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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 12.
gescheitert. Botha hat es in einem Briefe an Kitchener abgelehnt, die englischen Be⸗ dingungen seiner Regierung zur Erwägung zu empfehlen. f
Kämpfe. Bei Sommerstedt hatten die Engländer ein Vorpostengefecht mit dem Kom⸗ mandanten Krutzinger gehabt, wobei sie 3 Tote, darunter 1 Offizier, und 1 Verwundeten hatten.— Ferner haben die Buren drei Eisenbahnzüge auf der Delagoabahnlinie in die Luft gesprengt und nahmen 2 Offiziere und 7 Mann gefangen, die jedoch nach kurzer Zeit wieder freigelassen wurden. Doch sind ihre Versuche, die Eisen⸗ bahulinie bei Kafirspruit zu sprengen, gescheitert.
Die Pest wütet noch immer in Kapstadt und fordert zahlreiche Opfer. Die Verhältnisse dort sollen äußerst trüb sein.
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Gießener Angelegenheiten.
M. K. Zur Genossenschaftsbe we⸗ gung. Ueber diesen Gegenstand hielt am vorigen Samstag der Leiter der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft, Genosse Kaufmann, in dem ziemlich gut besetzten Orbigschen Lokale einen Vortrag. Während die Gewerkschafts⸗ bewegung— führte Redner aus— den Arbei⸗ tern Vorteile bringe durch Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit, wirken die Konsumvereine bessernd auf die Lage der Arbeiter ein, indem sie ihnen Lebensmittel und Konsumartikel gut, billig und in richtigem Gewicht liefern. Der Vortragende schildert die Entwickelung der Konsumvereine, die aus kleinen Anfängen entstanden, heute schon eine Macht im wirtschaftlichen Leben darstellen. Die Ursache der billigen Lieferung der Waren ist die teilweise Ausschaltung des Zwischen handels, der infolge seiner großen Zersplitterung Arbeits⸗ kräfte verschwende, einer viel zu großen Zahl Personen benötige, die alle daran verdienen müßten, weil sie von dem Verdienste leben wollten. Die von Arbeitern gegründeten Kon⸗ sumvereine sind in der Lage billiger zu liefern, da die Spesen für Reklame, sowie der Unter⸗ gewinn wegfalle und sie mit einem festen Stamm zahlungsfähiger Käufer rechnen können. Sie sind auch eine echt demokratische Einrichtung, denn es gilt nicht die Zahl der Anteilscheine, sondern nur die Person: der Gewinn wird nach dem Verbrauch berechnet. Konsumvereine för⸗ dern also das Gesamtinteresse, während die von Kapitalisten ins Leben gerufenen Waren⸗ häuser doch nur ihren Besitzern Vorteil bringen sollen. Durch diese werden aber die kleinen Händler immer mehr zurückgedrängt; diesen Entwickelungsgang kann nichts hemmen, auch wenn wir keine Konsumvereine schaffen, können wir die allmähliche Aufsaugung des Klein⸗ handels durch den Kapitalismus nicht aufhalten. Der Einwand von der Vernichtung des Mittel⸗ standes durch die Konsumvereine sei also hin⸗ fällig und darf uns von der Gründung solcher nicht abhalten. Die Frage, ob in Gießen ein Konsumverein zu gründen sei, glaubt Redner bejahen zu können, wenn nur Mut und fester Wille vorhanden sei.— Hieran schloß sich eine äußerst rege Diskussion. Verschiedene Redner mahnten zur Vorsicht, die bei derartigen Unternehmungen mehr als irgendwo geboten sei. Doch war die Versammlung durch den Vortrag des Referenten, dessen Schlußwort sehr beifällig aufgenommen wurde, der Gründung eines Konsumvereins günstig gestimmt.
