Ausgabe 
15.9.1901
 
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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 37. 7 1

Turnerlied.

Turner auf zum Streite[Wie zum Turnerspiele

Tretet in die Bahn! Kraft und Mut geleite

Uns zum Sieg hinan; Ja zu hehrem Siel Führet unser Spiel.

Sieh'n wir in die Welt; Der gelangt zum Siele,

Der sich tapfer hält. Männern, stark und wahr, Strahlt der Himmel klar.

Nicht in fremden Waffen Auf denn, Turner, ringet, Schaffen wir uns Schutz; Prüft der Sehnen Kraft! Was uns anerschaffen[Doch zuvor umschlinget Ist uns Schutz und Trutz. Euch aus Brüderschaft. Bleibt Natur uns treu,[Großes Werk gedeiht Stehn wir stark und frei.[ Nur durch Einigkeit.

Kriegerische Abenteuer eines Kriedfertigen. Erzählung von Hein rich Zschokke.

4(Fortsetzung) Ein siegreiches Treffen.

In der That, sagte der Lieutenant zum Kaiser Chaumigrem und mir, als wir am e Abend nach dem Abmarsch von der Berliner Landstraße unser Hauptquartier in einem elenden Dorfe genommen und die Posten ringsum aufgestellt hatten:in der That operiere ich dem Kaiser Napoleon schon im Rücken.

Er lächelte dabet mit wohlgefälliger Miene, die zu verstehen gab, er denke sich noch weit mehr dazu, als er sage.

Mag sein, sagte Chaumigrem:wenn er uns morgen nur nicht auf unserm Rücken operiert! Es überlief mich eiskalt, denn ich dachte ganz natürlich auch an den lieben meinigen.

Chaumigrems barbarischer Einfall gab uns Stoff zum Nachdenken. Wir schwiegen alle drei still. Plötzlich fuhren wir von unsern Sitzen auf, und standen steif und gerade, wie die Kerzen denn im Dorfe fiel ein Gewehr⸗ schrie um den andern, und unsere Soldaten chrieen draußen:Franzosen! Feinde! Alles heraus!

Die Trommel wirbelte; die vier Trompeten schmetterten um die Wette. Chaumigrem war totenblaß. Ich, um mein höllisches Entsetzen zu verbergen, wütete in der Wirtsstube herum und rief:Halloh! drauf los! brave Preußen, drauf los! und suchte die Thür war aber, der Himmel weiß es, wie mit Blindheit geschlagen. Ich fand keine Thür; ich sprengte in der Angst der alten Wirtin die Schränke auf, und rief dabei mit immer höher steigender Stimme:Preußen heraus! brave Preußen, verlaßt mich nicht! Die Wirtin lamentierte kläglich; die Kinder schrieen Zeter; Hund und Katzen sprangen flüchtend über Tisch und Stühle bis zum heißen Kachelofen hinauf.

Die Verwirrung, dies Geschrei um mich her, vermehrte mein Grausen, denn ich glaubte nicht anders, als die Franzosen seien schon im Zimmer und spießten unbarmherziger Weise die Kinder. Wenn sich der Himmel nur dies einzige Mal meiner erbarmt, dachte ich, so will ich in meinem Leben nie wieder Generaladju tant sein.

Mein Toben und Lärmen, welches Karl der Große und sein versteinerter Chaumigrem, zum Glück für mich, ganz anders und sehr ehrenvoll für mich auslegten, flößte anch ihnen neuen Mut ein. Sie zogen die Degen, gingen zu den vor dem Hause versammelten Truppen hinaus, und ich folgte ihnen. Ach wie wohl that mir's, da ich draußen in der Dunkel⸗ heit stand! nun sah mich niemand. Ich konnte jetzt, wenn die Not am größten werden sollte, ungestört einen Moreau'schen oder Kenophontischen Rückzug machen. Ich bin nicht furchtsam, aber diesmal hatte mich doch ein

panischer Schrecken unterjocht. Ohnehin bin ich von Natur des Abends etwas ängstlicher, als am Tage.

Adjutant vor, mit zwanzig Mann sogleich zum Kirchhof; dort ist unser Posten angegriffen! Wenn's nötig ist, schicken Sie her; und wir rücken mit Sukkurs nach. Bis jetzt ist's nur Postengefecht. So befahl mir der Lieutenant; zwanzig Mann setzten sich gegen den aus der grauen Dämmerung hervorschwebenden Kirchturm in Bewegung, und ich unglückseliger Magister bonarum artium mußte mit dem bloßen Degen voran.

