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Nr. 15.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
nicht wehren, und wenn die Kaufleute vorüber kamen und nicht bezahlten, wurden sie wie früher geplündert und totgeschlagen. Sie mußten also, wollten sie Ruhe haben, die Ritter auch bezahlen. Unsere gnädigsten Landesherren erfuhren dies und dachten bei sich: Unsere Kaufleute geben für jede Ladung Ware den Rittern hundert Goldgulden und uns hundert Goldgulden; wäre es nicht klüger, sie gäben uns zweihundert Goldgulden nnd den Rittern gar nichts? Sic ließen also die Kaufleute rusen und sagten ihnen: Ihr gebt uns künftig zweihundert Goldgulden für jede Fuhre und den Rittern gar nichts; und diesen wollen wir schon das Handwerk legen. Auch hielten sie Wort, zer⸗ störten alle Raubburgen, nahmen die Ritter gefangen und führten sie an ihren Hof, wo sie durch gutes Futter bald zahm gemacht wurden. Deu Kaufleuten aber gaben sie das Geleit, so oft sie auf die Messe zogen. Als es nun keine Räubereien mehr gab, und die Kaufleute keine Furcht mehr hatten, gingen sie zu ihren Landes⸗ herren und sagten ihnen: Wir danken unter⸗ thänigst für den bis jetzt geleisteten Schutz; aber wir brauchen ihn nicht mehr, denn die Straßen sind sicher. Die Fürsten erwiderten darauf: Es freut uns, daß Ihr uns nicht nehr braucht; wir brauchen aber Euer Geld, und den Geleit müßt Ihr bezahlen nach wie vor, und das ist jetzt altes Herkommen. Nach einiger Zeit bedachten die Fürsten: Ist es nicht ganz überflüssig, daß wir den Kaufleuten Husaren zur Begleitung mitgeben, da doch die Wege sicher sind? Die Kosten des Geleits können wir ja sparen. Sie hoben also das Geleit auf, und ließen sich statt Geleitgeld Zoll be⸗ zahlen. An allen Ein⸗ und Ausgängen des Landes wurden Zoll häuser errichtet, und so oft da Waren vorüberkamen, mußten sie den alten Raub und das alte Geleit abkaufen, welche Abgabe man Zoll nannte. Beklagte sich nun ein benachbarter Fürst, daß man seine Unterthanen drücke, antwortete der diesseitige: Herr Bruder, macht es mit meinen Unterthanen, wie ich es mit den Eurigen mache; laßt Euch auch Mauth von ihnen bezahlen; Schafe wollen geschoren sein, sonst gedeihen sie nicht.
Jetzt werdet Ihr deutlich einsehen, daß Ihr Ochsen seid, wenn Ihr Euch über die Mauth beklagt. Habt Ihr es nicht ehemals noch viel schlimmer gehabt? Sonst wurdet Ihr beraubt und gemißhandelt; jetzt werden Enre Kisten mit Ordnung geöffnet, man nimmt Euch mit Höflichkeit Euer Geld ab, und Ihr bekommt keine Schläge mehr. Zwar werdet Ihr noch jetzt, wie zu den Zeiten der Raubritter, totge⸗ macht, wenn Ihr die Mauth nicht bezahlen wollt und Euch zur Wehr setzt; Ihr werdet aber nicht mehr wie damals totgehauen, welches grob war, sondern totgeschossen, welches viel höflicher ist und gar nicht wehe thut; und da Ihr auf Befehl Eures gnädigen Landesherrn totgeschossen werdet, und da ist es noch eine Ehre für Euch. Wenn Ihr aber fragt: Warum nimmt unser gnädigster Landesherr, der doch so reich ist, uns armen Teufeln ihre par Pfennige weg; warum müssen wir das Pfund Zucker mit dreißig Kreuzer bezahlen, das uns noch vor acht Tagen nur achtzehn gekostet? so zeigt Ihr wieder, daß Ihr Ochsenköpfe seid. Behält denn unser gnädigster Landesvater Euer Geld für sich? Ei bewahre! Das braucht er nicht, er hat mehr als genug. Aber mit Eurem Gelde ernährt er die Nachkommen jener Raubritter, die wie ihre Vorfahren, nicht arbeiten und nichts erwerben, als Müssiggänger an seinem Hofe leben, und für die Ihr, da sie Euch nicht mehr berauben dürfen, wie billig, sorgen müßt. Und nicht blos für diese Räuber⸗ brut braucht unser gnädigster Landesfürst Euer Geld, sondern auch seine vielen Soldaten zu bezahlen. Und jetzt seid mir keine Esel und fragt: Wozu braucht er so viele Soldaten? Das habt Ihr ja am Freitag selbst gesehen, wozu er sie braucht! Hätte er keine Soldaten ehabt, hätte er ja mit Euch nicht fertig werden 113525 als Ihr die Mauth gestürmt. Nun sagt Ihr aber vielleicht: Aber wäre keine Mauth da, wären wir ruhig geblieben; sind wir ruhig, braucht man keine Soldaten; hat man keine
