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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Der Krieg mit China.

Friedens bedingungen. Die Mächte haben nununwiderrufliche Bedingungen ver⸗ einbart, die China um den Preis des Friedens erfüllen soll. Der erste Punkt verlangt, ein chinesischer Prinz soll nach Berlin gesandt werden und dort dem Bedauern des Kaisers über die Ermordung des Freihrn. v. Ketteler Ausdruck geben. Ferner soll an der wo der Mord stattgefunden hat, ein Denkmal errichtet werden, welches in lateinischer, deut⸗ scher und chinesischer Sprache das Bedauern des Kaisers über den Mord ausspricht. Ferner wird zum Unterschiede gegenüber den früher aufge⸗ gestellten Bedingungen nicht die Todes⸗ strafe für die Prinzen Tuan und Konsorten, sondern nur dieallerstrengste Strafe, ent⸗ sprechend den begangenen Verbrechen, berlangt. Ein weiterer Artikel verlangt Genugthuung für die Ermordung des Kanzlers der japani⸗ schen Gesandtschaft. Neu ist sodann die Bestimmung, daß nicht nur die Einfuhr von Waffen oder Kriegs material, son⸗ dern auch ihre Herstellung untersagt wird. Ob China auf diese Bedengungen ein⸗ gehen wird, ist allerdings sehr fraglich.

Der Krieg in Südafrika.

Aus Kapstadt wird berichtet: Die Lage in der Kapkolonie wird ernster; es wird ge⸗ schätzt, daß 2000 Buren in die Kapkolonie über den Oranjefluß eindrangen. Obgleich wegen der Endergebnisse keine Befürchtungen gehegt wer⸗ den, bestehen ernste Befürchtungen, daß die holländischen Burenfreunde sich ihnen an⸗ schließen werden und der Aufstand sich ausbreite. Der Mangel an ausgebildeten berittenen Trup⸗ pen macht sich schwer fühlbar. Die besten Ken⸗ ner des Landes betonen die Nothwendigkeit, alle verfügbaren berittenen Truppen nach Südafrika zu senden. Eine weitere Nachricht besagt, daß sämmtliche Eisenbahnverbindungen mit Transvaal und dem Oranjefreistaat abgeschnit⸗ ten sind, und daß sich infolgedessen die englischen Truppen in der Gefahr befinden, von der Zu⸗ fuhr von Lebensmitteln und Munition abge⸗ schnitten zu werden. Es bestätigt sich, daß zwi⸗ schen den verschiedenen Burenkommandanten⸗ ein förmliches Rendezvous verabredet ist, sich in der Kapkolonie zusammenzufinden. Die englischen Kolonialbehörden in Kapstadt sind überaus verschwiegen. Die Holländer in den Norddistrikten sind sehr unruhig. Man be⸗ fürchtet, daß sie ssich den eingefallenen Buren anschließen werden. Die Bewegungen der Trup⸗

pen sind erschwert, weil mehrere Strecken der

Eisenbahn durch Regengüsse fortgespült worden sind. Die Buren überrumpelten und nahmen die zur Landesvermessung abgeschickte Abthei⸗ lung in Philippstown gefangen, gaben dieselbe aber nach Zerstörung der Instrumente wieder frei.

Von Nah und Fern.

Gießener Angelegenheiten.

M. K. Weihnachtsfeier der Buch⸗ drucker. Vorigen Sonntag beging dieTy⸗ pographia, der Ortsverein Gießen des Ver⸗ bandes deutscher Buchdrucker, im Saale des Cafe Ebel ihre Weihnachtsfeier. Fast voll⸗ zählig waren die Kollegen nebst ihren Ange⸗ hörigen erschienen. Das Komitee hatte es ver⸗ standen, durch ein vorzüglich zusammengestelltes Programm, dessen Ausführung nichts zu wün⸗ schen übrig ließ, den Abend zu einem recht ge⸗ nußreichen zu gestalten. Eine Ansprache, in der auf das Ziel der Gewerkschaft, sowie auf die im nächsten Jahre bevorstehende Tarifrevision

hingewiesen wurde und die mit der Begrüßung

der Erschienenen endete, leitete die Feier ein. Musikvorträge wechselten ab mit Deklamatio⸗ nen und Gesängen mit Zitherbegleitung. Ganz besonderen Beifalls erfreuten sich die Leist⸗

ungen desZauberers Pelachini und seines

Lehrlings Dumpaci, denn als er am Schlusse dieser Programmnummer ächte Spree-Athener Warm sin se noch in schier unerschöpflicher Fülle aus seinem Cylinderhut hervorzauberte und der ganze Saal den BerlinerAechten die gerechte Würdigung zu Theil werden ließ, da wollte der Beifallsjubel kein Ende nehmen. Auch nahm jedes Mitglied ein kleines Andenken an diese Feier mit nach Hause. Die Kinder wur⸗ den erst recht erfreut: der Baum ward ganz

regelrecht von ihnen geplündert, Spielsachen und Gebrauchsgegenstände von ihnen glücklich lächelnd eingeheimst. Daß das Komitee noch außerdem dem Verein ein vorzüglich gezeich⸗ netes Buchdruckerwappen unter Glas und Rah⸗ men alsChristkind verehrte, sei am Schlusse herzlich dankend erwähnt, mögen sich die bei der Ueberreichung geäußerten Wünsche voll und ganz erfüllen. Toafte auf den Ortsverein, den Verband und vor allem auf das Komitee fanden begeisterte Zustimmung.