Plagt denn diesen Lieutenant da der Teufel? dachte sch: weiß er denn nicht mehr, daß ich zu Berlin im Dachstübchen wohnte?

Allein es war genug, mir Mut zuzutrauen, und das Ehrgefühl gab mir ihn. Als wir den Kirchhof erreicht hatten, ward mir's plötzlich schwarz vor den Augen, denn wir rückten geradezu gegen eine alte Mauer, auf welcher dürres Gesträuch wehete. Ich aber hielt die Mauern für französische Truppen, die Strauchäste für Bajonette, sprang auf die Seite, und schrie mit Grausen, als sähe ich Gespenster:Feuer! gebt Feuer!

Erst beim Pulverblitz erkannten wir, daß wir einer ehrwürdigen Mauer das Treffen lieferten.

Pardon! Pardon! riefen aber im gleichen Moment mehrere Stimmen. Und sieben Mann leichter französischer Infanterie krochen unter der Mauer, wo sie sich verborgen hatten, hervor, und streckten vor dem Magister bonarum artium das Gewehr. Hätten die Narren geschwiegen, wir würden sie nicht bemerkt haben.

Die Gefangenen wurden entwaffnet, gezählt, und ins Hauptquartier gebracht. Daß ich mit einigem Stolz vor Karl dem Großen beim Schimmer der Stalllaternen, Lampen und Kienspäne aufzog, läßt sich denken. Er umarmte mich vor der ganzen Armee, und sagte:Herr Adjutant, Ihr Mut, Ihre Klugheit macht Ihnen Ehre. Ich werde Ihr Betragen bei dieser Affatre Sr. Majestät dem König aufs vor⸗ teilhafteste darzustellen wissen.

Von unsern Gefangenen erfuhren wir nun, was ich aber auch schon auf dem Kirchhof wußte, daß eine Compagnie französischer leichter Infanterie bestimmt war, in das abgelegene Dorf einquartiert zu werden; daß sie sich jedoch auf der Stelle nach einigem Geplänkel zurück⸗ gezogen habe, da sie überrascht war, Preußen zu finden, und(wie die Feinde glaubten) in so großer Anzahl(vermutlich wegen der Menge unserer ausgestellten Wachen, und des Lärmens unserer Trommeln und vier braven Trompeter). Die sieben Gefangenen hatten sich zufällig zu weit vorgewagt.

Ich ließ vor Freuden meine Weltüberwinder aufs beste bewirten, mit allem, was man hatte. Die Kerls freuten sich dankbar meines Schutzes, und es war mir dabei zu Mut, als müßte ich mich um den ihrigen bewerben. Denn als ich sie fragte, ob viel Franzosen in der Gegend herum wären? vernahm ich mit Schaudern, es sei ein ganzes Armeecorps unter Marschall Davoust von Sachsen aus im Zuge nach Berlin.

Ichübersetzte diese Aussage meinen anwesenden Generalen.

Karl der Große, entzückt über den Erstlings⸗ sieg seines Heeres, rieb sich beständig die Hände, und sagte:Wetter! also operiere ich doch wirklich der französischen Armee im Rücken!

Chaumigrem hingegen ward wieder bleich, und seine Augen wurden stier und kalt, wie Glasaugen.

Zweites Treffen und dessen Folgen.

Was mich bei meiner denkwürdigen Waffen⸗ that am meisten erquickte, war die Ueberzeugung, daß durch dieselbe keiner meiner Nächsten das Leben, nicht einmal einen Tropfen Bluts ver⸗ loren hatte. Freilich war dies nicht mein Verdienst. Das Verdienst aber der Feldherren in den Schlachten, wie in kleinen Treffen, scheint mir überhaupt zweideutig zu sein. Gering⸗ scheinende, oft 10 übersehene Ereignisse, der glückliche Einfall eines Korporals, das Bonmot

eines Trommelschlägers, die zufällige Stimmung des gemeinen Mannes, wirkt gewiß oft mehr, als das Genie des Befehlshabers im großen Getümmel zum guten Ausgang. Ueberhaupft sind die Regimenter, Bataillons und Compagnien

auf dem Schlachtfelde bei weitem nicht so ganz

Maschine, wie man gewöhnlich zu glauben be⸗ Ich wünschte die Schlachten bei Mara.

liebt. ton, Pharsalia, Marengo und Jena einmal 1 0 12 55 Allwissenden psychologisch beschrieben zu lesen.

