Ausgabe 
3.11.1901
 
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Nr. 44.

Gießen, Sonntag, den 3. November 1901.

8. Jahrg.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Mitteldeutsche

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Webaktienefenas Donnerstag Nachmittag 4.

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Abounemeutspreis: Die Mitteldeutsche

Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.

Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckerei Ludwigstr. 30; jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4814)

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finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33/0, und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.

Bei mindestens

Parteigenossen!

Wer die Petition gegen den Brot⸗ wucher noch nicht unterschrieben hat, thue es sofort. Die Listen müssen jetzt gesammelt und nach Berlin eingeschickt werden.

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Unparteiische Zeitungs⸗ mache.

Schon oft ist von sozialdemokratischer Seite und auch von anderer auf den verderblichen Einfluß hingewiesen worden, den die gefinnungs⸗ lose, sogenannte unparteiische Presse im öffent⸗ lichen und politischen Leben ausübt. Wenn die politischen Zeitungen, gleichviel welche Partei sie vertreten, bestimmten Grund sätzen und Forderungen Geltung verschaffen wollen, auf ihre Leser in einer bestimmten Richtung einzuwirken suchen, gewissen Idealen nachstreben mag man auch von den bürgerlichenIdealen halten, was man will so verfolgen die unpar⸗

teiischen Zeitungen einfach nur den Zweck des Gelderwerbs für ihren erleger. Das sagte auch dieser Tage der Ober⸗

bürgermeister Schnetzler von Karlsruhe.Solche hüten sich vielfach davor, in öffentlichen Streit⸗ fragen irgendwie Partei zu nehmen, aber nicht etwa aus Gerechtigkeit, sondern nur aus ängst⸗ licher Fürsorge für die Erhaltung möglichst zahlreicher Abonnements und Insertionen, und so fördern sie in weiten Kreisen die politische Charakterlosigkeit und Gleichgültig⸗ keit. Diese Gesinnungslumperei trat bei dem BreslauerGeneral-Anzeiger beim Erscheinen des Zolltarifs in besonders drastischer Weise zu Tage.

Die Regierung hatte den Zolltarif veröffent⸗ licht und in dem Blätterwalde entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber. Auch der Verleger des Breslauer Inseraten-Blattes hielt es endlich für nötig, daß sein Organ etwas über den alle Welt beschäftigenden Gegenstand sagen müsse und beauftragte einen seiner Tinten⸗ kulis mit der Abfassung eines diesbezüglichen Artikels. Unglücklicherweise war der vielleicht früher bei einem agrarischen Blatte beschäftigt gewesen, er entledigte sich seiner Aufgabe im Sinne der Brotverteuerer und glaubte sich damit die Zufriedenheit seines Arbeitgebers zu erwerben. Doch der arme Kopfarbeiter hatte sich verrechnet. Das tapfereunabhängige Blatt hat(leider!) noch viel Leser in den Ar⸗ beiterkreisen, außer dem städtische Ins eratenkunden, die es sich mit der Empfehlung des Brotwuchers abwendig gemacht hätte. Das erwog der Zei⸗ tungsbesitzer wohl, aber es war nicht mehr möglich, den Artikel durch einen andern zu er⸗ setzen, sollte nicht das rechtzeitige Fertigstellen der großen Auflage in Frage gestellt werden. Da, ein rettender Gedanke! Man versah den agrarischen Artikel mit einer 1 und am andern Tage mußte der Redakteur, dessen wirtschafts⸗ polftische Ueberzeugung sich ganz nach den Wünschen des Zeitungsbesitzers richtet, einen II. Artikel bringen, der eine schlagende Wider⸗ legung des ersten wax. Diese nette Geschichte brachte einer unserer Genossen kürzlich in einer

Breslauer Versammlung zum Ergötzen der An⸗ wesenden vor, die damit in die Geschäftsgeheim⸗ nisse derunparteiischen kapitalistischen Presse einen erbaulichen Einblick erhielten. Die Ge⸗ schichte nahm sich folgendermaßen aus: Mipkes Artikel . II.

am Sonntag:

Eine fühlbare Ver⸗ teuerung der Lebens⸗ mittel fürchten wir nicht einmal, selbst wenn die vorgeschlagenen Agrarzölle wirklich angenom⸗ men werden... Wir haben unseren Lesern in der ersten Ausgabe unter Preß⸗ stimmen eine kleine Probe gegeben, wie die freih änd⸗ lerische Presse tobt, von Attentaten auf die Lebenshaltung des Volkes spricht und von einerRegierung, die ein⸗ seitig einen privilegierten Stand bei der Aushunge⸗ rung des Volkes unterstütze. Wir können uns eines Lächelns nicht erweh⸗ ren, wie man gleich dem Kampfstiere, dem ein roter Lappen vorgehalten wird, so alle Besonnenheit verlieren kann! Und dabei bringt der Entwurf nicht einmal überraschend neues, ist gar kein urplötz⸗ lich entfalteter roter Lappen, sondern seit dem unoffiziellen Heraushängen aus der Re⸗ daktion des Stuttgarter Be⸗ obachter schon recht abge⸗ blaßt.

(Dann wird weiter ge⸗ sagt, das Ausland trage den Zoll und sei gezwungen, auch bei Aunahme des Zoll⸗ tarifs Handelsverträge mit Deutschland abzuschließen).

