Ausgabe 
29.12.1901
 
Einzelbild herunterladen

*

*

e

* un.

Gießen, Sonntag, den?

e

6. Januar 1901.

8. Jahrg.

i. 0 1 8 0 7 9 M 60 d f. MRedaktionsschluß: rchenplatz 11, oßgasse. 1 11. D stag Nachmittag 4 Uhr. 1 E eu E onnerstag Nachmittag 4 Uhr

10

Colour& Grey Control Chart

Slue Cyan Steen Vellow-

Autags Zeitun

ones PiS

Bed Magenta

White Grey 1 Grey 2

laufene Jahr Fortschritte im Sinne unserer Bestrebungen brachte, unsere Arbeit, unsere Kämpfe von Erfolg gekrönt waren. Zwar dürfen wir uns niemals mit dem etwa Erreich⸗ tnen zufrieden geben und müßig die Hände in den Schooß legen. Im Gegentheil müssen uns Erfolge zu neuer Arbeit, größerer Kraft⸗ anstrengung anspornen, während Niederlagen uns lehren, unsere Organisation zu vervoll kommnen, die Agitation durchgreifender zu ge stalten. Reich an Kämpfen war auch das ver⸗ flossene Jahr. Lassen wir die hauptsächlich⸗ sten Vorkommnisse, von denen unsere Partei be⸗ rührt wurde, an uns vorübergleiten und folgen wir dabei den Ausführungen unseres Offen- bacher Parteiorgans, so galt es nach der Zucht- hausvorlage im vorhergehenden Jahre, in dem verflossenen, die Lex Heinze, den Vorstoß des Muckerthums, abzuschlagen. Wären nicht unsere Vertreter unentwegt auf dem Posten gewesen und hätten sie nicht durch das im deutschen Reichstag so gut wie unbekannte Mittel der Obstruktion die reaktionären Par⸗ teien mürbe gemacht, wer weiß ob die so sehr nach Außen für Freiheit in Kunst und Wissen⸗ schaft schwärmenden Parteien nicht doch noch vor dem sonst allmächtigen Zentrum zusammen⸗ geknickt wären. Die nachdem in Fluß gekom⸗ mene Goethe-Bund⸗Bewegung giebt uns ja den deutlichsten Beweis, zu welchen Halbheiten das Bürgerthum fähig und wie wenig man von jenen Seiten geneigt ist, der Polizei nur irgendwie zu nahe zu treten, und wenn dieselbe sich noch so unverantwortliche Thaten mittels des Zen surstiftes usw. leistet. Das damalige Eintreten unserer Partei für die idealen Güter unseres Volkes wird nicht nur bei den eigenen Genossen unvergessen sein.

Einen weiteren heißen Tanz gab es, als eine neue vermehrte und verböserte Auflage der Flottenvorlage an den Reichstag ge langte und mit Hilfe desregierenden volks- verrätherischen Zentrums zur Annahme ge⸗ langte. Wie wenig waren es außer unseren Genossen, die dieses Werfen von Millionen ins Wasser nicht mitmachten, um dadurch zugleich einer ins Planlose gehenden Weltmachtspolitik entgegen zu treten. Die Folgen einer solchen Politil haben wir ja bald zu kosten bekommen und noch heute haben wir leinen Ueberblick, wie das chinesische Abenteuer, dem der deutsche Gesandte und nach ihm schon manches deutsche Landeskind zum Opfer fiel, ausgehen wird. Welche finanziellen Schäden uns die angeblich im Interesse des deutschen Handels und der Industrie vorgenommenePachtung im Reiche der Mitte noch bringen wird, kann noch Nie⸗ mand genau feststellen. Die moralischen Er-

rungenschaften dieses Kreuzauges zur Wahrung

nenen IJ!

6 8 2

e e

ä

Grey 4 Black

Jauserate

and, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 112 115 77 76 0 deren en kostet 10 Pfg. ei me alt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal.

4814 a.) 33 ¼% und bei mindestens% bei Emal Hestellung

12 mal. Aufgabe 50% Rabatz

deutscher tstruppen

R

Mündig⸗

7 afahrt zur

Evidenz gezeigt, denn wie sollte es denn sonst, vorkommen können, daß bei solch einem Unter⸗ nehmen die Auserwählten des Volkes nur gut dazu sind, die entstandenen Kosten zu bewil⸗ ligen, daß ihr Rath vorher aber für völlig über⸗

flüssig gehalten wird. Daß die Reichsregierung,

die mit ihr durch Dick und Dünn gehende Mehr⸗ heit der Volksvertretung richtig abgeschätzt hat, zeigten die bisherigen Verhandlungen der Bud⸗ getkommission; die bürgerlichen Staats stützen wetteiferten ja förmlich, der Regierung für die begangenen Unterlassungssünden so schnell wie möglich dasVergeben und Vergessen entgegen zu bringen. Unsere Genossen haben leinen Zweifel darüber gelassen, wie sie über den Rache⸗ feldzuc denken, und nicht nur im Reichstage, sondern auch in zahlreichen Versammlungen hat das Proletariat sein vernichtendes Urtheil über die Ausflüsse des persönlichen Regiments ausgesprochen.

