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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
N
b Anterhaltungs-Ceil. Mahnung!
Wackrer Deutscher, sei geduldig, Thue friedsam deine Pflicht. Was du deinen Junkern schuldig, Nimms auf dich und maule nicht. Mag dir auch der Magen knurren Bei des Brotes hohem Preis, Unterdrücke jedes Murren Und— verdopple deinen Fleiß!
Statt der Stiefel— Holzpantoffeln, Statt der Federn— Haberstroh, Statt des Roggenbrots— Kartoffeln— Sage, geht es nicht auch so? g Wird das Leben auch zur Hölle, Legst du hungernd dich aufs Ohr— Deine Junker brauchen Sölle Und die Junker gehen vor.
Geht uns dieser Stand verloren, Schwindet unser bestes Gut, Und zum dienen bist geboren Du und deiner Rütte Brut. Gpfere auf dich auf der Erden, Uebe willig deine Pflicht, Droben wirst du selig werden, Wie's der Pastor dir verspricht.
L. im„Wahren Jakob.“
Die Mauthpredigt.
Jetzt, wo die Junker sich rüsten, einen neuen Raubzug auf die Taschen des Volkes zu unter⸗ nehmen, ist es für jeden interessant und sogar notwendig, sich darüber, wie die Zölle ent⸗ standen sind, zu unterrichten. Zu diesem Zwecke eignet sich die„Mauthpredigt“ Ludwig Börnes, die wir nachstehend abdrucken, vor⸗ trefflich. 8
Börne ist ein geborener Frankfurter. Er wurde dort am 6. Mai 1786 als Kind jüdischer Eltern geboren. Zuerst war er Polizeiaktuar in Frankfurt; später widmete er sich der Schrift⸗ stellerei. Seit der Julirevolution(1830) lebte er in Paris, wo er seine„Pariser Briefe“ schrieb, in denen er die Mißstände auf allen Gebieten geißelte, indem er an Tagesereignisse und Vorkommnisse ankrüpfte, die damals das öffentliche Interesse in Deutschland in Anspruch nahmen. Die Pariser Briefe erregten unge⸗ heueres Aufsehen. Börnes politische Aufsätze waren eben musterhaft; wenige Schriftsteller haben ihn auf diesem Gebiete erreicht.
Ein Meisterstück ist die Mauthpredigt. Sie knüpft an an einige Tumulte, die damals (1832) in den hessischen Dörfern bei Frank⸗ furt d. M. stattfanden wegen Einführung der Mauth oder, wie man sich heute ausdrückt, des Zolles. Die Volksmenge hatte die verhaßten Zoll häuser gestürmt und wie damals und noch jetzt üblich, wurde zur„Beruhigung“ des Volkes Militär herbeigeführt und es gab die herge⸗ brachten Salven und Kavallerieangriffe. Als Börne von diesen Vorkommnissen erfuhr, schrieb er seine Mauchpredigt, die populärste Darstellung, wie die Zölle(Finanzzölle; die Schutzzölle und Liebesgaben der heutigen Art sind eine noch raffiniertere Erfindung) entstanden sind.
„Das sind recht traurige Verhältnisse“, schreibt er im Hinblick auf die Tumultes und deren Folgen,„und am traurigsten ist, daß sich die Regierungen nicht zu helfen wissen. Immer Gewalt, immer Blutvergießen! Warum suchen sie das Volk über die wahre Beschaffenheit der Mauth, ihre Notwendigkeit und Nützlichkeit nicht aufzuklären? Warum suchen sie es nicht
durch Sanftmut zu beruhigen, durch Ueberredung zu gewinnen? Warum tragen sie den Geistlichen nicht auf, von der Kanzel herab ihre Gemeinden im Zollwesen zu unterrichten? Wäre ich Pfarrer von Fechenheim, Bergen oder Bockenheim, hätte ich am ersten Sonntag nach dem monarchischen Gemetzel an der Mainkur ungefähr folgende
Predigt gehalten, und dadurch gewiß zur Er⸗ haltung der Ruhe mehr beigetragen als zehn Schwadronen Husaren im Stande sind.“
Nun kommt die jetzt wieder sehr zeitgemäße Mauthpredigt:
Liebe Gemeinde! Am Freitag ward Ihr wieder rechte Esel gewesen und habt Euch tot⸗ schießen lassen. Wißt Ihr warum? Ich will die ganze Woche keinen Tropfen Wein trinken, wenn Ihr es wißt. Dummköpfe seid Ihr und Schwerenöter! Ihr jammert über die Mauth, Ihr wollt keine Manth bezahlen! Wißt Ihr denn, was die Mauth ist heut zu Tage? Wißt Ihr, was sie sonst gewesen? Begreift Ihr denn nicht, wie viel besser Ihr es jetzt habt als in früheren Zeiten? Nun, so gebt Acht; ich will Euch eine Laterne in den Kopf hängen.