Die beiden Vereinsfestlichkti⸗ ten, die an den Feiertagen stattfanden, er⸗ freuten sich eines ganz außerordentliche Zu⸗ spruches. Sowohl zu dem Familienabend der Schneider am ersten Feiertag im Orbig'schen Lokale, als auch zu der Weihnachtsfeier des GesangvereinsEintracht und der Holzarbei⸗ ter, die am zweiten Feiertage in denvier Jahreszeiten abgehalten wurde, hatten sich so viele Besucher eingestellt, daß sie in den aller⸗ dings etwas beschränkten Räumen nicht alle Platz finden konnten und besonders in den vier Jahreszeiten nicht wenige wieder fort gehen mußten. Der Verlauf der Veranstaltungen war durchaus befriedigend.

Ueber die letzte antisemikissche Versammlung berichtete dieVolkswacht, unser Genosse Krumm habe sich mit der von Dr. Vogel empfohlenen Bekämpfung der Waa⸗ renhäuser einverstanden erklärt. Das ist unse⸗ rem Genossen gar nicht eingefallen, er hat viel⸗ mehr, wie auch aus unserem Berichte in der vo⸗ rigen Nummer hervorgeht, ausdrücklich auf die verfehlte Mittelstandsrettung durch Waaren⸗ haussteuer ꝛc. hingewiesen. Dem Offenbacher antisemitischen Blatte hat Krumm sofort eine Berichtigung in diesem Sinne zugeschickt.

Eine illustrirte humoristisch⸗ satyrische Sylvester⸗Zeitung aufro⸗ the m Papier hat die Buchhandlung Vor⸗ wärts erscheinen lassen. Im Format der Mai⸗ Zeitung enthält dieselbe in Prosa und Poesie eine Fülle von satyrischen Beiträgen; das Ti⸗ telbild zeigt uns den Teufel mit der modernen Habybinde, wie er die kapitalistische Dreeinig⸗ keit: Pfaff, Adel und Bourgeois am Kragen hat;

den besten Vermögensverhältnissen befand, nahm sich den Tod seines an der Schwindsucht verstorbenen Sohnes so zu Herzen, daß er in

Jahre früher hatten die Küchel'schen Eheleute

Der Fall erregt allgemeine Theilnahmwe. Wegen des Quellenankaufs in Oberhessen, die von Seiten der Stadt Frankfurt im

tigt werden, hat der Abg. Haas⸗Darmstadt die hessische Regierung angefragt, was sie zum Er⸗ satz des ausbleibenden Quellwassers, das im sanitären Interesse der Gemeinden, im In⸗ teresse der Triebwerkbesitzer, sowie im Interesse der Land⸗ und Forstwirthschaft liege, zu thun gedenke. i 5 Kein Sittlichkeit vergehen.

In Nauheim wurde im Herbst der dort thätige Arzt Dr. Bruck auf die Angaben einer Patientin(einer Polin) hin, die ihn eines an ihr begangenen Sittlichkeitsverbrechens beschuldigte, verhaftet. Jetzt ist das Strafverfahren gegen ihn durch Beschluß der Staatsanwaltschaft ein⸗ gestellt. Nach einer umfangreichen Vorunter⸗ suchung hat die Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen Sittlichkeitsdelikts nicht erhoben, sondern lediglich ein Vergehen der Beleidigung für vor⸗ liegend erachtet. Mittlerweile hat auch die Po⸗ lin ihren Strafantrag zurückgezogen.

Explosion und Brandunglück in Darmstadt.

Am Sonntag Vormittag kurz nach 10 Uhr erfolgte in der Mansardenwohnung eines Hauses an der Mühlstraße in Darmstadt eine Explosion von Feuerwerks⸗Kör⸗ pern, die ein dort wohnender Buchbinder fabrizirte. Dadurch gerieth des Zimmer in Brand. Leider gingen auch Menschenleben dabei zu Grunde. Der Buchbinder Heckmann und seine Schwester erlitten schwere Brandwunden, kamen aber mit dem Leben davon, während seine junge Frau bei dem Versuch, ihr kleines Kind zu retten, erstickte. Das Kind gab noch schwache Lebenszeichen von sich, starb aber bald. Der Brand wurde bald gelöscht.

