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Nr. 46.
Gießen, Sonntag, den 17. November 1901.
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Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Langsamer Hungertod.
Daß ein großer Teil der Arbeiterbevölkerung sich nicht soviel Nahrung bieten kann, als der Körper zum normalen Ersatze der verausgabten Kräfte nötig hat, ist eine von ärztlichen Sach⸗ verständigen nachgewiesene Thatsache. Inner⸗ halb der Arbeiter ist diese Thatsache ebenfalls längst bekannt, dagegen wird sie in den Kreisen des satten Bürgertums und seiner Presse fast stets bestritten.
„Es verhungert niemand!“ Mit dieser billigen Weisheit pflegt sich der satte Besitz zu trösten, wenn ihm der Anblick des Elends einmal un⸗ angenehm wird, wenn der schneidende Kontrast, der sich zwischen Bourgeoisie und Proletariat aufthut, ihn im Genuß stört, und ein leises, anklagendes Etwas in seinem Innern peinliche Gedankengänge auslöst.„Es verhungert nie⸗ mand!“ Diese und die andere schöne Talmi⸗ wahrheit:„Wer arbeiten will, findet Arbeit!“ sind die bequemen Faulkissen, auf denen sich so gemütlich über die Unzufriedenheit und die Begehrlichkeit des Plebs philosophieren läßt. Was bedarf es mehr, um die„göttliche Welt⸗ ordnung“ zu rechtfertigen? Wenn der Prole⸗ larier nur stets seine Notdurftsration hat, was hat er dann noch zu raisonnteren!
Wir haben ja nun gar nichts dagegen ein⸗ zuwenden, sagt mit Recht die„Sächs. Arbeiter⸗ zeitung“, der wir diese Ausführungen ent⸗ nehmen, daß die Bourgeois ihre„göttliche Weltordnung“ also niedrig einschätzen, daß sie meinen, die große Mehrheit der Bevölkerung könne von ihr nicht mehr als die magere Garantie gegen den brutalen Hungertod ver⸗ langen. Aber wir haben allerlei einzuwenden gegen diese bequeme, mit so zuverlässiger Sicherheit alltäglich an so und so vielen Stammtischen verkündete Behauptung:„Es verhungert nie⸗ mand!“ 0
Wir müssen allerdings zugestehen, es gehört wirklich zu den Seltenheiten im 20. Jahrhundert, daß in den Ländern Westeuropas in normalen Zeiten eine Person verhungert, verhungert in des Wörtes groben Sinn, stirbt, alldieweil sie absolut nichts zu beißen und zu brechen hat.
Nein, so verhungert allerdings fast niemand das lassen wir nicht zu! Bewahre! Wir leben nicht umsonst im Zeitalter der Humanität und Sozialreform. Wir lassen niemanden verhun⸗ gern, dazu sind wir viel zu zivilisiert! Wenn wirklich ein armer Teufel zu stolz oder zu schamhaft, oder zu energielos wäre, um das Mitleid der Nachbarn oder die Hülfe der Armenpflege anzurufen, wenn er durch eigenes Verschulden am absoluten Mangel an Nahrungs⸗ mitteln zu Grunde zu gehen drohte, so würde unverlangt selbst die Hülfe geleistet und das Entsetzliche verhütet werden, vorausgesetzt, daß wir nur rechtzeitig von dem traurigen Fall erführen und der Amtsschimmel nicht gar zu langsam trottete. Dieser Hungertod, der Tod durch absolute Nahrungsentziehung ist in dem zivilisterten Staate bei einiger Vorsicht ganz unmöglich. 1455
Soweit haben die Verteidiger der göttlichen Weltordnung recht. f
Aber buch sterben alljährlich Tausende von Menschen in den Kulturländern des Westens den Hungertod. Nur ist es ein indirekter,
verdeckter, verschleierter Hungertod. Der Hunger tritt nicht in all seiner furchtbaren Brutalität als der Würger auf, die Opfer erliegen nicht jenen entsetzlichen Qualen, die wir in mittelalterlichen Chroniken vom Hunger⸗ turm erzählt finden. Der Prozeß ist ein lang⸗ samerer— die Qual ist anf eine größere Zeit⸗ spanne verteilt uud das Amt des Würgers versieht irgend eine unschuldige Krankheit, der man nicht direkt ansieht, daß sie nichts weiter als eine Vollstreckerin der Urteile ist, die König Hunger gesprochen.
Die Unterernährung, die mangel⸗ hafte, unzureichende Ernährung des Körpers, zu der leider weite Arbeiterkreise ge⸗ zwungen sind, vernichtet die Widerstandskraft wider gesundheitsschädliche Einflüsse, die der gesunde Körper besitzt. Was der gut genährte Bourgeois meist übersteht, das wird dem Pro⸗ letarier zum Verderben. Ein großer Teil des Ueberschusses der Sterbeziffer des Proletariats über die der Bourgeoisie entfällt auf das Konto der Unterernährung, des Hungers.
Jeder Armenarzt, der mit offenen Augen seine Kunst übt, kann davon erzählen, weiß zu berichten, daß ihm alle Jahre so und soviele Patienten sterben, die zweifellos durchzubringen gewesen wären, wenn ihr Körper nicht durch lange Jahre fortgesetzter Unterernährung zu sehr geschwächt worden wäre. Dieselbe Krank⸗ heit zeigt im Hause des Bourgeois ein ganz anderes Gesicht, als in der Wohnung des Arbeiters.
Welchen gewaltigen Einfluß die Unterer⸗ nährung auf die Sterblichkeit der Arbeiter⸗ bevölkerung ausübt, schildert ein Arzt, der lange in der Fabrikbevölkerung großer Städte thätig war, in seinem Buche„Die Not des vierten Standes“ an zahlreichen Beispielen.
