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Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 41.
e 7 b Unterhaltungs-Cril.
P A———
A Kriegerische Abenteuer eines Kriedsertigen. Erzählung von Heinrich Zschokke.
8 FC ortsetzung)
Wiederum Mord und Totschlag.
Je schneller ich fuhr, je öfter wiederholte mein gestreuger Herr im Wagen sein„bon! bon!““) Er schien Eile, und wie ich aus seiner Unruhe und seinen zwischen den Zähnen von Zeit zu Zeit hervorgestoßenen Selbstgesprächen ver⸗ muten konnte, kein heileres Gewissen zu haben, als ich. Zwischen Mondschatten und Mond⸗ schein glaubte ich bemerken zu können, er sei eine von den wichtigen Personen, die man bei der französischen Armee Employés zu nennen pflegt. Für einen Offizier war er zu bürger⸗ lich, für einen Bürger zu militärisch gekleidet.
Unsere Gespräche waren sehr einsilbig; er sprach kein Deutsch, ich, meiner Rolle gemäß, kein Französisch. Fragte er mich:„Isset Polen weit, weit?“ antwortete ich regelmäßig:„Viel weit!“— Fragte er:„Isset Preuß da?“ so erwiderte ich:„Viel Preußen!“— Dann schrie er wie besessen:„Immere zu! immer zu!“ und ich ließ die Pferde springen, so gut sie mochten.
Ich gab ihm endlich zu verstehen, er sollte mir zu essen geben, wenn er hätte. Er verstand mich nicht. Ich sprach von Barmherzigkeit“ der Kommissär kannte keine; von Hunger, der Speckwanst verstand das Wort nicht. Brot; da hatte ich's getroffen. Er gab mir ein großes Stück.
Nun saß ich vergnügt auf meinem Bock, wie kein König auf dem Thron, und versöhnte mich mit meiner dienstbaren Stelle, die mir alles gewährte, was ich verlangen konnte. Ob Pfarrer, ob Stallknecht ob Generaladjutant, ob Magister oder Feldprediger— was kommt uletzt darauf an? Der Mensch ist in jedem
ock doch immer das beste; schlimm genug, wenn der Rock das beste vom Menschen ist. Ich fuhr die Straße nach Polen. Wer weiß, dachte ich, ob du in den Wechseln deiner Schick— sale nicht dem Kommando eines Armeecorps an den Ufern der Weichsel entgegenkutscherst? Niemand verzweifle! Es giebt eine Vorsehung. So finster es oft wird, so hell klärt sich's auf. Ich war in der besten Stimmung, zum Zeit⸗ vertreib eine Predigt zum Behuf der mir designierten Pfarrei auszuarbeiten, als ich im Mondschein vor mir einige Gewehre blitzen sah. Mein Kommissär bemerkte sie im gleichen Augen⸗ blick, zog den Säbel und nahm eine Pistole zur Hand, deren Hahn er spannte. Das Knacken des Hahns hinter mir trieb mir den kalten Schweiß aus.
„Bougre, bougre, zufahr, immer zu!“ schrie er.
„Halt! wer da? halt! qui vive?“ brüllten einige Soldaten, die mir die Bajonette ihrer Gewehre fast allzunahe gegen die Rippen hielten.
) Gut.
Wem sollte ich gehorchen? Eine Notlüge, hoffte ich, sollte mich aus der Verlegenheit ziehen. Da ich die Soldaten für Franzosen hielt, die ihrem Regimente nachzügelten, rief ich, um ihnen etwas Ehrfurcht einzuflößen:„Messieurs, mein Herr General ist Französisch General!“
„Halt! ergebt euch!“ schrieen nun mehrere Stimmen.
„Foudre!“*) rief der vorgebliche General, und sprang mit einem Satz aus dem Wagen, das er zwei Kerls zu Boden stürzte.
Er schoß; Piff, Puff, Paff! fielen links und rechts Schüsse— die Kugeln pfiffen mir am Ohr vorbei— meine Pferde wurden noch scheuer als ich. Im gestreckten Galopp jagten sie davon; meine Peitsche zerbläute ihre Rücken. — Ich hörte noch Säbelgeklirr und Flinten⸗ schüsse— und bald von allem nichts mehr. Ich war gerettet; Dank sei es der Klugheit und Behendigkeit meiner Rosse.
