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Seite 6.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 53.
immer gleich alles zu lesen.“
„So, jetzt wird er warm! Also kommen Sie. Arm in Arm, so fordern wir den Hermannskogel in die Schranken. Aber warum sind Sie so niedergeschlagen?“ b
„Weil ich verheirathet bin.“
„Ujeh! Pfeift der Wind aus dem Loche? Unglückliche Ehe, dummen Streich gemacht, mo⸗ dernes Drama! Also so etwas giebt es da drunten auch?“
„Ich verstehe Sie gar nicht!“
„Nicht verstehen? So? Gut, folgt die Ver⸗ deutschung. Man liebt sie, man heirathet sie. Sie will versorgt sein, sie will auch einen Mann haben wie alle ihre Freundinnen, oder wenig⸗
absolut nicht anders gegangen.. sie hätt sich's auch nicht nehmen lassen.. sie ist in die Ar⸗ beit gegangen, damit doch die armen Würmer was zu essen haben. Und so ist es nacheinander gekommen: Erst sind die rothen Wangen ver⸗ schwunden, dann die glänzenden Augen trüb und die Lider roth geworden. Von Kind zu Kind, von Jahr zu Jahr magerer und schwächer! Elf Jahre sind wir verheirathet, dreißig ist sie alt und beinahe nichts mehr da von ihr!“
„Das ist ja immer so, das macht ja die Ehe zu einem gefährlichen Institut. Die Shön⸗ heit schwindet— und dann! Jetzt gefällt sie Ihnen nicht mehr, wie?“
„Mit Ihnen kann man nicht reden. Wofür
Das Branntweintrinken ist, wie ein Blick auf die Länder und Bevö kerungs gruppen zeigt, in denen es herrscht, in erster Linie und in überwsegender, mitunter ausschließlicher Weise bedingt durch die soziale Lage der Bevölkerung. Schnaps trinkt im Allgemeinen nur er⸗ jenige im Uebermaß, der ungenügend und schlecht ge⸗ nährt wird. Er will die Mängel seiner Kost durch ein ihm mundendes Getränk verdecken. Tagaus, tagein Kartoffel und trockenes Brot oder auch reichhaltigere, aber nicht schmackhast zubereitete Nahrung, wie sie in den billigen Gaftwirthschaften und noch mehr von des Kochens unkundigen Arbeiterfrauen geboten wird, treib en dazu, durch Schnaps die Mahlzeit wohlschmeckender zu machen. Und da der Branntwein wie das schädlicher wirken, je schlechter genährt der
Versuchung geführt und am schlimmsten geschädigt.
ö 5 7 7 stens einen, der als M ilt. Di e i 15 5 5— 1 hub, Unterhaltungs Theil. geschlossen, dar Bock 300 43 N 755 15 0 e Glauben Sie denn, ich ace Sr i—5 der Moment: der„Richtige“ stellt sich ein, der] sind? Was 100 Kar; schon für Putt Sie ud Here c 1 Hausfreund. Man nennt solche Verhältnissse bei] gemacht habe! Schau, sag' ich mir oft, 8 kekile Zum Neuj ahr! ö Wechlan ift der den 98 h il nach ebe 1 das arme Frauenzimmer gaz zu Grund“ stwesent b 1 a 8 n„ei“ zu viel. it der Arbeit, mit den Kindern, mit der Wirth⸗ ine Daß sie eine Stätte werde Ist es so?“ Kalt reibt sie sich N r Wirth⸗ Höh'rer Wesen Vorgenossen,„Mein lieber Herr, Sie sind aber schon ganz seug ich, 7 95480 85 Ane e ali Ließ der Herr die grüne Erde auf dem Holzweg. So was kenne ich nicht— heirathet haben, habe ich heimlich immer Geld 1 f Tus den blauen Himmel sprossen; 118 1 77 sich einmal ein Dreieck aufthäte, so] für sie bei Seite gelegt— man kann ja nie 4 e Ene schöne Sonnenblume 15 wieder fl 00 1 5 5 5 schlägk] wissen, was aus einem wird— und sie eines i Ließ er ihr zu Häupten schweben Na also fei 2 193 55 andere Sorgen. 