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gung fordert.

Seite 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

2 Nr. 52.

Pon ah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗

kommen. te Ehre unserer Sache gebietet natürlich i

Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Vorwärts! sei die Losung!

Ein herzlichesProsit Neujahr! rufen wir zur bevorstehenden Jahreswende unsern Freunden und Genossen, allen Lesern zu!

Wir wünschen das Beste jedem Einzelnen! Dem arbeitenden, besitzlosen Volke aber besonders Erleichterung seines entbehrungsreichen Da⸗ seins! Wir wünschen es, wir wissen aber mit Bestimmtheit, duß es wie im alten, so auch im neuen Jahre schwerer Kämpfe und großer Opfer bedürfen wird, um Verschlechterungen der Lage der Arbeiter zu verhüten, von einer Bessergestaltung gar nicht zu reden! Wenn aber auch mächtige Gegner die Ausbeutung, Unterdrückung und das Unrecht verewigen wollen

und mit ihren großen Machtmitteln jedem zu

vernichten streben, der sich in den Dienst der Sache des Volkes stellt, so dürfen sich die Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit, für Befreiung vom Joche des Kapitals niemals entmutigen lassen. Jeder Tag bringt uns neue Erfolge und jedes Jahr machen wir bedeutende Fortschritte auf dem Wege zum Sozialismus. Das mögen die Gegner zugeben oder nicht, es ist aber so! Und die Zeit ist nicht mehr fern, wo man allgemein von der Ungerechtigkeit, der Verderblichkeit des heutigen kapitalistischen Systems überzeugt sein wird und seine Beseiti⸗ Darum nicht nachlassen im Kampfe!

Vorwärts sei unsere Losung auch im neuen Jahre!

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Hessisches.

Die Ehe des Großherzogs von Hessen und der Großherzogin ist durch Spruch des Oberlandsgerichts in Darmstadt vom 21. Dezember geschieden worden. So⸗ mit ist nun dieTrennung der hohen Lebens⸗ wege wie sich die bürgerliche Presse zart aus⸗ drückte, endgültig erfolgt. Das Gießener Amtsblatt meint dazu, das hessische Volk werde die Meldung von der erfolgten Scheidungmit der schuldigen Ehrerbietung aufnehmen. So? Manchem im Volke wird es aber auffallen, wie schnell die Ehescheidung in diesem Falle bewerk⸗ stelligt wurde, während ein gewöhnlicher Sterb licher bei solchen Angelegenheiten große Schwie⸗ rigkeiten zu überwinden hat.

Gießener Angelegenheiten.

Unser Agitationskalender, der Hessische Landbote kommt in unserm Wahl- kreise dieser Tage zur Verteilung. Dazu können sich noch Genossen bei dem Vertrauensmann Bock melden. Es werden immerhin viel Leute gebraucht und wer es irgend ermöglichen kann, helfe mit an der Parteiarbeit. Je mehr sich Genossen an der Verbreitung beteiligen, desto weniger Arbeit entfällt auf den Einzelnen. Bei der Verteilung selbst muß darauf gesehen werden, daß kein Material verschleudert wird, sondern daß die Verbreitung zweckmäßig in allen Orten des Kreises vorgenommen wird. Unsere Freunde allerorts im Kreise müssen dabei nach

Kräften behülflich sein. Also tapfer an die Arbeit!

Im soz.⸗dem. Wahlverein sprach am Samstag, als der letzten diesjährigen Mitglieder⸗ versammlung, Gen. Vetters über die wichtigsten Vorkommnisse des verflossenen Jahres im poli⸗ tischen und wirtschaftlichen Leben. Er wies hin auf die Kämpfe um die Erhöhung der Zölle, die im Vordergrunde des politischen Interesses standen und wobei die Arbeiterklasse uch gegen die Verschlechterung ihrer ohnehin kärglichen Lebenshaltung mit allen Kräften zu wehren hat. Die allgemeine Krise hat für Tausende von Arbeitern Verdienstlosigkeit und Entbehrung zur Folge; die heutige Gesellschaft zeigt sich unfähig, diese Krankheitserscheinungen am sozialen Körper wirksam zu bekämpfen.