— Märzfeier. Im Orbigsschen Lokale fanden sich am Sonntag die Gelossen zu einer Gedächtnisfeier für die Märzgefallenen zusammen. Genosse Vetters schilderte den Heldenkampf der Pariser Kommune, der sich vor 30 Jahren abgespielt habe; wies ferner hin auf die Ge⸗ schichtslügen, die von gewissen Seiten zu dem Zwecke verbreitet werden, die revolutionären Erhebungen früherer Tage ins Unrecht zu setzen, ste zu diskretitieren. Unser jetziger Kampf werde nicht mit Gewaltmitteln geführt, sei aber drum nicht weniger opferreich. Die besitzlosen, unter⸗ drückten Klassen müßten mit gleichem Mute und gleicher Ausdauer für die Wohlfahrt der Gesamtheit eintreten, wie es unsere Vorfahren mit den, Waffen in der Hand für die bürger⸗ liche Freiheit gethan haben. Verschiedene Ge⸗ nossen brachten noch beifällig aufgenommene ernste und heitere Orklamationen zum Vortrag. — Der Besuch der Veranstaltung hätte ent⸗ schieden besser sein können; besonders wurde bedauert, daß der Gesangverein„Eintracht“ zum größten Teile durch Abwesenheit glänzte.
— Ueber die Gewerbeinspektion im Kreise Gießen wird Herr Gewerbeinspektor Engeln, einer Einladung der Metallarbeiter folgend, Sonntag, 24. März vormittags ½11 Uhr, im Saale„Lonys Bierkeller“ einen Vortrag halten. Für Arbeiter aller Berufe dürfte dieser Vortrag viel Wissenswertes bieten, weshalb wir den Besuch desselben an⸗ gelegentlichst empfehlen.
—„Die Kommune.“ Das von unserer Partei zum 18. März herausgegebene Erinne⸗ rungsblatt erlaubt sich der„Gieß. Anzeiger“ in seiner Dienstagsnummer in einer— wie es scheint, einem Berliner Blatte entnommenen— Notiz herunterzureißen und als„inhaltloses Machwerk“ zu bezeichnen. Wir bezweifeln, daß jenes Erinnerungsblatt dem Anzeiger, der sich in der letzten Zeit des in der reaktionären Sudelpresse üblichen Geschimpfes auf die Sozialdemokratie enthielt, vorgelegen hat; sonst wäre er sicher zu einem anderen Urteil gelangt.— Auch diese Märznummer steht in⸗ haltlich himmelhoch über den litterarischen Er⸗ zeugnissen, die bei„patriotischen“ Festen und Gedenktagen zu erscheinen pflegen. In derselben Notiz wird gesagt, die Polizei habe anläßlich der Märzfeier„alle Hände voll zu thun, um eventuell Tumulte im Keime zu ersticken“. Wo Sozialdemokraten zusammenkommen, g iebt es keine Tumulte, höchstens, wenn die Polizei solche veranlaßt. Das giebt auch der„Anzeiger“ selber in der nächsten Zeile zu.
* eber Handwerks⸗Genossen⸗ schaften hielt am Donnerstag Abend im Hotel „Einhorn“ Herr Direktor Paech aus Frank⸗ furt einen Vortrag, in dem er die Gründung von Kredit⸗ und Einkaufsgenossenschaften für die Handwerker als Mittel zur Hebung ihrer Lage empfahl. Dem Vortrage folgte eine leb⸗ hafte Diskussion. Schließlich wurde eine Kom⸗ mission gewählt, die sich mit den nötigen Vorarbeiten befassen soll.
Einst und Jetzt.
Aus Leihgestern schreibt man uns: Die in den Zeitungen viel besprochene Unterredung unseres Genossen Ulrich mit dem Großherzog riefen die Erinnerung an ein Vorkommuis wäh⸗ rend der sozialistengesetzlichen Zeit wach. An einem schönen Oktoberabend im Jahre 1884 rückte zum großen Erstaunen unserer Einwoh⸗ nerschaft ein zahlreicher Trupp Gendarmerie zu Pferd und zu Fuß in unser sonst so friedliches Dorf ein. Von kriegerischen Verwickelungen war nicht das Mindeste bekannt, man konnte sich also die militärische Besetzung in keiner Weise erklären, bis die aufgeregten Gemeinde⸗ mitglieder schließlich erfuhren, daß der sozial⸗ demokratische Reichstagskandidat Ulrich in einer Versammlung sein Programm entwickeln wolle. Die Versammlung begann. Kaum hatte der Vorsitzende dem Genossen Ulrich das Wort er⸗ tilt, löste der Bürgermeister die Versammlung auf Befehl des Kreisamts auf und zur Durch⸗ führung dieser Maßregel stellte sich das ganze Gendarmerieaufgebot hinter ihm auf. Ruhig erklärte Ulrich, daß er sich als gehorsamer
Unterthan der Obrigkeit füge. Ein kräftiges Hoch auf die Sozialdemokratie erscholl und am Wahltag vereinigte er eine große Anzahl Stim⸗ men auf sich. Mit der Zeit wurde dieser ge⸗ fährliche Mann Stadtverordneter, Reichs⸗ und Landtagsabgeordneter und— der Großherzog begrüßt ihn freundlich. Trotzdem ist die Welt nicht eingefallen!
