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Nr. 13.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 3.
Für die empfangenen Fußtritte, dankten die„Ochsen“ und das„Rindviehzeug“ dem Sklavenhalter nach seinem Tode durch über— schwängliche Lobeserhebungen!
Ruhmesthat eines Juspektionsbeamten
Unter dem Titel: Kleine Ursachen, große Wirkungen erzählt das Organ des Verbandes der Maschinisten und Heizer folgende Begeben⸗ heit, die sich in Markranstädt(Sachsen) ereignete: Der Kesselrevisor, welcher den soeben fertig reparierten Kessel mit Wasserdruck prüfen will, bückt sich und hebt von der Erde einen geldähnlichen Gegenstand auf, worauf sich fol⸗ gendes Gespräch entspinnt:„Na hären Se mal, Härr Maschinenmeister, gehärt Sie das kleene Anhängselchen?“(Der Maschinenmeister besteht den Gegenstand— ein Verloque von der Uhr⸗ kette— den der Herr Revisor in der Hand hält).„Nein, Herr Inspektor“, antwortet der Maschinenmeister.„So so, na, Härr Montär, dänn gehärts Ihnen!“„Ja wohl, Herr In⸗ spektor“.„Na, nu lassen Se mal sähen“, fährt der Inspektor fort(setzt sich ein Pincenez auf), „was däs eegendlich is. Hm, hm, eene Medalge, so so, uff der eenen Seite zwee Hände ver⸗ schlungen, und drunter steht: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch. Das is ja recht scheene! Und uff der andern Seite? Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Na, des is ja noch weit scheener, hier mei Gutester, nähmen Se's hin“ (geht zum Kessel⸗Fabrikanten und Beide konfe⸗ rleren zusan men). Als der Kesselmonteur Abends in Leipzig nach dem Geschäft kam, wurde er sofort entlassen. Grund der Ent- lassung: Liederliche Arbeit. Der Kesselschmied war in dem Geschäft schon seit 8 Jahren thätig.
Deutscher Reichstag.
Von den Reichstagsverhandlungen haben wir noch die vom Dienstag voriger Woche nachzutragen, an welchem Tage die dritte Lesung des Reichshaushalts⸗ elals begann. Dabei kommen natürlich stets schon srüher erörterte Dinge auf's Tapet, weil bei der dritten Lesung wiederum eine Generaldebatte stattfindet. Wir lassen daher in Rücksicht auf den uns zur Verfügung stehenden Raum alles weg, was in gleicher Weise schon früher besprochen wurde. In der Dienstagssitzung hielt der Sohn seines Vaters, Bismarck der Kleine, eine große Rede, in der er die Chinapolitik verurteilte. Das ist ja jetzt ziemlich leicht, wo auch die tollsten Khaki⸗ schwärmer die Thorheit des Kreuzzuges einzusehen be⸗ ginnen. Als aber die Sozialdemokratie bei Beginn des Hunnenzuges ihrer Ansicht über die Verderblichkeit der Weltmachtspolitik Ausdruck gab, wurde sie auch von deu Konservativen, die sich für den Chinazug vor⸗ schriftsmäßig begeisterten, der Vaterlandslosigkeit, des Verrats und aller möglichen Verbrechen bezichtigt. Dem Grafen Bülow gab Bismarck zu verstehen, daß sein Papa bessere auswärtige Politik gemacht hätte.— Stöcker ließ eine wüste Schimpfrede gegen unsere Genossen los. Der„teure Gottesmann“ kann die Veröffentlichung seines Scheiterhaufenbriefes uicht ver⸗ gessen. Neues wußte nur naser Partelgenosse Fischer zu berichten, der gleich zu Beginn der Verhandlungen einiges über die Lockspitzelei der Berliner politischen Polizei erzählte. Er brachte Fälle vor, in denen Polizeibeamte Parteigenossen durch Bestechung zu Spionen und Ver⸗ rätern machen wollten. Ein Parteigenosse war vom Kriminalwachtmeister Diemer und dem Kriminalkommissar von Arnim aufgefordert worden, unter finanzieller Hilfe der Polizei eine Kneipe einzurichten, damit er so Gelegenheit, Zeit und finanzielle Unabhängigkeit erlange und in der Lage sei, unserer Parteibewegung sich mehr zu nähern und unter Umständen auch eine Reichstagskandidatur zu erhalten, damit er dann im Falle der Wahl die Beschlüsse, Handlungen und Be⸗ ratungen aus unseren Fraktionssitzungen der politischen Polizei in Berlin mitteilen könne. Graf Bülow ant⸗ wortete darauf, erstens wüßte er überhaupt nichts davon, zweitens aber sei das eine preußische Angelegenheit. So kam man bequem über die heikle, die Berliner Polizei bloßstellende Angelegenheit hinweg.
