0 Nr. 35. Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung. Seite 3. rie 7 3440 Mk. auf die Abnützung des Geschützes] Lob der Arbeiterpresse aus bürgerlichem 100 1 Politische Rundschau. 9 5. 1895 55 Munde. 1 ohuherd,—— ützes kostet einschließlich der nicht unbe⸗ Schon vor längerer Zeit haben sich wissen⸗ 0 10 Gießen, den 29. August. trächtlichen Montagekosten 320600 Mk. schaftliche Kapazitäten e die 1d M.. 1 150 Gar Schuß wird das Geschütz un⸗ gute Auswahl des Unterhaltungslesestoffes, h ut Von einer Reichstagsauflösung Also verschlin k Möloch vas saner erworbene Romane usw. ausgesprochen, die die Arbeiter⸗ zune, it in den letzten Tagen vielfach die Rede. Die Geld der Steuerzahler! presse ihren Lesern bietet. Sie stellten diese in een Agrarier haben aber eine heillose Angst davor i 11 1 75 zu dem thränenduseligen, lüsternen ful 0 8 ee ö e 9 5 ae Offiziere sind unfehlbar, Weise geassegt 17 en find n hr bebe n de n Zeit vorgenommenen Eratzwahlen wenigstens nach der Ansicht eines Amtsrichters; 8 n e e f VVV) gt gu 5 n 1 1 95 5 Ae ed Kaufmann mit Offizieren wegen unberechtigter ebenfalls unserer Presse dolle Gerecht keit n Hehe 1 85 15 ein emu siche wucherer] Besetzung seiner Plätze in Wortwechsel geraten, widerfahren lassen muß. Sie schreibt: 8 bende bei den Neuwahlen eine empfindliche, eine ent⸗ der einen Strafantrag der Offiziere gegen den W erde daß de
0 scheidende Niederlage zu befürchten haben. Ihre„Wenn man erwägt, daß der Vorwärts
Bürger wegen Beleidigung zur Folge hatte.
In der Verhandlung behauptete nun der Ange⸗ Hates„def, ernsthaftesten deutsch en
Blätter warnen deshalb dringend vor einer
Reichstagsauflösung und die Organe der Zen⸗ trumspartei schließen sich ihnen an. Sicher hat auch das Zentrum nichts von den Neu⸗ wahlen zu hoffen, es wird Alles aufbieten, um dies ihm Entsetzlichste zu verhüten. Denn für das Zentrum bedeuten Reichstags wahlen unter dem Zeichen der Kornzollerhöhung nicht weniger als den Auseinanderfall der Partei, in der heute noch zollwucherische Agrarier und nach billigem Brot rufende katholische Arbeiter mühsam vereint gehalten werden.
Uns könnte eine Auflösung nur willkommen scht Sie ist immerhin nicht ganz ausge⸗ chlossen; wir müssen deshalb unsere Organi⸗ sationen vervollständigen, damit bei eintretendem Kampfe unsere Truppen wohlgerüstet und unsere Bataillone formiert sind.
Der Sühneprinz.
Zu einer heiteren Episode in der chinestschen Komödie gestaltet sich die Reise des neunzehn⸗ jährigen„Sühneprinzen“ Tschun, der bekanntlich mit der Misston betraut ist, in Berlin wegen der Ermordung des Gesandten Ketteler, Abbitte zu leisten. Diese Sühne⸗ reise stellt eine Forderung der Friedensverein⸗ barungen zwischen China und den Mächten dar. Der Prinz begab sich denn auch auf die Reise und kam anfangs der Woche in Basel(von Genua aus) an. Schon in Shangai wurde der Prinz von den Ausländern und besonders von dem deutschen Generalkonsul in einer Weise umschmeichelt, die merkwürdig von dem hunnischen Vorgehen im vorigen Jahre abstach. Auch in Berlin waren bereits die großartigsten Vorbereitungen zu seinem Empfange
etroffen. Da— in Basel angekommen, weigert fich der Prinz weiterzufahren, Unwohlsein vorschützend. In Wirklichkeit soll die Ursache seiner Weigerung in„neueren Komplikationen“ liegen, die wiederum in Peking eingetreten seien. Außerdem hat er erklärt, den Forde⸗ rungen, die man in Berlin an ihn stelle, nicht entsprechen zu können. Das bedeutet eine furchtbare Blamage der deutschen Chinapolitik.
