Ausgabe 
31.3.1901
 
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Seite 6.

Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.

A * Need Unterhaltungs-Ceil.

1848.

Märztage in Wien. (Aus demWahren Jacob.) (Schluß.)

Im kaiserlichen Palast ging es während des Straßengetümmels kunterbunt zu, Ernst mit Possenelement gemischt. Eine fast- rührende Anarchie in den heiligen Hallen. Die Etikette am Boden, die Großschnauzigkeit der Höflinge durch Bauchweh abgelöst. Von den zärtlichen Ver⸗ wandten im Käfig verwahrt, murmelte der

blöde 15 Ferdinand einmal über das andere:

Ich laß nit schießen! Seine Sippe hätte nur gar zu gerne schießen lassen, aber die Um⸗ stände waren nicht dazu angethan.

So ungnädig man die anstampfenden, Kon⸗ zessionen heischenden Deputationen empfing paktieren mußte man, es handelte sich nur noch um den Preis.Was wollen Sie eigentlich? fragte der zur Kamarilla gehörende Graf Hart wig.Den Rücktritt Metternichs, lautete die Antwort. Da Jener bezweifelte, daß der Kaiser den bewährten Piloten preisgeben werde, erklärte man bündig, billiger gehe es nicht. Hartwig schlüpfte in den Kreis der anwesenden Würdenträger und nach einer Pause trat Metternich vor, den Delegierten zu bemerken, es sei eine Schande, sich dem Straßenkrawall zu fügen.Das ist mehr als ein Krawall, das ist eine Revolution, an welcher alle Klassen sich beteiligen, tönte es zurück. Worauf er erwiderte die Worte sind ein Denkmal seines Regierungsblödsinns:Das ist nicht wahr. Es sind nur Juden, Polen, Italiener, Schweizer, welche das Volk eufwiegeln. Da man sich dieses verbittet, geruhen die Erzherzöge Albrecht und Maximilian unverschämt zu werden, worauf die Abgeordneten brüsk sich wenden. Doch ehe sie im Freien, ist drinnen eine von derschlimmen Sophie gelegte Mine gegen Metternich zaufgeflogen, man hat den Haus-, Hof- und Staatskanzler plötzlich dringend ge beten, zu demisstonieren, und zwar mit Rücksicht auf den Brandgeruch sofort. Er schickt sich mit Grazie ins Unvermeidliche. Zu den wieder hereingeholten Delegierten spricht er gelassen: Es ist die Aufgabe meines Lebens gewesen, von meinem Standpunkt aus für das Wohl der Monarchie zu sorgen. Glaubt man, daß das Beharren auf jener Linie dieses Wohl gefährde, so kaun es für mich kein Opfer sein, den Posten zu verlassen. Sie haben erklärt, nur mein Rücktritt verbürge die Ruhe. Ich effektuie»e denselben mit Freuden und wünsche Ihnen Glück zur neuen Regierung. Einer der Bürgerwehroffiziere summie ein Kompliment für diesen Entschluß und unbemerkt, geräuschlos wie ein Wiesel glitt der Edle davon. Am nächsten Morgen packte er prompt und reiste über Prag nach London, der sicheren Herberge, wo andere Sünder jener Sorte schon einge troffen waren und andere folgten....

Vivat Ferdinand! dröhnte es durch die Hofburg von einem Gemach zum anderen und dann durchs Thor. Von einer Laternensäule herunter rief Scherzer, der Kerl sei gestürzt, sei fort, und die Kunde fuhr mit Windeseile durch die Stadt. Ein Alp war weg von der Brust, man jauchzte auf, man zitterte vor Lust, man taumelte wie im Frühlingsrausch. Ein paar Minuten hatten genügt, den Götzen zu jällen; das Unwahrscheinliche war Ereignis! Die letzten Lichter und Kerzen wurden geholt zur Illumination. In fernen Vorstädten war sie schon fürchterlich im Gange. Ergrimmt, daß sie nicht in die innere Stadt eingelassen worden waren, zündeten die Arbeiter die Zoll⸗ und Mauthäuser an, demolierten Maschinen und hausten wie Berserker. Die Frau eines Fabritbesitzers bot einer Rotte baare zehntausend Gulden, wenn man ihr Besitztum unangetastet

lasse. Die Wütenden lehnten den Mammon ab und zerstörten jenes. Das war die Ver geltung gepeinigter Sklaven.

