Ausgabe 
15.9.1901
 
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Nr. 37.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

fluchte mörderlich, und zwang die weinende Marketenderin, mit ihrem Fuhrwerk vor der Fronte des ersten Treffens hinweg ihre Richtung gegen meinen Nußbaum zu nehmen.

Dies zufällige Manöver entschied den be⸗ trübten Ausgang der Schlacht, noch ehe sie angefangen hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Die Erziehung der Jugend im Interesse der Arbeiterklassr.

Sehr oft wird in unseren Gewerkschafts⸗ wie auch in unseren politischen Zeitungen über die Lauheit, die Gleichgültigkeit der Mitglieder geklagt und jeder in der Arbeiterbewegung thätige und erfahrene Kollege weiß, wie schwer es hält, diesen gleichgültigen Vereinsmitgliedern auch nur einiges Interesse für ihre eigene Sache, ihre Lebensfragen beizubringen. Gar mancher wirtschaftliche Kampf oder Streik zur Verbesse⸗ rung der Lebenshaltung würde weit günstiger verlaufen, wenn die Kämpfenden sämtlich oder doch zum größten Teil gut geschulte und über⸗ zeugungstreue Mitglieder ihrer Gewerkschaft wären, die fest und unerschütterlich im Kampfe aushalten und auch dann, wenn sie nicht siegen, den Mut nicht verlieren.

Da nun die Arbeiter, wie bei so vielen anderen Dingen, auch betreffs besserer Erziehung und Schulung ihrer Vereinsmitglieder auf die Selbsthilfe angewiesen sind, so möge es mir gestattet sein, meine Erfahrungen, meine An⸗ sichten über die so wichtige Frage:Wann eigentlich diese Erziehung zu thatkräftigen, auf⸗ geklärten Arbeitern beginnen soll, hier mitzu⸗ teilen. Ich muß gestehen, es hat mich in früheren Jahren auch oft gewundert, daß selbst bei wichtigen Verhandlungen unseres Vereins so wenig Mitglieder es für nötig fanden, durch ihre Anwesenheit ihre Interesse zu bekunden. Seitdem habe ich andere Auschauungen gewonnen, ich finde die Interesselosigkeit der Arbeiter er⸗ klärlicher, wenn auch nicht entschuldbarer.

Ausgehend von dem Grundsatze, daß nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist und eine gesunde Seele wohnen kann, komme ich sofort zu der Frage:Wieviel gesunde Menschen, beziehungsweise wieviel gesunde Kinder giebt es denn in der heutigen Zeit? Leider sehr wenige, es sind weit mehr Kinder, auch Erwachsene skrophulös und damit krankhaft veranlagt, als man für gewöhnlich anzunehmen geneigt ist. Die ärztliche Wissenschaft liefert uns den Beweis, daß nach Ausheilung mancher chronischer Leiden der Geheilte ein ganz anderer Mensch wird, namentlich bezüglich der Geistes⸗ und Seelenthätigkeiten. Eigenschaften wie Jäh⸗ zorn, Unverträglichkeit, Bosheit ꝛc. verschwinden oft mit der Krankheit, ebenso wird meistens das Temperament zum Vorteil geändert. Bei einem vollständig gesunden Menschen gehen alle Verrichtungen, auch jede Arbeit, mit Leichtigkeit ton statten, er hat keinerlei Schmerzen, keine Verdaunngsbeschwerden, Nervosität kennt er nicht und deshalb ist auch die Geistes⸗ und Seelenstimmung eine ganz andere als bei einem krankhaft veranlagten Menschen.

Aus dem eben Gesagten ist die Lehre zu ehen, daß die Eltern weit mehr als bisher auf das körperliche Befinden, auf den Ge⸗ sundheitszustand ihrer Kinder Obacht geben müssen, und wenn sich bei dem einen oder dem anderen Kinde Krankheitszeichen einstellen, so muß frühzeitig der Rat und die Hilfe des Arztes eingeholt werden, man bedenke, daß der Organismus eines Kindes viel leichter in Ord⸗ rung zu bringen ist als der eines Erwachsenen. Die Eltern mögen nie vergessen, daß ein ge⸗ sunder Körper die Vorbedingung ist für ein gesundes und kräftiges Geistes⸗ und Seelenleben, die Vorbedingung zur Erreichung von Willenskraft, Energie, Ausdauer, cher auch der Selbstbeherrschung.