51108 1 eee wollen. Im Dienst, fal 10 + 7 7 87 5 8 6 3 7 9 8 1 Daß sie wandle in dem Ruhme„Was kümmert Sie das alles. Sie sind doch gehabt 5 fer ale, alle Monat 85* 5 19 Reinen Lichts, ein reines Leben. kein angehender Beichtvater. Aber ich seh' schon, paar Gulden Lohn etwas zurückle 41 ton 55 u Was zum Frieden, Glück und Schönen, ich krieg' 1 nicht fort. Das mit der Vere] Das kannst Du freilich jetzt bei 17 nicht. Da⸗ 101 80 Was an Heils⸗ und Segensspenden 5 5 5 5 uns nicht ganz so, wissen] für habe ich Dir einige Gulden zusammengelegt e die Nöthig war den Erdensöhnen, e 55 7 verstanden habe. Zwar daß es Dich nicht verdrießt.— Aber kaum waren nil ö Gab der Herr mit vollen Händen; e 5 1 hen 1 5 5 7 verheirathet] die paar Gulden da, und wieder kommt atwas 0 970 Was bis in die fernsten Thäler so“ nichts ist. Was Ihr 5 n Lib dazwischen; man muß sie herausnehmen!“ ene Ihr an Schmach und Knechtschaft duldet, treibt,d as sind nur 55 9.„Was hab' ich ihr in den elf Jahren für it Eure Dränger, eure Quäler Al eie, e een n Hat e 188 1 gcc e dee 0 Nicht ein⸗ iber 5, 5„ U N„ mal ein r affenes id. Si t freilich: Iies bera Völker, habt ihr selbst verschuldet! A r. e Wirbel 119 sich, so geht die Geschichte[Die armen 0 die send weiße ene 1 15 Um die Früchte eurer Schweiße schon weiter. Man hat doch immer so wenig Herr, das ist eine bittere, zitternde Freude! und 225 f 1 Zeit, man ist todtmüd, und die viele Arbeit! i ä i Lasset ihr euch plump betrügen, 1 Riebbigens an Gervhal 7 e ti sund an den Kindern hängt ihr halbes Leben. Laßt euch aus dem Aug' das Weiße gefehlt.“ uin fi ic e ee e ee 55 7 Ade ob Und die Sonn vom Himmel lügen f 5 85 1 nderln fortbringen werden. Das Letzte Und mit jedem 1 5„ Und daa redet er noch!] ist gar so schwach! Und meine Frau hustet und Auf d 5 i Vissen Sie nicht: Raum ist in der kleinsten Hütte will es doch nicht von der Brust weggeben. uf ie unnennbaren Zie elles für ein glücklich liebend Paar?“ Was hab' ich mir mit den Kindern schon fürn 9 Wächst die Sehnsucht und die Liebe 8„Sie haben die Verse nur so im Aermel.] Vorwürfe gemacht. Aber sagen Sies, Sie sind ut gte Nach dem großen Peitschenstiele. 5 hVVVÆ2k. Hütte doch ein studirter Mensch, sagen Sie's: Soll f a Nur zuweilen tönt ein Klagen as ist es eben! Das ist die Lüge. Ich frag denn ein armer Mensch gar keine Freud; haben,. Und ein Schrei ö Seel mich immer, wozu ich meine Frau geheirathet] soll er denn nicht einmal das Recht haben auf bb ah nd ein Schrei ar kiter Sele habe.“ e Kinder, die ihm, wenn er einmal stirbt, di a 1 t 1 f eee i, N 1 5 1 9 1„Wozu? Augen zudrücken? Sagen Sie's: Giebt es denn 0 2 M t sich em ff 8„Ja, wenn Sie meine Frau als Mädel an Geschöpf auf Gottes Welt das nicht ein Rest annhaft sich emporzurassen. gekannt hätten! Sie war im Diest bei einer guten und seine Jungen hat?— Und dann Braucht Und sein Recht zu fordern klärlich, Oenschaft! Wie rothe Backen sie gehabt ha, wie denn der Mann nicht ein Weib und das Weib 3. Ungeboren und erschaffenn sie kund war und gut ausgesehen hat! Wie die einen Mann? Oder gilt das für die ärmere Wär' bedenklich, wär gefährlich. Gesundheit selber! Und wissen Sie U his Herre age nie en Was muß man alles leiden Wie sie sich in's Fäustchen lachen, schaft selber hat es gesagt— ihr ganzes Leben e 1 75 9 Kinder hat! Ist es denn Eure Pascha und Veziere! hätte sie dort bleiben können!“ möglich, daß das auch schon Unrecht ist, weit o du fart Geschlecht 8 Wann ind Sinubei 9. 5% ein Jeder schreit: Wozu habt Ihr denn so viel u f ark l echt von öchwachen, oe a ie bei gesunden Sinnen? Kinder?— Soweit sollten wir doch schon sein, Prof, Neujahr! Ich gratulire!