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nalistisches Talent schaute er im Sitzungssaale um sich. Jetzt hat diesenNicht⸗Gentleman

richter zu verantworten haben. Es handelt sich

Polizeidirektor eine sehr bedenkliche Rolle und

amn Herzschlag verstorben ist.

bend hatte der hiesige Arbeitergesangverein Eintrachtin seinem Vereinslokale bei D. Jesberg für seine Mitglieder und deren Ange ötige und Freunde des Vereins eine Weih

Nr. 53.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite. 5.

Grog bewirthet, um sie zur Herausgabe

falscher Karten zu verleiten. Leider erreichte er

sein Ziel nur zu gut und stolz über sein krimi⸗

sein Schicksal ereilt. Unschuldig hingerichtet.

Man berichtet aus Ostende: Vor etwa sieben Jahren wurden drei belgische Arbeiter vor Ge⸗ richt gebracht und schuldig befunden, u. a. auch den Mord einer alten Dame in Haumont be⸗ gangen zu haben. Obgleich sie bis zuletzt ihre Unschuld betheuerten, wurde einer zu lebens⸗ länglicher Einkerkerung verurtheilt und die bei⸗ den anderen guillotiniert. Jetzt hat eine Frau Namens Soumague ihren Mann angezeigt, daß er diese Verbrechen begangen habe. Die Behör⸗ den haben eine Untersuchung des Falles einge⸗ leitet. Als Degroot, einer der verurtheilten Männer, vor der Hinrichtung gefesselt wurde, verursachte er dadurch Aufsehen, daß er sagte: Ihr könnt nicht alles von mir binden. Ihr werdet meine unsterbliche Seele nicht haben und Ihr werdet für Unrecht bestraft werden, daß Ihr mir gethan habt. Das ist nicht der erste und wird nicht der letzte unschuldig Hinge⸗ richtete sein. Diese barbarische Strafart sollte längst beseitigt sein, wenigstens bei Kultur⸗ völkern.

Das Urtheil im Prozeß Sternberg

ish am vorigen Freitag gesprochen worden. Sternberg wurde zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverl sust verurtheilt. 6 Monate wurden als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. Die Wender wurde zu sechs Monaten Ge⸗ fängniß verurtheilt, wovon zwei Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt er⸗ achtet wurden, gegen Luppa wurde der Ur⸗ theilsspruch ausgesetzt, die Scheding endlich wurde freigesprochen⸗

Bemerkenswerth ist noch, daß Sternberg in seiner Vertheidigungsrede sich als edlen Wohlthäter der Menschheit aufspielte nur der Prozeß habe ihn an der Realisirung seiner Wohlthätigkeitsplane verhindert. Er versichert immer wieder, daß er unschuldig sei. Das Gewinsel des verbrecherischen Sub⸗ jektes nutzte aber nichts, es wurde ihm die wohl⸗ verdiente Strafe zudiktirt. Gegen das Urtheil soll Sternberg Revision eingelegt haben.

Der Prozeß wird noch eine ganze Reihe von

Nachspielen haben. Gegen den Rechtsanwalt Dr. Werthauer ist derPost zufolge ein Strafverfahren wegen Verleitung zum Meineid im Gange; er wird sich in Gemein⸗ schaft mit dem bereits in Haft genommenen Inseratenagenten Wolff und Gen. in dieser Strafsache zu verantworten haben. Andere Meineidsverfahren werden sich anschließen, außerdem wird auch die in diesem Prozeß auf⸗ gedeckte Polizeikorruption die Gerichte beschäf⸗ tigen. 2 Ein neuer Sternbergprozeß in Sicht. Wie gemeldet wird, soll sich August Stern⸗ berg demnächst von Neuem vor dem Straf⸗

um neue Straffälle von ganz derselben Art, wie diejenigen waren, die der soeben beendeten Zgtägigen Verhandlung zu Grunde lagen. Zur richtigen Zeit gestorben! Der aus dem Sternbergprozeß bekannte Po⸗ lizeidirektor von Meerscheidt⸗Hüllesem ist am Freitag gestorben. In dem Prozesse spielte der

Es hieß, daß er sich das Leben genommen habe. ie von den Angehörigen veranlaßte Obduktion hat jedoch, wie berichtet wird, ergeben, daß er

