Ausgabe 
23.6.1901
 
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tung ermöglicht, vielmehr gedient. Dabei haben

Seite 2.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

der Gesundheit der Versicherten sehen. Nur dann ist den letzteren und ihren Familien am besten geholfen, wenn die größtmögliche Erwerbsfähigkeit schnellstens wiedergewonnen wird. Deshalb geben auch Berufs⸗ genossenschaften wie Versicherungsanstalten verhältnis⸗ mäßig bedeutende Summen für Aerzte und Arzneien aus. Sie nützen damit der Arbeiterschaft und ersparen durch Verringerung der Renten- und Unterstützungsbeträge den Arbeitgebern allzugroße Kosten. Das Vorgehen ist also vom humanen wie vom volkswirtschaftlichen, wie schlteßlich vom finanziellen Standpunkt aus zu billigen. Die Krankenkassen, soweit sie von der Sozialdemokratie geleitet werden, verfahren umgekehrt. Sie suchen möglichst viel bei den Kosten für Aerzte und Arzneien zu sparen und versprechen dafür den Arbeitern möglichst hohes Krankengeld. Sie legen demgemäß auf die baldigste und umfassendste Herstellung der Kranken weniger Wert, was ja auch schon daraus hervorgeht, daß die Berufs⸗ genossenschaften vielfach die Unfallverletzten, die noch in der Behandlung der Kassen sind, in eigene Behandlung nehmen, wollen aber, wenigstens vorgeblich, die Unterstützungen möglichst hoch bemessen. Es kommen

also innerhalb der Arbeiterversicherung zwei Bestrebungen tzt sind. Es

zur Erscheinung, die diametral entgegeng ist keine Frage, daß das Prinzip der Berufsge und Versicherungsanstalten den Vorzug h ethischen wie kulturellen Gesichtspunkte aus ver ent, und es wird wohl an der Zeit sein, zu erwägen, ob diesem Prinzip nicht auch in der Krankenversicherung, etwa durch eine Aenderung des Kranken versicherungs⸗ gesetzes Geltung zu verschaffen wäre.

Das ist in jeder Beziehung dreist geschwindelt. Wenn die Berufsgenossenschaften an ihrer Ge⸗ sundheit geschädigte Arbeiter in Rentenquet⸗

schen unterbringen, so geschieht das im In⸗

teresse der Ersparuis, durchaus n in Rücksicht auf den Arbeiter. Die K a

kassen handeln auch nur im Interesse der Ar⸗ beiter, wenn sie an Arzueikosten zu sparen

suchen. Durch Massenverbrauch teurer Arze⸗

neien werden die Krauken nicht wieder herge⸗ stellt, nur die Apotheker bereichern sich dabei. Das Bestreben der Kassen, diese riesigen Wucher⸗ prozente herabzumindern und dafür mehr für die Kranken aufzuwenden, wird jeder billig denkende Mensch unterstützen müssen. Der Wiederherstellung des Kranken wird in vielen Fällen burch eine bessere Unterstützung, die eine einigermaßen menschenwürdige Lebens

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die angegriffenen Krankenkassen stets ihr Augen⸗ merk auf die baldige Gesundung der Kranken gerichtet.

Nein, es handelt sich bei dieser Hetze nur um die Beseitigung der Selbstständigkeit der Arbeiter und die Aufrichtung der unbedingten Herrschaft des Unternehmertums. Aufgabe der Arbeiter muß es sein, angesichts der auch in andere Blätter übergegangenen Verdächtigungen des Kaptitalistensöldlings, auf die Wahrung ihrer Rechte bedacht zu sein.

Aus dem Berichte der hessischen Gewerbeinspektion.

1 (Siehe Nr. 23 derM. S. ⸗Ztg.)

Bezüglich der Verwendung weiblicher Beamten im Auffsichtsdienste sind die Mei⸗ nungen der Inspektoren geteilt. Die Herren Baensch⸗Mainz und Engel n⸗Gießen meinen, daß die Assistentin nur wenig Sympathien be⸗ gegnet, und ihre Stellung zu den Arbeitgebern sich recht unangenehm gestaltet habe, da die Thätigkeit der Beamtin nur in der Ermittelung von llebertretungen der Schutzgesetze für die Arbeiterinnen bestehe und in Folge des Mangels technischer Kenntnisse und Erfahrungen eine beratende Thätigkeit nicht ausgeübt werden könne. Die meisten Arbeitgeber erach⸗ teten die Einführung weiblicher Be amten für völlig überflüssig. Das glauben wir gern. Wenn die Meinung der Arbeitgeber über den Wert oder Unwert der Gewerkeinspektion zu entscheiden hätte, dann beständen derartige Organisationen in Deutsch⸗ land überhaupt nicht. Die sogenannten Ar⸗ beiterschutzgesetze wurden aber gegen den Willen einer übergroßen Mehrheit der Arbeitgeber ge⸗ schaffen und so wie letztere heute die noch etwas neue Einrichtung der Assistentinnen für über⸗

