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. Mitteldentsche Sonntags⸗ Zeitung.
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Nr. 20—
ihnen Gnade bei ihren Herren verschaffen. Drei Stunden Bedenkzeit sollten sie haben. Es gab aber manche Zage unter ihnen, und Münzer konnte es nicht hindern, daß etliche Ritter und Edelleute, die Pfeifer auf einem Auszug gefangen genommen hatten, als Unterhändler zu den Herren geschickt wurden. Die Fürsten aber brachen ihr Wort; denn kaum waren die Edelleute in ihrem Lager, so ließen sie all ihr Geschütz auf einmal in die Bauern gehen. In wildem Schrecken stoben sie aus⸗ einander und jetzt die Reiter und Lauzknechte auf die Fliehenden. 3000 wurden erschlagen und 300 Gefangene sogleick enthauptet. Gräuel geschahen, die Euch von Entsetzen das Haar sträuben würden.— Der Doktor Thomas hatte sich nach Frankenhausen geflüchtet, allwo er in seinem Versteck aufgefunden und gräßlich gefoltert wurde. Die Herren erfuhren aber nichts von ihm, als was sie schon aus seinen Schriften wußten, von seinen Genossen nannte er nur solche, die bereits erschlagen waren, widerrufen und bereuen that er nicht. Als ein furchtloser Mann, den er immer gewesen, wurde er hier in Mühlhausen gerichtet. Kaum 32 Jahre war er alt geworden. Dem Heinrich Pfeifer, erging es ebenso. Unsere reichsfreie Stadt fiel an die sächsischen Herzöge. An dem Tag von Frankenhausen stand ein Regenbogen am Himmel. Aber es ist kein neuer Bund aufgericht't worden. Das Joch harter Knechtschaft liegt noch auf unserem Nacken; die Herren aber vergeuden unseren Schweiß in allen Ueppigkeiten und Wollüsten als wie der Nebukadnezar.“ ö
Meister Weigand verstummte bewegten Sinnes. Trude blickte mit nassen Augen auf Berthold, der mit finsteren Brauen dasaß; seine Wangen glühten. Jetzt rief er mit blitzenden Augen:„Aber Thomas Münzer hat uns den Weg gezeigt, auf dem wir aus der Knechtschaft gelangen können, ohne Gewalt zu brauchen. Es ist gemeinsame Arbeit und ge⸗ meinsamer Genuß an ihren Früchten. Dann braucht's keine Meister, Gesellen und Lehrlinge mehr. Keiner hat mehr Ursach', den Anderen zu beneiden, weil Keiner reich ist, und Keiner
lieferten, wollte er
die Wolle liefern und zahlen.
hat mehr die Mittel, die Anderen zu unter⸗ drücken.“
Trude reichte ihm lebhaft die Hand, die er mit festem, warmem Druck festhielt, während der Alte kopfschüttelnd versetzte:„Der Münzer war nicht der Erste, der es versuchte, das Bei⸗ spiel der ersten Christen nachzuahmen. Er kam freilich gar nicht dazu, seine Absicht auszuführen. Aber er war auch nicht der Letzte, und immer ist es gescheitert. Die christliche Nächstenliebe ist tot in den Menschen. Und wie willst Du das Geld überwinden, was die allergrößte Gewalt in der Welt hat? Da hilft kein Mittel gegen, auch keine Zunftgesetze. Schau, wir Tucher, da hat's Wollkrempler, Spinner, Weber, Scheerer, Färber. Wir sind alle zünftige Meister, aber wir schaffen blos für Rechnung der reichen Hansen und Kaufleute, welche uns Lohnarbeiter sind wir, wie ihr Gesellen. So ist's auch mit den Bergleuten, und dahin wird es mit allen
Handwerkern kommen.“ 5 (Fortsetzung folgt.)
Lesefrüchte.
Nein, Kriege zwischen zioilisierten Völkern sind keine Naturnotwendigkeit, sie werden heute nur mehr künstlich gemacht. Den verhängnis⸗ vollen Aberglauben, daß sie notwendig wären auszurotten, heißt die Kriegsgefahr vermindern; die Zuversicht, daß beständiger waffenloser Weltfrieden möglich ist, trägt mächtig bei zur endlichen Erreichung dieses Friedens. Solche Zuversicht zu stärken, zu verbreiten, ist unsere Pflicht, ist des Pocten göttlicher Beruf.
P. K. Rossegger. *
* aK Auf einen Pharisäer. Er hat keinen silbernen Löffel gestohlen, Er stand noch niemals vor Gericht, Und dennoch sag ich uuverholeu: Er ist ein ganz gemeiner Wicht. C. Bleibtreu. * 5* Vergebens predigt ihr den Wilden, Es gilt erst die Gebildeten zu bilden.
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Elende Minister widersetzen sich den Preß⸗
freiheit aus dem nämlichen Grunde, aus welchem die Freudenmädchen die Straßenbeleuchtung
hassen.
Humoristisches.
Unterschied. Köchin(zur jungen Frau, welche ihr die orthographischen Fehler im Küchenbuch ver⸗ bessert):„Sehen Sie, gnä' Frau, das ist der Un ter⸗ schied zwischen uns beiden: Sie wsssen, wie's ge⸗
schrieben wird, und ich weiß, wie's gekocht wird!“
Der vorsichtige Ninister. A.. Es wäre doch fatal, wenn Sozialdemokraten in den preußischen Landtag kämen.— B.: Warum?— A.: Dann könnte der arme Schönstedt sich nur noch im Herrenhaus sehen lassen.(Der wahre Jacob.“)
Von der Kontrollversammlung. Bezirks⸗ hauptmann(zu den Soldaten des Beurlaubten⸗ standes);„... Und zum Schluß möchte ich allen denen, die noch keinem Soldatenverein angehören, dringend an's Herz lezen, einem Kriezer⸗ oder Ländwehrverein beizu⸗ treten; denn diese Vereine befestigen das Band der Kameradschaft und bilden das festeste Bollwerk gegen alle Umsturzbestrebungen(einen gähnenden Reservisten bemerkend) Sie da, der dritte Mann im zweiten Gliede! Was bilden die Soldaten vereine?“
Reservist: Spalier!
Litterarisches.
Auf die illustrierte Rom anbibliothek: „In Freien Stunden“ machen wir unsere Leser wiederholt aufmerksam. Die Lieferungen 15 bis 19 enthalten die Fortsetzung des figuren⸗ und handlungs⸗ reichen und von dem Münchener Maler Damberger in Auffassung und Charakteristerung meisterhaft illu⸗ strierten Romans„Dom bey und Sohn“ von Charles Dickens und den Anfang der Jekai'schen Nevelle For⸗ tunatus, einer spannenden Geschichte aus der Zeit der ungarischen Juden verfolgungen. Wir köanen unseren Lesern diese Romanbibliothek immer wieder em⸗ pfehlen und ihnen nur auraten, in Bekanntenkreisen für weitere Verbreitung zu azitieren. Das Heft kostet nur 10 Pfennig. Zu bezieben fiud die Hefte durch unsere Expedition(O. Schneider, Gießen, Sonnenstr 25) sowie auch durch die Post zum Bierteljahrespreis von 1,20, Postzeitangskatals z Nr. 8623).
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