Pein

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des Lebens, das ja doch keine Freude mehr uns gibt, dann soll die Hoffnung auf jenes andere Leben, wo alle irdischen Beschwer⸗ den und Hemmnisse fern von uns sein werden, wo alle irdischen Hüllen von unserer Seele abfallen werden und sie verklärt in ihrer göttlichen Reinheit vereint sein wird mit ihrem Schöpfer, uns Mut geben, immer wieder aufrecht zu stehen in den Stürmen des Lebens. Gott hat uns die Hoffnung auf sein Reich gegeben wir glauben an ihn; er läßt uns hoffen auf die Vereinigung unserer Seele mit ihm, läßt unsere Seele hoffen auf eine Be⸗ freiung von ihren Nöten und unser Glaube gibt uns die Gewiß⸗ heit: diese Hoffnung trügt nicht Gott unser Vater wird unsere Seelen stillen, er wird uns befreien und erlösen, die Stunde wird kommen, wo er uns auftun wird die himmlischen Pforten, wo er uns wird eingehen lassen in sein ewiges Reich.

Laßt Glaube und Hoffnung in uns wach sein, laßt beides sich ergänzen und wir werden fühlen, wie gute Waffen uns der Vater mitgegeben hat, um im Kampf des Lebens bestehen zu können.

Glaubend hofft und hoffend glaube!

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt,

Der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt;

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Amen.

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Taten, ich habe es längst aufgegeben, zu theoretisieren.

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