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flüssig erachten, ebenso dachten die Herren früher über die Fabrkt⸗, jetzt Gewerbeinspektoren; auch der Verkehr dieser Beamten mit den Arbeit⸗ gebern gestaltete sich oftrecht unangenehm. Darauf kommt es aber nicht an, und der Mangel an technischen Kenntnissen war sogar auch schon bei männlichen Inspektionsbeamten zu konsta⸗ tieren. Diese Gründe gegen die Asststentinnen können wir nicht als durchschlagend ansehen. Dazu kommt, daß die Beamten in Offenbach und Darmstadt berichten, die Thätigkeit der Beamtin habe sich auch im verflossenen Jahre als nützlich erwiesen. Die verschiedene Beur⸗ teilung dieser Einrichtung seitens der hessischen Inspektoren gründet sich vielleicht mehr auf die verschiedene persönliche Befähigung der weib⸗ lichen Beamten. Den Arbeitgeberwünschen auf ihre Beseitigung muß jedenfalls schärffter Wi⸗ derstand entgegengesetzt werden.

Jugendliche Arbeiter beiderlei Ge⸗ schlechts wurden im Berichtsjahre in 1633 Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen 7035, das sind 8,2 Prozent aller Arbeiter, be⸗

sch Davon entfallen auf die Aufsichts⸗ be Darmstadt 2016, Offenbach 1596, Gießen 1 d Mainz 2091. Von diesen 7035 be⸗ schäftigten jugendlichen Personen sind 4568 männlichen und 2467 weiblichen Geschlechts.

Kinder unter 14 Jahren, die zum Schulbesuch nicht mehr verpflichtet waren, wurden zusammen 90 beschäftigt, davon 25 Knaben und 35 Mäd⸗ chen. In einer Schachtelfabrik waren 12 schul⸗ pflichtige Kinder ihren Müttern, die in derselben Fabrik arbeiteten, behilflich. Die Mütter zeigten sich, heißt es in dem Jahresbericht, sehr auf⸗ geregt und entrüstet über das Verbot der Kinderbeschäftigung in der Fabrik und nunmehr machen diese Kinder zu Hause die

Schachteldeckel, die Mütter und erwachsenen Geschwister machen die Schachteln in der Fabrik fertig. Für jeden Kenner der Arbeiterverhält⸗ nisse wird das auf den ersten Zlick unbegreif⸗ liche Verhalten der Mütter sofort verständlich, wenn er erfährt, daß die Frauen sich mit einem Tagesverdienst von einer ganzen Mark begnügen müssen, also den Ausfall des Kin der⸗ arbeitsverdienstes sehr schwer empfinden. (Fortsetzung folgt.)

Politische Rundschau. Gießen, den 20. Juni.

Agrarische Unverschämtheit.

Kürzlich brachte eine Zeitung die Nachricht, daß die Regierungen voraussichtlich von der Einführung eines Doppeltarifs Abstand nehmen und für Roggen einen Zollsatz von 5 Mk., für Weizen einen solchen von 6 Mk. dem Reichs⸗ tage vorschlagen würden. Dazu bemerkte das Organ derEdelsten und Besten der Nation, die frommeKreuzzeitung:Wenn es wirklich dahin kommen sollte, daß wir einen Einheits⸗ tarif mit 5 Mk. Roggenzoll erhalten, so hat das für die Landwirtschaft so ziemlich die nämliche Wirkung, wie wenn der alte Zolltarif aufrecht erhalten würde. Dabei würde eine Festsetzung des Roggenzolls auf 5 Mk. eine Erhöhung des gegenwärtigen Zolls von 3,50 um nicht weniger als 48 Prozent bedeuten. Bescheidenheit ist eben nicht gerade eine spezifische Eigenschaft der Agrarier. Die gehen auf's Ganze. Sie wollen ein Schlemmerleben führen und fragen den Teufel danach, ob das Volk dabei am Hungertuche nagen muß.

Eine seltene Erscheinung.

