Ausgabe 
14.4.1901
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr 15.

Jütlands, unterlag der frühere Abgeordnete Högh⸗Guldberg einem Sozialdemokraten.

Die Sozialdemokratie erhält jetzt zwei Sitze im Finanzausschuß, die Konservativen be⸗ halten nur einen. Leider ist aber einer der ältesten Führer unserer dänischen Bruderpartei, der Genosse Knudsen unterlegen.

Aus dem Lande der Knute.

An Stelle des von dem Studenten Karpo⸗ witsch erschossenen Unterrichtsministers Bogol⸗ jepow hat der Zar einem neunundsiebzig⸗ jährigen gebrechlichen Greis, den ehemaligen Kriegsminister Wanowsky zumMinister für Volksaufklärung, zum obersten Chef des Schulwesens ernannt. Das war jedenfalls die geeignetste Persönlichkeit, die für diesen Posten zu finden war. Diese Ernennung zeigt, welches Verständnis der Zar für das Schulwesen besttzt. Der alte General wird natürlich die Knute und schließlich auch Bajonett und Sabel für das geeignetste Mittel zur Erziehung der Jugend halten.

Krieg in Südafrika.

Nach den letzten Nachrichten vom Kriegs⸗ schauplatze hat sich die Vereinigung De⸗ wets mit Botha bei Vrede vollzogen. Vermutlich werden die beiden Führer ein⸗ gehende Abmachungen über ihre nächste! Ope⸗ rationen treffen und dann wieder auseinander⸗ gehen, da sie getrennt die Engländer eher in die Irre führen können, als mit größeren Massen hinter sich. Zu einer Entscheidungsschlacht sind sie auch nach ihrem Zusammenschlusse zu schwach.

Ueber eine neue Gefangennahme einer eng⸗ lischen Abteilung durch ein Burenkommando wird aus Kapstadt gemeldet: Scheepers Kom⸗ mando nahm am 6. d. Mis. 20 Meilen nörd⸗ lich von Aberdeen eine Abteilung englischer Reiterei, bestehend aus 100 Lanciers und Meomanri⸗Reitern, gefangen. Aberdeen liegt mitten im Kaplande, eher näher zur See, be⸗ deutend südlicher als Richmond, wo die letzten größeren Kämpfe stattfanden. Die eingedrungenen Burenscharen haben also nicht, wie die Eng⸗ lunder verbreiteten, das Kapland geräumt, sondern dringen unausgesetzt weiter nach Süden vor. Im Norden des Oranjestaates legen die Buren eine große Beweglichkeit an den Tag.

Englische Verluste. Nach amtlichen englischen Veröffentlichungen betragen die eng⸗ lischen Verluste seit dem Beginn des Krieges: Getötet und an ihren Wunden gestorben 462 Offiziere und 4775 Mann, an Krankheiten ge⸗ storben 216 Offiziere und 8577 Mann, mit anderen Todesfallen zusammen 690 Offiziere und 13,734 Mann tot. Vermißt und gefangen sind noch 17 Offiziere und 758 Mann, als Invaliden wurden heimgesandt 1892 Offiziere und 43,534 Mann, sodaß der Gesamtverlust sich auf 2599 Offiziere und 58,026 Mann stell. diesen haben sich allerdings wieder piele als geheilt auf den Kriegsschauplatz be⸗ geben.

Krieg mit China.

Die Besatzungsarmee. Eine Versamm⸗ lung der Generale erklärten, daß 6000 Mann zum Schutze der Eisenbahn Peking⸗Schanhaik⸗ man dauernd notwendig seien, außerdem sollen 2000 Mann in Peking stationiert werden. Der amerikanische und der japanische Vertreter waren anderer Meinung, sie hielten 1000 bis 2000 Mann im Ganzen für vollkommen genügend. Den größten Vorteil in der ganzen China⸗ angelegenheit hat entschieden die russische Politik zu verzeichnen. Die Mandschurei, das unge⸗ heuere Ländergebiet im Nordosten Chinas, hat Rußland besetzt und behält es trotz des Ein⸗ spruchs der Mächte.

von Uah und Fern. Giestener Angelegenheiten.

