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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
25 Nr. 17.
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Sweierlei Lumpen.
Freund, bist du reich, so glaube mir: Viel Anerkennung zollt man dir.
Du bist ja ein gemachter Mann,
Vor dem ein Jeder dienern kann,
Und hast du auch durch Tug und Trug Erworben dir dein Geld und Gut, Und bist du auch ein großer Lump, Man lüftet vor dir doch den Nut.
Doch bist du arm und nur gering, So ändert plötzlich sich das Ding. Man kennt dich nicht und geht vorbei, Denn Mensch und Mensch ist zweierlei. Und mühst du dich auch redlich ab, Und bist du auch ein Ehrenmann, Den armen Schlucker ohne Geld, Den sieht man doch als Lump nur an. Schelm von Bremen.
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Das Meisterstück. Erzählung von Robert Schweichel. (Fortsetzung.)
Da blitzte es in ihren braunen Augen, die gespannt auf ihn gerichtet waren, lustig auf und sie trat in einer Weise von der Thür zu⸗ rück, die ihn zu folgen einlud. Er that es mit den Worten:„Ich bin nämlich der Berthold Helder.“—„Was ich bezeugen kann,“ ergänzte sie munter.„Ich hab' ihn gleich wieder er⸗ kannt.“ Er hatte sie nicht wieder erkannt, nur vermutet, daß sie Leo's Schwester war, das kleine Mädchen, an dem der Riese mit einer ihm fast komischen Zärtlichkeit gehangen hatte. Und jetzt stand das kleine Mädchen als blühende Jungfrau vor ihm. Ein Wunder, dachte er, uber nur seine Augen konnten es aussprechen. Denn Meister Weigand, der in der Stube mit einer älteren Frau bei der Paufe saß, erhob sich vom Tische und rief, Berthold die bläu⸗ liche Hand reichend:„Der Helder? Na, grüß' Dich Gott daheim! Leg' den Ranzen ab und setz' Dich daher und iß und trink'. Müde wirst ja sein, und hungrig und durstig auch.“ Berthold ließ sich nicht nötigen. Es herrschte damals ein weitläufiges, schwülstige Redensarten orechselndes Wesen in allen Ständen. Berthold beschränkte sich auf ein kurzes:„Mit Verlaub“ gegen die ältere Frau am Tische, die er an⸗ fangs für die Mutter seines Freundes gehalten hatte. Es war aber nicht deren gutes Gesicht, das aus dem Rahmen des altmodischen weißen Kopf⸗ und Busentuchs schaute. Das Mädchen hatte unerdessen Teller, Messer und Gabel für ihn gebracht. Mit vollem Munde erklärte er, warum er so ohne alle Umstände vorgesprochen sei.„Iß erst; Sattsein macht stark,“ versetzte der Färber fast rauh. Die Frau seufzie. Thräuen verdunkelten die Augen des Mädchens. Sie senkte den Kopf, um sie dem Gaste zu
verbergen.„Ueber die Frauensleut',“ murrte der Vater. Trude sprang auf und lief aus der Stube.„Es ist dem Leo doch kein Unglück
zeschehen?“ fragte Berthold beklommen. Der Alte strich sich mit der Hand über den nackten, massigen Schädel, den nur ein Kranz von grauen Haaren umgab, und über das sokratische Gesicht. Darauf sprach er:„Wenn's Dir nachher nicht mehr schmeckt, ist's Deine Schuld. Du hättest's noch früh genug erfahren.“
Er nahm sein Messer vom Tisch auf, betrachtete prüfend dessen Schneide und fuhr, es wieder hinlegend, fort:„Die Sach' ist, daß der Leo nimmer wieder aus der Fremd' heim⸗ kommt. Preußische Werber haben ihn auf der Wanderschaft aufgegriffen, weil er ein so großer Bursch war, und in Ketten wie einen Verbrecher nach Potsdam geschleppt, wo sie ihn unter des Königs Leibgarde gesteckt haben.“
„Aber er ist doch kein Preuß' und sie hätten ihn wieder loslassen müssen,“ rief Bertholb
aufgeregt.„Wozu haben wir denn Gerichte und Obrigkeit?“
„Mein Schwager hat sich auch an die Re⸗ gierung gewandt, auch bei unserem Herzog ist er gewesen in Weimar,“ seufzte die Frau. „Es war aber alles umsonst.“
„Die Gewalt pfeift auf's Recht,“ fügte Weigand bitter hinzn.
