Ausgabe 
18.8.1901
 
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Nr. 33. Gießen, Sonntag, den 18. August 1901. 8. Jahrg. f Redaktion: 9 RNebaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 1. 4 e

Abouuementspreis: Die Mitteldeutsche

Parteigenossen!

Laut Beschluß des vorigen Parteitags findet der diesjährige in Lübeck statt.

Auf Grund der Bestimmungen der 88 7, 8 und 9 der Partei⸗Organisation beruft die Partei⸗ leitung den diesjährigen Parteitag auf

Sonntag, den 22. September,

abends 7 Uhr,

nach Lübeck in das Vereinshaus, Johan- nisstraße 50/52, ein.

Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Sonntag, den 22. September, abends 7 Uhr,

Vorversammlung. Konstituierung des Parteitags. Festsetzung der Geschäfts⸗ und Tagesordnung. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Mandate. Mee den 23. September und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. a) Agitation. Wahlen. Kassenbericht. Berichterstatter: W. Pfannkuch und A. Gerisch. b) Presse, Litteratur, Kolportagewesen. (Geschlossene Sitzung.) 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: H. Meister. 3. Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Berichterstatter: E. Wurm. 4. Maifeier. Berichterstatter: Th. Metzner. Die Wohnungsfrage. Berichterstatter: A. Südekum. Anträge zum Programm. . Sonstige Auträge. Wahl des Vorstandes und der Kon⸗ trollkommission.

Parteigenossen! Wir fordern Euch nun auf, die erforderlichen Vorarbeiten zu treffen, insbesondere die Wahl von Delegierten und die Einreichung der Anträge rechtzeitig zu bewirken.

Die Anträge müssen spätestens den 7. Sept.

in den Händen des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin SW. 57, Kreuzbergstr. 30 sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des 8 8 Absatz 2 der Partei⸗Organisation im Vorwärts veröffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage für den Parteitag Aufnahme finden sollen. 6

Anträge von einzelnen Parteigenossen be⸗ dürfen der Gegenzeichnung des Vertrauens⸗ mannes oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen.

Die Genossen, welche Anträge einreichen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beigegebene Motive weder im Vorwärts noch in der dem Parteitag vorzu⸗ legenden gedruckten Vorlage Aufnahme finden können. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem e entweder persönlich zu vertreten oder durch befreundete Genossen bertreten zu lassen; außerdem empfehlt es sich, wichtige Anträge vor dem Zusammentritt des Parteitags in der Presse zu erörtern.

Berlin, den 10. August 1901.

Mit sozial demokratischem Gruß Der Parteivorstand.

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Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch] Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.

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Bei mindestenz

Parteigenossen!

Sorgt für zahlreiche Unter⸗ schriften der Petition gegen den Brotwucher!

Arb itslöhne und Lebensmittelzölle.

oa. In diesem Augenblick, da der Kampf um den Zolltarif und die Handels verträge mit neuer Heftigkeit entbrannt ist, scheut die gewissenlose konservativ⸗agrarische Demagogie kein Mittel, um die Arbeiter in die grobe Täuschung einzuzwingen, daß die Erhöhung der Lebensmittelzölle für sie von Vorteil sei. Bei sozialistischen Arbeitern wird man mit diesem Schwindel kein Glück haben; es giebt aber noch breite Schichten von Proletartern, namentlich auf dem Lande, die von der sozialistischen Lit⸗ terotur nicht erreicht werden und bei denen es manchmal den agrarischen und junkerlichen Lügenpropheten gelingt, ihnen einen ganz falschen Begriff von der Wirkung der vorgeschlagenen Zollerhöhungen beizubringen. So wird von den agrarischen Agitatoren vielfach behauptet, hohe Lebens mittelpreise bewirkten eine noch höhere Steigerung der Ar⸗ beitslöhne.

Eine dreistere Lüge ist niemals öffentlich vorgetragen worden. Die Höhe der Arbeits- löhne wird bekanntlich durch ganz andere Fak⸗ toren bestimmt, als durch die Preise der not⸗ wendigen Lebensmittel. Der Preis der Arbeit reguliert sich auf dem Arbeitsmarkt und nicht auf dem Lebens mittelmarkt. Die Arbeitskraft erscheint auf dem Arbeitsmarkt als eine Ware, der Arbeiter als deren Verkäufer, der Unternehmer als Käufer. Wie bei allen Waren regelt sich auch bei der Ware Arbeits⸗ kraft der Preis nach dem Verhältnis von An⸗ gebot und Nachfrage; er steigt, wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften überwiegt, und er sinkt, wenn das Angebot überwiegt. Je mehr unbeschäftigte Hände vorhanden, desto niedriger muß der Stand der Löhne sein.