Das Gewerkschaftsfest am zweiten Feiertage in Steins Saalbau erfreute sich eines recht guten Besuches. Nicht blos aus Gießen

selbst, sondern auch aus den Orten der näheren Umgebung, als auch von Wetzlar, Marburg, Friedberg, Alsfeld, hatten sich Teilnehmer ein⸗ gefunden. So war der sehr geräumige Saal ziemlich gefüllt, womit nicht gesagt sein soll, daß nicht noch mehr Besucher Platz gehabt hätten. Gewiß, wenn man die Zahl der in Gießen beschäftigten Arbester in Betracht zieht und ferner, wie selten ein derartiges Fest statt⸗ findet, so hätte der Saal kaum ausreichen dürfen! Die Leistungen des Gesangvereins Eintracht, sowie diejenigen der Kapelle Pauli aus Marburg befriedigten allgemein. Besonders müssen aber die theatralischen Darbietungen hervorgehoben werden. Berücksichtigt man, daß es für Arbeiter denn doch seine Schwierigkeiten hat, ein Theaterstück leidlich aufzuführen, so muß man den Mitwirkenden alle Anerkennung zollen, sie haben sich redlich Mühe gegeben, das Fest zu verschönern. Im Uebrigen ver⸗ lief das Fest in der schönsten Weise ohne jeden Zwischenfall, wie das ja bei einem Feste ziel⸗ bewußter Arbeiter ganz selbstverständlich ist. Erst in früher Morgenstunde strebten die letzten Festteilnehmer heimwärts. N f

Schofle Handlungsweise. Wie sich unsere Leser noch erinnern werden, mußten wir uns kürzlich mit den Arbeitsverhältnissen auf der Aktienbrauerei befassen, an denen Vieles auszusetzen war. Wir berichteten da⸗ mals, daß ein Brauer, der mit demOber⸗ mälzer in Differenzen geraten war, von dem Braumeister Perschina entlassen wurde. Letz⸗ terem genügte aber die einfache Entlassung noch nicht, er verfolgte den Brauer noch weiter, in⸗ dem er die übrigen Brauereien vor der Einstellung des Entlassenen warnte. Dazu benutzte er den Tellhaber der Firma Gebr. George, der sich zu dem schmutzigen Geschäft hergab, den Arbeiter bei den übrigen Braumeistern zu verdächtigen. Durch solche verächtliche Manöver gewinnt natürlich weder das Ansehen der Aktienbrauerei, noch viel weniger dasjenige des Braumeisters, dessen Vorgänger weit mehr Verständnis in Bezug auf die Be⸗ handlung der Arbeiter an den Tag legte. Der geschädigte Arbeiter wird übrigens gegen den Braumeister, der ihn an freiwilliger Arbeit hinderte, gerichtlich vorgehen.

Depeschen aus Peking melden, daß der Hauptmann Bartsch, der früher bei dem Regiment Nr. 116 in Gießen stand und sich dem Chinazug anschloß, in der Umgebung von Peking tot aufgefunden wurde. Nach einer weiteren Mitteilung soll er einen Schuß im Rücken gehabt haben. Von Leuten, die hier unter seinem Kommando standen, hörten wir damals, als die Truppen nach China abrückten, daß er bei seinen Untergebenen äußerst unbe⸗ liebt sei..

Die Ausführung der elektrischen Anlage des hiesigen Bahnhofes ist der Firma Schuckert u. Co.(Nürnberg) über⸗ tragen worden. Bis zum 1. Juli sollen die Arbeiten beendet sein.

Oesterreichische Thaler sind seit 1. April außer Kurs gesetzt und werden von den öffentlichen Kassen nicht mehr angenommen. Für den Privatmann empfiehlt es sich deshalb, diese Geldstücke nicht mehr anzunehmen. Den meisten unserer Genossen wird die eingehende Prüfung ihrer Thalerbestände keine großen Schwierigkeiten machen.

Aus Bad Nauheim

wird uns geschrieben: Ein schönes Osterei wäre uns in diesem Jahre beinahe bescheert oder richtiger genommen worden. Unser großer Sprudel, an dem unser ganzes Sein und Nichtsein hängt, war ausgeblieben. Durch sofortige zweckmäßige Maßregeln verhinderte man zwar das gänzliche Wegbleiben, doch fließt die Quelle nicht mehr so stark als vorher. Allgemein ist man hier der Meinung, daß die in letzter Zeit vorgenommenen verschiedenen Bohrungen unsere Quellen in höchstem Maße gefährden und viele alte Nauheimer Sachkenner erklären die ewige Bohrerei ganz offen für ein höchst gewagtes Experiment. Thatsächlich haben sie Recht behalten, wenn auch dieses Mal das Uebel

