5 U
Seite 2.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeltung.
Nr. 19. —.
weisen auch die Haltlosigkeit der Redensarten vom„Ruin der Industrie“ und Anderem, die bürgerliche Soldschreiber jedesmal erheben, wenn die Arbeiter eine Verkürzung der Arbeits⸗ zeit fordern. Besonders unangenehm dürfte aber dem Scharfmachertum in die Glieder fah en, daß den Arbeitern bezüglich der Maffeier Zu⸗ geständnisse gemacht wurden. Hoffentlich wird dadurch ihre Maßregelungswut etwas abgekühlt. **
85
Vielleicht wirkt das Beispiel der Zeißschen Fabrik auf die in unserer Nähe, in Wetzlar, befindlichen ähnltchen Betriebe vorbildlich. Während einzelne derselben die tägliche Arbelts⸗ zeit auf ein vernünftiges Maß reduziert haben, pestehen in anderen Fabriken sehr, sehr verbesse⸗ zungsbedürftige Arbeitsverhältnisse. Sache der Arbeiter muß es natürlich sein, ihre Inter⸗ essen nachdrücklich wahrzunehmen und sich zu diesem Zwecke fest zusammenzuschließen. Uunter⸗ nehmerwillkür macht sich desto mehr breit, je weniger sich die Arbeiter um ihre Organisation bekümmern. Soll doch, wie uns zu Ohren gekommen ist, ein ziemlich unbedeutender aber etwas nervöser Fabrikant„seinen“ Arbeitern Maßregelung angedroht haben, falls sie am 1. Mai die Arbeit ruhen ließen! Möchten die sogenannten„besseren“ Arbeuer aus alledem ersehen, daß zur Elringung besserer Arbeits⸗ bedingungen und zur Erhaltung des schon Eneichten auch für sie Anschluß an die Orgenisation eine unbedingte Notwen⸗ digkeit ist!
Politische Rundschau.
Gießen, den 6. Mai.
Ein großer Ministerschub
hat vorige Woche in Preußen und somit auch im deutschen Reiche stattgefunden. In erster Li zie gat der Sturm den preußischen Finanz⸗ uinister und Steuererfinder, den schlauen Fuchs Miquel hinweggefegt; außerdem wurde die Mimisterherrlichkeir Brefelds und v. Ham⸗ mersteins geknickt. An Stelle des Handels⸗ ministers Brefeld tritt der durchaus arbeiter⸗ feindliche westfälische Großindustrielle Möller, einer der Führer des Zentralverbandes der Industrieuen, der Scharfmacher⸗Gesellschaft. Hammersteias Nachfolger im Land wirtschafts⸗ ministerium wird der„schneidige“ Postgeneral Podbielski, während Miquel von dem bis⸗ herigen Minister des Innern Rheinbaben abgelöst wird. An dessen Stelle kommt ein anderer Hammerstein, der bisher in welterer Oeffentlichkeit kuum bekannte Bezirkspräsident in Metz, der als solcher durch massenhafte Versammlungsauflösungen und Verbote seine ungewöhnlich reaktionäre Gesinnung be⸗ kundete. Das Staatssekretariat des Reichs⸗ postamts wurde einem Fachmanne, dem bis⸗ herigen Direktor im Reichspostamt Krätke anvertraut.— Für uns hat dieser ganze Rummel keine große Bedeutung. Es ist nichts als ein„Figuren⸗Wechsel“, wie der Vorwärts sich mit Recht ausdrückt. Der Kurs des per— sönlichen Regtmems wird durch die„ueuen Herren“ auch nicht um eines Haares Breite verändert. Und man muß dem durchaus zu⸗ stimmen, was unser Zentralorgan über das „Ministerium des Zentralverbandes“ sagt:„Es wäre eig verhängnisvoller Selbstbetrug, wenn Jemand die Abwechselungen in den Minister⸗ ämtern zum Anlaß irgendwelcher Hoffnungen auf einen auch nur winzig gemilderten Reaktions⸗ kurs nehmen sollte. Die deutsche Arbeiter— klasse ist frei von solchen Täuschungen und weiß, daß nur durch ihre eigene Aktion eine heilsamere Richtung der deutschen und preußischen Politit erzeugt werden kann.“
Warum stürzten aber gerade diese drei? Warum warf man den vielgewandten Miquel gewisser maßen die Treppe hinunter? Es handelte
ch darum, in Bezug auf den Grad der Er⸗ höhung der Brotzölle eine Enutscheidung zu treffen. Maquel har sich dabei anheischig
gemacht die Kanalvorlage durchzubringen um den Preis von 6 Mark Zoll auf Getreide, nach anderen Nachrichten von 7 Mark auf Weizen und 6 Mark auf Roggen. Ihm sollen sich hierbei Brefeld und Hammerstein angeschlossen haben. Eine solche Zollerhöhung wurde aber von maßgebender Stelle als von vornherein un verein bar mit dem Abschluß von Handels⸗ verträgen angeschen. Darüber kam es dann zum Bruch. Diäten⸗Kerls.