Den sozialistischen Arbeitern sind diese That⸗ sachen bekannt. Wenn mit den Lebensmittel⸗ preisen die Löhne im Steigen Schritt halten könnten, dann wäre die Situation für die Arbeiter nicht so mißlich, wie heute. Aber man erinnere sich doch an die Zeit, als der Fünf⸗ markzoll auf Getreide bestand und als durch noch andere Umstände die Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben waren. Es war zu Anfang der neunziger Jahre; eine förmliche Teuerung herrschte im Lande, aber die Arbeitslöhne 1 nicht; sie erfuhren erst später da und

ort eine geringe Steigerung, als auf den Ab⸗

10 der Handelsverträge der industrielle Auf⸗ chwung erfolgte. Im Ganzen und Großen blieben sogar in dieser Zeit der Prosperität die Löhne sich gleich. Als die Zölle herabgesetzt wurden und dadurch auch die Lebensmittelpreise etwas fielen, atmete Alles auf.

Gegenwärtig ist die Situation eine ganz andere. Die Industrie hat sich in neue, teil⸗

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weise riesige und verwegene Unternehmungen gestürzt, der Warenmarkt ist überfüllt und der Rückschlag tritt ein. Weder die Kolo⸗ nialpolitik noch das famose chinesische Abenteuer haben die ersehnten neuen Absatzgebiete erschließen können. Da stockt nun die bisher bis in's Fieberhafte gesteigerte Warenproduktion; Ar⸗ beitslosigkeit tritt ein, die Nachfrage von Ar⸗ beitskräften sinkt rapid unter das Angebot. Die industrielle Reservearmee schwillt gewaltig an. Das Alles drückt auf die Löhne.

Und diesen ungeheuren Schaden, den die Arbeiter da leiden müssen, soll es ausgleichen, wenn Brot und Fleisch teurer werden!

Ein größerer und gemeinerer Schwindel ist dem deutschen Volke noch niemals vorgemacht worden.

Die Handelsverträge können ganz gewiß keine Wunder wirken. Aber sie können Einiges bessern. Daß während des unter den Handels⸗ verträgen erscheinenden industriellen Aufschwun⸗ ges die Löhne im Allgemeinen stabil geblieben sind, haben wir schon bemerkt; es ist dies be⸗ kanntlich auch amtlich konstatiert worden. Die Unternehmer hatten sich auch gegen die Lohn⸗ bewegungen unter den Arbeitern von vornherein vorgesehen. Aber die Handelsverträge brachten den Arbeitern den Vorteil, daß sie für Jahre ausreichende Arbeitsgelegenheit schufen. Daß die kapitalistische Spekulation dabei eine Ueber⸗ produktion herbeiführte, konnte man nicht vor⸗ aussehen; es war dies auch keine notwendige Folge der Handelsverträge.

Fallen die Handelsverträge, so werden die Arbeiter eben un verhältnismäßig hohe Lebens⸗ mittelpreise haben, während zugleich die Ar⸗ beitslosigkeit sich steigert und die Löhne sinken. Das ist die ungeheure Gefahr, welche die neue Zoll⸗ und Handels⸗ politik mit sich bringt. Und diese Gefahr möchte man den Arbeitern verbergen, indem man ihnen mit der Phrase kommt, daß bei hohen Lebens- mittelpreisen auch die Arbeitslöhne steigen würden.

Das Mißverhältnis zwischen Arbeitslöhnen und Lebensmittelpreisen ist eines der traurigsten Kapitel in der Leidensgeschichte der deutschen Arbeiterklasse. Die so zahlreich veröffentlichten Haushaltungsbudgets von Arbeiterfamilien be⸗ weisen, wie es einem Familienvater bei den heute herkömmlichen Arbeitslöhnen gar nicht möglich ist, seine bei der Arbeit verbrauchten Kräfte zu ersetzen, und zugleich seine Familie ordentlich zu kleiden und zu nähren, eine ordent⸗ liche Nahrung zu bezahlen und für die Aus⸗ bildung der Kinder zu sorgen. Daß unter solchen Umständen Frau und Kinder, wo es angeht, zum Mitverdienen herangezogen werden, ist sehr begreiflich. In diesen Familien wird man die geringste Steigerung der Lebensmittel⸗ preise am empfindlichsten verspüren.

Wo das wohl Alles noch hinaus soll! Während die Gesetzgebung mit staatlichen und kommunalen Auflagen die Lebensmittel verteuert, machen sich auch die Besitzer der Produktionsmittel leider an's Werk, um die Preise ihrer Produkte zureguliren. Kohlen, Zucker, Eisen, Papier und zahlreiche andere Waren bekommen ihre Preise von den Kartellen und Syndikaten vorgeschrieben. Es ist eine tolle Jagd nach Gewinn, wie wenn man am Vorabend einer großen Ungestaltung