„Verdammte Geschichte!“ brummte ich, und stellte eine chirurgische Untersuchung meines Leichnams vom Scheitel bis zur Sohle an: denn in der ersten Angst glaubte ich von dem Kugelhagel durchlöchert zu sein, wie ein Sieb. Aber kein Haar war mir verwundet.
Desto besser! Aber meine Herrschaft, was war aus ihr geworden? Sollte ich wieder um⸗ kehren, nachfragen, mich auch ein wenig zer⸗ säbeln und zerbajonetten lassen? Nein, so weit ging meine Kutschertreue und zärtliche An⸗ hänglichkeit nicht. Der Himmel weiß, was aus dem Commissaire de guerre oder Employé geworden sein mag. Ich habe es nachher nicht erfahren, da ich den gleichen Weg wieder zurückgekommen bin.
Ich fuhr nun langsamer, denn meine Rosse waren an Kräften erschöpft.— Vor mir lag wieder ein kleines Dorf. Jetzt überlegte ich: was beginnen? Dort übernachten, oder weiter eilen? Noch klang mir das Kugelgezisch in den Ohren, und meine Angst rief:„weiter!“—— Ferner: wem gehören Wagen und Pferde? Antwort: vor der Hand keinem, als dem gegen⸗ wärtigen Besitzer, der ihn weder erobert, noch gestohlen, noch in Requisition gesetzt hat.— Frage: was mit dem fremden Gut machen? verschenken, verkaufen, behalten? Zum ersten hatte ich keine Lust, zum andern kein Recht, zum dritten kein Geld.
In dieser Verlegenheit kam ich zum Wirts⸗ haus; es war noch nicht so spät, als ich glaubte. Der Stallknecht kam; ich spannte aus, ver⸗ langte ein Futter für die Pferde, für mich ein Warmbier, und setzte mich zum Ofen. Im Notfall hoffte ich mit meinem runden Filzhut und Bauernkittel Bezahlung zu leisten; jener war mir ohnedies zu eng, und dieser zu weit.
) Donnerwetter!
(Fortsetzung folgt.)
E
Humoristisches.
Ein junges Ehepaar, das sich auf der Hoch⸗ zeits reise befindet, fährt bei einem Hotel in St. vor. Der Portier empfängt die Herrschaften, erklärt aber, sie nicht aufnehmen zu können. Auf die Frage des Ehe⸗ mannes, weshalb er sie abweise, erfolgt die Antwort: „Na, Hr. M., Sie wissen doch, daß die Herren zu uns keine Damen mitbringen dürfen.“ Hr. M. antwortet: „Aber das ist ja meine Frau!“ Worauf der Portier erwidert:„Das haben Sie noch jedesmal gesagt.“
(„Simplic.“)
Aus dem Gießener Standesamtsregisser,
Aufgebotene. 25. September. August Waag ö Kaufmann hierselbst mit Anna Vöhl in Frankenberg 27. Ernst Müller, Lokomotivheizer in Bonn mit Ma. garethe Kümmel dahier. 28. Johann Gläser, Gerichts assessor hierselbst mit Anna Ruppel in Franksurt a. M
29. Heinrich Herr, Hülfsbremser hierselbst mit Lou in 9 Hedrich in Herdorf. 30. Philipp Eisenhuth, Hausbunseh ilk mit Margarethe Artzt dahier. 1. Oktober. Wilhen J f
Luh, Sergeant mit Adolphine Fischer dahier. Naß Peppel, Dienstknecht mit Elisabeth Spohr dahier. 2. Ka Volz, Eisenbahnarbeiter mit Margarethe Schmidt in Oppen⸗ rod. 3. August Ockel, Magazinverwalter mit Anna Köhle l dahier. 4. Dr. Philipp Schwarz, Chemiker in Bern, mit Louise Schwarz dahier. Ludwig Dern, Landwun in Gr. Linden mit Marla Menges dahier. Johann Find, Schneider dahier mit Helene Her zinger