„Aber er muß doch eines Tages wieder loskommen; sie können ihn doch nicht bis an sein Lebensend' beim Militär behalten,“ ver⸗ suchte Berthold zu trösten.
„Na, darauf hat er's auch nicht wollen an⸗ kommen lassen,“ stieß der Vater rauh heraus. „Nichtswürdig, zu nichtswürdig haben sie ihn behandelt. Da hat er sich denn ohne Abschied davongemacht. Aber sie haben ihn wieder ge⸗ kriegt und er hat Spießruten laufen müssen. Dreimal hat es sein sollen. Beim zweiten Mal blieb er den Schinderknechten unter den Händen.“
„Und seiner Mutter ist darüber das Herz gebrochen,“ setzte deren Schwester weinend hinzu.
„Herr Gott!“ rief Berthold erschüttert.
„Ich glaub' bald an keinen mehr,“ murrte der Färber und sah duͤster vor sich hin. Seine Schwägerin, die ihm seit dem Tode seiner Frau das Hauswesen führte, sah kummervoll auf ihre im Schooße gefalteten Hände. Niemand sprach mehr. Berthold war Hunger und Durst völlig vergangen. Schon wollte er vom Tische aufstehen, als Trude wieder in die Stube kam. Das rosige Blut war aus ihren Wangen ent⸗ wichen. Sie hatte sich wohl draußen ausge⸗ weint. Der Vater strich sich über die Augen und sagte mit einem erzwungenen Lachen:„Ich hab' Dir das Vesperbrot übel gesegnet. Na, lassen wir die Toten! Die Lebenden haben es auch schlecht genug hier, und wenn es Dir draußen gut gegangen ist, dann hast übel gethan, heimzukommen.“
Berthold fragte nach der Ursache und jener versetzte:„Weil Mühlhausen kein Glück hat. Es ist lang' her, seitdem es nicht mehr vorwärts will; schon seit dem Bauernkrieg, in dem die Stadt ihre Reichsfreiheit verloren hat. Nach⸗ her hat's der dreißigjährige Krieg gar arg ver⸗ wüstet und just wie es aufzuschnaufen beginnt, da packt's der siebenjährige Krieg am Kragen. Es liegt halt alles darnieder.“
„Ich bin eigentlich auch nicht gekommen, um hier zu bleiben,“ warf Berthold ein, und als das Mädchen ihn darauf mit ihren braunen Augen verwundert anschaute, setzte er hastig hinzu:„Das heißt, ich will mich erst umsehen.“
„Ist gescheidt,“ nickte Meister Weigand ihm zu.„Du wirst wissen, wie's anderwärts ist. Hier ist alles wie vertrocknet und verknöchert, als wie in spanische Stiefeln eingeschnürt. Wenn ich daran denke, wie es dazumalen war, als der Pfeifer und besonders der Doktor Thomas Münzer die Reformation hier predigten—“. Er verstummte sinnend.
Berthold, der von der Zeit nie etwas gehört hatte, machte ein verwundertes Gesicht und Trude sagte mit einem leisen Lächeln um den roten Mund;„Dem Vater ist's in jener Zeit am wohlsten.“ Dieser hob den Kopf und rief, die Rechte zur Faust zusammenkrampfend: „Ja, wo lebt denn heute Einer, wie der Doktor Thomas, der den Mut hatte, vor den Fürsten von der evangelischen Freiheit zu predigen und ihnen ins Angesicht zu sagen, daß sie die Schuld trügen an dem Elend des gemeinen Mannes und den Aufruhr groß zögen durch ihren unchristlichen Sinn, indem daß sie nur mit der Schärfe gegen ihn handelten, austatt Gerechtigkeit gegen ihn zu üben? Und er hat nicht bloß gered't, sondern das tausendjährige Reich auch verwirklichen wollen, hier in Mühl⸗ hausen.— Na, wir sprechen schon noch ein andermal weiter darüber. Ich hab' noch zu schafen, ehe daß es dunkel wird. Komm' bald wieder.“
Er reichte Berthold die Hand, langte seine Kappe vom Wandriegel und ging nach seiner Färberei auf dem Hofe. Berthold, der auch
vom Tisch aufgestanden war, hatte die Augen immer weiter aufgethan und dabei das Mädchen an gesehen, als wollte er sich versichern, daß er Ihr Kopfschütteln sagte ihm,
nicht träume.
daß er wache. Das hübsche Gesicht mit dem zierlichen Stumpfnäschen hatte seine blühende Farbe zurückgewonnen und es schien, als ob in ihm wieder die Sonne wie nach einem Gewitter⸗
regen hervorbrechen wollte. Erhing sein Felleisen
über die Schulter und reichte ihr zum Abschied die Hand mit stummer Frage. Und Trudens Augen antworteten munter in derselben Weise: „Komm' nur wieder!“ Dann nickte sie mit dem Kopfe und er ging.