* *

In breitem Strome ergoß sich der En⸗ thustasmus des honetten Wiens; die Freude war närrisch. Die Bestattung der Toten ge⸗ saltete sich pompös; gegen dreihundert Banner wehten im Zuge. Geistliche Seminaristen trabten an der Spitze. Reiche Bankiers ließen ausschellen, daß sie face eee Sulden für ein Monument bezahlen; sie hatten's den Lebenden ja bald wieder abgeknöpst.

Aber schon war Fürst Windischgrätz, der stolze Chef der aristokratischen Militärpartei, zum Höchstkommandierenden befördert worden; ein Mauerplakat verhieß gar noch den Be lagerungszustand; man kam aus dem Regen in die Traufe! Der freche Verrat glotzte aus diesen Erlassen. Gewiß war das Eine: Auf einer Bühne hinter den offiziellen Koulissen spielten Künstler im Verborgenen ihre Bösewichter partien.

Wieder zogen dunkle Wetterwolken auf, wieder ballten sich die Fäuste, die Physiognomie der Plätze und Straßen weissagte nichts Gutes. Da besanneu sich die hohen Macher auf ben Kniff, mit dem sie fortan an allen Fährlich keiten vorübertänzelten, siebewilligten drauf los, das Nähere sich vorbehaltend. Der gute Ferdinand, welcher nicht geschossen haben wollte, vom ganzen Kram jedoch nicht einen blassen Schimmer Verständnis hatte,gewährte Preß freiheit und versprach eineKonstitution des Vaterlandes. Doch bald wurde es ihm in mitten seiner Unterthanen zu ungemütlich; er zog es vor, nach Junsbrucküberzusiedeln.

Die dem Despotismus die Stiefel geleckt, leckten mit ihren giftigen Zungen nunmehr der Freiheit die Zehen wund. Kroch da ein heuch lerisches Pack aus den Ecken! Metternich war erledigt, die Metternichelei war noch in voller Gemeinheit da und dieschlimme Sophie spann tapfer ihre Fäden. Man kutschte nicht mehr ganz hinunter, doch tief genug und selbst die feinenSchichten seufzten. Der witzige Bauernfeld schrieb ein phantastisches Drama mit Tiergesprächen. Es begegneten darin einander zwet altliberale Hähne, die beim Sturze eines alten Fuchses mitgewirkt hatten, um nur ein sehr mäßiges, bequemes Frei⸗ heitchen zu ergattern; und sie merken, daß ihnen nicht einmal die Kleinigkeit beschieden sein soll(

Im Herbste, da die Trauben geschnitten wurden, holte die Reaktion zum tötlichen Streiche aus; sie konnte es. Die Leipziger Grenzboten aber hielten den Besiegten eine süffisante, gleichwohl mit tüchtigen Wahrheiten gespickte Predigt:Die Revolution des Jahres 1848 ist für Oesterreich nicht durch eine Ge⸗ neration zu beenden. Andere Menschen müssen

kommen, eine härtere Bildung, größere Energie

und keckere That müssen in unseren Söhnen lebendig werden; mit wollüstigenSklaven der Phantasie, furchtsamen, phantastischen Seelen, sei nichts anzufangen.Organisation des Volkes war empfohlen. Was dieGrenz boten darunter verstanden? Wohl etwas Kurioses, man lebte von Verworrenheit; an die Sozialdemokratie dachten sie gewiß nicht.

Bauernehre.

Von Georges de Lys. Autorisierte Uebersetzung von Wilhelm Thal. (Schluß.)

V.

Mit der Adresse von Katherines Herrschaft versehen, ist Jean nach Lyon gefahren. Der Bauer, der freie Mann leidet darunter, seine Braut bei Fremden in Dienst zu wissen. Sein Stolz empört sich, doch sein Gewissen sieht da⸗ rin die Buße für seine Schuld.

Jetzt klingelt er an der Thür eines vor nehmen Hauses. Ein Diener in Livree öffnet, betrachtet ver⸗ ächtlich die blaue Blouse des Pächters und sagt:Leute wie Sie werden bei dem Herrn Baron nicht vorgelassen.