Redner erwähnte dann noch, daß die Sozial⸗

demokratie auch in diesem Jahre in allen Kul⸗ turländern, vielleicht mit Ausnahme Englands, gute Fortschritte gemacht hat. Landtags⸗ und Gemeindewahlen in den verschiedensten deutschen Staaten hätten erfreulichen Stimmenzuwachs für unsere Partei ergeben. Der gute Verlauf des Lübecker Parteitags und das taktvolle Ver⸗ halten Berusteins hat die Hoffnung der Gegner auf Spaltung in unsern Reihen zu nichte ge⸗ macht. Trotzdem haben wir noch tüchtig zu arbeiten, wir dürften nicht in der Agitation erlahmen, damit der Sieg bei den nächsten Reichstagswahlen auch in diesem Kreise uns zufalle. Hierauf machte der Vorsitzende auf die Kalenderverbreitung aufmerksam, an der sich die Genossen zahlreich beteiligen sollten. Am Neujahrstage findet im Orbig'schen Lokale eine Abendunterhaltung statt, zu der alle Ge⸗ nossen willkommen sind. Zur Verlosung soll jeder, der es kann, ein kleines Geschenk stiften.

Das Café Leib übernimmt am 1. April des nächsten Jahres Herr Jakob Noll pacht⸗ weise auf fünf Jahre. Bisher betrieb der künftige Pächter des Lokals den Brauerei⸗Aus⸗ schank von Friedel und Asprion am Seltersweg.

Druckfehlerteufel. In unserer letzten Nummer wurden in der Abonnements⸗ einladung die Arbeiter aufgefordert, für die Verbreitung derMitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung, die keine Interessen vertrete, zu wirken. Es muß natürlich seine Interessen (des Arbeiters) heißen. Denn allerdings ver⸗ tritt unser Blatt Interessen, und zwar sehr entschieden, nämlich die des werkthätigen Volkes, der Minderbemittelten und Besitzlosen und da⸗ mit diejenigen der Gesamtheit!

Weihnachtsfeiern. Der Familien⸗ Abend der Schneider am ersten Feiertage war wie stets in andern Jahren recht zahlreich be⸗ sucht und verlief aufs Beste. Ebenso war die Feier derEintracht im Gambrinus sehr zahlreich besucht. Sonntag halten noch die Fabrik⸗ und Hilfsarbeiter und am Dienstag Abend die Bäcker im Wiener Hof gesellige Zusammenkünfte ab.

Aus dem Rreise griedberg⸗Püdingen.

l. Die diesjährige Weihnachtsfeier, welche unsere Genossen in Friedberg am 1. Feiertage in der Stadt New⸗Nork abhielten, hatte eine recht zahlreiche Beteiligung aufzu⸗ weisen. Trotzdem fehlte manche alte Bekannte, weil es Manchem durch die schlechten Verhält⸗ nisse nicht möglich ist, sich auch das kleinste Vergnügen zu leisten. Genosse Busold hielt die Festrede. In kurzen Zügen wies er auf den Kontrast hin, der sich in der heutigen Ge⸗ sellschaft bemerkbar mache, in der man das Christentum zur Modesache gemacht habe. So gar Fürsten fingen an zu predigen, ließen aber dann zu, daß in einer Zeit voll Not und Elend neue Zölle auf Lebensmittel gemacht würden, wodurch sich die Notlage des arbeitenden Volkes steigere. Auch dieselben Pfarrer, die heute von den Kanzeln die Weihnachtsbotschaft verkünden, seien zum größten Teile auf Seiten der Brot⸗ verteuerer. Erst dann, wenn diese Gesellschafts ordnung geändert sein würde in unserem Sinne, dann werde man sagen können, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Reicher Beifall wurde dem Redner zu teil, der bewies, daß er der Versammlung aus dem Herzen geredet hatte. Hoffen wir, daß die zahlreichen jüngeren Besucher unserer Veran⸗ staltung sich die Worte des Redners zu Herzen nehmen, und auch wenn es bei anderer Gelegen heit gilt, am Platze sein werden.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Tuberkulose⸗ Bekämpfung. Um die Weiterverbreitung der Lungenschwindsuchts⸗ Bacillen nach Möglichkeit zu verhüten, erläßt der Landrat eine Bekanntmachung, in welcher zweckentsprechende Maßregeln angegeben werden. Für Fabriken wird empfohlen:

1. Aufstellung geeigneter Spucknäpfe in großer

Zahl, am besten für jeden Arbeiter.

2. Verbot, ohne Benutzung des Spucknapfes

auszuspucken,

3. Nasse Reinigung der Arbeitsräume,

4. Einrichtungen, die es kranken Arbeitern

erleichtern auswärts Heilung zu suchen.

