Ausgabe 
29.12.1901
 
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Nr. 52. Gießen, Sonntag, den 29. Dezember 1901. 8. Jahrg. 5 Redaktion: 0 Nedbaktioneschlußz Kirchenplatz 11, Schloßgasse. M sch Donnerstag Nachmittag 4 Uhr * Mitteldeutsche 5 8 9*

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Abonnuementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung

kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geltefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.

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Bei mindestens

Parteigenossen, Freunde!

Mit der vorliegenden Nummer vollendet die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung ihren achten Jahrgang. Allen Genossen Dank, die bisher unermüdlich für Ausbreitung ihres Parteiorgans sorgten, indem sie ihm neue Leser zuführten. Mit dem Erreichten dürfen wir aber nicht zufrieden sein! Wir haben im Gegen⸗ teil noch viel Arbeit zu bewältigen; in Ober⸗ hessen, dem Wetzlarer und Marburger Bezirke stehen noch Tausende von Angehörigen des werkthätigen Volkes unserer Bewegung fremd und gleichgültig gegenüber. Viele unterstützen noch die gegnerischen Zeitungen, welche nie ein Wort für die Interessen der Arbeiterschaft übrig haben, die das darbende Volk womöglich ver⸗ höhnen, seine Bestrebungen zur Besserung seiner Lage und der Verhältnisse verdächtigen und verspotten. Und weil viele Arbeiter in ihrer Kurzsichtigkeit, ihrem Unverstande arbeiterfeind liche dazu gehören auch die sogenannten unparteiischen Blätter durch Abonnement unterstützen, deshalb kann die besitzende Klasse noch unbeschränkt die Herrschaft ausüben, das arbeitende Volk unterdrücken, ausbeuten und setuer Rechte berauben.

Das muß endlich anders werden! Das ausgebeutete und bevormundete Volk muß zur Einsicht, zur Erkenntnis seiner Lage gebracht werden und jeder muß hieran zu seinem Teile und nach besten Kräften mitarbeiten. Und gerade jetzt, wo es sich darum handelt, das junkerliche Attentat auf die Wohlfahrt des Volkes abzuwehren, die Lebensmittel ver⸗ teuerung zu verhüten, muß jeder Minder⸗ bemittelte seinen Mann stellen!

In Vertretung der Volks interessen, in Verteidigung der Volksrechte, im Kampfe für Hebung der Lage der Arbetter hat die

Mitteldeusche Sountags⸗Zeitung.

in den verflossenen acht Jahren ihres Bestehens ihre Pflicht als Arbeiterblatt, als

sozialdemokratisches Organ

treu erfüllt. Sie wird es auch ferner thun! Um es aber wirksamer zu können, bedürfen wir der Unterstützung al ler Genossen!

Unsere Postabonnenten bitten wir um so⸗ fortige Erneuerung des Abonnements. Zeitungs⸗ preisliste Nr. 4940. Unser Blatt kostet nur

78 Pfennige das Quartal, 25 Pfennige den Monat.

Redaktion und Verlag derMitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung.

Was den deutschen Steuerzahlern die Kolonien kosten.

Von unsern Kolonien haben wir Erfreuliches noch nicht gehört. Im Gegenteil. Selbst der tollste Weltmachtsschwärmer wird nicht im Stande sein, uns nur einen Pfennig Nutzen aus der Kolonialpolitik für das Volk herauszurechnen. Ganz abgesehen von Unkhaten derKulturver⸗

breiter vom Schlage der Leist, Wehlan, Peters zc. weist es alljährlich der Kolonialetat aus, wie das Geld der Steuerzahler für die afrika nischen Sandwüsten verpulvert wird, wie sogar ganz unzulässige Ueberschreitungen der Voran⸗ schläge an der Tagesordnung sind.

Dabei traten unsereKolonisatoren mit größter Schneidigkeit auf und gebärden sich, als ob sie im Handumdrehen ein Land von der Größe Deutschlandskultivtert hätten.

Einen Beweis für die schneidige Art der Verwaltung haben wir jetzt wieder vor uns: Dem Reichstage ist eine Uebersicht der Ein⸗ nahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1899 zugegangen, ein Schriftstück, das uns darüber belehrt, wie die Herren in Afrika mit den Groschen der Steuer zahler wirtschaften.

Da ist die Rechnung für Kamerun. Nach dem Etat balanzieren Ausgaben und Einnahmen mit 1713 400 Mark. Mehr als die Hälfte der Einnahmen, 983 400 Mark, fließen dabei aus dem Säckel der Steuerzahler, als Reichszuschuß. Nun ist mehr vereinnahmt worden, als im Etat vorgeschrieben war, nämlich rund 2147 000 Mark. Man dürfte also erwarten, daß von dem Reichszuschuß diese Mehreinnahme von 455700 Mark erspart wird. Weit gefehlt! Die schneidigen Herren bringen es fertig, statt 1713 400 Mark 2637200 Mark, nahezu eine Million mehr auszugeben, und in Folge dessen ergiebt sich trotz der Mehreinnahme ein Fehl⸗ betrag von über 490000 Mark und es wird nichts Anderes übrig bleiben, als diesen Posten auf diese oder jene Weise aus den Mitteln der Steuerzahler zu berappen. Im Einzelnen werden da geradezu beispiellose Rechnungen präsentiert: fürsächliche und vermischte Ausgaben sind im Etat 422 500 Mark vorgesehen, verausgabt werden 914500 Mark, also über das Doppelte! Für Bauten waren 140 000 Mark vorgesehen, verausgabt sind 350 000 Mark usw. Das wird dann einfach damit motiviert, daß die Ausgaben dringend notwendig waren.