Aufmerksame Eltern werden schon oft beob⸗ achtet haben, wie ihre Kinder bet ganz gleicher Jflege, bei gleicher Ernährungsweise doch ver⸗ shiedenartig gedeihen, geistig verschieden veran⸗ lugt sind. Während das eine Kind z. B. folg⸗ sem, freundlich, mitleidig verträglich ist, den

Eltern gerne eine Freude macht, ist ein anderes Kind ungebärdig, streitsüchtig, eigennützig, es gönnt seinen Geschwistern nichts, es ist boshaft und schadenfroh und alle Ermahnungen der Eltern, auch Züchtigungen helfen nur sehr wenig. Man wird mir ja nun entgegenhalten, daß diese verschiedenartige Veranlagung der Kinder zum Teil die Folge der vererbten Eigen⸗ schaften der Eltern, des weiteren die Folge der Erziehung sei. Ich gebe dies zu, aber ist denn damit eine genügende Erklärung über die Ent⸗ stehungsursachen der guten und auch der ver⸗ werflichen Eigenschaften des Menschen gegeben? Durchaus nicht, selbst die beste Erziehung, das beste Beispiel sind nicht im Stande, alle Kinder zu brauchbaren Menschen heranzuziehen, wenn nicht zugleich auch auf den Körperzustand die nötige Rücksicht genommen wird.

Ein großer Teil unserer Aerzte vertritt offen diese Ansicht; die Anstellung von Schul⸗ ärzten zur Ueberwachung des Gesundheitszu⸗ standes der Schulkinder ist eine unbedingte Notwendigkeit, damit der thatsächlichen Ueber⸗ bürdung der Schulkinder mit oft recht über⸗ flüssigen Aufgaben ein Ziel gesetzt wird, denn diese geistige Ueberanstrengung der Kinder er⸗ zeugt oft genug einen krankhaften Zustand des ganzen Körpers; Blutarmut, nervöses Wesen, unbeständiger Charakter sind die Folgen, die sich meistens fürs ganze Leben geltend machen. Es wird doch gewiß niemand im Ernst bestreiten wollen, daß eine tägliche Arbeitszeit der Volks⸗ schulkinder von sechs Stunden zu lang sei, da⸗ mit ist es aber noch nicht gethan, die Kinder bekommen noch so viel Aufgaben mit nach Hause, daß sie nochmals mindestens eine Stunde darauf verwenden müssen, um auch diese zu erledigen. Wenn für Erwachsene eine acht⸗ stündige Arbeitszeit genügend sein soll, wie kann man denn von Kindern sechs bis sieben Stunden anstrengende geistige Thätigkeit ver⸗ langen?

Daß es unseren Gegnern, dem Unternehmer⸗ tum, sehr lieb wäre, wenn sie es mit lauter energie- und willenlosen Arbeitern zu thun hätten, das wissen wir; die Arbeiterklasse be⸗ darf aber zur Ausführung ihrer Kämpfe, wie ich anführte, tüchtig geschulter Kräfte, um eine Verbesserung ihrer Lebenslage zu erringen. Sie hat leider bis jetzt noch keinen Einfluß auf die Zusammenstellung des Lehrplanes, des Lehrstoffes in den Volksschulen, desto mehr ist es aber Pflicht der Arbeiter, durch die Gesetz⸗ gebung, durch ihre Thätigkeit in den Ge⸗ meinde⸗ und Schulverwaltungen, dahin zu wirken, daß die Schule nicht zur Schädigerin der Gesundheit ihrer Kinder werde. Der Ein⸗ fluß der Volksschule auf unsere Jugend ist gar zu oft nicht von guten Folgen begleitet, weil so vieles, was in der Schule gelehrt wird, im Widerspruch mit der Wissenschaft steht und auch vor der historischen Geschichtsforschung nicht bestehen kann. Die Folgen dieser Lehren kom⸗ men erst nach der Schulentlassung zum Aus⸗ druck und zwar meistens so, daß die Entlassenen mit sich selber in geistige und seelische Wider⸗ sprüche geraten, weil sie gar bald einsehen müssen, daß es im wirklichen, im öffentlichen Leben denn doch ganz anders aussteht und zu⸗ geht, als es in der Volksschule gelehrt wurde. Diese jungen Menschen im Alter von 14 bis 15 Jahren stehen nach meinen Erfahrungen auf einem sehr schwierigen und gefahrvollen Wendepunkt ihres Lebens, die Lebensbahn führt auf gute und auf schlechte Wege und nunmehr kommt es ganz besonders darauf an, welcher Umgebung, welcher Gesellschaft diese jungen Leute anvertraut werden. Jetzt ist aber auch der Zeitpunkt gekommen, wo die erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen durch vernünftige Belehrung der mit ihnen in Gemeinschaft ar⸗ beitenden jungen Männer und jungen Mädchen deren ganzes Wesen vorteilhaft beeinflussen, ihr Geistes⸗ und Seelenleben so bilden können, daß es sich später zum Besten der Allgemeinheit bethätigen wird. Gutes Beispiel geben und Bethätigung echter Moral sind aber die Vor⸗ bedingungen zur Erziehung unseres Nachwuchses zu tüchtigen, entschlossenen, willensstarken Mit⸗ menschen. Wenn z. B. in einer Werkstatt während der Essenspausen nur davon gesprochen

wird, wie man sich gut amüsiert hat und wieder 15 amüsteren will, so werden sicher die Lehr⸗ inge, die diese Gespräche mit anhören, niemals gute, tüchtige Gewerkschaftsmitglieder werden, denn der Sinn, der Hang zum Schwärmerischen, zum frühzeitigen Lebensgenuß wird in ihnen großgezogen.