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Zehn Gebote der Geflügelzucht ver⸗ öffentlicht Herr Direktor Dr. Blanke im„Prak⸗ tischen Ratgeber“: 1) Stehe früh auf und ver⸗ sorge dein Geflügel selbst, damit du nicht durch Nachlässigkeit der Dienstboten Schaden erleidest. 2) Führe genau Buch über alle Ausgaben und Einnahmen vom Geflügelhofe. 3) Züchte deinen Bedarf an Geflügel selbst, um gesundes und ertragreiches Geflügel zu haben, oder kaufe von einem zuverlässigen Züchter. 4) Züchte dir gute Winterleger heran, indem du früh im Jahre brüten läßt; denn Wintereier bringen am meisten ein. 5) Füttere regelmäßig zu bestimmten Zeiten, und gieb niemals verdorbenes Futter; im Winter reiche morgens warmes Weichfutter, abends Körner. 6) Sorge für größte Reinlichkeit im Stalle, und laß kein Ungeziefer aufkommen; im
Winter halte den Stall warm und gieb Gelegenheit
zum Scharren. 7) Sorge alle zwei Jahre für neue, kräftige Zuchthähne, und halte nicht mehr als 10 Hennen auf einen Hahn, wenn du kräftige Nachzucht haben willst. 8) Lege deinem Geflu⸗ gel Fußringe au, um das Alter zu kennzeichnen, und schlachte alle Hühner, die drei Jahre gelegt haben. 9) Nimm die Eier täglich ans den Nestern, und bewahre sie in kühlem, luftigem Raume auf. 10) Füttere die Küchlein recht oft und recht kräftig, damit sie schnell wachsen.
Gegen das Eierfressen der Hühner
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wird folgendes Verfahren empfoh en: Mansperrt
die Henne morgens in den Stall, dessen Boden stark mit Stroh belegt ist und über welchem sich in einer Höhe von 40—50 Zentimeter ein Lattenrost befindet, mit einer Entfernung von 6—8 Zentimeter. Das gelegte Ei fällt zwischen den Latten durch in das Stroh hinunter und kann von der Henne nicht erreicht werden. Nach etwa 14 Tagen kann man den Rost— entfernen, indem die Henne das Cierfressen vergessen haben wird. Wenn alle Mittel nicht helfen, dann muß die Henne geschlachtet werden.
Was ist Autorität? Ueber den Begriff der Autorität hat die„Münchener Jugend“ ihre eigenen Ansichten. Sie läßt diese von einem Mitarbeiter wie folgt auseinandersetzen:
Antorität—
Ein seltsam Wort,
Man falsch versteht!
Die Welt vergißt: Autorität, beim Licht betrachtet, Wird nur daun vom Volk mißachtet.
Wenn's leine ist!
Autorität muß sich selber wahren,
Dann gelaugt sie zu hohen Jahren!
Autorität muß vor allen Dingen
Selbst sich in ihre Schranken zwingen
Immer auf ihrem Rechte steh'n!
Dann kann ihr Uebles nie gescheh'n,
Wie stumpfe Pfeile vom Eisenkleid,
Prallen von ihr dann Haß und Neid!
Will sie über ihr Recht hinaus, Ist es schleunig mit ihr aus— Nach urewigen Gesetzen— Heißt Autorität allein: Nicht sich mehr denn Andere schätzen, Sondern mehr als Andere sein! Vor dem Einnehmen. Seid ihr wirklich arme Schlucker, Nun so muckt nicht, sondern munter Schluckt mir den Kanal hinunter! Wenn er glatt hinunterlief, Giebt es für die Art'gen Zucker. Giebt es für die braven Schlucker Den ersehnten Zolltarif. Kladderadatsch⸗
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aher hne m rich sich fi fat zu Dech leine Mit Rudolf Da
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