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MNittoldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 52.
2 5 4 AUnterhaltungs-Ceil.
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Den Avbeiter⸗Frauen.
An Euch, die sich in Sammt nicht kleiden Und schminken nicht die Wangen rot, Nicht durch Migrän' und„Nerven“ Leiden Den Männern schaffen Qual und Not, Die Ihr das Echte nur, das Wahre Vertretet in der Weiblichkeit, Euch sei zuerst im neuen Jahre Ein innig froher Gruß geweiht.
Die Ihr im Ringen um das Leben Nehmt mit dem Manne redlich Teil Und fördert seines Geistes Streben Für einer bessern Zukunft Heil,— O haltet aus auf Eurem Posten,
In Leid und Kampf ihm zugesellt, Denn seines Geistes Waffen rosten, Wenn sie nicht Liebe blank erhält.
Wahrt Euch den Frauenfinn, den echten, Der sich in Kleinmut beuget nie! Erzieht die Kinder nicht zu Knechten, Erzieht zu freien Menschen sie. Sorgt, daß sie hoch die Wahrheit halten Und für das Recht in Mut erglüh'n, Dann wird auch Eurem stillen Walten Des Ruhmes echter Lorber blüh'n.
Max Kegel.
Der Fabrikant.
Der letzte Tag des Jahres brach trübe und regnerisch an. Es war, als wollte der immel an diesem Tage über all die unerfüllten ünsche weinen, die das Jahr bei seinem Be⸗ ginn von den Menschen empfangen hatte.
Unten auf der Gasse spielten lärmend die Kinder. In raschem Trabe kam eine Equipage die Straße entlang, plötzlich wurden die Pferde scheu: eine Knallerbse war dicht vor ihnen explodiert; aber der geübte Kutscher be⸗ ruhigte sie schnell und hieb dann kreuzweis mit der Peitsche unter die„Schulkinder“, daß da und dort eins aufschrie und blaue Striemen zurückblieben.
Drinnen im Wagen sab der Großfabrikant, dessen riesige Maschinenfabrik dicht vor der Stadt lag. Er war in die Stadt gefahren, um Reujahrsgeschenke und Feuerwerkssachen zu kaufen, mit denen er in der Sylvesternacht um zwölf Uhr seine schöne Gattin und seine Gaͤste 57 wollte.
Bei dem unerwarteten Rucke, den der Wagen beim Zurückscheuen der Pferde bekam, 0 der Fabrikant entsetzt aus seinen Ge⸗
anken auf, richtete sich im Wagen auf und rief dem Kutscher zu;„Fahren Sie schnell zu, damit wir noch vor völliger Dunkelheit nach Hause kommen!“
Bald waren sie außerhalb der Stadt. Bald tauchten die großen Schornsteine seiner Fabrik auf, aus denen noch dicker Rauch quoll.
Der Fabrikant wußte, daß die Arbeiter eine eilige Arbeit vorhatten. Die neue Maschine sollte heute fertig werden; da es aber Sylvesterabend war, wollten die Leute eine Stunde früher aufhören.
Der Wagen rollte in einen Seitenweg hinein, der an der Fabrik vorbeiführte, einen Augenblick
päter fuhr der Fabrikant vor seiner eleganten illa vor, die hinter der Fabrik lag. Ein Diener eilte hinaus und öffnete den Wagen⸗ schlag, auch seine Frau kam ihm im Vestibül entgegen.
„Na, Willychen, bringst Du uns Ueber⸗ raschungen mit!“
„Vielleicht, mein Schatz!“ erwiderte er ge- heimnisvol.