Ein Antisemiten⸗Duell.

das zweiseitige Vollbild läßt in einer Ideal⸗ figur das 20. Jahrhundert in Glanz empor⸗ steigen, während das alte Jahrhundert auf einer Eule zur Hölle fährt. Textillusttrationen zu politischen Ereignissen des letzten Jahres ver⸗ vollständigen den zeichnerischen Schmuck. Preis der hübsch ausgestatteten Nummer 10 Pfg. Bei dieser Gelegenheit wollen wir die Genossen

Nach Meldungen verschiedener Blätter hat Rechtsanwalt Schnauß, Vorsitzender des Reformvereins zu Leipzig, das Vor⸗ standsmitglied des dortigen Deutsch⸗Sozi⸗ alen Vereins, Herrn Kaufmann F. Schneider, unter den schärfsten Bedingun⸗

en auf Pistolen gefordert. Man muß sich wundern, daß dieteutschen Duellfexen

noch auf die Weihnachtsnummer desWah⸗ ren Jakob aufmerksam machen. Dieselbe zeichnet sich durch vorzügliche Illustrationen, ge⸗ diegenen Inhalt und saubere Ausstattung ganz besonders aus. Jeder Genosse sollte sich dieselbe anschaffen.

Aus Wetzlar

schreibt man uns: Ihre in der letzten Nummer an den Tag gelegte Theilnahme für das Opfer! der Bürgermeisterfeier, Gastwirth Michel, ist ja menschlich ganz schön, wir haben aber wahr⸗ lich nicht viel Ursache, ihn besonders zu be⸗ mitleiden. Wenn ein großer Theil Wetzlarer Bürger ihm seine Prügel oder seinenFall gönnen, so hat er durch sein brutales Auftreten es reichlich verdient. Wie er übrigens die Ar⸗ beiter achtete, giebt folgende Thatsache zu er⸗ kennen. Bei ihm wohnte ein Handschuhmacher, ein Meistersohn von auswärts, der sich in Wetz⸗ lar weiter ausbilden wollte. Dieser verkehrte, wie sich das gehört, in kollegialischer Weise mit seinen Mitarbeitern. Das verdroß aber Herrn Michel, der die Arbeiter für Menschen zweiter Klasse zu halten scheint, und machte den Mann auf seine angebliche bessere Qualität als Meisterssohn aufmerksam, für den sich der Ver⸗ kehr mit gewöhnlichen Arbeitern nicht schicke! Dieser war jedoch nicht in so thörichten spieß⸗ bürgerlichen Vorurtheilen befangen und gab lieber die Wohnung bei Michel als den Verkehr mit seinen Kollegen auf. Arbeiterfreundlich ist also Herr Michel durchaus nicht.

Familien⸗Drama. Unter großer Betheiligung wurde am Don⸗ nerstag die Familie Küchel in Butzbach zu

Grabe getragen. Fabrikant Küchel, der sich in

gericht.

nicht mit Pückler'schen Dreschflegeln ihre Ehre wiederherstellen. g Der Güstrower Meineids⸗Prozeß, der seiner Zeit großes Aufsehen erregte, weil trotz widersprechender und zweifelhafter Zeugen⸗ Aussagen ein Parteigenosse zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde, hat für zwei Kritiker dieses Urtheils ein gerichtliches Nachspiel gehabt. Der Redakteur John vomVor⸗ wärts und Genosse Schmidt von der Mecklenburgischen Volksztg. sollen durch Artikel in den genannten Zeitungen, die das Urtheil kritisch besprachen, die Güftrower Richter beleidigt haben. Am 4. Dezember war die Verhandlung vor dem Güstrower Land⸗ Der Staatsanwalt beantragte gegen Schmidt sieben Monate, gegen John drei Monate Gefängniß. Das Gericht verurtheilte Schmidt zu 250 Mark, John zu 100 Mark Geld⸗ strafe. Der Schutz des§ 193 wurde den An⸗ geklagten nicht zuerkannt, weil die gemeinsame Parteizugehörigkeit die Angeklagten niet ge⸗ nügend legitimire, die Interessen Holst's zu ver⸗ treten. Kriminalkommissar Thiel,

der während der Prozeßverhandlungen gegen Sternberg wegen Amtsverbrechen verhaf⸗ tet wurde, ist derselbe, der bei dem großen Schaffnerprozeß, der Mitte der neunziger Jahre stattfand, Lockspitzeldienste leistete. Viele Schaff⸗ ner wurden damals sehr schwer bestraft, weil sie einen Handel mit Fahrkarten betrieben hatten. Um die Leute hereinzulegen, hatte da⸗ mals der leitende Kriminalbeamte, eben der Kommissar Thiel unter der Maske eines Viehhändlers direkt die Aufforderung zum

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ihre einzige Tochter durch den Tod verloren.

der Verzweiflung erst seine Frau und dann sich selbst mit einem Jagdgewehr erschoß. Wenige

Vogelsberg erfolgten und noch weiter beabsich⸗ 9

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