Als der Morgen graute, standen wir schon zum Aufbruch fertig. Es war sehr kalt; aber unser Imperator meinte, wir würden einen heißen Tag erleben. Die Bauern erzählten, daß ringsum alle Dörfer von feindlichen Truppen wimmelten. Im Kriegsrat war beschlossen, auf Holzwegen durch die Wälder zu defilieren. An Wegweisern fehlte es uns nicht.

Kaum aber hatten wir das Dorf verlassen, so sahen wir vor uns in der Ebene von ver⸗ schiedenen Seiten her französische Truppen in schnurgerader Richtung gegen uns anrücken, selbst vom Walde, der uns aufnehmen sollte.

Der Lieutenant⸗General ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Mit stoischer Ruhe stellte er sein Heer in Schlachtordnung. Der linke Flügel lehnte sich an eine Pfütze, der rechte an einen alten Nußbaum.

Kameraden, sprach er,vergeßt heute nicht, daß ihr Preußen seid. Wir haben keine Fahne, aber seht auf den weißen Federbusch meines Hutes, er wird euch überall auf dem Weg des Ruhms vorschweben.

Dieser Gedanke mahnte mich an Heinrich VI., der einmal unter minder mißlichen Umständen ein Aehnliches sagte. 5

Können wir gegen die Uebermacht nicht, stegen, so können wir Preußen doch auch nie besiegt werden! fuhr er fort:Das Schlimmste, was uns begegnen kann, ist, daß wir heute mit Zieten, Schwerin, Winterfeld und Friedrich dem Großen zu Nacht essen, statt in einem elenden märkischen Dorf.

Kräftiger hätte Leonidas nicht zu seinen dem Tode fürs Vaterland geweihten Spartanern bei den Thermopylen gesprochen, als hier mein Karl der Große, welcher den lacedämonischen König, vielleicht ohne es zu wissen, sehr glücklich parodierte.

Unsere Truppen schienen inzwischen den irdischen Speck, die Klöße und Rüben der Mark den Gastmählern im Elystum bescheiden vorzu⸗ ziehen. Ach, eine Brotrinde aus Friederikens Hand wäre mir auch köstlicher gewesen, als Ambrosia in Gesellschaft aller Helden der Vor⸗ welt.

Es war ein schauerliches a die einzelnen französischen Kolonnen langsam über die Stoppelfelder heranrücken zu sehen. Von Zeit zu Zeit hörte man das Getöse ihrer Trommeln von fern.

Ich saß sehr verlegen auf meinem Rosse unweit des Nußbaums, am rechten Flügel der Armee; alle Glieder bebten mir vor Frost. Dem guten Chaumigrem, der auf dem linken Flügel an der Pfütze, oder einem Weiher postiert war, wo seine vier Trompeter einen wahren Teufelslärm machten, mag auch nicht viel wärmer gewesen sein.

Zum letztenmale vor Eröffnung des Blut⸗ bades kam Karl der Große zu mir hergesprengt. Herr General-Adjutant, heute ist der 1 wo sich Ihr Genie auszeichnen wird! sagte er:Aber ich bitte Sie um Gottes willen, überlassen Sie sich nicht dem Ungestüm Ihres Mutes allzusehr. Bleiben Sie immer besonnen. Falle ich im Treffen, so übernehmen Sie das Kommando. Der Feind ist zu stark. Werden wir geworfen, so ziehen wir ins Dorf hinter uns, und dem Nicht uns bis auf den letzten Mann auf dem Kirchhof.

Damit sprengte er davon und ütkerließ mich Unglückseligen dem Ungestüm meines Mutes.

Die Königin Elisabeth hatte unterdessen mit ihrem Wagen eine kühne Bewegung um die Pfütze gemacht, vermutlich einen dortigen Feldweg zu erreichen. Dies hinderte aber

wahrscheinlich den grausamen Chaumigrem an allfaͤlligen Kavallerie⸗Evolutionen;

denn er

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