Krach im Flottenverein.
Der Präsident des Flottenvereins, Fürst zu Wied, ist Dieser Schritt hängt nach der Köln. Ztg. mit der total verunglückten ostastatischen Nachrichten⸗Expeditton des Vereins zusammen. Die mit großer Reklame in's Werk gesetzte Eypedition hat ungeheure Kosten ver⸗ ursacht, nicht das Allermindeste geleistet und
erade auch beim Offizierkorps der ostasiatischen rpedition großen Unwillen hervorgerufen. Nach der Volksztg. hat Fürst zu Wied die Kosten dieses teuren Spaßes aus eigener Tasche bezahlt. Nach anderer Quelle hat es sich um einen Beitrag von über 180,000 Mark gehandelt, den der Fürst von Wied geopfert hat. Es handelt sich wahrscheinlich um„Vorschüsse“, die „vielleicht nicht zurückgezahlt werden“.
Ein einziger Schuß— 6800 Mark!
Ueber die Kosten des Moloch Militarismus unterrichtet wieder einmal eine Notiz, die sich in Köhler's„Deutschem Kaiser⸗Kalender“ be⸗ fin det:
„Die Kosten eines Schusses mit dem neuesten von Krupp hergestellten Geschütz sind auf 6800 Mk. berechnet worden, wovon 2600 Mk.
auf das Geschoß selbst, 760 Mk. auf die Pulverladung von 485 Kilogramm und
klagte, daß die ihm zur Last gelegten Aeußerungen bedeutend milder gelautet hätten, wofür er drei Zeugen stellen könne. Der Vorsitzende des Ge⸗ richtshofes erklärte jedoch nach der„Ostdeutschen Zeitung“, daß Freiherr von Schimmelmann unter seinem Eide für die richtige Wiedergabe der Beleidigungen eingetreten sei, und daß Zeugen nicht im Stande seien, die eidliche Aussage eines preußischen Offiziers zu widerlegen. Das Urteil lautete denn auch auf 14 Tage Gefängnis gegen den Kaufmann. Es ist gegen dies Urteil Be⸗ rufung eingelegt worden. Daß mit diesem Ausspruch der Gerichtsvorsitzende die Herren Offiziere als unfehlbar und keinem menschlichen Irrtum unterworfen hingestellt hat, scheint ihm gar nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein. Käme der Herr Amtsrichter einmal selbst in die Lage, se in Zeugnis dem eines Ofstziers gegenüberstellen zu müssen, so würde er wohl sehr bald zu anderer Ansicht gelangen.— Viel⸗ leicht hat der Mann davon gehört, daß der preußische Offizier den„vornehmsten Rock“ trägt. Warum soll er da nicht auch die vor⸗ nehmsten Charaktereigenschaften besitzen?
Zum Gumbinner Todesurteil
hat sich fast die gesamte Presse mit seltener Einmütigkeit dahin ausgesprochen, daß das von niemand erwartete Urteil des Oberkriegsgerichts ein Fehlspruch schlimmster Art sei. Von mili⸗ tärischer Seite wird im konservativen„Reichs⸗ boten“ auf die Schützeneigenschaft Martens hingewiesen, der seit 1898 nicht mehr scharf geschossen habe, es somit ganz unwahrscheinlich sei, daß er den tötlichen Schuß auf den Ritt⸗ meister abgegeben habe. Von allen Seiten wird die Aufhebung des Urteils erwartet.
Angst vor Attentaten.
Bet der Anwesenheit des Kaisers in Danzig, wo er am 14. September eintrifft, werden die strengsten Absperrungsmaß⸗ regeln getroffen. Das gesamte große fiska⸗ lische Terrain, über das die Bahnverbindung von der Werft nach dem Zentralbahnhof führt, wird durch einen Eisendrahtzaun abge⸗ schlossen und außerdem streng bewacht. Frei bleibt nur die große Zufuhrstraße zur Werft; für den Zutritt zur Werft werden be⸗ sondere Vorkehrungen getroffen werden. Das Terrain vor der Werft erhält außerdem eine großartige elektrische Beleuchtungsanlage; auch die Beleuchtungsanlage der kaiserlichen Werft wird erheblich verstärkt. Das ständige Militär⸗ Wachtkommando auf der Werft kommt unter den Befehl eines Offtziers; die ständige, aus sechs Berliner uniformierten Schutz⸗
leuten bestehende Polizeimannschaft der Werft
wird noch durch sechs Danziger Schutzleute verstärkt.— Wir hätten wirklich nichts da⸗ gegen, wenn jeder, der sich zu solchen Schau⸗ spielen hindrängt, einer strengen Leibesvisitation unterworfen und womöglich eingesperrt würde.
