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Nr. 19.
Gießen, Sonntag, den 12. Mai 1901.
8. Jahrg.
* Redaftion:
Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Mitteldeutsche
Medafttonsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Her
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4.
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t. ein Mitglied der Geschäftsleitung, Herr Dr. Ausnutzung der Maschinen. Leider hat der Der Achtstundentag Czapki, den Vorschlag, doch[teber sofort zum Vergleich durch Neuaufstellung von Maschinen
in der Praxis.
Wie notwendig unter den heutigen Produk⸗ tionsverhältnissen der achtstündige Arbeitstag für die Arbeiterschaft ist und welche segensreiche Wirkung seine Einführung auf die kulturelle Weiterentwickelung des gesamten Volkes aus⸗ üben müßte, ist in unserem Leitartikel der letzten Nummer näher dargelegt. Trotzdem wird von Seiten des Unternehmertums dieser Forderung, wie aller übrigen der Arbeiterklasse, hartnäckiger Widerstand entgegengesetzt. Unsere Gegner be⸗ zeichnen; den Achtstundentag schlankweg als sozialistische„Utopie“; seine Undurchführ⸗ barkeit steht für sie ebenso fest, wie die der Volkswehr, der progressiven Einkommensteuer, wirksamen Arbeiterschutzes und die unserer übrigen Forderungen. N
Da müssen wir denn immer wieder nach⸗ weisen, daß der Achtstundentag nicht allein sehr wohl durchführbar ist, sondern daß man auch die besten Erfahrungen damit gemacht hat. Dabet kommt uns sehr zu statten, was über die Erfahrungen, die man mit dem Achtstun⸗ dentag in der optischen Werkstätte Karl Zeiß in Jena gemacht hat, berichtet wird. Diese Firma hat, wie wir schon früher erwähn⸗ ten, seit 1. April vorigen Jahres den Acht⸗ 1 durchgeführt und sie ist auf Grund
er in diesem Jahre gemachten Erfahrungen gewillt, ihn dauernd beizubehalten.
Dies erklärte der Leiter des Unternehmens, Professor Abbe in einem Vortrage, den er in einer großen Versammlung der Geschäftsange⸗ hörigen am 29. März gehalten hat.
Professor Abbe erinnerte zunächst daran, daß Mitte der 60 er Jahre, als er zuerst mit der Werkstätte in Verbindung trat, wie allge⸗ mein in Jena, die Arbeitszeit 10½ stündig war. In den 80er Jahren wurde sie in dem Zeißschen Betriebe auf 10 und 9½ Stunden herabgesetzt und im Jahre 1891 wurde der Neunstundentag eingeführt. In der letzten Hälfte der 90er Jahre regte der Arbeiterausschuß wiederholt eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit an. Gegen den Achtstundentag hatte die Firma kein grunbsätzliches Bedenken; praktisch aber hatte sie das Bedenken, ob nicht durch die plötzliche Verminderung von 9 auf 8 Stunden eine wesemliche Verminderung der Gesamtleistung des Personals eintreten würde. In diesem Falle hätte die Firma von der Einführung des Achtstundentags absehen zu müssen geglaubt, u. d. auch deshalb, weil dann das von ihr eingeführte System der Gewinnbeteiligung der Arbeiter gefährdet gewesen wäre. Ein Arbeits⸗ ausfall von nur 4 oder 5 Prozent hätte den Verlust der ganzen Dividende zur Folge gehabt. Deshalb entstand die Frage: Wie ist es mög⸗ lich, eine Verkürzung der Arbeitszeit einzuführen, ohne eine Verminderung des Arbeits resultats und ohne eine für die Arbeiter schädliche Stei⸗ gerung der Anstrengung in den Kauf nehmen zu müssen?
Im Winter 1899 kam die Anregung aus Arbeiterkreisen, doch einmal mit einer Verkürzung der Arbeitszeit um eine weitere halbe Stunde, also auf 8 ¼ Stunden, den Versuch zu machen. Als diese Anregung diskutiert wurde,
machte
Achtstundentag überzugehen. Für diesen Vor⸗ schlag war die Erwägung maßgebend, daß bei der Verkürzung um eine halbe Stunde immer noch Eßpausen in die Arbeitszeit eingeschaltet werden müßten, daß es mit den Minuten nicht so genau genommen werde usw. Nach dem Studium der namentlich in England gemachten Erfahrungen war die Firma da von überzeugt, daß der Achtstundentag ohne Produktionsausfall, ohne Verschlechterung der materiellen Lage der Arbeiter und ohne ungehührliche Ausnützung der Kräfte herbeigeführt werden könne, wenn nur der gute Wille und genügendes Selbstver⸗ trauen bei der Arbeiterschaft vorhanden wäre. Man war sich ferner bewußt, daß ein solcher Versuch über die nächsten Interessen hinaus Bedeutung erlangen würde: ein Mißlingen hätte den schadenfrohen Gegnern nicht nur Stoff zum Lachen gegeben, sondern vielleicht auch die anderswo auf Verkürzung der Ar⸗ beitszeit gerichteten Bestrebungen lahmgelegt. Man ließ deshalb die Arbeiter darüber ab- stimmen. Die Frage lautete:„Wer traut sich zu und ist zugleich gewillt, in der auf acht Stunden verkürzten Arbeitszeit bei Lohn oder Akkord dasselbe zu leisten wie hei der bisherigen neunstündigen Arbeitszeit?“ Die Einführung des Achtstundentages sollte erfolgen, wenn sich eine Dreiviertelmehrheit dafür erklärte. Am 15. März 1900 stimmten von den über 18 Jahre alten Geschäftsangehörigen 611 mit„ja“, 105 mit„nein“, 26 Zettel waren ungültig. Am 1. April wurde zum erstenmal 8 Stunden ge⸗ arbeitet.