5. Belehrung der Arbeiter, über die Bedeutung 25 0 für die Verbreitung der Tuber⸗ ulose.

Das ist alles recht gut und schön, notwen⸗ diger aber und wirksamer wäre gewesen, wenn man den Unternehmern aufgeben wollte, ordentliche Löhne zu bezahlen und die Arbeitszeit nicht übermäßig auszudehnen, da⸗ mit den Arbeitern eine menschenwürdige Lebens⸗ haltung ermöglicht wird. Das wäre zur Be⸗ kämpfung der Schwindsucht mehr wert, als die übrigen Maßregeln zusammen.

Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.

St. GesangvereinEintracht. Die am ersten Weihnachtsfeiertag im Lokale von D. Jesberg abgehaltene Weihnachts⸗ feier reihte sich der vorjährigen würdig an. Bei Gesang, Geschenkverlosung, Kinderbescheer⸗ unng usw. verflogen die Stunden nur allzu rasch und dürften wohl sämtliche Teilnehmer und deren waren es nicht wenige be⸗ friedigt nach Hause gegangen sein. Die von unsrer wackeren Sängerschaar unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Pauli jun. vorge⸗ tragenen Lieder fanden allgemeinen Beifall.

St. Im Lehrlingsheim fand am Sonntag Abend ebenfalls eine Weihnachtsfeier statt, bei welcher der Leiter des Vereins, Herr Beige⸗ ordneter Schimpf, sowie mehrere Vereins⸗ Freunde und ⸗Gönner, Innungsvorstände und einige Handwerksmeister zugegen waren. Man war allgemein enttäuscht, daß sich so wenig Meister an der Feier beteiligten, da diese doch eigent⸗ lich der Sache das größte Interesse entgegen⸗ bringen müßten. Durch den Lehrer Ach ler wurden ca. 90 Lichtbilder, eine Reise durch Palästina darstellend, vorgeführt, wonach die Bescheerung stattfand.

Gendarmen als Reisebegleiter. Auf der Bahnstrecke Marburg Kreuzthal scheint es in der Weihnachtszeit recht gemütlich herzugehen, denn zum Schutze des reisenden Publikums und der Bahnbeamten ist infolge früherer ungünstiger Erfahrungen auch dieses Jahr wieder die Anordnung getroffen worden, daß in den Zügen von Kreuzthal nach Marburg resp. umgekehrt, Gendarmen mitfahren.

Die vom hiesigen Gast wirteverein in den Wirtschaften aufgestellten Sammelbüchsen zum Besten einer Weihnachtsbescheerung bedürf⸗ tiger Kinder von Witwen haben diesmal den ansehnlichen Betrag von 350 Mk. ergeben, wo⸗ von 41 Kindern eine frohe Weihnachtsfeier bereitet wurde. Dieselben erhielten außer Obst und Konfekt, Kleider, Schuhe und Strümpfe.

Graf Armin bekommt Nachfolger.

Im städtischen Finanzausschuß in Bamberg wurde darüber beraten, auf welche Art den Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen sei. Dabei ließ einer der hochweisen Stadtväter dem Gehege seiner Zähne das klassische Wort ent⸗ fahren:In der guten Zeit versaufen die Arbeiter Alles und in der schlechten ist dann Not und Elend da. Als ob die Unter⸗ nehmer so gut bezahlten, daß die Arbeiter für die Zeit der Not sich etwas ersparen könnten! Wenn einer von den Klassengenossen der Bam⸗ berger Ratsweisen bankerott wird, so ist daran die wirtschaftliche Depression schuld bei dem Arbeiter aber heißt es:Er hat Alles versoffen.

Eine Frau von Schweinen an gefressen

Auf einem Gehöfte bei Lüneburg erlttt vorige Woche eine hochbetagte Frau einen grausigen Unglücksfall. Die im Hause ihrer Tochter allein anwesende Wittwe B. wollte die Schweine füttern und begab sich in den Stall. Dort wurde die 82 jährige Frau von einem Schlaganfall be⸗ troffen, sie stürzte nieder und blieb ohne Hülfe liegen. Als die Tochter eine Stunde später

nach Hause kam, fand sie die Mutter nicht vor und begab sich auf die Suche nach ihr. Zu ihrem Schrecken fand sie die alte Frau im Stalle liegend und mußte mit Entsetzen wahr⸗

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