Ausgabe 
15.9.1901
 
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Nr. 37.

Gießen, Sonntag, den 15. September 1901.

8. Jahrg

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

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Mitteldeutsche

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Nedaktionsschluß a Donnerstag Nachmittag 4 Uhr

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Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche

Parteigenossen!

Unterschreibt die Petition gegen den Brotwucher!

Wieder ein Attentat.

Vorigen Freitag trug der Telegraph die unde von einer wahnwitzigen That in alle ihm zugänglichen Erdenwinkel. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Mac Kinley war bei einem Empfange, den er in kinem Pavillon der Ausstellung zu Buffalo abhielt, von einem Fremden durch zwei Revolver⸗ schüsse lebensgefährlich verletzt worden. Sofort nachdem die Schüsse gefallen waren, stürzten sich Polizisten auf den Mörder, entrissen ihm bee 1 n und fesselten ihn. Die Menge ver⸗ suchte ihn zu lynchen, die Polizei schützte ihn sedoch, konnte aber nicht verhüten, daß er halb lot geschlagen wurde. Aerzte stellten fest, daß der Präsident von beiden Kugeln getroffen war. Während aber die eine von Mac Kinley selbst utferut werden konnte und nur eine leichtere Verletzung herbeigeführt hatte, war die zweite i den Unterleib gedrungen, hatte beide Magen⸗ wände durchschlagen und so eine lebensgefähr⸗ liche Verwundung hervorgebracht. Doch geben die behandelnden Aerzte der Hoffnung Ausdruck, daß der Prästident wieder genesen werde. Man hatte nach genauer Untersuchung die durch⸗ schossenen Magenwände zugenäht und die Ope⸗ lation ist glücklich verlaufen. Trotzdem der Patient sich verhältnismäßig wohl befindet, warnen die Aerzte davor, ihn als völlig außer Gefahr anzusehen, erst in einer Woche sei voll⸗ ständige Genesung er Verhe Der Attentäter fannte sich bei seiner Verhaftung Niemann, heißt aber in Wirklichkeit Czolgosz, ist in Detroit geboren und soll deutsch⸗polnischer Ab⸗ lunft sein. Bei der Vernehmung habe er sich als Anarchist bezeichnet und erklärt, er set zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Regie⸗ jung der Vereinigten Staaten durch und durch 1 0. sei, und er habe gedacht, der beste Weg, es zu ändern, sei, den Präsidenten zu töten. Die frühere Meldung, daß der Attentäter geistes⸗ hank sei, wurde als unrichtig bezeichnet. Wenn i sich aber in obigem Sinne geäußert hat, bun ist an seiner Verrücktheit nicht zu zweifeln. denn wer da glaubt, durch Beseitigung eines Menschen die Verhältnisse zu ändern, mit hissen geistigen Kräften sieht es äußerst bedenk⸗ lich aus. Ganz richtig sagt derVorwärts hu rüber: f

Die Vereinigten Staaten galten einst 3 des belobte Land der Arbeitskraft. tber ist das duft Gemeinwesen das kl bend der kapftalistischen Gelddemok worden. Gewaltig ist die Reichtun seut⸗ Uckelung der Vereintgten Staaten. Doch es der Reichtum der Millionäre und Milliardäre. De arbeitenden Klassen sind ihres Anteils an br Reichtumsentwicklung enterbt und müssen aum mächtigen und brutalen Uuternehmerorga⸗ sationen in schwerem Ringen die geringste hebung ihrer Lebenshaltung erzwingen. Und bele Millionen leben in furchtbarster Not, ver⸗

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Bei mindestens

gehen in Hunger und Elend. Gerade unter der Präsidentschaft Me Kinleys ist in den Ver⸗ einigten Staaten die Politik der Berei⸗ cherung der Reichen auf jede Art vollends herrschend geworden. Durch tolle Hochschutz⸗ zöllnerei wurde der Konsum der Massen beschwert und wurden jene Unternehmertrusts gezüchtet, die gleich Riesenpolypen sich über das Land ausrecken, und seine Bevölkerung aussaugen. Und zur wirtschaftlichen Gewaltpolitik wurde die Gewaltpolitik des Imperialismus gefügt, die ferne Inseln annektirt, um aus ihrer Be⸗ völkerung Profite zu pressen. Gewaltpolitik nach innen und Gewaltpolitik nach außen! Diese kapitalistische Raub⸗ und Ge⸗ waltpolitik ist anzuklagen, wenn alle diejenigen ezeichnet werden sollen, die verantwortlich sind für eine Unthat, wie sie jetzt wieder geschah. Die Gewalt, die aus der Ttefe sich emporreckt und die Mächtigsten bedroht, sie ist die Ant⸗ wort auf die Gewalt, welche die Massen dem een. und der geistigen Verkommniß über⸗ tefert.

Wenn es richtig ist, daß der Thäter sich als Anarchist bekannte und erklärt hat, er habe nur seine Pflicht gethan, so stehen wir vor einer Unthat, die nur übertroffen wird durch ihre Sinnlosigkeit. Nur ein völlig Unzurechnungsfähiger kann dem Wahn verfallen, daß der Tod des Präsidenten Me Kinley irgendwelche Wendungen in der politischen und sozialen Entwicklung des amerikanischen Staatswesens herbeiführen könnte.

