Ausgabe 
25.8.1901
 
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Nr. 34. Eießen, Sonntag, den 25. August 1901. 8. Jahrg. Redaktion: 2 2 Medaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutf che Donnerstag Nachaitng 4 Uhr.

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Die Mitteldeutsche

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finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung 1

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des einzigen in Qberhessen erscheinenden

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Der Antisemitismus im Sumpfe.

Von jeher hat der Antisemitismus allen wichtigen politischen Fragen gegenüber eine derartige Zerfahrenheit gezeigt, daß er bei allen ernsthaften Leuten längst jeden Kredit als politische Partei eingebüßt hat und als solche auch nicht mehr in Rechnung gestellt wird. Mit wievielRichtungen man bei diesem reaktionären Gebilde eigentlich zu rechnen hat, ist schwer festzustellen, ebensowenig kommt man sich über ihre Programme ins Klare. Es ist die vor gar nicht so langer Zeit mit so riesigem Getöse in Szene gesetzte Bewegung total ver⸗ flacht und versandet; die rückständigen Bevölke⸗ rungsschichten, auf welche die antisemitische Mittelstandsretterei spekuliert, werden immer zurückhaltender, die antisemitische Pauke hat ein gehöriges Loch bekommen. Die Rolle des Antisemitismus ist ausgespielt, daran ändert auch das markschreierische und großmäulige Auftreten seiner Häuptlinge nichts, die von Zeit zu Zeit einander das Zeugnis absoluter Unfähigkeit ausstellen. Nur dann macht der Antisemitismus von sich reden; wenn einer der Führer wieder mal eine ganz besondere Klugheit zum Besten gegeben hat. Und das passtert allerdings nicht selten. a

So hielt kürzlich die ritual mordgläubige Staatsbürger⸗Ztg. eine Umfrage über den jüdischen Ritualmord und die Mittel zu seiner Bekämpfung. Sie forderte auch den Abgeord⸗ neten für Alsfeld⸗Lauterbach, Kunstmaler Bindewald auf, seine Ansicht über das be⸗ liebte Thema zu äußern. Hören wir, was der Geistesheld antwortet: N

Um eine Ansicht kann es sich bei dieser

Sache nur insofern handeln, als die Frage

in Betracht kommt, wozu verwenden die

Juden das abgezapfte Menschenblut? Diese

Frage ist offen, wenigstens nicht so geklärt,

daß eine vollkommen ausreichende Antwort gegeben werden kann. Was den Blutmord

(Ritualmord) anlangt, so ist derselbe in zirka 200 Fällen geschichtlich nachgewiesen und in der jüngsten Zeit erst wieder neu beglaubigt 1. durch Geständnisse schuldiger Juden; 2. durch unanfechtbare Zeugenaussagen und sonstige Beweise; 3. durch gerichtliche Er kenntnisse. Die erwiesenen Thatsachen be⸗ rechtigen vollkommen, die Blutbeschuldigung gegen die Juden zu erheben. Unsere Kinder müssen vor diesen Mördern geschützt werden. Es geht nicht an, daß Juden Mordfreiheit genießen. Mörder müssen unschädlich gemacht werden. Da das geeignetste Radikalmittel bei unserer heutigen Verziehung zur Mensch lichkeit nicht gutgeheißen würde, so ist auf Grund der erwiesenen Verbrechen von Juden und ihrer überall bethätigten Solidarität nach dem SprichwortMitgegangen mitgehangen die Landes verweisung aller Juden auf ewige Zeiten zu erstreben, damit wir wenigstens in unserem Deutschland vor dieser Mörderbande sicher sind. Bis aber das richtige Verständnis für die unbedingte Notwendigkeit mindestens dieser Maßregel der Landesverweisung alle Schichten der Bevölkerung erfaßt hat, muß erstrebt bezw. durchgeführt werden: 1. Polizei⸗ aufsicht in der allerschärfsten Form für die unter uns lebenden Juden; 2. Duldung der⸗ selben nur in ganz kleiner kontrollierbarer Anzahl(kein Anhäufen von Juden in den Großstädten); 3. Schächt⸗ und Schlachtverbot für Juden überhaupt; 4. Isolierung in Schule und Gesellschaft, Entfernung aus Staats⸗ ämtern; 5. bei Vorkommen eines Mordes, wo, wie in Konitz und Xanten, alle Spuren auf Juden weisen, wird die Hälfte des Ver⸗ mögens aller Juden Staatseigentum, ent⸗ sprechend der Verbrechersolidarität der Juden; 6. hohe Kopfsteuer.