Wenngleich es auch keine besondere Ueber raschung mehr für uns Sozialdemokraten war, als durch dieLeipz. Volksztg. das zärtliche Techtel-Mechtel zwischen der Regierung und der Industriellen⸗Scharfmacher⸗ klique an das Tageslicht befördert wurde, so stellten sich doch noch immer an die unnahbare und völlig unparteiischen Regierung glauben den bürgerlichen Parteien mit einigen Ausnah⸗ men sehr entrüstet, um dann, als es galt, ihrem tief beleidigten Rechtlichkeitsgefühl Genug⸗ thuung zu verschaffen, vor dem verbindlichen Sprüchlein des Grafen-Reichskanzlers ihren ergebenen Diener zu machen.

Aber nicht nur im Reichstag hatten unsere Genossen ihren Mann zu stellen, ihre in den verschiedenen Landesparlamenten geleistete Ar- beit ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Be⸗ schränken wir uns nur auf unsere hessische Volksvertretung, so muß konstalirt werden, daß es auch dort für unsere Genossen keine unnützen Stunden gab. Die Debatten über die Lehrerbesoldungs vorlage. über die Gehaltsaufbesserung der Forstwarte, die überaus wichtigen Bera⸗ thungen über die Umgestaltung des Schulwesens usw. lieferten den Beweis, daß, sie auch in kleinerem Rahmen überall als Nämp⸗ fer für Fortschritt und Rechte eintreten, sodaßr auch sie mit Genugthuung auf die von ihnen geleistete Arbeit blicken können.

Ein besonderes Interesse unserer Genossen im Reiche beanspruchte die auf dem diesmal im Hessenlande abgehaltenen Parteitag wieder- holt ventilirte Frage der Landtagswahl-Be⸗ theiligung, die in einem wohl für alle betheilig ten Kreise annehmbaren Sinne gelöst wurde.

Auch der im Anschluß an die Mainzer Verhand⸗

8 9 10 11 12 13 14 15

9 8 I

die auch nicht nur durch die angebliche Verrucht⸗ folgten Etablirung des internationalen Selre-

heit der Chinesen entschuldigt werden kann.

Der Ruhm Germanias hat bedenkliche Flecke

tariats in Brüssel zu verzeichnen. Möchte diese Einrichtung auch ihr Theil mit dazu beitragen,

daß die guten Beziehungen der Sozialisten aller Zungen immer mehr gefestigter werden zum weiteren Gedeihen unserer großen Bewegung. Ben all den Fortschritten, die unsere Ideen auch im letzten Jahre allüberall gemacht, haben wir doch auch eines Verlustes zu gedenken, der auf dem ganzen Erdenrund, soweit der sozialictische Same aufgegangen, schmerzlich berührt hat: Unseren großen Vorkämpfern Lassalle, Marx und Engels ist Wilhelm Liebknecht ins Schattenreich gefolgt, tief betrauert von un⸗ seren Genossen, wie nur ein liebevoller Vater von seinen Kindern betrauert werden kann. Sein Andenken, und dasjenige aller unserer großen Todten, wird durch stetes Weiterarbeiten in ihrem Geiste am besten geehrt werden. Mag nun die Zukunft bringen, was sie wolle, für das unter dem Banner des Sozia⸗ lismus marschirende Proletariat wird sie leine Ueberraschungen bieten. Getreu dem gesteckten Ziele wird es fortschreiten von Sieg zu Siege, wie es bis jetzt noch überall zu beobachten war. Haben unsere Gegner schon öfter den gewissen Höhepunkt, den wir niche überschreiten könnten, konstatirt, so hoffen wir doch, noch manchmal solche Etappen zurücklegen zu können, ehe wir selbst sagen: Jetzt ist unsere Mission erfüllt. In Sinne wollen wir nicht nur wünschen, sondern auch mit allen Kräften daran arbeiten, daß

man mit Recht wird sagen können, das 20.

Jahrhundert steht im Zeichen des Sozialismus. Darum alle Lässigkeit abgestreift, damit die kommende Zeit ein Geschlecht findet, das wür⸗ dig und vorbereitet ist, die Umgestaltung un⸗ serer heutigen abgelebten und der Verwesung überantworteten Gesellschaftsordnung in eine vollkommenere und existenzberechtigtere vor- zunehmen.

palttisce Bundschau.

Gießen, 4. Januar.

Der Berliner Bankkrach.

Der Kommerzienrat Eduard Schmidt, Ge⸗ neralkonsul für Schweden und Norwegen, allei⸗ niger Inhaber der nunmehr insolventen alten Bankfirma Anhalt und Wagner, Hofban⸗ kierder Kaiserin, ist am Sonnabend Nach- mittag ebenfalls verhaftet worden. Am Sonnabend haben zwei Versammlungen von Obligationären und Aktionären der Sanden⸗ schen Banken in Berlin stattgefunden. Es ging stellenweise stürmisch her und auch gegen den Abgeordneten Munckel wurden schwere Vor⸗ würfe geschleudert. Ein klares Bild über die Höhe der Verluste ist aber noch lange nicht zu gewinnen. Daß er in die vielen Millionen geht ist sicher; wie hoch aber der Verlust noch anschwellen wird, kann niemand jetzt sagen. Vielekleine Leute, Angehörige des sogenann⸗ ten Mittelstandes sind durch die raffinirten

n

1

16 17 18 19 20 2 22

5 2

Ocunen ten puren 1 8 n 8 loren hat, und sich deshalb jedenfalls bei Frau Sanden, die sie persönlich kennt, beklagte. In