Ich will Fräulein Katherine sprechen. Das Kindermädchen?...

Sie über die Hintertreppe. Wo ist das?

Erste Thür links. Aber machen Sie schnell,

daß Sie fortkommen, Ihre Blouse nimmt sich

hier recht traurig aus.

Und Sie sind sehr frech, mein Junge,

brummte Jean. Und Sie sehr keck, entgegnete der Diener zornig,na, vorwärts, vel schwinden Sie! Wenn ich will...

Mit diesen Worten stellte sich Jean mit zu⸗ sammengepreßten Zähnen und blitzenden Augen

vor die Schwelle.

Andere Diener kamen herbeigelaufen, und von dem Lärm angelockt, verließ auch der Haus⸗ herr sein Zimmer; mit einer Handbewegung hielt er seine Leute zurück und fragte, sich an

den Fremden wendend:Wer sind Sie, und was wollen Sie?

Mein Herr, ich heiße Jean Drevon, bin heute Pächter und war noch bis vor kurze Zeit Soldat in Tonkin; ich wollte meine Brau! Katherine Brichet besuchen, die bei Ihnen tn Diensten ist. Er sprachzdie letzten Worte mit cht

Ueber das Gesicht des Herrn flog ein Lächeln, und weit entfernt, ihn zu verletzen, verriet ihn 1

zusammengepreßter Kehle.

Jeans Zorn eine stolze Seele.

Baptiste, befahl er,sagen Sie Fräulein Katherine er betonte das Wort Fräulein ich hätte in meinem Zimmer mit ihr zu sprechen. Und kein Wort weiter.., hören Sie... Wollen Sie mir folgen, mein Herr, fügte er hinzu, sich zu Dravon wendend.

Er ließ ihn Platz nehmen und fragte ihn über den Tonkinkrieg aus, den sein Sohn ats junger Leutnant mitmachte. Obwohl der Soldat nicht dem Korps dieses Offiziers an⸗ gehörte und ihn nicht kannte, so war das Eis doch schon gebrochen, als Katherine erschien.

Sie sah Jean nicht, den der Baron hatte

zurücktreten lassen; und Jean wagte zuerst nicht, sich nach ihr umzudrehen. Sie hatten mir ja nicht gesagt, mein Kind, daß Sie einen Schatz haben? begann der Baron. Oh, gnädiger Herr, meinen Fehltritt nicht vor, rief Katherine, das ist aus, ganz aus; ich schwöre es Ihnen. Glauben Sie?... nun, auf jeden Fall

haben Sie Unrecht gethan, es vor mir geheim

zu halten.

Mußte ich das nicht, gnädiger Herr, wenn ich den Lebensunterhalt für mein Kind ver dienen wollte? Bei dem letzten Worte färbte sich ihr Gesicht purpurrot, sie erhob sich dann aber wieder mit dem energischen Stolze ihrer Mutterliebe.

Jean betrachtete das junge Mädchen und war glücklich, sie so wiederzufinden.

Eine kurze Pause trat ein, dann fuhr der

Baron sort:Nun gut, Katherine, Sie werden mein Haus verlassen.

Das junge Mädchen machte eine verzweifelte Bewegung.O, Sie schicken mich fort, gnä diger Herr?... Das ist recht grausam. was soll aus meinem Kleinen werden? N

Ich schicke Sie nicht fort, Katherine, aber hier ist ein braver Junge, der Sie mitnehmen will.

Mit diesen Worten stieß der Baron das junge Mädchen zu Jean Drevon, der mit leichenblassem Gesicht i

Einen Monat später waren sie verheiratet. Jean nahm das frühere Gut der Brichets

wieder in Pacht und richtete seine Schwieger⸗ 4

eltern darin ein.

Gleichzeitg half er seinem Vater das große Gut in Schwung zu bringen, in welchem die Mutter Drevon die Herrschaft beibehielt. Die Jahre waren günstig, die Ernte fiel reichlich

aus, das Vieh vermehrte sich und wurde zu

guten Preisen auf dem Marktflecken verkauft.

gekauft. Die Alten arbeiten nicht mehr, doch

Katherine hat ihrem Manne noch zwei Söhne Der Aelteste hilft seinem Vater be⸗

geschenkt. reits, und es wird dem Gute nie an kräftigen Armen fehlen.

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