In der Mittwochs sitzung, in welcher die dritte Lesung des Etats fortgesetzt wurde, rechneten unsere Genossen zunächst mit dem
„teuren Gottesmann“ Stöcker gehörig ab, der am Schlusse der vorhergehenden Sitzung tin pfäffisches Geschimpfe gegen die Sozialdemokratie losgelassen hatte. Der Biedere wußte natürlich, daß ihm von sozialdemokratischer Seite geantwortet werden würde, halte es deshalb vorgezogen, durch Abwesenheit
zu glänzen; erst während der Sitzung steckte er sein ver⸗ schmitzt⸗salbungsvolles Pfaffengesicht zur Thüre hinein. Diese Sitzung gehörte mit zu den bewegtesten, die der Reichstag je gehabt hat. Es hagelte förmlich Ordnungs⸗
rufe. Bebel sagte u. a.: Es giebt im Reichstag kaum einen Menschen, dem so oft Unrtchtig— keiten nachgewiesen worden sind, wie Stöcker.
Ein markantes Beispiel ist die bekannte antisemitische Petition, von der Stöcker im preußischen Abgeordneten— haus auf die bestimmte Frage, ob er sie unterschrieben hätte, mit einem klaren und deutlichen Nein antwortete, während er später erklären mußte, diese Unterschrift doch gegeben zu haben. Der Abgeordnete Parisius be⸗ merkte am 10. März im Abgeordnetenhaus:„Ich be⸗ haupte, daß Herr Stöcker nicht als wahrheitsliebender Mann aus dieser Diskussion hervorgehen wird.“ Redner verweist ferner auf den Prozeß Stöcker- Bäcker. Munckel bezeichnete dann Stöcker als den
„Mann mit der Doppelzunge“. In Bezug auf Ewald sei nachgewiesen, daß Stöcker diesen zweimal gesehen habe. Im Prozeß Bäcker hat der Staatsanwalt gesagt, Stöcker hätte ohne Zweifel einen Falscheid geleistet, daß er aber darauf⸗ hin nicht verurteilt werden könnte. Im Urteil heißt es, der Angeklagte Bäcker hätte seinerseits zu der Auffassung gelangen müssen, daß der Zeuge Stöcker mit der Wahr⸗ heit in Konflikt geraten fei. Ich bin überzeugt, daß, wenn einem Sozialdemokraten das nachgewiesen worden wäre, was Stöcker nachgewiesen worden ist, er unrettbar wegen Meineids zu Zuchthaus verurteilt worden wäre. Ihn hat nur die Eigenschaft als Hofprediger gerettet.
Den Scheiterhaufenbrief
stellt Stöcker als möglichst harmlos hin und beruft sich dafür auf das Zeugnis des Bruders des Staatssekretärs Thielmann. Zur Zeit der Veröffentlichung des Briefes dachten die Herren Konservativen darüber ganz anders, die Veröffentlichung hat ganz wesentlich dazu beigetragen, daß Stöcker in der konservativen Partei unmöglich wurde. Nach dem Wortlaut des Briefes an den Herrn v. Hammerstein sollte doch der Kaiser dahin beein⸗ flußt werden, ohne daß der Name Bismarck genannt wird, daß er in der betreffenden Angelegenheit nicht gut beraten sei, und der Schluß auf Bismarck ihm überlassen bleibt. Es giebt doch kaum etwas Niederträchtigeres als diesen guten Rat.