„Ach, Alterchen, verrat' mir's doch! Nicht wahr, Du willst Dein kleines Weibchen mit dem herrlichen Zobel pelz erfreuen, den ich mir
Einkommen ein Neujahrsgeschenk von fünftausend
Mark für Dein Frauchen! Das verdienst Du ja in einem Monat!“
„Na, na, so leicht geht das nicht— aber laß Johann die Sachen aus dem Wagen her⸗ aufholen! Ein gutes Herz wird ja immer bestegtl Aber nun mußt Du mich für ein Weilchen entschuldigen. Ich habe noch etwas Geschaft⸗ 11 15 zu erledigen, und unsere Gäste kommen a 1*
Er verließ seine Frau und betzab sich lang⸗ amen Schrittes durch seinen Park zur Fabrik. 18 er in das erste Hauptkontor hineinkam, saßen Buchhalter und Kontoristen über ihre roßen Bücher geneigt, eifrig beschäftigt, den ahresabschluß zu machen; es war bestimmt, daß Niemand Feierabend machen dürfe, bevor nicht Alles in Ordnung war. Das ganze Kontorpersonal erhob sich und machte eine tiefe l Er durchschritt aber den Raum, ohne den Gruß zu erwidern, und betrat sein Privatkontor. Hier zündete er sich eine seiner feinen Havannazigarren an, legte sich auf die Chaiselongue und versuchte, indem er mit dem Blicke die blauen Rauchringe verfolgte, selbst auszurechnen wie groß wohl der Jahresgewinn ein könnte. Es verdroß ihn sehr, daß im nfang dieses Jahres der Lohn erheblich ge⸗ stiegen war.
„Wenn ich einmal einen Hauptschlag ver⸗ suchte,“ murmelte er,„und den Arbeitern er⸗ klärte, daß ich, auf Grund der großen Betriebs- unkosten, der Materialpreissteigerung und der wachsenden Konkurrenz mit ihren Schleuderan⸗ angeboten. hm... hm!“
Er lächelte behaglich vor sich hin. Dann
n er aus seiner gemächlichen Stellung auf, rückte auf einen elektrischen Knopf, worauf
wenige Augenblicke später der erste Buchhalter eintrat. „Sind Sie mit dem Hauptbuch fertig?“
„Jawohl, Herr Chef.“
„Na, lassen Sie sehen, wie die Sache geht. Der Gewinn ist sicher in diesem Jahre sehr un⸗ bedeutend bei all den wichtigen Umständen. Ich weiß gar nicht, wie wir alles decken sollen. Am meisten liegen mir die Arbeiter am Herzen, ich möchte ihnen gern so viel bezahlen als ich kann, aber das wird immer schwieriger!“
„Ach, das ist durchaus nicht schwierig!“ er⸗ widerte der Buchhalter.
„Wie meinen Sie das?“ rief der Fabrikant in erregtem Tone.
„Ich meinte nur,“ stammelte der Buchhalter, „daß die Gewinnbilanz des letzten Jahres über hunderttausend Mark beträgt!“
„Ueber Hunderttausend— so... Ja, es es ist gut! Sie können gehen! Auch das übrige Kontorpersonal!“
Eine Weile später stand der Fabrikant allein in den Kontorräumen. Er trat an eins der
enster, trommelte mit den Fingern an die cheiben und sagte dabei zu sich selbst:„Es muß sich machen lassen... Wir sind mitten im Winter... Was sollen sie anfangen? Andere Arbeit giebt es ja nicht für sie.. und Essen will doch Jeder haben Ihre Einigkeit“ wird darüber wohl in Stücke gehen.. a, ich will gleich hinüber und ihnen ein frohes neues Jahr wünschen, und dann... He, he, he!“
In dem großen, hellen Maschinensaal war noch Leben uud Bewegung. Unter munterm Gesang wurde von den muskelstarken Armen der Hammer geschwungen, der Klang der schweren Hammerschläge hallte laut und das Rasseln der Eiseuplatten hallte weit über die Fabrik⸗ mauer hinaus. Noch einige rasche Schläge uud die Arbeit war fertig.
Das Feuer wurde ausgelöscht und das Werkzeug auf seinen Platz gelegt. Dann ver- 5 8 sich die Arbeiter um die neugefertigten Maschinen, die mitten in der Halle standen und deren blanker Stahl im elektrischen Lichte schimmerte. Voll Stolz standen sie da und
betrachteten das Werk, zu dessen Vollendung jeder das Seinige beigetragen hatte und das den Namen des machen würde. Plötzlich trat der Chef mitten unter sie und
Fabrikanten gewiß bekannt
Abend!“ so laut, daß es Alle hörten.„Eine feine Maschine!“ rief er.„Aber leider wird sie in einer sehr schwierigen Zeit fertig und es wird mich große Summen kosten, bis sch vollen Nutzen davon 1 1 kann. Darum bin ich— u meinem Bedauern— genötigt— es ge⸗ schieht ja nur zu Euerm Besten— damit ich mit vollem Personal weiter arbeiten kann— deu Lohn mit dem neuen Jahre herabzusetzen. Nähern Bescheid bekommt Ihr im Kontor! Ich wünsche Euch ein frohes, neues Jahr!“ Damit wandte er sich um und ging.