Ein„wildes“ Land.
Als Mitglied des Verwaltungsge⸗ richtshofes im Herzogtum Gotha ist nunmehr Genosse Bock, der als erster Vize⸗ präsident des Landtags mit in diese Körper⸗ schaft gewählt wurde, nebst den übrigen Ge⸗ wählten vom Regenten bestätigt worden.
Blätter ist, das dem Unterhaltungs⸗ bedürfnis geringe, dem Sensations⸗ bedürfnis— abgesehen von der politischen und agitatorischen Sensation— keinerlei Zugeständnisse macht, so enthält die angegebene Zahl der Vorwärts-Abonnenten eine sehr ernste Kritik der bürgerlichen Klassen, in deren Mitte Generalanzeiger und ähnliche Organe die verbreitetsten Blätter sind.“ Was hier vom Vorwärts gesagt wird, gilt unbedingt auch von der übrigen Arbeiterpresse. Fast überall hat leider die gesinnungslose Presse die größte Verbreitung. Es giebt leider immer noch eine große Zahl Arbeiter, die sie unterstützt. Schuld daran sind meistens die Frauen, denen die Seufzerecke und die seichten und wertlosen Romane, die niemals traurig auslaufen, in denen immer„die Tugend siegt und das Laster untergeht“, so gut gefallen. Eine Schande ist es für jeden Arbeiter, der sich in einer solchen ernsten Angelegenhet, wie sie das Halten einer Zeitung ist, von seiner Frau beeinflussen läßt und die gesinnungslose Presse unterstützt.
„Väterchen“ Nikolaus
der Selbstherrscher aller Reußen beabsichtigt, das republikanische Frankreich wieder mit seinem zesuche zu beglücken. Wenn das französische Bürgertum vor dem Beherrscher des Knuten⸗ reiches in ekler Weise schweifwedelte und im Staube kroch, so sticht das Verhalten der Sozialisten und ihrer Presse vorteilhaft von dem der bürgerlichen Auch-Republikauer ab. So sagt die sozialistische„Petite République“: Nach den Ereignissen, die so tief unsere Demokvatie erregt haben, nach den abscheulichen Verfolgungen der russischen Studenten und Proletarier, nach den Attentaten, denen dort in Rußland zum Opfer fielen all diejenigen, die das Verbrechen begangen hatten zu denken, zu sprechen, zu schreiben oder zu träumen,— erscheint uns der Besuch Nikolaus II. erniedrigender, denn je für das Volk freier Menschen, das wir sind. 3 Den nach Sibirien Verbannten und Geknechteten entbieten wir einen brüderlichen Gruß, und wir schwören ihnen, uus nicht durch den chauvinistischen Wahnsinn hinreißen zu lassen zu den Füßen desjenigen, der sie verfolgt und terroristrt.“ Das ist mannhaft und wahr gesprochen!
Krieg in Südafrika.
Gegen die Proklamation Kitcheners hat der Präsident Krüger eine Protestnote den Mächten zugehen lassen, welche die Haager Konvention unterzeichnet haben und betont, daß das Vorgehen der britischen Regierung in Süd⸗ afrika gegen die im Haag festgestellten Grund⸗ sätze verstoße. Die Mächte werden ferner an die ihnen obliegende Verpflichtung gemahnt, die Konvention gegen jedwede Verletzung zu schützen. Sollten die Mächte gleichgültig gegen die Ver⸗ letzung des Völkerrechts durch England bleiben, so würden Botha und die übrigen Burenführer völlig befugt sein, nach Gutdünken zu handeln. — Nach neueren Meldungen dringen die Buren in großen Schaaren in die Kapkolonie ein und bedrohten bereits Kapstadt.— Präsident Krüger hat erklärt, die Buren würden sich durch Kitcheners Proklamation nicht einschüch⸗ tern lassen, sondern den Kampf fortsetzen.
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