„Es ist eine Erscheinung, die überall in unseren Frauenkliniken in Industriegegenden beobachtet werden kann, sagt der Verfasser an einer Stelle, daß die Weiber aus den Kreisen des Proletariats den Fettansatz und die Zunahme der Körperfülle, wie sie physiologisch nor⸗ mal während der Schwangerschaft auftreten soll und bei Angehörigen der besseren Klassen auch auftritt, ver⸗ missen lassen; sie bleiben auch während dieser Umstände mager, schwach und hohl, ja viele magern dabei noch mehr ab, und dies sind die Folgen der unzureichenden Ernährung und der mangelnden Schonung.“
Von einer anderen Patientin erzählt er:
„Ich mußte mir damals sagen, daß die Frau wohl nicht gestorben wäre, wenn sie besser genährt gewesen, wenn sie nicht durch Entbehrung so stark an Körper⸗ kräften heruntergekommen wäre, aber sie war sehr abge⸗ magert und am Leibe geschwächt, und so konnte sie sich nach dem starken Blutverluste nicht wieder erholen und erlag der allgemeinen Erschöpfung.“
Gräßlich ist folgendes zu lesen:
„Eine Arbeiterfrau, die in anderen Umständen war, war so nervenschwach und krank, daß sie glaubte, sterben zu müssen. Sie wohnte mit ihrem Manne und zwei Kindern in einem Kellerraume. Als ich ihr tröstend sagte, daß sie durch kräftige Ernährung wieder gesund werden würde, lächelte sie ungläubig und bitter, ebenso der Mann, sie wußten seit langer Zeit nicht mehr, was kräftige Kost bedeutet. Dieses bittere Lachen hört man oft, wenn man den Armen gegenüber von guter Nahrung spricht.“
An einer anderen Stelle setzt er auseinander, daß infolge mangelhafter Entwickelung in der Jugend viele Personen später die leichte Beute von Krankheiten werden, denen die Besser⸗
entwickelten mühelos widerstehen. Die Ent⸗ wickelung wird aber gehemmt, weil den Kindern unzureichende und ungeeignete Nahrung gereicht wird, weil zur passenden das Geld nicht reicht.
Und diese Unterernährung ist die Ur⸗ sache der ungeheuren Sterblichkeit der Kinder der besitzlosen Bevölkerung.
Vollkommen richtig ist es, wenn der Ver⸗ fasser des Buches sagt:
„Wenn unser Industriestaat der arbeitenden Be⸗ völkerung bessere Lebensverhältnisse gewährt, dann wird er unglaubliches Elend verhindern, staunenerregende Summen an Nationalvermögen ersparen und die Ursachen zahlloser Krankheiten aus der Welt schaffen.“
Thut aber der Staat das, versucht er das? Nein und abermals nein!
Was will die Flickerei der Arbeiterversicherung und des Arbeiterschutzes gegen die Thatsache besagen, daß die Reichsregierung eine erhebliche, teilweise geradezu eine riesige künstliche Verteuerung fast aller Lebensmittel, namentlich aber der wichtigsten, des Brotes und des Fleisches, im Entwurf des neuen Zolltarifs vorschlägt, daß Brot⸗ und Fleisch⸗ wucher, den schon jetzt die Junker unter dem Schutze des sogenannten„Schutz“ zolles treiben, noch verstärkt werden soll! In vielen Bezirken besteht die schlimmfste Unterernährung jahraus, jahrein! Soll sie noch weiter gesteigert werden? Das darf nicht sein! Mit aller Kraft muß das Volk gegen den geplanten Lebens⸗ mittelwucher protestieren! Nieder mit dem Brotwucher, nieder mit dem ganzen Zollwucher! muß der tägliche Schlachtruf der Proletarier sein, bis die Gefahr beseitigt ist. Und darüber hinaus muß für bessere Ar⸗ beitsbedingungen, muß für bessere Gesetze, muß für eine bessere Ordnung gekämpft werden, in der das Wort zur ganzen Wahrheit wird:
Es verhungert niemand!
Zur Eisenbahnreform.
Die sozialdemokratischen Abge⸗ ordneten der süddeutschen Landtage hielten am letzten Sonntag in Stuttgart im Gewerkschaftshaus eine Konferenz ab, an welcher 8 Mitglieder der bayerischen, 5 der württem⸗ bergischen, 4 der badischen und z der hessischen Fraktion theilnahmen. Den wichtigsten Gegen⸗ stand der Beratung bildeten die gegenwärtig schwebenden Fragen der Eisenbahnreform. Nach eingehender Erörterung stimmte die Konferenz folgenden Leitsätzen zu:
Das Eisenbahn⸗ und Trausportwesen ist von entscheidendem Einfluß auf den Stand von Produktion und Austausch und seine rationelle Gestaltung bildet eine der wichtigsten Aufgaben der Wirtschafts⸗ und Finanzpolitik der nächsten Zeit. Das Eisenbahnwesen darf nicht zum Mittel einer indirekten Besteuerung gemacht werden, sondern ist ausschließlich im Sinne der Förderung des Verkehrs und des Erwerbslebens zu leiten.
Die einheitliche Gestaltung des Eisenbahn⸗ wesens innerhalb des deutschen Wirtschafts⸗ gebietes wird durch die Entwicklung des Ver⸗ kehrs bedingt und muß das zu erstrebende Ziel bilden.
Diese Einheitlichkeit kann jedoch erst dann, von allseitigem Vorteil und annehmbar sein
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