Ausgabe 
21.7.1901
 
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Eießen, Sonntag, den 21. Juli 1901.

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8. Jahrg.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Mitteldeutsche

. Redaktionsschluß Donnerstag Nachmittag 4 Uhr

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Die Mitteldeutsche

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BVWozialdemokraten Hessens!

Die diesjährige

Landeskonferenz

findet auf Beschluß des Landeskomitees am

Sonntag, den 1. September 1901, Vorm. 10 Uhr in Offenbach

in den Räumen des Saalbaues(Austr. 26) statt. Die vorläufige Tagesordnung lautet:

.Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees.

Referent: Genosse Ulrich⸗Offenbach. Rechnungs⸗Ablage.

Referent: Genosse Orb-Offenbach. Der bevorstehende Parteitag in Lübeck.

Referent: Genosse Rau-Mühlheim. Die bevorstehenden Landtagswahlen und der Wahl⸗ gesetz⸗Entwurf. Referent: Genosse Cramer⸗Darmstadt. 5. Die Landesorganisation, bezw. der Entwurf für die⸗

selbe. Referent: Genosse Dr. David⸗Mombach. 6. Das Gemeinde-Programm. Referent: Genosse Berthold⸗Darmstadt.

Einlaufende Anträge. Wahl des Landes-Komitees.

Parteigenossen! Die Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung macht eine zahlreiche Beschickung der Konfe⸗ renz nötig, sorgt deshalb dafür, daß überall Dele⸗ gierte gewählt werden. Diskutiert die Tages⸗ ordnung und sendet etwaige Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich, damit dieselben veröffentlicht werden können. Die Delegierten sollen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare versendet das Landes⸗Komitee und werden vom Genossen Ulrich bezogen.

Offenbach, 13. Juli 1901. Das Landes⸗Komitee: C. Ulrich, Gr. Marktstr. 25. J. Orb, Geleitsstr. 14.

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Der Zukunftskrieg. II

Nachdem Genosse Krafft die Transport⸗ Schwierigkeiten der kolossalen Truppenmassen bei einem eventuellen 991 auseinandergesetzt und die Versorgung der Armee mit frischem Fleisch als fast unmöglich nachgewiesen hat, führt er weiter aus:

Da nun die Verpflegung der Millio⸗ nenheere mit frischem Fleisch ausgeschlossen ist, bleibt nur die Konserve übrig. Sie ist auf den Eisenbahnen wie auf der Straße leichter nachzuführen als das Vieh, auch kann sie sofort enossen werden, während frischgeschlachtetes Fleisch stets unangenehm schmeckt. Es fragt sich nur, ob die Konserven nicht am Ende sehr bedenkliche Wirkungen auf die Gesundheit der Truppen ausüben werden. Die Typhusepi⸗ demien, die im Frieden bald in dieser, bald in jener Kaserne ausbrechen, reden hier eine unheimliche Sprache. Im Kriege aber, wo die Konservenfabrikation mit Hochdruck arbeiten

wird, dürfte die Gefahr, daß zweifelhafte Waren

an die Truppen gelangen, noch viel näher gerückt ein. Uebrigens wird auch die Konserve die Truppen vor Mangel nicht schützen, denn bei der Zahl der heutigen Heere häufen sich nament⸗ lich unmittelbar vor und nach großen Ent⸗ scheidungen solche Menschenmassen an, daß ihre

ausreichende Verpfleguug auch mittels der Konserven nicht mehr durchführbar sein wird. Was die Verpflegung im Falle einer Niederlage anbelangt, so läßt sich hier die Sache kurz zusammenfassen: Die Armee wird eben das Schicksal ihres eigenen Volkes teilen, nämlich die bitterste Not leiden müssen. Man brauchte die Phantaste eines Dante, um auch nur annähernd zu beschreiben, wie es werden muß, wenn die geschlagenen Millionen auf ihr Land, dessen Scheunen, Ställe und Vorrats⸗ kammern leer sind, zurückfluten werden.

Neben der Verpflegung spielt im Kriege eine große Rolle die Waffenwirkung. Dar⸗ über, wie es jetzt mit dieser bestellt ist, erhalten wir eingehende Aufschlüsse durch dieFelddienst⸗ ordnung, die auf Grund sorgfältiger Schieß versuche sehr genaue Angaben über Wirkungen der einzelnen Waffen macht.

Wir ersehen aus derselben, daß die intensive Waffenwirkung der Infanterie auf 1500 Meter, diejenige der Feldartillerie auf 3000 Meter und jene der Haubitzen auf 6000 Meter beginnt. Wie diese Verhältnisse in einem Zukunftskrieg wirken, welche Verluste sie nach sich ziehen werden, weiß zur Zeit Niemand. Wer die militärische Litteratur nur einigermaßen verfolgt, weiß, wie hier Alles im Dunkeln tappt.

Zu den Fortschritten der Waffentechnik treten dann noch andere Erfindungen, die in den Dienst des Kriegs gestellt wurden und den Kampf noch härter und blutiger machen. Da ist der Fessel⸗ ballon, aus dem der Verteidiger die Gegend meilenweit überblickt, so daß er größere gegne⸗ rische Abteilungen rechtzeitig bemerken und seine Gegenmaßregeln treffen kann. Auch der optische Telegraph, die drahtlose Telegraphie, die Rad⸗ fahrerabteilungen stärken in erster Linie die Defensive, wodurch die unvermeidliche Offensive noch blutiger wird.