Bekanntlich hat der Reichstag fast alljährlich einen Antrag auf Zahlung von Diäten für seine Abgeordnete angenommen, immer aber hat der Bundesrat sich diesem Beschlusse gegen⸗ über ablehnend perhalten. In letzter Zeit schien es, als ob diese ganz selbstverstäudliche Forde⸗ rung endlich erfüllt werden sollte; eine Kom⸗ misston befaßt sich mit den Einzelheiten eines entsprechenden Gesetzentwarfes, von dem man hoffte, daß er die Zustimmung der Regierungen finden würde. Neuerdings sind aber seine Chaucen bedeutend gefallen. Es heißt, daß der Kaiser sich entschieden gegen die Zahlung von Tagegelbern ausgesprochen habe.— In Reichstagskreisen kursiert, wie der„Vorwärts“ berichtet, folgendes in derselben Sache gefallenes Wort:„Den Kerls auch noch Diäten. Ich gebe den Kerls keine Diäten.“ Ueber den Ursprung und den Urheber des Wortes, meint unser Centralorgan, wären die merkwürdigsten Gerüchte verbreitet. Und es fügt noch hinzu: Der Reichstags⸗ Antrag auf Diäten müsse irgendwo stark mißverstanden worden sein. Denn diese, wie alle anderen finanziellen Mittel im Reich gewährt keine Einzelperson, sondern bringt das ganze Volk auf. Diäten würden schließlich aus keiner anderen Quellen gewonnen, wie Ministergehälter und Krondotationen.— Die Reichsboten können also demnächst,— falls der Diäten-Entwuef zur Annahme gelangt— das M. d. R.(Mit⸗ glied des Reichstags) auf ihre Visitenkarte in D.⸗K.- Diäten⸗Kerl umändern!
Gegen den Brotwucher fanden in Offenbach am 3. Mai und in Mainz am letzteu Sonntage große, vom Handelsver⸗ tragsverein arrangierte Versammlungen statt, in denen der Abg. Barth(Freistiauige Ver⸗ einigung) referierte. In beiden Versammlungen gelangte eine Resolution zur Annahme, die sich gegen jede Erhöhung der Getreidezölle aus spricht, da erhöhte Zölle die Lebenshaltung ver⸗ teuerten und die Abschließung neuer Haudels⸗ verträge auf Grundlage der alten erschwerten. — In der Mainzer Versammlung ergeiff auch Genosse Dr. David das Wort, um energischster Weise im Namen der sozialdemokratischen Partei gegen den junkerlichen Beutezug zu protestieren.
Gute Geschäfte
machten auch im verflossenen Jahre die Höch ster Farbwerke. Sie verteilen an ihre Aktionäre 20 Prozent Dividende. Uud die Arbeiter? Sie müssen für elende paar Pfenuige in den giftgeschwängerten Räumen sich abrackern, Ge⸗ sundheit und womöglich Leben aufs Spiel setzen. — Voriges Jahr heimsten übrigens die Glück⸗ lichen, die nicht arbeiten und nicht spinnen, die aber der himmlische Vater doch und zwar sehr gut ernährt, 26 Prozent ein; iufolge des südafrikanischen und chinesischen Krieges wurde der Profit etwas geringer.
Gegen die Bäckereiverordnung
wüteten bekanntlich die Mittelstandsretter kon⸗ servativer und antisemitischer Schattierung ganz besonders und erreichten denn auch, daß sich die Regierung geneigt zeigt, den Herren Bäcker⸗ meistern gegenüber mildere Saiten aufzuziehen. Wie wenig angebracht das ist, zeigt eine nette Entdeckung, die das Berliner Gewerbegericht machte. Aus Anlaß von Streitigkeiten im Backereigewerbe kamen vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts zahlreiche Unsauberkeiten zur Sprache. Das Gewerbegericht verfolgte die Angelegenheit weiter. Nach Auskünften
von Krankenhäusern, Gewerkschaftsäͤrzten und
Spezialärzten für Hautkrankheiten sind von ca. 5000 Bäcker geselllen in zwei Jahren etwa 1735 an Krätze, Bäckerkrätze und Geschlechts⸗-Krankheiten behandelt, von denen, zum Teil trotz Verwarnung der behandelnden Aerzte, etwa 325 in Arbeit blieben. Der Ausschuß für Gutachten und Anträge beschloß zunächst einen Antrag: Den Herrn Polizeipräsideuten von Berlin(unter Mitteilung des betreffenden Materials), gestützt auf§ 120 4a d. G. O. zu ersuchen, darüber Erhebungen anzustellen, ob die vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts Berlin im Juni 1900 und bei der Ausschußverhandlung im November vorigen Jahres besprochenen Un⸗ sauberkeiten bei einem Teil der Berliner Bäckereien bestehen.— Danach scheint die Fest⸗ setzung der Arbeitszeit in Bäckereien auf 12 Stunden durch Bundesratsverordnung noch keinen Erfolg nach dieser Richtung hin gehabt zu haben und es liegt wahrhaftig nicht die geringste Veranlassung vor, die Verordnung irgendwie abzuschwächen.