Wahltreis Marburg⸗Kirchhain. f St. Marburg, den 28. Dezember 1900. Weihnachtsfeier. Am ersten Feiertag

Vergehen an den Schaffner gerichtet, ja no mehr: er hatte Schaffner mit Bier 105

nachtsfeier veranstaltet, welche sich zu einem unerwartet großartig wee e Ar⸗ Setter fest gestaltete. Sämmtliche Räume der Wirthschaft und noch ein anstoßendes Privat⸗ zimmer waren überfüllt; verschiedene Genossen kehrten wieder um, da kein Platz und kein Glas mehr zu haben war. Um 8.30 Uhr eröffnete der Vorsitzende die offizielle Feier mit einer Ansprache, in welcher er die Erschienenen will⸗ kommen hieß, und für den zahlreichen Besuch dankte. Es beweise dies, welche Sympathie sei⸗ tens der Arbeiter dem jungen Gesangverein ent⸗ gegengebracht würde; derselbe wolle es sich an⸗ gelegen sein lassen, sein bestes Können zur Ver⸗ schönerung der Arbeiterfeste beizutragen. Hierauf trugen die Sänger unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Pauli jun., zwei Chor⸗ lieder vor, welche reichen Beifall ernteten, wie auch die später noch vorgetragenen Chorlieder. Da dies das erste Auftreten vor der Oeffent⸗ lichkeit war, so kann man ruhig sagen:der junge Verein hat seine Feuerprobe bestanden. Gen. Abel sprach noch über die Bedeutung des Weihnachtsfestes für uns Arbeiter und brachte zum Schluß ein Hoch auf die internatio⸗ nale, völkerbefreiende Sozialdemokratie aus, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Eine Verlosung von allerlei nützlichen Gegen⸗ ständen auch die Kinder der Mitglieder wur⸗ den mit einer kleinen Gabe bedacht bildete den Schluß der Feier. Noch lange aber saßen die Gäste bei frohem Gläserklange zusammen.

Ein lustiger Streich. In einem benachbarten Dorfe wollte kürzlich ein Bauer ein fettes Schwein schlachten. In der Morgen⸗ dämmerung kam der Metzger, um seines Amtes zu walten. Der Bauer öffnete den Stall, um das Schwein herauszulassen, doch welches Er⸗ staunen, als statt dessen eine Ziege herausspa⸗ ziert kam! Der Bauer jammerte um den Verlust seines schönen Schweines und schimpfte weidlich auf die Missethätet, die ihm diesen Streich ge⸗ spie. t. Bauer und Mezger machten sich nun auf die Suche nach dem Schwein und fanden dasselbe schließlich in einem Ziegenstalle einge⸗ sperrt. Während der Nacht hatte sich ein S a. oder mehrere den Spaß gemacht, die Rollen der Ziege und des Schweines zu vertauschen!

Kleine Mittheilungen.

* Bürgermeister⸗Bestätigung. Der neugewählte Bürgermeister von Lang⸗Göns hat seine Bestätigung erhalten. Gegen seine Wahl, die nur mit knapper Mehrheit erfolgte, war von der Gegenseite Protest erhoben worden, was zu lebhaften Kämpfen innerhalb der Gemeinde führte.

* In Salzschlirf hat die Gemeinde⸗ vertretung die Anlegung einer Hochdruck- wasserleitung beschlossen. Die dortigen Trinkwasserverhältnisse waren für einen Bade⸗ ort unhaltbar geworden. Gleichzeitig mit der Wasserleitung bekommt der Ort neues Pflaster.

Partei⸗Nachrichten.

Parteipresse. Unter dänisches Par⸗ teiblattSozialdemokraten wird am 1. Jan. mit seinem gesammten Betrieb nach dem neuen großen eigenen Grundstück in der Större far⸗ ningsgade in Kopenhagen übersiedeln.So⸗ zialdemokraken ist das am weitesten verbreitete Blatt in Skandinavien und erscheint jetzt in einer Auflage von 40 000 Exemplaren. Vom 15 Januar ab wird die Zeitung, statt bisher 7spal⸗ tig, in Sspaltigem Format erscheinen und damit der Umfang um ein Siebentel vermehrt wer⸗ den. Das muß uns zur Nacheiferung an⸗ spornen;

Arbeiterbewegung.