Also:

am Montag:

Wir können uns des Ge⸗ dankens nicht erwehren, daß Graf Bülow mit der Ver⸗ öffentlichung schließlich ein Diplomatenstückchen verbun⸗ den hat! Er will Material gegen sich selbst sammeln, um dann emphatisch erklären zu können:Ja, ich habe Euch, den Agrariern und anderen Interessenten der vorliegenden Zollsätze, ent⸗ gegenkommen wollen; an meinem guten Willen sollte es nicht fehlen, aber seht: Dürfen wir einerseits die wirtschaftliche Isolierung Deutschlands wagen und andererfeits den Ar⸗ beitern, die ohnehin durch die so ungünstig gewordene Lage der Industrie trüben Zeiten entgegengehen, eine solche starke Verteue⸗ rung der notwendig⸗ sten Lebens mittel auf⸗ zwingen? Dürfen wir dem deutschen Mittel⸗ stande, der mit allen Le⸗ bensfasern an Handel und Wandel interessiert ist, und der darum auch günstige Handelsverträge mit dem Auslande wünschen muß, eine solche neue Lage zu⸗ muten, die viele seiner bisherigen Daseinsbe⸗ dingungen über den Haufen werfen würde?

Zudem hat hier auch das Auzland mitzu⸗ sprechen, und es ist von größter Bebeutung dessen Meinungen zu vernehmen.

am Sonntag findet der famose

General⸗Anzeiger im Zolltarifentwurfkeine fühlbare Verteuerung der Lebensmittel, er

kann sich

eines Lächelns nicht erwehren,

wenn er die freihändlerische Presse gegen den

Zolltarif

toben sieht.

Und am Montag?

Ja am Montag, da spricht er selbst, daß man den Arbeitern, die ohnehin schweren Zeiten ent⸗ egengehen, eine so starke Verteuerung der

zebensmittel nicht aufzwingen darf,

daß

man die Daseins bedingungen des Mit⸗ telstandes mit dem Tarif über den

Haufen wirft!!

Und seine neue Meinung

ist so stark, daß ersich des Gedankens nicht

erwehren kann, auch

der Reichskanzler habe

die gleiche Empfindung! So führen dieunparteiischen Blätter ihr Leserpublikum an der Nase herum. Sie sind

heute königstreu,

morgen republikanisch, je

nachdem es die Geschäftsinteressen des Zeitungsbesitzers wünschenswert erscheinen lassen. Grundsatzlosigkeit und Gesinnungs⸗

losigteit ist bei ihnen Grundsatz. Manchmal, gewöhnlich vor dem Quartalswechsel wird anch inArbeiterfreundlichkeit gemacht, um Arbeiterabonnenten zu fangen, später wird die Arbeiterbewegung verleumdet und verdächtigt. In Gießen haben wir dafür ein klares Bei⸗ spiel. Wie floß der Hoppstädter erst über von Arbeiterfreundlichkeit! Nach und nach aber demaskierte er sich und entpuppte sich als So⸗ zialistenvernichter à la Schweinburg. Hopp⸗ städter ging, dasunparteiische Blatt ging in andere Hände über, man glaube aber nur ja nicht, daß es in anderem Geiste geleitet würde. Wie der oben charakterisierte, so schön herein⸗ gefallene Breslauer General-Anzeiger sind eben alle sogenannten unpartetischen Blätter!

So gesinnungslos wie dieparteilose Presse, die die Interessen der Arbeiter mit Füßen tritt und nur die Geschäftsin⸗ teressen ihres Verlegers wahrnimmt, so ge dankenlos um nicht zu sagen: so ge⸗ wissenlos handelt der Arbeiter, der jene Schundpresse durch ein Abonnement unterstützt.

Laßt charakterlose Menschen die charakterlose Presse lesen! Ein klas⸗ senbewußter Arbeiter liest sein Par⸗ teiblatt, dessen Miteigentümer er ist.

Zum Kampfe gegen den Brotwucher.

Im Namen der Menschlichkeit! Wenigstens die Regierung eines deutschen Bundesstaates hat sich gegen die Erhöhung der Lebensmittelzölle erklärt und zwar die von Sachsen⸗Koburg⸗Gotha. Einer Deputation Gewerbtreibender gegenüber äußerte sich der gothaische Minister Hentig dahin, daß es Pflicht der Regierung sei, dem allgemeinen Besten zu dienen, besonders die Absatzgebiete der Landesindustrie zu wahren und ihre Ab⸗ schließung von den Auslandsmärkten zu ver⸗ hüten. In erster Linie sei sie verpflichtet, die Erhaltung des Nahrungsstandes der Volksklassen mit dem niedrigsten und unsichersten Einkommen bei allen zollpolitischen Maßregeln im Auge zu behalten. Gerade die traurigen Erscheinungen auf dem Arbeitsmarkt, die wir gegenwärtig beobachten, legen diesem Gesichtspunkt aus Gründen der Menschlichkeit wie der Politik besondere Bedeutung bei. Die Regierung glaubt, in Ab⸗ wehr jeglicher Einseitigkeit zu einer klaren Er⸗ kenntnis dessen gekommen zu sein, was der Natur unserer Staatsgemeinschaft in der Frage der Handelspolitik entspricht. Auf der dadurch gebotenen Linie ihres Verhaltens wird sie mit Festigkeit beharren.

Unsere Agrarier werden aber vonGründen der Menschlichkeit nichts wissen wollen, sie fragen den Teufel nach Menschlichkeit, wenn nur ihr Profit erhöht wird.

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Die frommen Schäflein rebellieren! Die Frage der Zollerhöhung auf Lebensmittel dürfte für die bisher ziemlich festgefügte Zent⸗ rumspartei erhebliche Erschütterungen bringen. Während das Zentrum in allen öffentlichen Kundgebungen für die Agrarzölle eintrat, ebenso die führenden Preßorgane und Personen sich