Natürlich giebt das Attentat in Buffalo der reaktionären Kapitaltistenpresse in allen Ländern willkommene Veranlassung, ge⸗ setzgeberische Maßnahmen gegen die Anarchisten zu fordern. Am lautesten ertönt, wie immer, das Wut⸗ und Rachegeheul in den deutschenOrd⸗ nungsblättern, denen es weniger auf die Bekämpf⸗ ung des ihnen geistig verwandten Anarchismus an⸗ kommt, als vielmehr auf Unterdrückung der vorwärtsstrebenden Arbeiterklasse. Kaum war die erste Nachricht über das Attentat herüber gelangt, so stand es für einen Teil der Rep⸗ tilien⸗ und Sensattonspresse schon fest, daß der Mörder einAnarchist set und im Auftrage einerVerschwörung gehandelt habe. Das geht immer nach dem Ben Schema.

Mit fast denselben Worten wie bei früheren ähnlichen Vorkommnissen werden Unterdrückungs⸗ und Gewaltmaßregeln gegen die Sozialdemo⸗ kratie und damit gegen die organisierte Arbeiter⸗ schaft empfohlen. Darin zeichnen sich das Organ der Kraut⸗ und der Schlotjunker, dieKreuzztg. und diePost, besonders aus. Zwar haben die Vorfahren der Gesellschaftskreise, die in der Kreuzztg. ihr Organ erblicken, niemals an einen Königs⸗ oder Fürstenmord Anstoß ge⸗ nommen, wenn er ihren Zwecken diente; wir

haben auch nicht gehört, daß das Junkerorgan gegen Leute wie Stietencron, Brüsewitz und die Duellmörder gesetzgeberische Maßregeln ver⸗

langt hätte. Und deren Mordthaten sind kaum anders zu bewerten, als die der Bresci, Czol⸗ gosz ꝛc. Im Uebrigen gab sich ja die preußische Polizei in früheren Jahren redliche Mühe, den Anarchismus großzupäppeln. a Ehe es Anarchisten gab, sind mehrere Prä⸗ sidenten Amerikas durch Mörderhand gefallen.

Prästdent Lincoln fiel der Kugel eines poli⸗ tischen Fanatikers, der nicht Anarchist war, zum

Opfer Garfield wurde von einem unzu⸗ friedenen Stellenjäger ermordet. Aehnliche

Motive können auch jetzt wieder vorliegen. Unsere Stellung zur That wird nicht beruͤhrt durch den Umstand, ob Czolgosz Anarchist oder Irrsinniger, oder beides zusammen oder ob er ein gemeiner Mörder ist. Wir verurteilen die Tötung eines Menschen prinzipiell, wir verwerfen ferner den Meuchelmord als politisches Mittel ganz entschieden. Das ergiebt sich schon aus unserer ganzen Weltanschauung, aus unserer Erkenntnis, daß die gesellschaftlichen Zustände und die politischen Geschehnisse nicht das Werk einzelner, an hervorragender Stelle stehender Menschen sind, sondern im letzten Grunde das streng gesetzmäßige Ergebnis des Wirkens der ökonomischen Kräfte und Verhält⸗ nisse. Und deshalb erscheint es uns als Wahn⸗ sinn, durch die Vernichtung einer einzigen Person, die nichts weiter als Werkzeug dieser Entwicke⸗ lung ist, die Gesellschaft umgestalten zu wollen. Wir hoffen und wünschen, daß Mac. Kinley wieder genesen möge. Aber auf alle Fälle wird die Sozialdemokratie ruhig Blut bewahren.

Zum Kampfe gegen den Brotwucher.

Evangelische Arbeiter gegen den Zolltarif. Wir haben schon mehrfach Pro⸗ testerklärungen katholischer Arbeiterversammlun⸗ gen gegen die Zollerhöhung erwähnt. Aber auch die evangelischen Arbeitervereine lassen sich nicht ohne Weiteres vor den Wagen der Junker spannen. So nahm eine am Samstag in Eisenach stattgefundene Versammlung evan⸗ gelischer Arbeiter nach einem Vortrage über den Zolltarif folgende Resolution an: Die heute Abend durch den evangelischen Arbeiter⸗ verein einberufene öffentliche Versamm⸗ lung protestiert energisch gegen jede Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel und ersucht im Interesse der überwiegenden Mehrheit des deut⸗ schen Volkes um Fortführung der bewährten Caprivi'schen Handelsvertragspolitik. Diese Resolution soll dem Bundesrat, Reichstag, Reichskanzler und der weimarischen Regierung übermittelt werden. 4

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Sieben Protestversammlungen gegen den Lebensmittelwucher fanden am Dienstag Abend in Frankfurt statt. Als Referenten traten auf die Gen. Abg. Cramer⸗ Darmstadt, Dr. David, Hoch-Hanau, Schmidt- Frankfurt, Stadtverordneter Dr. Quarck, Brühne und Göller. Alle Ver⸗ sammlungen waren stark besucht; im Ganzen wurden nach derVolksstimme über 4000 Teilnehmer, darunter 200 Frauen gezählt. Das ist ein bedeutender Erfolg, er übertrifft selbst die Sturmbewegung gegen die Zuchthaus vorlage.

olitische Rundschan.

Gießen, den 12. September.

Johannes v. Miquel

ber⸗Bürgermeister von Frankfurt, ist in der