Sollte man es im 20. Jahrhundert für möglich halten, daß ein Volksvertreter derartigen, an das schwärzeste Mittelalter ge⸗ mahnenden Blödsinn zu Tage fördern könnte? Wäre es nicht besser, diesen Mann sorgsamer ärztlicher Pflege zu überweisen, als ihn in den Reichstag zu fenden? Daß solche, von keinem Menschen ernst genommene Leistungen mit dazu beitragen, dieBewegung zu ruinieren, soweit überhaupt noch etwas zu ruinieren ist, leuchtet ohne Weiteres ein.

Wir finden deshalb auch begreiflich, wenn ein fähigerer Antisemit, der Schriftsteller Wil⸗ berg in Berlin, angesichts des Krebsganges 5 Partei, folgenden Stoßseufzer von sich giebt:

Seit 16 Jahren stehe ich in der Berliner antifemitischen Bewegung und bin als Redner unserer Sache in Berlin wohl der einzige, der die Zeit von Henrici bis heute nicht nur mit gesehen, sondern auch mit durchlebt hat. Von Henrici bis heute! Jeden ehrlichen An⸗ tisemiten packt ein ingrimmiger Zorn, wenn er diese Zeit zurückdenkt, und wer nun gar 16 Jahre hindurch seine Lunge, seine Ge⸗ sundheit, seine Existenz und einen nicht un⸗ beträchtlichen Teil seines Geldes geopfert hat, der möchte verzweifeln, wenn er sieht, wie bisher alles umsonst war und wie wenig wir in so langer Zeit erreicht haben.. Hätten wir nur stets eine Sache im Auge gehabt, so wären wir heute wohl die mächtigste

und einflußreichste Partei im ganzen Lande.(2) Aber leider haben wir gar zu oft die Per⸗ sonenfrage statt der Sache in den Vorder⸗ grund gestellt. Und gerade daran mußten wir immer und immer wieder scheitern. Keine einzige Partei hat so viele Gaukler und Schaumschläger in ihren Reihen gezählt, wie die unse⸗ rige, und keine Partei hat sich von Phra⸗ senhelden und elenden Spekulanten nasführen lassen, wie die antisemitische. Den letzten Satz können sich die Herren Hirschel, Reuther ꝛc. ganz besonders hinter die Ohren schreiben, auch Herrn Köhler ist er zur geneigten Beachtung zu empfehlen.

Um den Zolltarif.

Obstruktion und Aenderung der Reichstags-Geschäftsordnung. Unsere Partei hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie bei der Beratung des Wuchertarifs etwaigen Vergewaltigungsversuchen der agrari⸗ schen Mehrheit mit allen geschäftsordnungs⸗ mäßigen Mitteln entgegen treten wird. Sie wird nicht dulden, daß es den im Ueberfluß lebenden Junkern so leicht gemacht wird, sich auf's neue durch unerhörte Belastung des Volkes die Taschen zu füllen. Zum gleichen Wider⸗ stande werden unsere Genossen die übrige Linke aufzumuntern suchen. Das fürchten natürlich die Brotwucherer, deshalb wird von konserva⸗ tiven und Zentrumsblättern eineRevision der Geschäftsordnung des Reichstags natürlich in reaktionärem Sinne verlangt. Nun, die Durchführung dieser sauberen Pläne wird ihnen nicht so leicht werden.

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Fürsorge für den Arbeiter und Handwerker tritt in drastischer Weise auch in den Industriezöllen zu Tage. Die ZeitungSchuhmarkt hebt folgende Zollsätze für Schuhe und Stiefel hervor:

1 Paar ordinäre rindlederne Arbeiter- schuhe GBergmannsschuhe)

Detailpreis za./ 7,50, Paargewicht

1450 Gramm kosten Zoll: 1 Paar roß⸗ oder rindlederne holzgenagelte Arbeiter⸗Sonntagsstiefel Detailpreis za. 8.50, Paargewicht 1200 Gramm kosten Zoll: 1 Paar feinste Damen⸗Knopfstiefel aus Chevreauxleder Detailpreis za./ 22, Paargewicht 500 Gramm kosten Zoll: 1 Paar feinste Damen⸗Ballschuhe aus feinstem Ziegenleder Detailpreis za. 10 15 und mehr, Paargewicht 350 Gr. kosten Zoll: A 0,421!

Also: der arme Teufel muß für seine Schuhe beinahe einen Tagelohn Zoll bezahlen, den sechsten Teil des Kaufpreises. Diegnädige Frau aber und diegnädigen F

4 1,23 1! , 1,021

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N Fräulein Töchter, auch die Mätresse des schmarotzenden Agrariers, die ihre Ballschuhe aus Paris be⸗ ziehen, zahlen für ein Paar, das Mk. 15 kostet, 42 Pfg. Zoll, das macht den sechsund⸗ dreißigsten Teil des Kaufpreises und einen verschwindenden Bruchteil dessen, was ein Agra rier zum standesgemäßen Leben habenmuß. Das ist ausgleichende Gerechtigkeit!

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