Viele von Euch sind doch schon einmal den Rhein hinabgefahren; das Haus dort, das weiß ich, ist oft als Flotzknecht nach Holland ge⸗ kommen, ehe er sich eine Frau genommen— ein kreuzbraves Weib, ste hat mir gestern eine fette Gans geschickt. Und wer von Euch nicht am Rhein war, der ist doch einmal in König⸗ stein gewesen und am Falkenstein vorbeige⸗ kommen. Nun, das ist alles eins. Oben auf den Bergen an beiden Seiten des Rheins, da sehet Ihr viele verfallene alte Schlösser, die man Burgen nennt. Sie waren aber nicht immer so öde und verfallen, wie sie jetzt sind. Ehemals waren es prächtige Schlösser, worin die Ritter wohnten, und es ging lustig da her. Liebe Kinder! Die Ritter, das waren prächtige Leute! An denen hatte doch der liebe Herrgott noch seine Freude. Wenn sie sich recht wild herum⸗ tummelten in ihres Vaters Garten, und er lag am Sonnenfenster und sah zu, wie sie spielten, lachte er und sagte: Jugend hat keine Tugend, das will sich austoben; aber es ist mein Herz und mein Blut. Wenn aber der liebe Herrgott uns jämmerliche Wichte siehet, seine jüngsten Kinder, die den ganzen Tag hinter den Büchern hocken und heulen, wenn sie der gestrenge Herr Schulmeister mit seinem Lineal anrührt, dann schämt er sich, unser Vater zu sein, schlägt das Frnster zu und brummt: Ja, ja, ich bin alt geworden! So ein Ritter war kerngesund, stark wie ein Stier, und wenn er sein Kreuz gegen den Teufel geschlagen hatte, fürchtete er sich vor nichts in der Welt. So ein Kerl hat Euch den ganzen Tag zehn Pfund Rot⸗ und Schwarzwildpret gegessen, sechs Pfund Hammel⸗ fleisch, ein schön Stück Schinken, einen großen Rosinenkuchen, aber wenig Brot. Dazu hat er getrunken zwei Eimer Bacharacher oder Rüdes⸗ heimer und abends vor dem Schlafengehen ein paar Maß warmen Gewürzwein. Ich sage Euch, Kinder, es ist nichts gesünder als warmer Wein mit Zucker, Nelken und Zimmet angemacht. Seht Ihr, solch' ein lustig Leben haben die alten Ritter geführt: gut gegessen, gut getrunken und gut geschlafen. Und die übrige Zeit haben sie gejagt und sich untereinander herumgebalgt. Das war aber kein Kriegführen wie heute, es war ein wahrer Spaß. Man schlug sich ein⸗ ander auf Helm und Schild, und war einer tüchtig getroffen, so ging er zum Schmied, und den anderen Tag war alles wieder gut. Das hundsföttische Pulver war noch nicht erfunden.
Nun hört weiter. Die Ritter hatten zwar große Schlösser, schöne Pferde, viele Jagdhunde und Knechte; aber sie hatten kein Geld. Woher wollten sie Geld haben? Sie arbeiteten niemals und verdienten also nichts. Aber alle Menschen sind Gottes Kinder, und wenn es einen Meuschen giebt, der nichts arbeitet, ist es Christenpflicht, daß der andere, welcher arbeitet, ihn ernährt. Die frommen Ritter, welche Gottes Gebot kannten und ehrten, richteten sich auch danach, und so oft sie Geld brauchten, nahmen sie es von den Arbeitsleuten, die welches hatten; und das machten sie so: Auf die hohen Türme ihrer Burgen stellten sie einen armen Knecht mit einem Horn, der mußte Tag und Nacht Acht geben und umherschauen, und sobald ein Schiff mit Waren den Rhein hinauffuhr oder ein Wagen auf der Chaussee kam, um ihre Ladung auf die Frankfurter Messe zu bringen, stieß der Knecht ins Horn. Die Ritter, die das Zeichen verstanden, sprangen darauf vom Tische oder
aus dem Bette auf, ergriffen ihr Schwert und eilten die Burg hinab. Schiff und Wagen fr wurden angehalten, Schiffer, Fuhrleute und
Kaufherreu wacker durchgebläut, Kisten und Kasten aufgeschlagen und alles herausgenommen. Darauf sagten die Ritter: Viel Glück zur Frankfurter Messe, Ihr Herren! und kehrten mit ihrem Fange jubelnd zur Burg zurück. Und weil sie auf diese Art ihr Brot verdienten, nannte man sie Raubritter. Die Waren ver⸗ kauften sie dann um einen Spottpreis an Juden, und so hatten sie Geld. Die Juden verkauften
den geplünderten Kaufleuten ihre eigenen Waren. 0 wieder und darauf zogen sie zur Frankfurter
Messe, und alles war gut. So ist die Mauth entstanden, und was damals die Raubritter waren, sind heute die Zöllner.