noch abgewendet wurde. Ueberall giebt man aber der Meinung Ausdruck, daß bei den letzten Bohrungen oder Aufräumungsarbeiten, wie man es nennt, weniger die Notwendigkeit, als falscher Ehrgeiz und Ruhmsucht der treibende Faktor sei. Wir wollen die Be⸗ rechtigung dieser Meinung nicht untersuchen,

was aber bei diesen Experimenten auf dem

Spiele steht, davon konnte man sich bei dem

Eintreffen der Unglücksnachricht schon ein kleines

Bild machen. Die Bestürzung war eine der⸗ artige, wie sie vielleicht kaum das Eintreffen einer Kriegserklärung hervorgerufen hätte. Und das mit Recht. Haben doch gerade die alten Nauheimer Kleinbürger schon genug zu kämpfen, um sich nur noch über Wasser zu halten.

Thätigkeitsfeld gesucht und vielfach gefunden.

Und alle setzen ihre Hoffnung auf den Sprudel.

Dazu kommt, daß man auch die Steuer⸗

schraube in diesem Jahre wieder stärker Ueber 400 Steuererklärungen

angezogen hat. kamen mit dem VermerkUngenügend zurück; das heißt, die Einschätzungen wurden zu niedrig befunden.

berühmten Ehrenbürger möchte man heute am liebsten nach China schicken und Steuer⸗ rat Knoll die bestgehaßtesten Leute. Letzterer ist jetzt hier ein gar nicht seltener, aber recht ungebetener Gast. Bei diesen Zuständen ist es begreiflich, wenn man der Regierung in puncto

Sprudelbohrung nicht mehr das alte Vertrauen

entgegengebringt. Auch der Bau des neuen

Badehotels wird vielfach recht abfällig bes

urteilt. Doch hierüber ein anderes Mal. *

Am Dienstag Abend ist dergroße Sprudel abermals längere Zeit ausgeblieben.

Der Bevölkerung hat sich eine hochgradige Er⸗ 0

regung bemächtigt; man spricht sogar davon, die Einstellungen der Bohrungen mit Gewalt zu erzwingen. Im Geschäftsleben hat eine all⸗ gemeine Panik Platz gegriffen. Man kann sagen, daß schon jetzt Immobilien ganz be⸗ deutend im Werte gesunken sind; eine Anzahl

Neubauten werden halbfertig liegen bleiben

müssen, weil die Kredite verweigert werden.

In der Bürgerschaft finden die Maßnahmen 1 e

Regierung die schärfste Verurteilung; schwersten Angriffe richten sich natürlich gegen

den Geh. Bergrät Prof. Dr. Lepsius, der die Bohrungen leitet und dessen Thätigkeit nur

noch bespöttelt wird. Herr Lepsius hat sich in den kritischen Tagen nicht sehen lassen er soll sich in im Elsaß befinden und darüber ist man am meisten empört. der vielen kleinen Leute, die materiell in Mit⸗ leidenschaft gezogen sind, muß man die Wieder⸗

kehr normaler Zustände dringend wünschen. Sache der Regierung wäre es aber, ganz ener⸗ gisch einzugreifen, vor allen Dingen aber die

Bohrungen einzustellen.

Antisemitische Versammlung in Hungen.

Auf nächsten Sonntag haben die Antisemiten

eine Versammlung nach Hungen einberufen, in

der sie gegen denBrotwucherschwindel Herr Hirschel tritt als

protestieren wollen. f Referent auf und wird den Bauern, die kein Getreide verkaufen können, nachweisen, daß sie doch einen Nutzen von den Zöllen haben. Das Kunststück ist auch für unsere Genossen inter⸗ essant, wir raten ihnen deshalb sich dasselbe anzusehen und die Versammlung zu besuchen.

Aus Wetzlar.

Bemerkenswerter Prozeß. Wegen Brandstiftung in drei Fällen war von der

hiesigen Strafkammer im November 1898 der

Schuhmachergeselle Ludwig Is bach aus Dillen:

bach zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt worden. aufnahmeverfahren durch. Infolge dessen be⸗ gann am Mittwoch hier die neue Verhandlung,

zu welcher 37 Zeugen und 3 Sachverständige

Es macht sich hier eine geradezu gemeingefährliche großkapitalistische Spekulation breit. Gewissen⸗ 4 lose Agenten, unsichere Existenzen aller Art und sonstige Freibeuter haben sich hier ein

e So sind denn jetzt die Herren Professor Lepsius diesen unseren

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Sein Verteidiger setzte das Wieder⸗ 15

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