Und Singer wehrte die Anrempelungen Stöckers folgendermaßen ab:„Stöcker meinte, es wäre eine orientalische Auffassung, Religion als Geschäftssache zu betrachten; im Gegenteil: gerade aus Kreisen, die Stöcker sehr nahe stehen, liegen Beweise für diese Auf⸗ fassung klar zu Tage. Die vn Ham merstein präser⸗ tierte Frömmigkeit ging lediglich auf Geschäfts⸗ rücksichten zurück. Und soll ich Ihnen denn noch besonders den frommen Sanden aus Potsdam, den frommen Hofbankier der Kaiserin, Schmidt vorführen, die lediglich mit der
Frömmigkeit Geschäfte machten? Wollen Sie bestreiten, daß diese Aeußerungen aus konservativen Kreisen kommen?(Rufe rechts: Ja.) Dann ist es doch ganz merkwürdig, daß die konservative Partei mit Herrn Sanden jahrelang öffentlich paradiert hat und ost genug mit dem Klingelbeutel an ihn heran⸗ getreten ist, wenn es galt, für konservative Zwecke zu sammeln. Ich glaube nicht an Engel, nicht an Teufel, will auch nicht nach dem Himmel, aber wenn es sein muß, dann zehnmal lieber beim Teufel als bei Stöcker! Wenn man sich täglich mit Herrn Stöcker herumschlagen muß, so muß einen schließlich ein Gefühl überkommen, wie den Faust beim Umgang mit Mephisto, der auch ein Vater der Lüge gewesen ist. Der Scheiterhaufenbrief gehört zu denen, die ein anständiger Mensch nicht schreibt Nichts Hündischeres giebt es auf Erden, als einen Menschen zu sehen, dessen Zunge zwiespältig ist. Stöcker, der während der Rede Singers erschjenen war, suchte sich durch persönliche Verunglimpfung Singers zu verteidigen. So brachte er die alte Geschichte vor, daß im Jahre 1888 der Compagnon Singers zu einem Zwischenmeister gesagt habe: Lassen Sie die Mädchen nur auf den St rich gehen, dann schaffen sie billige Mäntel und fügte hinzu: Singer hat das Geschäft nicht verlassen, obwohl er wußte, daß das vor Gericht bezeugt war. Ich frage, ob er danach ein Recht hat, einem anderen Gewissenlosigkeit vorzuwerfen. Singer antwortet auf diesen jesuitischen Angriff:„Wir werfen Stöcker vor, was er gethan hat, mich macht er verantwortlich für das, was andere gethan haben. Niemand war mehr durchdrungen davon als ich, daß, wenn die Firma nach den Gr' ndsatz wirklich gehandelt hätte, dies der schlimmste Vorwurf wäre, der sie treffen könnte. Der Ausdruck ist zwar gebraucht worden, aber es ist nicht danach ge⸗ handelt worden; das ist ebenfalls gerichtlich fest⸗ gestellt. Die gezahlten Löhne waren auskömmlich, die Zeugen, die das bestätigten, gehörten dem christlich⸗ sozial en Arbeiterverein an.... Mein ganzes Leben bürgt dafür, daß ich mich einer so gemeinen Hand⸗
lungsweise wie sie in jenen Worten liegt, nicht schuldig machen kann. Daß Stöcker mit diesen„ollen Kamellen“ wiederkommen würde, gehört zu seinen Ge⸗ wohnheiten, eine längst als Lüge und Verleumdung gebrandmarkte Behauptung hier unter dem Deckmautel der Oßjellivitäk zu wiederholen.“(Ordnungsruf). Trotzdem wagte Stöcker Singer nochmals für die Aeußerung seines früheren Geschäftsteilhabers Rosenthal verantwortlich zu machen. Bezeichneud dafür, welche Wertschätzung Stöcker bei seinen konservativen Freunden erfährt, ist, daß nicht ein einziger sich zu seiner Ver⸗ teidigung herbeilteß. Man weiß seine moralische Qualität überall zu würdigen. Nach der Stöckerschlacht wurde der Etat des Reichsamts des Innern und verhältnis— mäßig rasch auch der Militär- und Marinectat erledigt. Beim Miliäretat sprach Genosse Thiele über das von der Militärverwaltung geradezu gewerbsmäßig betriebene Boykottieren politisch mißliebiger Gastwirte, Genosse Kunert über die zahlreichen Fälle von Soldatenmiß⸗ handlungen und Genosse Zubeil über die Verhältnisse der Arbeiter in den Spandauer Militärwerkstätten. Betm Ma rinetat kam wieder die Dillinger Hütte und ihre parciotisch- teuren Panzerplattenlieferungen zur Sprache. Unter dem Vorwande, als Ehrenretter seines verstorbenen Freundes v. Stumm das Wort ergreifen zu müssen, trat Herr v. Kardorff von der Laurahülte direkt als Agent der Dillinger Hütte auf. Von Sing er und dem Zentrumsführer Müller-Fulda wurde dies Verfahren gebührend gekenntzeichnet.