Das antisemitische Hauptorgan
in Sachsen, die von dem früheren Abgeordneten Zimmermann geleitete„Deutsche Wacht“ ist an einen Ausländer, den österreichischen Zeitungsverleger Faber verkauft worden. Der neue Eigentümer soll bereits mehrere deutsch⸗ radikale Zeitungen besitzen und in den Reihen der österreichischen Mittelstandspolitiker eine führende Stellung einnehmen. Ob die Urteutschen mit Hilfe des Auslandes bessere Geschäfte machen, muß abgewartet werden.
Bei den Landtagswahlen in Altenburg
hat unsere Partei, wie das nunmehr vorliegende Endergebnis zeigt, über 1000 Stimmen Zu⸗ wachs zu verzeichgeu. Wir haben also, trotz⸗ den wir zwei Mandate verloren, recht gut abgeschnitten. Von gegnerischer Seite ist natür⸗ lich auch bei dieser Wahl mit allen Mitteln der Beeinflussung„gearbeitet“ worden.
Die Zweite hessische Kammer wird Montag den 13. Mai zu einer kurzen Tagung zusammentreten. Nach Erledigung der dringendsten Sachen wird sich die Kammer bis zum Herbst vertegen. Möglich, daß eine Eingabe betr. die Nichtansteklung jüdischer
Richter mit zur Verhandlung kommet. Geistliche Kontrolle bei den Zeitungen Jüngst hielt der hessische Pfarrve rein seine Jahresversammlung in Friedoerg ab. Dort nahm er nach der Frlfr.„Volksstimme eiue merkwürdige Haltung ein. Plarrer Bernbeck⸗ Staden hielt einen Vortrag über die Frage:
Wie ist die Ueberwachung und Veeinflu ssung
der Presse einzurichten und zu organisteren? Nach längerer Diskusston wurde eine Erklärung beschlossen, derzufolge die Herren Pfarrer eine „Beaufsichtigung“ und„Beeinflussung“ der hessischen Presse für„notwendig“ erachten. Viel Glück wird die Geistlichkeit bei diesem Beginnen kaum haben. Aber bezeichnend ist der förmliche Beschluß für die in der modernen Geistlichkeit herrschende Stimmung. Man will neben die weltliche noch möglichst viel geist⸗ liche Polizei setzen. Wir bezweifeln, daß dies der Kirche und Geistlichkeit gut bekommt. — Außerdem zeigt der Beschluß noch, wie wenig Arbeit die Herren Pfarrer haben müssen.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag erledigte in seiner Donnerstag⸗ Sitzung die dritte Lesung des Gesetzes über die privaten Versicherungsanstalten. Das Werk war sehr schnell gethan: Auf nationalliberalen Antrag wurde die ganze Vorlage, wle sie aus der zweiten Lesung hervorgegangen, im Ganzen angenommen.— Nicht so schnell ging es mit dem Urheberrecht, von dem noch ein ziemlicher Rest zur Beratung staud. Von ver⸗ schledenen Seiten wurde versucht, die„Schußfrilt“ für Werke der Bühnen⸗ und Tonkunst von 30 auf 50 Jahre auszudehnen. Eine solche Bestimmung war in der Regierungsvorlage enthalten gewesen, von der Kommissio⸗
Ablehuane lags un band de Antrages bewebt, einmal 1 dich. do ö werden Frxchcbere Stimmen Mlle
Freit
hesct; ei Wandelgä lbhaft be Nachfolger langen ul
der bishe
zu nacher
ber das
De
Die Vor hesserungs
holler un Singer lehntz d
der früh genomr
bon Pet
eine Pe.
echt agre
erlangt. lichen A branchen, zu schreie hethinder. Bezahlun Abenslag Meichskanz Beratung Vor Schl ehen ein ssch aud die sich kannt Griesh
IN
1
iu britker Leung a Henossn neten O sedrigen den dur Mbeeitzor Vbiertreter und ja Wurden ar die Haft eummisft lachden i Nebe