In Südwestafrika sollen nach dem Etat 7479000 Mark verausgabt werden, die Herren verausgaben aber in aller Gemütsruhe über 9 764000 Mark und machen trotz des Zuschusses von 6909000 Mark, den die Steuerzahler blechen mußten, noch 1575299 Mark Deftzit, das jetzt in dem Etat für 1902 zu bezahlen sein wird. Für den Platz an der Sonne, Kiautschou, hat nach dem Etat das Reich 9780000 Mark zu zahlen, weil die eigenen Einnahmen desDreckloches nur 200 000 Mark betrugen, dagegen die Ausgaben an 10000000. Das Gouvernement spart fleißig: an Löhnen und Besoldung 35700 Mark, an den Kosten der Hafenpolizei, dem Betrieb der Leuchtfeuer, der meteorologisch⸗astronomischen Station usw. 13500 Mark; dafür werden aber für Bauten statt 1 180 000 Mark 2194000 Mark ausge⸗ geben.

Das ist die schneidige Wirtschaftsführung unserer genialen Kolonisatoren.

Welches Parlament der Welt, außer dem deutschen, fragen wir, würde sich etwas Aehnliches bieten lassen? Da wird im Reichstage gestritten um jeden einzelnen Posten, die Regierung ver⸗ einbart mit der Volksvertretung, was sie aus geben darf, und hinterher wird von den Herren

Kolonialbeamten einfach ein Strich durch die Rechnung gemacht, werden die Etats um die Hälfte, ja sogar um das Doppelte überschritten mit Genehmigung der Regierung natürlich. Jedes andere Parlament würde eine derartige Verhöhnung mit den schärfsten Mitteln zurück⸗ weisen, im braven deutschen Reichstag dagegen wird sich die Mehrheit selbstverständlich wieder ducken und sich von dem Helden der geölten Phrase, dem Grübchenkanzler, eine schöne Rede über das Gedeihen der Kolonien halten lassel, worauf dann die alleweil patriotisch Gesinnten über die bösen Sozialdemokraten herfallen wei⸗ den. Das Ende vom Liede wird sein, daß diese Mehrheit, inclusive des sparwütigen Zentrums, den Kolonialetat bewilligen wird samt den zur Deckung des Defizits nötigen Summen. Im nächsten Jahre werden dann die Herren in Af⸗ rika mit schnoddriger Nonchalance abermals den Etat um Millionen überschreiten und sich über das Zivilistenpack im Reichstag lustig machen. Und das Volk? Hat das Maul zu halten und Steuern zu zahlen so lange es der arkige Parlamente wählt.

Der Zolltarif im Reichs⸗ tage. 6 Aus Singers Rede zum Zolltarif.

Von den trefflichen Ausführungen unseres Genossen Singer zum Zolltarif fügen dem in letzter Nummer Mitgeteilten noch folgende Aus⸗ züge hinzu. Nachdem Singer dem Reichstage vorgerechnet hatte, welche ungeheuren Summen den Besitzern großer Ländereien, den Grafen und Fürsten, durch die Wucherzölle in die Taschen gespielt werden, fuhr er fort:

Die Agrarier behaupten immer, hohe Getreidezölle würden den Arbeitern besseren Lohn, verkürzte Arbeits⸗ zeit, überhaupt bessere Bedingungen ver schaffen. Nach den Aeuße rungen der hervorragend en Redner dieser Partei scheinen mir die Wünsche der Agrarier mehr auf niedrige Arbeitslöhne und lange Arbeitszeit zu gehen. Dazu kommen die mangelhaften Arbeit erwohnugen auf dem Lande; der Gutsherr von Cadinen') hat selbst gesagt, daß die Arbeiterwohnung een schlechter seien als Schwein eställe. Der Hauptgrund der Land⸗ flucht der Arbeiter ist ihre mangelhafte Epistenz auf de m Lande. Wenn Sie(nach rechts) tüchtige Arbe iter haben wollen, so benutzen Sie doch die Gesetzgebung, um die Lebenshaltung der Arbeiter zu verbessern! A ber Sie wollen un gebildete Leute haben, dle sich nicht gegen die Ausbeutung zu verteidigen wissen. Die 15. Jahresversammlung des ostpreußischen landwirt⸗ schaftlichen Zentralvereins hat den Halbtagsunterricht gefordert, dauit die Kinder mehr zum Viehhüten ver⸗ wendet werden können. Statt einer Beschränkung wird also eine Erhöhung der Ausbeutung der Kinder gefordert, Das ist das Prinzip, nach dem Sie handeln. Da dürfen Sie sich nicht wundern, daß der intelligente Ar⸗ beiter, der weiß, was Menschenwürde ist, es müde ist, sich in Ostelbien wie das liebe Vieh behandeln zu lassen;

Die mecklenburgische Ritterschaft hat die Errichtung der von der Regierung geforderten Präparandenanstalt für Lehrer für überflüssig erklärt und dabei ist ausge⸗ sprochen worden, daß den Kindern uur beigebracht werden solldie Kenntnis des göttlichen Vaters, einebe⸗ schränkte Kenntnis des engeren und weiteren Vaterlandes und soviel Schreiben, Lesen und Rechnen, wie sie es beim späteren Hofedienst verwenden können. So sollen

*) Der Kalser.

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