Soldaten, braucht man unser Geld nicht; braucht man unser Geld nicht, ist die Mauth unnötig. In dem, was Ihr da sagt, ist etwas Verstand, und ich sehe, Ihr seid gar nicht so dumm, wie Ihr aussehet. Aber, liebe Kinder, Ihr müßt noch etwas bedenken. Unser gnädigster Landesvater braucht nicht blos seine Soldaten gegen Euch, seine Kinder, sondern er braucht sie auch gegen Fremde, gegen den äußeren Feind. Fragt Ihr nun: Wer ist sein Feind, wer will ihm etwas zu Leide thun? muß ich Euch auf⸗ richtig antworten: es denkt keiner daran. Aber unser gnädigster Landesherr hat eine große Familie, für die er auch sorgen muß. Alle Kaiser, Könige, Großherzoge, Herzoge und Fürsten sind seine Verwandten, denen er in der Not beisteht; das ist Christenpflicht. Macht Ihr es nicht auch so? Der Kaiser von Rußland ist sein Bruder, der Kaiser von Oesterreich ist auch sein Bruder, der König von Preußen ist sein Schwager. Nun sehet: der Kaiser Niklas will Polen haben, der Kaiser Franz will Italien haben, der König Friedrich Wilhelm weiß selbst nicht, was er haben will; denn er will Alles haben. Run ist aber das mächtige Frankreich drüben; dort ist der König nicht Herr über alles, er ist nicht mehr als jeder andere, er ist nur der erste Bauer im Lande. Das Volk ist dort alles und für das Volk geschieht alles. Nun sagen die Franzosen: alle Völker sind mit uns verwandt, wir sind alle von einer Familie. Die Polen sind unsere Brüder, die Italiener sind unser Vettern, die Deutschen sind unsere guten Nachbarn. Und wir wollen nicht leiden, daß ihnen jemand etwas zu leide thue, sondern ihnen helfen. Darum leiht unser gnädigster Landesfürst den Kaiser und Königen seine Soldaten, damit sie mit den Franzosen fertig werden, und darum müßt Ihr Mauth bezahlen. Und die Soldaten, die man gegen die Franzosen schickt, das sind Euere eigenen Söhne und Brüder, und damit sie gern marschieren— denn wer könnte sie zwingen, wenn sie nicht wollten— lügt man ihnen vor, die Franzosen wären Feinde der Deutschen und wollten unser Land erobern. Glaubt es nicht. Die Franzosen sind Euere besten Freunde, und wenn sie kommen, kommen sie blos, den Polen und Euch beizu⸗ stehen, und Ihr müßt sie mit Jubel empfangen und gleich in die Schenke führen. Aber schließt Eure Mädchen ein, bis sie wieder fort sind.
Jetzt habe ich Euch erklärt, was die Mauth ist: nun geht und bessert Euch. Wie wollt Ihr es denn vor Gott und Eurem Gewissen ver⸗ antworten, wenn Ihr widerspenstig seid gegen Enren gnädigen Landesherrn, und ihn zwingt, Soldaten gegen Euch zu schicken, die ja alle Euere Brüder und Söhne sind, und die, wenn sie Euch erschießen, Vater⸗ und Brudermörder werden? Gehet und bezahlet die Mauth. Und wollt Ihr ja einmal wiederkommen und die Mauth zerstören, so seid keine Ochsen, und bleibt weit von den Soldaten stehen, was ihnen Herz macht, auf Euch zu schießen, sondern geht ihnen ganz nahe auf den Leib, damit sie Euch erkennen. Bringt Euere Töchter mit. Die Lise dort wird unter den Jägern gewiß mehr als einen Schatz finden— brauchst nicht rot zu werden, Lise, wir waren alle einmal jung — und wenn sie nun zu ihnen tritt und sagt: „Aber Peter, aber Hans, seid Ihr denn stock— blind? Seht Ihr denn nicht, daß ich es bin? Haben wir denn nicht auf der vorigen Kirch— weih miteinander getanzt? Peter, da ist ja mein Vater, der Dir manchen Apfel von seinem Baume geholt. Hans, da ist ja mein Bruder, dem Du erst neulich den Bierkrug an den Kopf geworfen. Lieber Peter, kennst Du Deine Lise nicht mehr? Willst Du um ein Stück Kommis⸗ brot ein Mörder werden? Bist Du nicht selbst ein Bauernkind? Was gehen Dich die Fürsten, was geht Dich die Mauth an? Komm zu uns, lieber Hans! Du sagst nichts? Nun, da steh' ich, schieß mich armes Mädchen tot, wenn Du das Herz hast.“ Aber ich sage Euch, meine geliebten Kinder, Hans und Peter werden nicht das Herz haben zu schießen, sondern das Gewehr wird ihnen aus der Hand fallen und sie werden anfangen zu weinen. Und alle ihre Kameraden werden das Gewehr wegwerfen, Euch in die
Arme stürzen und heiße Thränen vergießen,
daß ste so gottlos verblendet gewesen. Dann
braucht Ihr keine Mauth mehr zu be⸗
zahlen. Jetzt geht nach Hause und bessert
21 7 Wer mich nicht verstanden, ist ein Esel. men!