Ein furchtbarer Grimm bemächtigte sich der Arbeiter. Ihre Hände ballten sich hinter dem Fabrikanten.
Dann sprang einer der ältesten Arbeiter auf den nächsten Amboß.„Kameraden!“ rief er. Schmal haben wir es immer gehabt, und schwer ist es oft gewesen, für Weib und Kind Essen zu schaffen— an sich selbst dachte man ja nicht so— aber nun will er, der reiche Fabrikant, uns noch weiter unseres elenden Ver⸗ dienstes berauben, so daß unsere Lieben nun verhungern müßten. Das war sein Neufahrs⸗ wunsch für uns! Kameraden, ich schlage vor, daß wir uns morgen um zehn Uhr versammeln und ihm unsern Neujahrsgruß darbringen!“
Als er von dem Amboß herabsprang, ertönte lauter Beifall. 5
Dann schieden die Arbeiter und verließen schweigend die Fabrik, um ihre Wohnungen aufzusuchen, in deuen Mutter Alles so hübsch aufgeputzt hatte, um Vater zu erfreuen, wenn er am Sylvesterabend heimkehrte. Aber an diesem Abend ertönte kein Freudenlied aus den kleinen Arbeiterhäusern..
Es war lange nach Mitternacht. Die Gäste hatten die Villa verlassen. Der Fabrikant stand in seinem Privatkabinet und überdachte die Er⸗ eignisse des Tages. Aus seiner freudig erregten Stimmung konnte man entnehmen, daß er aͤußerst zufrieden mit sich selbst war. Das konnte er ja auch! Seine Gäste hatten sich in den schmeichelhaftesten Worten über seine Syl⸗ vesterarrangements ausgesprochen, und sein Freund, der Geheimrat im Kirchenministerium, hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, daß sein Name höheren Ortes wegen einer großen Mildthätigkeit genannt sei. Er hatte ja einen wertvollen Bauplatz zur Aufführung einer neuen Kirche geschenkt und würde wohl in Folge dessen bald den Titel Kommerzienrat erhalten.
W Es ist gegen elf Uhr, der Fabritbesitzer ist noch nicht aufgestanden, aber jetzt erwacht er und hört ein seltsames Summen draußen vor dem Hause.
Eilig öffnet er ein Fenster und erblickt seine eigenen Arbeiter, die unter Gesang auf die Villa zu marschieren. Noch kann er die Worte nicht unterscheiden, es muß wohl ein Neujahrslied sein. Die Arheiter kommen näher und nun vernimmt er deutlich die Worte des Liedes, deren Inhalt ihm Schrecken einflößt.
Dem Fabrikanten wurde unbehaglich zu Mute. Wollten seine Arbeiter Revolution machen? Er zog in Eile seine Kleider an, jetzt hatten auch die Arbeiter die Villa erreicht und machten Halt. Drei Mann traten hervor und kamen die Treppe herauf. Da trafen ste auf einen Diener, der sie zum Chef hineinführte.
„Wir kommen als Vertreter unserer Kame⸗ raden,“ nahm der eine das Wort,„um Ihnen mitzuteilen, daß unser Lohn schon jetzt so gering ist, daß wir kaum auskommen können. enn er noch weiter herabgesetzt wird, müssen unsere Frauen und Kinder Not leiden, und das wollen wir nicht! Dann stellen wir die Arbeit ein! Alle Kameraden sind mit uns darin einig!
Als der Fabrikant sah, daß selbst seine alten Arbeiter, die ein ganzes Menschenalter in der Fabrik gearbeitet hatten, gemeinsame Sache machten, gab er bald nach.
Als sie hinunter kamen, stand er hinter der Gardine am Fenster und hörte, wie die Arbeiter ein Hoch auf die„Einigkeit“ ausbrachten.
Und dann zogen sie unter frohem Gesang von der Villa fort, um das neue Jahr zu feiern.
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so gewünscht habe— und den Du mir ja auch la hrpgen hast. Was macht Dir bei Deinem
sagte mit erzwungener Freundlichkeit„Guten
mit ihren Kameraden