Die erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen werden also genötigt sein, ihre Worte wohl zu überlegen, ihr ganzes Wesen, ihre Handlungs⸗ weise gegenüber den Lehrlingen so einzurichten, daß der Geist dieser befähigt wird, das wirk⸗ liche Leben mit seinen Kämpfen und Leiden, aber auch seinen Freuden kennen zu lernen. Allmähliche Weckung des Solidari⸗ tätsgedankens, des Zusammengehö⸗ rigkeitsgefühls, des Zusammenschlusses der Arbeiterklasse zu gemeinsamem Handeln, all die Anregungen werden gute Früchte tragen und der junge Mann sowie das junge Mädchen wird mit der Zeit begreifen, daß es ein Leben ohne Kampf nicht giebt und die wahren Helfer in der Not wir selber sein müssen.

Somit ist zugleich der spätere Eintritt in die Gewerkschaft in den meisten Fällen gesichert, wir werden aber auch auf die von mir gekenn⸗ zeichnete Weise mit der Zeit mehr tüchtige Partei⸗ und Gewerkschaftsmitglieder erhalten als wir sie jetzt haben.

H. in demTabak⸗Arbeiter.

Ein FKresser.

Ungeheuerliche Mengen Speisen vertilgte der

kürzlich verstorbene ehemalige ungarische Minister Szilagy t. Man sagt, daß er im Durchschnitt täglich 30 Gulden verspeiste, denn er war im Stande, ein Menu von zehn Gängen zu sich zu nehmen, diese solide Unterlage mit ein, zwet Flaschen Champagner zu begießen und dann immer noch mächtige Portionen von Schinken und Aufgeschnittenem gleichsam zum Nachtisch aufzuessen. Der Schreiber dieser Zeilen, sagt dasBudapester Volksblatt, hatte vor ungefähr fünf Wochen Gelegenheit, Szilagyt auf der Margareteninsel speisen zu sehen. Das Menu begann mit drei Portionen Krebssuppe, einem Riesenfisch und einem mächtigen Stück Beef mit allerlet Gemüse und Zuthaten. Dann kamen eine Schüssel mit Bairisch Kraut, zwei Torten und eine förmliche Waggonladung Obst. Hterzu trank er zwei Glas Bier, eine Flasche Weißwein, eine Flasche Pommery und zum Kaffee zwei oder drei Gläschen Pfefferminz⸗ Uiqueur. Den Schluß macht eine gigantische Zigarre. Szilagyi saß lange bei Tisch und machte dann einen Verdauungsspaziergang. Mit Vorliebe speiste er im öffentlichen Restaurant des Nationalkasinos. Was gut und teuer war, ließ er sich auftragen, obwohl er eigentlich auf Fleischspeisen das Hauptgewicht legte. So ließ er einmal drei Rostbraten nacheinander bereiten und verspeiste dieselben mit viel Grazie und Zuthaten. Dann machte er mit seinem alten Freunde Dr. Neuhoffer einen Spaziergang längs der Donau und wendete sich mit einem Male an denselben:Höre, Alter, ich verspüre einigen Appetit. Ich möchte noch was essen. Das war gegen Mitternacht, darum bemerkte Neu⸗ hoffer, daß jedes Restaurant schon geschlossen wäre. Szilagyi besann sich da, daß in der Kecskemetergasse ein gutes bürgerliches Restau⸗ rant bis Mitternacht geöffnet zu sein pflegte. Sie begaben sich also dorthin, da aber nichts Warmes mehr vorhanden war, nahm Szilagyi mitetwas Schinken und Salami vorlieb. Er zahlte für die Kleinigkeit sechs Gulden das entspricht fünfzehn Portionen Schinken.

Lesefrüchte.

Wer zu den wahrhaft Bevorzugten gehört, erhält seine Präpotenz über die Menge nur dadurch, daß er dieser Menge gegenüber eine noch größere Menge vertritt: die Menschheit.

Mb. Hamerling.

*

Wir müssen den Mut haben, alles in Frage zu stellen, an allem zu zweifeln, wenn wir zur Gewißheit der Wahrheit kommen wollen.

Milton.