Wächtersbach. 5. Gustav Stein, Kaufmann dahier Anna Carle in Nieder⸗Ohmen. 7. David Löwensten Kaufmann in Fritzlar mit Pauline Reis dahß Salomon Eichenwald, Kaufmann in Coesfeld Sara Grünebaum dahier. Leopold Mattern, Ba arbeiter mit Johanna Esseluhn, dahier. 8. Phil Rohrbach, Tapezier mit Margarethe Volz, dahle Wilhelm Becker, Schreiner mit Elisabethe Müller, dahlg Eheschließungen. 27. September. Dr. Christian Kratz, Chemiker in Fechenheim Emma Stade dahier. 28. Theodor Köhler, Glaserm enn in Alsfeld mit Marie Scherff dahier. Wilhelm Fessee Kaufmann in Unterliederbach mit Anna Senßfelder Y hier. Friedrich Franz, Lehramtsassessor in Groß stadt mit Johanna Fuhr dahter. August Fourier, Ba,, arbeiter mit Marie Göbel dahier. Johann Jonitz, A beiter mit Wilhelmine Gelhar dahier. Karl Mol Schneider hierselbst mit Elise Schmidt in Butzhach 1. Oktober. Otto Reitz, Sergeant mit Henriette Rum dahier. 4. Wilhelm Gotzen, Kaufmann in Wickre mit Emma Schul dahier. 5. Wilhelm Edel, Bag mit Katharine Krieb, dahier. Christian Kahl, Sch mann, in Bielefeld mit Emilie Brasch dahier. Heini Albach, Stationsassistent mit Eva Schmidt dahle Karl Helbing, Brauer, mit Anna Fäußer dalle, 9. Emil Rusag, Stationsgehülfe, mit Auguste Appo long Bruchhäuser, dahier. Geborene. 20. September. Dem Direktor der höheren Mädchenschule Dr. Adolf Störiko„ 22. Dem Lokomotivheizer Friedrich Peil e. S. 23. Feldwebel Christian Junker e. T. 24. Dem Weiß binde Adam Dürr e. T. Dem Kaufmann Liebmann Bär e. Dem Bureauvorsteher Wilhelm Bintz e. S. Dei Lokomotivheizer i. P. Heinrich Berg II e. T. 25. Weg, Kaufmann Adolf Zurbuch e. T. 26. Dem Taglö hn eh Karl Stumpf e. T. Dem Schaltbrettwärter Otto Witz kopp e. S. 27. Dem Lokomotivheizer Wilhelm Beilhe e. T. Dem Maschinenmeister Philipp Meininger e. 28. Dem Postschaffner Georg Dehus e. S. 30. De Glaser Richard Müller e. S. Dem Bürstenmachn Friedrich Will e. T. Dem Maschinist Andreas Schrhh e. T. Dem Esendreher Elias Schön e. T. 1. Oktoben Dem Landwirt Georg Simon e. T. Dem Eisendreht Adam Büttner e. T. 3. Dem Postillon Justus Weil e. S. 4. Dem Schlosser Hugo Nitzsche e. S. e Küfermeister und Wirt Johann Peter Minke e, 8. Dem Kaufmann Joseph Servas e. T. 6. Dem Kaufman Carl Le Claire e. T. Dem Schuhmachermeister Jol Heimes e. T. 7. Dem Bauunternehmer Aug Scheppelmann e. S. Dem Taglöhner Karl Mandler e. S. Gestorbene. 22. September. Heinrich Gröning 59 Jahre alt, Eisenbahnsekretär i. P. 27. Je, Schneider, 67 Jahre alt, Privatmann. Ludwig Pißen 59 Jahre alt, Taglöhner. Clara Andrä, 4 Wochen alt 29. Marte Staffel, geb. Jung, 79 Jahre alt, Hospitaltix Karoline Hirsch, geb. Diebold, 60 Jahre alt, Witwe 30. Anna Hattenauer, 25 Jahre alt, Näherin. 1. tober. Heinrich Sann, 36 Jahre alt, Buchbinder, 6. Elise Kurz, geb. Schwaner 70 Jahre alt, Rentnern dahier. 7. Karl Sellheim, 75 Jahre alt, Oberamts richter i. P. dahier. 9. Elise Müller, geb. Kue 75 Jahre alt, Witwe dahier. ö
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Unsern Mitgliedern zur gefl. Nachricht, daß unsere
Verkaufsstelle
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Konsum-Verein Gießen und Umgegend. Michael Keßler,
Kassierer.
Gustav Holtberg, Geschäftsführer.
Filiale Gießen.
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