Jetzt gebt weiter Acht. Die Kaufherren überlegten endlich bei sich: Wäre es nicht ge⸗ scheidter, wir gäben den Rittern lieber gleich so viel bar Geld, als sie für unsere Waren von den Juden bekommen? Diese Spitzbuben lassen sich von uns zweimal so viel bezahlen, als sie selbst bezahlten. So wäre die Hälfte Profit und die Prügel wären auch gespart. Sie schickten also dem Ritter Kunz eine Depu⸗ tation, die trug ihm vor: Herr Ritter, Ihr seid ein ehrlicher Mann, Ihr habt uns nie etwas zu Leid gethan; aber Euer Nachbar, der Ritter Rupprecht, ist ein Spitzbube und ein Räuber, der, so oft wir vorbeikommen, uns mißhandelt und beraubt. Wir kommen also, Euch einen Vorschlag zu machen. So oft wir an Eure Burg kommen, begleitet uns mit einem Fähnlein bis vor der BurgfEures bösen Nachbarn vorüber, beschützt uns und duldet nicht, daß er uns beraube und zu Grunde richte. Für Euren guten Willen geben wir Euch jedes Mal hundert Goldgulden. Ritter Kunz er⸗ widerte: Ihr seid kluge Leute und ich will es bedenken; heute Abend gebe ich meinen Nachbarn einen Schmaus, habt Ihr nicht vielleicht ein Fäßchen Bacharacher auf Eurem Schiff? Die Kaufleute holten das Jäßchen, gingen darauf zu Ritter Rupprecht und sagten zu ihm: Herr Ritter, Ihr seid ein ehrlicher Mann, Ihr habt uns nie etwas zu Leide gethan; aber Euer Nachbar, der Ritter Kunz, ist ein Spitztube und Räuber, der, so oft wir vorbeikommen, uns mißhandelt und beraubt. Wir kommen also, Euch einen Vorschlag zu machen. So oft wir an Eure Burg kommen, begleitet uns mit einem Fähn⸗ lein bis vor der Burg Eures bösen Nachbarn vorüber, beschützt uns und duldet nicht, daß er uns beraube und zu Grunde richte. Für Euren guten Willen geben wir Euch jedes Mal hundert Goldgulden. Ritter Rupprecht erwiderte: Ihr seid kluge Leute und ich will es bedenken; morgen Mittag gebe ich meinen Nachbarn einen Schmaus, habt Ihr nicht vielleicht einige gute Schinken auf Eurem Wagen? Die Kaufherren holten die Schinken und gingen darauf zum Ritter Eberstein, und so gingen sie von einem Ritter zum anderen, von Rüdesheim bis nach Bonn und sprachen mit allen auf die nämliche Weise. Und wie abends viele Ritter zum Ritter
Kunz zum Schmause kamen, und jeder seinem ö duter mit
Nachbar erzählte, wie die Kaufherren ihn in's Gesicht einen ehrlichen Mann gescholten, und seinen Nachbarn als Spitzbuben gelobt, lachten sie alle ganz unbändig und zechten, bis der Morgen graute. Die Handelsleute hatten es aber jetzt viel besser als früher.
So währte das einige Jahrhunderte lang.
Endlich merkten die Kaiser, Könige, Herzöge,
Fürsten, Landgrafen, die Vorfahren unserer gnädigsten Landesherren, daß sie lange dumm gewesen. Sie dachten: Ei, die Ritter verdienen ein schön Stück Geld an den Bürgers⸗ und Landleuten; sind wir nicht rechte Narren, daß
im Lande, wir oder die Ritter? Das muß
anders werden. Sie sagten also den Kaufleuten:
Ihr untersteht Euch nicht mehr, Euch von den
Riitern loszukaufen; das Geld, das Ihr ihnen gegeben, gebt ihr künftig uns selbst, und dagegen
beschützen wir Euch gegen jede Gewalt. Die
Kaufleute mußten das zufrieden sein, und den Rittern wurde von den Landesherren untersagt,
sie zu beunruhigen. Diese ließen sich aber
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