Aus dem Wahlkreis Marburg.
Bei frommen Unternehmern. Zu der Notiz, die wir in Nr. 8 unter dieser Stich⸗ marke veröffentlichten, brachte die Kasseler „Volkswacht“, die jene Notiz abdruckte, folgende Richtigstellung, die wir uns verpflichtet halten hier wiederzugeben:
„Der Geschäftsführer des Kasseler Verlags⸗ hauses der deutschen Baptisten, Herr Karl Bickel, teilt uns mit, daß der Schriftsetzer H. nicht, wie angegeben, zwei Jahre, sondern nur 14 Monate in der betreffenden Druckerei arbeitete, während dieser Zeit zweimal gekündigt war und nur auf dringende Bitten seiner Frau weiter beschäftigt wurde. Als dies infolge seines unglücklichen Hanges zum Alkohol und der damit verbundenen Begleiterscheinungen aber nicht weiter angängig war, wurde ihm die Stelle definitiv gekündigt und unter Gewährung einer weit längeren Frist zur Beschaffung einer anderweitigen Stellung, als dies gesetzlich er⸗ forderlich ist. A des Vorschusses und Ablegens war die Geschäftsleitung im Rechte. Nach Lage der Sache muß allerdings der ab⸗ gedruckte Brief des Faktors der Baptistendruckerei als höchst überflüssig betrachtet werden. Daß damit dem Geschäft mehr Schaden als Nutzen zugefügt wurde, zeigt seine in diesem Falle un⸗ zeitgemäße Fruktifizierung. Daß in anderen Fällen berechtigte Beschwerden der Arbeiter über die Geschäftsleitung der genannten Anstalt bisher nicht laut geworden sind, können wir aus eigener Initiative konstatieren.“
Lesefrüchte.
Als bei den römischen Cäsaren die Müdig⸗ keit und der Verfall der Herrschaft begann, übertrugen sie die eigene Macht auf andere. Sie setzten ihr Vertrauen in die Gewalt ihrer Legionen. Es begann die Herrschaft der Prä⸗ torianer, die Herrschaft des Militärismus, die noch zu allen Zeiten das erste und bedeutsamste Symbol des inneren Verfalles war. Die Cä⸗ saren aber begnügten sich damals mit dem Nimbus ihrer Stellung und mit dem Ausbeuten ihrer höheren Rechte. Die bewaffnete Macht dagegen sollte das lose, zerbröckelnde Staats⸗ gefüge zusammenhalten.
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d Wer gesellschaftlich über den anderen er⸗— haben steht, so daß er vor jeder scharfen Ant⸗ wort sicher ist, sollte niemals einen verletzenden Witz machen. La Bruyere.
„Die Fürsten wegen Tugenden loben, die sie 15 05 besitzen, heißt ihnen ungestraft Schmähungen agen.
Humoristisches.
Kindermund. Gro ß vater(erzählend):„Ja, mein Kind, diese zwei Finger sind mir im Kriege weg⸗ geschossen worden.“— Dolly:„Und Großpapa, haben sie Dir Deine Haare auch alle vom Kopfe weggeschossen?“
Merkwürdig. A.:„Ein vogelartiges Weib ist meine Nachbarin.“— B.:„Wleso?“— A.:„Sie trillert wie'ne Lerche, schwatzt wie eine Elster, wird leicht rot wie ein Truthahn, ist stolz wie ein Pfau, dabei dumm wie'ne Gans und heißt Frau Rabe.“
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Beschwerden
über den Inhalt der„Mitteldeutschen Sonntagszeitung“ ersuchen wir unsere Ge⸗
platz 11 zu richten; wegen mangelhafter Zustellung wende man sich an die Expedition, Sonnenstraße 25.
8 direkt an die Redaktion, Kirchen⸗ 8