Anständige Agrarier finden sich so vereinzelt, daß man nötig hat, extra auf sie hinzuweisen. So ist es angesichts der immer unverhüllter zu Tage tretenden Raubgelüste der Junker an⸗ gebracht, an eine Aeußerung des jüngst ver⸗ storbenen ehemaligen liberalen Abgeordneten Frhr. v. Staufenberg zu errinnern, der zwar auch ein Großgrundbesitzer, aber trotzdem ein anständiger Mensch war. Als im Reichstage am 15. Dezember 1891 bei Beratung des öster⸗ reichischen Handelsvertrages über Herabsetzung des Getreidezolles von 5 auf 3,50 M. verhandelt

zugesandt wurde.

wurde, besprach Frhr. v. Staufenberg die damals herrschende Getreideteuerung und das Elend der ärmeren Klassen, von dem er Kenut⸗ nis genommen habe. Er fuhr fort:Meine Herren, ich weiß sehr wohl, daß man dadurch, daß man einen Gegenstand bespricht, ihn an und für sich nicht besser macht; und ich wesß sehr wohl, daß durch eine Herabsetzung des Getreidezolles um 1,50 M, das menschliche Elend auch nicht aus der Welt geschafft wird. Ich gebe sogar zu, daß Umstände eintreten können, welche im Preise diese 1,50 M. nicht derart erscheinen lassen, daß eine Erniedrigung um diesen Preis kommt. Aber sehr wahrscheinlit ist doch, daß eine Erhöhung des Preises bis zu einem gewissen Grad abgewendet wird. Dann bitte ich doch auch etwas zu bedenken; es ist nicht das Brot allein, um das es sit handelt, sondern es sind alle Gegenstände des Verzehrs, welche mit einem ziemlich hohen Zoll und dodurch mit einer Erhöhung betroffen find, von dem Ei an bis zum Fleisch, Meine Herren, wenn Sie all' diese Dinge zusammensummieren, dann giebt es doch fin die kleinen Budgets einen so starken Posten, daß wir mit einer gewissen Reserve über diese Dinge und das ist das Wenigste, was ich vei⸗ langen darf reden sollen. Jedenfalls habe ich das Gefühl, daß ich als Groß⸗ grund besitzernichtdas Rechthabe üben einen mir entgehenden Profit zu klagen, wenn so und so viel Leute in Deutschland wegen eben diesem Prot zum Teil hungern müssen. Derartige Einsicht und menschliches Mil, gefühl wird man bei den Angehörigen dis Bundes der Landwirte und den Leuten da Kreuzzeitung vergeblich suchen.

Im Solde der Agrarier.

Vor Kurzem teilte derVorwärts mi, wir erwähnten die Sache schon in der vor⸗ letzten Nummer daß der Bund der Lau wirte Agenten im Zentrum unterhalte u) besolde, es erhalte z. B. ein Herr Bauer n Bonn jährlich 2000 Mk. Dieser Herr Baus bestritt zwar, daß er dem Bunde verpflichtet sei, der Bund selber aber schwieg. Je kommt der Vorwärts auf die Sache zurül, indem er meint, es liege im Interesse des Herr Bauer, wenn er den Bundesvorstand veranlasee öffentlich zu erklären, daß er keine Subvention bezogen habe. Eine solche Erklärung dürft. aber der Bundesvorstand nicht abgeben, de jenem Herrn auf dringendes Ersuchen sein Gel) von der Bundeszentrale unter einer Deckadress Diese Geheimnisthuerei das Juteressanteste an der Sache, denn Hirt Bauer ist ja nicht allein subventioniert; det Hund besoldet außer seinen Angestelllt! andere, auf der rechten Seite des Reichstag! sitzende Abgeordnete.

Gräflicher Antisemitenhäuptling als Arbeitgeber.

Der durch seine antisemitischen Hetzredel bekannt gewordene Dreschgraf Pückler in K.. Tschirne muß ein wahrer Engel von einen Arbeitgeber sein. Die Bresl. Ztg. bericht! über ihn: Ende Mai hatte der Graf von seinel Arbeitern und Arbeiterinnen, welche um 5 früh die Arbeit beginnen, verlangt, daß bis ½9 Uhr Abends arbeiten sollten. Da die Leute aber etwas früher Feierabend machte. entließ der Graf am 1. Juni ohne Rücksill und Erbarmen seine sämtlichen Arbeiter un Arbeiterinnen, die sich seinem Befehle widerse hatten und selbst einige arme Witwen mit zah⸗ reicher Kinderschar, welche sich ihm zu Füße! warfen und um weitere Beschäftigung baten weil sie sonst nicht wüßten, wie sie ihre Familie ernähren sollten, fanden keine Gnade in dei! Augen des gestrengen Richters. An Stelle de alten hat der deutsche Graf nun neue pol. nische Arbeiter eingestellt. Ob diese mit ein!

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Graf verlangt, einverstanden sind, wird nie Elan Gewiß ein edler teutscher Patin I r und sein Freund Hans Pinsel, der A

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