Kürzlich gründete sich in Stade an der Elbe ein Maurerverein, der seine Bestrebungen

rung aller gewerkschaftlichen Rechte und Ver⸗ besserung der Lohnverhältnisse auf gütliche m Wege, Abschaffung aller besoldeten Agita⸗ toren usw., da dieselben nur Terrorismus und Ausbeutung verursachen, dafür lediglich Ehren⸗ beamte; Aufhebung der Agitation auf der Baustelle, sowie Herstellung eines guten Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Die Errichtung eines Zentral- Arbeiter⸗Sekretariat. in Berlin steht für den Beginn des neuen Jahres in Aus⸗ sicht. Die Kosten sind auf 10000 Mark berechnet. Ein Drittel der Kocten tragen die Berliner Ge⸗ werkschaften, ein Vrittel die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands in Hamburg und ein Drittel die Gewerkschaftskartelle in den verschiedenen deutschen Städten. Es sind zwei juristisch und volkswirthschaftlich gebildete Be⸗ amte und ein ärztlicher Beirath anzustellen. Die Hauptthätigkeit des Arbeitersekretariats soll in der mündlichen Vertretung der Ar⸗ beiter vor dem Reichs versicherungs⸗ amt, daneben in Auskunftsertheilung in allen Arbeiterangelegenheiten bestehen, die von dem Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission nicht erledigt werden können. Der Präsident des Reichs versicherungsamtes beantwortete eine Anfrage dahin, daß die Arbeitersekretäre zur Vertretung zugelassen würden. Der Mangel einer solchen Vertretung hat sich bisher für die Arbeiter in sehr empfindlicher Weise fühlbar gemacht.

Literarisches.

Roman⸗Literatur. Unsere Genossen und ihre Frauen machen wir wiederholt auf dieFreien Stunden aufmerksam! Der Verlag, BuchhandlungVorwärts, ist fortge⸗ setzt bemüht, in diesen Heften dem Volke das Beste und Gediegenste auf dem Gebiete des Ro⸗ mans zu bieten. Im neuen Jahrgang, dessen Heft 1 eben zur Ausgabe gelangt, wer⸗ den von nun ab immer zwei Romane gleichzeitig erscheinen; der Verlag hat da⸗ für zwei Romane gewählt, die wir für unsere Arbeiterfrauen sehr geeignet halten; sie haben nicht wie derSohn des Rebellen ein gewisses politisches und historisches Inter⸗

esse zur Voraussetzung, sondern sie sind direkt

aus dem praktischen Leben gegrif⸗ fen: Dombey und Sohn von Dickens, die Geschichte des geldstolzen Handelsherrn, der nur für seinen Reichthum und seinen Sohn Interesse hat, die reiche Liebe seiner Tochter achtlos weg⸗ wirft, die Brutalität und Heuchelei der sogen. besseren Gesellschaft prachtvoll schildernd und geißelnd, und Hanna von Sinkiewicz, die liebliche Geschichte der Jugendliebe zweier Freunde für ein und dasselbe Mädchen. Fassen wir die guten Illustrationen, die Ausstattung und den billigen Preis von 10 Pfg. ins Auge, so können wir unferen Lesern nichts besseres empfehlen als das Abonnement auf die Freien Stunden.

Chinapolitik und Sozialdemo⸗ kratie vor dem Reichstage. Unter diesem Titel sind im Verlage desVorwärts Auszüge aus den Reichstagsverhandlungen vom 19., 22. und 23. November, enthaltend Reden von Bebel und Singer erschienen. Als Einlei⸗ tung sind ihnen die Kaiserreden über den China⸗ krieg vorausgeschickt. Die Broschüre kostet nur 20 Pfg.

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, den 29. Dezember. Gießen. Holzarbeiter abends 9 Uhr bei Löb, Wiener Hof.

Samstag, den 5. Januar. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Uhr, Versammlung bei Orbig. Gießen. Die nächste Versammlung des Schneider⸗ verbandes findet am 7. Januar; die des Metallarbeiterverbandes am 12. Januar im Lokale Or big statt.

Abends 9

Genossen! Agitirt allerorts

180FI 9 1 NN 1 5 in folgenden famosen Sätzen verkündet:Wah⸗

für die Parteipresse!

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