Aus dem Kreise Friedberg.
In Harheim fand am vorigen Sonntag eine gut besuchte Versammlung statt, in welcher Genosse Busolt aus Friedberg über die von den Junkern geplanten Getreidezölle sprach. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende, Genosse Philipp Schmidt, in kurzen Worten der Berliner Märzgefallenen, sowie der Pariser Kommunekämpfer, die die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Nach dem Referat des Genossen Busolt wurde eine Resolution beschlossen, in der auf das Entschiedenste gegen die Getreidezölle pro⸗ testiert wird und in der die Versammelten ver⸗
sprechen, bis zur nächsten Wahl gehörig zu
agitieren, damit die Wahl des Grafen Oriola verhindert werde. Abonnement auf die Parteipresse schloß die Versammlung.
Bad Nauheim.
* Von der Villa„Rheingold“, einem Neubau in Nauheim, war in unserer letzten
Nummer gesagt, daß er bedenkliche Risse zeige
und die Gefahr des Einsturzes bestehe. Hierzu wird uns von dem Besitzer mitgeteilt, daß dies durchaus unrichtig sei. Allerdings sind durch den starken Frost und äußere Gewalt einzelne Fensterbänke gesprungen. Im Uebrigen sei aber der Bau durchaus solid ausgeführt, sei bau⸗ polizeilich abgenommen und es könne von der Gefahr des Einsturzes gar keine Rede sein.
Aus Wetzlar.
— Eine erfolgreiche Lohnbewegung haben die hiesigen Schneider hinter sich. Ihre Forderungen, die sie an die Arbeitgeber gestellt hatten, wurden von letzteren als berechtigt an⸗ erkannt und bewilligt. Das ist einmal ein
erfreuliches Zeichen von Einsicht bei den Arbeit⸗
gebern, dann aber dürfen die Arbeiter nie ver⸗ gessen, daß nur eine gute Organisation das Errungene zu erhalten im Stande ist und sollten alle dem Verbande beitreten, soweit sie ihm noch nicht angehören.
n. Der Eier⸗Tribut. Man schreibt uns: In den Dörfern unserer Umgebung herrscht eine in den Augen der Herren Pfarrer recht
löbliche Sitte, die man aber vom allgemeinen
Standpunkte aus und wenn man sie in der Praxis näher kennt, getrost als Unsitte bezeichnen darf. Zu Ostern nämlich pflegt jedes zur Konfirmation gelangende Schulkind dem Pfarrer und 15 auch dem Lehrer eine Anzahl Eier zum Geschenk zu machen. Beispielsweise muß in Aßlar der Pfarrer 12 und der Lehrer 6 Stück bekommen, in Werdorf muß sogar jedes Kind 24 Stück opfern. Daß dabei den Pfarrern unheimliche Mengen Eier ins Haus getragen werden, ist klar und da die Herren sie beim besten Willen nicht alle essen können, selbst wenn sie einen Magen hätten wie die Kirche selber, so müssen sie den Ueberschuß eben ver⸗ kaufen. Wir wollten nun darüber keine Silbe sagen, wenn sämtliche Konfirmanden Kinder von solchen Bauersleuten wären, denen es auf zwei Dutzend Eier nicht anzukommen braucht. Das trifft aber nicht zu. Die meisten sind Arbeiterkinder, die zu Hause keinen Hühnerstall haben, dem sie ein paar Dutzend Eier entnehmen könnten. Diese armen Teufel fechten sich dann die nöthige Anzahl Eier bei den Bauersleuten zusammen und bringen sie ihren geistlichen und ihre schöne, die Herren doch darauf verzichten.
h. Schlimmer Jugenderzieher. rige Woche verurteilte die Wetzlarer Straf⸗
sondern eine recht drückende Sitte und
kammer den 25 Jahre alten Volksschullehrer
Mit der Aufforderung zm
Hirten. Für die armen Kinder Eltern ist also das Eier⸗Opfer keine
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