Die Geschäftsleitung hat nun seit der Ein. führung des Achtstundentages folgende Wahr⸗ nehmungen gemacht.
Dafür, daß eine Produktionspverminderung nicht eingetreten ist, liegen Anzeichen direkter und indirekter Art vor. Eines dieser Anzeichen ist die vorläufig nur für das erste Halbjahr vorliegende Lohnstatistik; nach dieser ist— ob⸗ wohl die Akkordsätze trotz verkürzter Arbeitszeit nicht erhöht worden sind— selbst für die Akkord⸗ arbeiter ein Lohnausfall nicht eingetreten. Die Beobachtungen bei Arbeiten im Zeitlohn haben ergeben, daß dieselbe Quantität hergestellt worden ist wie früher bei der neunstündigen Arbeitszeit. Namentlich das letztere ist anfänglich in Zweifel gezogen worden, weil die Arbeiter ihre Abhän⸗ gigkeit von den Maschinen betonten. Obwohl die Maschinen in ein schnelleres Tempo nicht versetzt werden konnten, haben sie dieselbe Arbeit geliefert wie vordem, weil die Zeit zum Vor⸗ richten des von der Maschine zu bearbeitenden Produktes besser ausgenutzt wurde. Dafür liegen durch die Aufzeichnungen des Maschinen⸗ meisters ziffernmäßige Nachweise bezüglich der Abgabe des elektrischen Stromes vor.
Es machte sich zunächst der pünktlichere Beginn bemerkbar; der Zeiger am Schaltbrett ging ruckweise in die Höhe, während früher beim Arbeitsbeginn der Zeiger sich nur langsam
vorwärts bewegte. In den ersten vier bis fünf Monaten, so lange ein Vergleich möglich war, ist ein um 4 bis 5 Prozent stärkerer Strom abgegeben worden, als vorher bei der neunstündigen Arbeitszeit. Das ist ein äußerst charakteristisches Zeichen für di intenstvere
nicht weiter fortgesetzt werden
Die andere Frage ist, ob die erhöhte Arbeits⸗ leistung in kürzere Zeit eine erhebliche An⸗ spannung der Kräfte bewirkt hat. Professor Abbe antwortete darauf: An sich Unterliegt es keinem Zweifel, daß, wenn die Arbeit in rascherem Tempo vollzogen wird, dadurch eine Mehranspannung der Arbeits kraft bedingt ist. Die Hauptfrage richtete sich aber auf den Punkt, ob dies bewußterweise geschah. Die Frage müßte bejaht werden, wenn jeder sch hätte sagen müssen: von nun an mußt du dich zusammennehmen, um dasselbe zu leisten bezw. zu verdienen. Davon kann aber keine Rede sein. Denn ein solcher Aufwand von Energie und Kraft hätte vielleicht 14 Tage gedauert und dann jedenfalls wieder aufgehört. Davon ist aber nichts bemerkt worden. Es hat sich viel⸗ mehr eine Art automatischer Angewöhnung an den neuen Zustand vollzogen, die dem einzelnen Arbeiter keineswegs als Strapaze fühlbar ist. Dies hängt mit der phystologischen Thatsache zusammen, daß ein gesunder Mensch, wenn er ausgeschlafen hat und einen gewissen Grad von Energie besitzt, eine bestimmte Summe von Arbeit iunerhalb einer gewissen Zeit, auch in rascherem Tempo leisten kann, ohne das Gefühl der besonderen Anstrengung zu besitzen.
Im zweiten Teil seiner Rede wandte sich Herr Professor Abbe den Voraussetzungen zu, unter denen eine Aufrechterhallung des Acht⸗ stundentages deukbar ist. Hierfür machte er zwei Hauptpunkte geltend: erstens das inten⸗ sivere Arbeitstempo, zweitens die ökonomische Ausnutzung der Zeit. Die erste Bedingung macht ihm keine Sorge. Denn wenn einmal die Gewöhnung vorhanden ist, so geht das von selbst weiter; es mußte sich denn einer absicht⸗ lich in das langsame Tempo zurückdrängen wollen. Das zweite dagegen ist in viel höherem Grade Sache des guten Willens. Da müssen die Arbeiter beim Glockenschlage an ihrem Platze stehen und auch nicht eher aufhören, bis die Glocke wiederum das Zeichen gegeben hat. Pünktlichkeit müsse strenges Gesetz sein; es müsse auch alles unterlassen werden, was die eigene oder die Arbeit des Nebenmannes beein⸗ trächtigen könne.— Ferner müsse verlangt werden, daß die anderweite Erwerbs⸗ thätigkeit in der freien Zeit, die dieselben Muskeln anspannt und die gleiche Aufmerksam⸗ keit erfordert, wie die gewöhnliche Arbeit, ein⸗ gestellt wird. Sonst könne man bon eirer Erholung nicht reden; es werde dadurch viel— mehr eine direkte Minderleistung bedingt.
Professor Abbe schlotz mit der Erllärung, daß die Firma von jetzt ab am 1. Mat vor⸗ mittags 11 Uhr die Geschäftsräume schließen und den ganzen Tag bezahlen wird. Darau ist nur die Bedingung geknüpft, daß— wenn jemand auf die volle B ihlung dieses
können.
Tages uuspruch erhebt— er sich nich hulden kommen lassen darf, was die Ehre ur das Ansehen des Arbeiterstandes sa ädigt
Das Vorgehen der 5 J Zeiß verdient
ennung. Die hier 1