Die letzte Sitzung vor den Osterferien war von außergemöhnlicher Länge. Die Debatte drehte sich vor— wiegend um den Reichs justizet at. Im preußischen Dreitrassenhause, wo der Chor der Landräte jedes Mi⸗ nisterwort mit Beifallsgebrüll begleitet, haite der Justiz⸗ minister Schönstedt unseren Genossen Heine in der unerhörtesten Weise angegriffen. Heine hatte daraufhin ausdrücklich erklärt, daß er bei der dritten Lesung auf die Sache zurückkommen werde und daß er hoffe, als⸗ dann Herrn Schönstedt im Reichstag zu finden. Aber
der Herr Minister war nicht da.
In einer meisterhasten Rede kennzeichnete Genosse Heine das Verfahren des Justizministers und beleuchtete bei dieser Gelegenheit noch einmal die bei den politischen Prozessen der jüngsten Zeit zu Tage getretenen Mißstände unserer Rechtsprechuug. Vornehm und maßvoll in der Form war Genosse Heine um so schärfer in der Sache. Herr Nieberdiug halte die heikle Aufgabe zu erfüllen, Schönstedtis Abwesenheit zu— aschuldigen. Er ent⸗ ledigte sich dieser Aufgabe so schlecht und recht es ging, doch mehr schlecht als recht.
Eine vortreffliche Ergänzung zu den Ausführungen Heine's bot die Rede uuseres Genossen Haase, der als Rechtsanwalt in Königsberg seit Jahren die härtesteu Sträuße mit den herrschenden Gewalten im Junkerpa⸗ radiese Ostpreußen zu führen hai. Genosse Haase war in der Lage, Herrn Schönstedt mit einem eklatanten Beispiel dafür, wie so doch richterliche Entscheidungen von oben her beeinflußt werden. Der Fall war kurz folgender. In dem gesegneten Ostpreußrn waren soztal⸗ demokratische Kaleuderverkeiler angeklagt, aber freige⸗ gesprochen worden. Daruüver interpellierte im Herren⸗ hause der Graf von Klinkowsiröm die Regiernug und führte über die Freisprechung Klage; ihm antwortete Herr Schönstedt zunächst ganz korrekt, daß er kein Mittel habe, die Entscheide der Richter zu beeinflussen. Dann aber forderke er doch an demselben Tage in eben jener Herrenhaussitzung die Richter zur inneren Einkehr und Selbstprüfung auf. Was das wohl heißen soll? Aber nicht genug damit: Alsbald erließ der Justiz⸗ minister ein vertrauliches Schreiben an den Königs⸗ berger Staatsanwalt, in welchem er ihn zur Erhebung einer vorher abgelehnten Anklage gegen einen Sozial⸗ demokraten aufforderte. Von diesem Schreiben ist nun auch von dem Staatsanwalt der Gebrauch gemacht worden, daß er dasselbe an die Mitglieder des betr. Gerichtshofs sande, der über den Sozialdemolraten zu urteilen hatte.— Natürlich wurden die sozialdemokra⸗ tischen Misserhäter jetzt verurteilt. Auf diese
schwere Anklage
antwortete Herr Nieberding, er wisse von nichts und beklagte sich darüber, daß derartige Klagen vorge⸗ bracht wurden, ohne daß die betreffenden Minister zu⸗ vor benachrichtigt seien.„
Heine gab dem Herrn Staatssekretär hierauf eine kurze und treffende Antwort. Der Minister klage, sagte Heine, daß er vorher nicht über die beabsichtigten Be⸗ schwerden benachrichtigt werde. Wenn man aber schon Wochen vorher verkündet, daß man den Minister zur Rede stellen wolle, so erscheinen sie einfach nicht. Soll der Reichstag vielleicht zu allen Mißstaänden schweigeg, um den Ministern die Unbequemlichkeit, Rede und Ant⸗ wort zu stehen zu ersparen? Von den bürgerlichen Parteien beteiligte sich bezeichnenoerweise Niemand an dieser Aus einandersetzung. Der Reichsjustizetat wurde erledigt und zwei Resolutionen angenommen, deren eine die Vorlegung einer Begnadigungsstatistik verlaugt, während die andere die alte Forderung der Entschädi⸗ gung unschuldig Verhafteter wiederholt.