So wird denn der Zukunftskrieg ein noch nie dagewesenes Bild von Massenelend aufrollen: In der Heimat Bankerott und Hungersnot, draußen im Heere Mangel, Seuchen und Berge von Toten und Ver⸗ stümmelten.

Und was kannder Erfolg sein? Auch wenn wir den Feldzug gewinnen sollten, so wäre doch an einen Sieg wie jenen von 1870/71, der die härtesten Bedingungen ermög⸗ lichte, gar nicht zu denken. Damals gelang es dem auf das Sorgfältigste vorbereiteten Deutsch⸗ land, Frankreich in einem völlig unfertigen Zustand noch dazu mit erdrückender Ueber macht zu überraschen. Wie jämmerlich es mit der Mobilisierung der französischen Armee stand, beweist die Thatsache, daß der Beginn des Krieges an die Spitze des siebenten französischen Armeekorps berufene General Felix Douay, der Bruder des bei Weißenburg gefallenen Divisio⸗ närs, sein Korps gar nicht finden konnte und daher nach Paris telegraphierte, wo seine Truppen denn eigentlich wären. Dieses allge meine Tohuwabohu in der Mobilisierung machte der französischen Armee ein kräftiges Auftreten zu Anfang des Kriegs direkt unmöglich. Weiter rückten die Deutschen mit 447000 Mann an, denen die Franzosen nur 250000 Mann ent⸗ gegenzustellen vermochten. Derartige günstige Verhältnisse werden wir in keinem Kriege mehr finden. Bismarck hat ja die Völker gelehrt,

daß sie unter den dermaligen Verhältnissen gut thun, jeden Augenblick zum Ausmarsch bereit zu sein. Wir müssen daher in der Zukunft mit wohlvorbereiteten, wohlorganisierten und gleichstarken Gegnern rechnen. Und auch wenn wir siegen, müssen wir uns auf ein hartes Ringen gefaßt machen, das auch uns bis zum Verbluten schwächen wird. Bei einem derartigen zweifelhaften Siege können aber an den Unter⸗ legenen keine allzu großen Anforderungen gestellt werden. Wenn wir auch nur so viel erhalten, daß wir damit unsere Kriegskosten annähernd decken und unsere Invaliden, Witwen und Waisen bezahlen können, dürfen wir sehr froh sein. An eine Eutschädigung und Wiederauf⸗ richtung der durch den Krieg vernichteten Exi⸗ stenzen und an den Bettelstab gebrachten Familien wäre gar nicht zu denken. Ziehen wir aber den Kürzeren, so müssen wir unsere Kriegskosten, unsere Invalidenpensionen usw. selbst tragen und auch noch dem Gegner einige Milliarden bezahlen. Dazu stünde das ganze Land in Folge der feindlichen Invasion, der mehrmonat⸗ lichen Geschäftsstockung vor dem Ruin.

Die Richtigkeit dieser Darlegungen sind gar nicht zu bestreiten. Unsere Aufgabe muß es sein, das Volk sowohl über die furchtbaren Schäden, die ihm der Militarismus schlägt, aufzuklären, als auch das Verbrecherische des Krieges darzulegen, den unspatriotische Schreier als notwendig hinstellen wollen. Es ist vollkommen richtig, was darüber der ehemalige österreichische Minister Dr. Schäffle schon vor langer Zeit sagte:

Die Sophisten des Militarismus und des Nationaldünkels haben zu jeder Zeit den Krieg als einen sittlichen Zuchtmeister gepriesen.

Für innerlich schon verlotterte Völker, denen ihr Tyrann äußere Motion(Bewegung) machen muß, mag diese Behauptung, wie schon

ristoteles andeutet, eine traurige Wahrheit sein. Da heißt es Gift gegen Gift! Revolution im Völkerleben gegen innere Revolution!

Dennoch kann niemand verkennen, daß der Krieg der höheren Kultur tausend⸗ fach schadet. Er ist dem humanen, idealen Streben feindlich und bringt einen bengel⸗ haft brutalen Nationalegoismus, der sich alsNord⸗Patriotismus breit macht, zur Herrschaft. Er schwächt den Freiheits⸗ sinn der Völker, erzieht sie für die innere Knechtschaft. Er hätschelt einen blutdürstigen Nationalstolz voll von furchtbaren Gefahren, erschüttert die Achtung des Rechtes

. erweckt die Raubtiertriebe in civilisirten Menschen wieder, zerrüttet den Nationalwohl⸗ stand; durch das Schuldenwesen in seinem Gefolge leistet er der Geldoligarchie) Vorschub und wird Zuchtschule von zahllosen anderen Aeußerungen privater und öffentlicher Un⸗ sittlichkeit.

Er beugt nicht einmal den Chauvinismus des bestegten Volkes, sondern macht den Rachedurst zum einzigen Hebel, um der Zer rüttung, der es nur dem Sieger zum Nutzen verfällt, Einhalt zu thun.

Bis zur Erschöpfung al ein Krieg den anderen, u

*) Herrschaft weniger Geldl