— sie 101 55 5 ich sie geheirathet?— Wenn daß der Mann sich nicht zu schämen braucht, Bleibt's beim Alten?— Bis zum Sterben ut iel 7 e e es mir nicht so leid[wenn er Weib und Kind hat, daß der Mann Soll mir doch die Hoffnung winken! c hab' eine Frau gebraucht. Bei ein Recht auf ein Weib und ein Recht auf Für die Freiheit will ch werben, e e e e de e e is mir Hand und A inken. I dai ner ech er schauen Sie, was d'raus wird! Meine arme, Vis mir Hand und Auge sinken Fr. Stolze 755 r— die theure Gasthauskost—[arme Nani! Mir stößt es das Herz ab, wenn 0 e eim nichts, und wenn man fortgeht, das ich sie bei der Nacht oft Viertelstunden lang funde schlechte Leben— die Kammer ver⸗ husten höre, wenn ich sie frag“:„Nani, ist Dir Weib und Bind ir braschen dee dente, air mien fr beben: fen fa n, d me a e . d 5 ie e wir müssen sie haben![über, schfaf nur, Du mußt morgen zeitlich auf!? I Von O. W. Payer. die 1 1 9 5 1 3.. 991 a denn ein W911 damit man's Wü; . 0 n; 5 7 125 1 in zeitlich ins Gra bringt?— Ein so junges, n 0815 Mag d e me 52 11 8 ein Hund! Ihr versteht ja[blühendes Ding, das sie war, Herr, ich glaub unt arbeiter? man kennt es Ihnen an— als ob Sie S fenen be die Di ö i immer, ich bin schuld, ich habe sie umgebracht ment an schönen Sonntagen den Amboß im Schädel⸗s an.“ 25 chien wir die Dinge allerdings nicht„Aber, aber, was sind Sie für ein dummer, Fehn kasten trügen.“ f 8 fad 5 g 1 b 5 für ein prächtiger Mensch! Kommen Sie, lassen mübunge Das geht Sie gar nichts an, ich bin gar] dacht 0 2 bird sie! Ich hab' mir gleich ge⸗] Sie sich umarmen! Kommen Sie, das muß ins Wilden nicht aufgelegt, mit einem Fetergetanfenen, f Nan aut eine gute Mutter für ihre Kinder[Buch! Das ist eine andere Liebe, als die bei S 1 spaßen sie Falke hei e sein, und so hab' ich uns! Wirklich, Ihr seid ein anderes Volk! Wir fe „Lassen Sie um Gotteswillen Ihre Fäuste Aha e U lieben müssen Euch erst entdecken und mit Euch zu:. wu unten, sonst fall ich in Ohnmacht. Wir laufen Aber das bed Sie denn ir sammenwachsen: 14 uf beut' alle daher im Wiener Wald, weil ein u Natürli de c ee den nam; Das Buch und der Hammer, n da herrlicher, schöner Sonntag ist der einem die Sie aui dn e 7 Die schließen Allan.** Mucken und Grillen aus dem Schädel treibt und 15 25 er f en A do Aff, Dann werden wir wieder lie en kernen e bei 1 auch Ihnen den Amboß herausblasen wird 25 Ja. hören 809 Aber das ist's eben. 955 e Recht erlangen, das Recht auf Weib bisunge 0 5 7, 2 i“ g Sind Sie arbeitslos?“„Freilich, das eben. So sauber, so gesu d! 15 1 1 b 5 8 ait hre 901. 8 775 99 Lassen 11 0 dann sind die Kinder ee 1 5 0 n. ie mich mit Ihren Studentenwitzen!! em anderen, bis ihrer acht waren, zwei si 1 8 18 „Freund, daraus wird nichts! Ich bin kein] gestorben. Das 1 21 e Srau 1 Der Alkoholismus und seine du 1 1 ea e ee Sie sich gar keine Vorstellung Bekümpfung. D Das Buch und der Hammer, 1 a, ja, das k i i 11(Fortsetzung.) ö 5 Die schließen Allianz, 9 5 8 die dee 85 Da die Trunksucht eine Krankheit ist, sollten die 0 Vorbei ist der Jammer kabt haben! Ei it in A 51 Wie Krankenkassen verpflichtet sein, für die Behandlung 0 Sang“ 2! Eine Zeit in Arbeit und dann Trunksüchtiger zu sorgen. Auch die Invaliditäts anstalten Und los geht der Tanz. wieder arbeitslos. So ist es fortgegangen! Es il d d da bei tzeitiger „Hören Sie, der Vers gefällk mir, woher kat sich nicht anders machen( 1s mußten daßu argehe ten weden, da dei lch. ie ihn? Die Studenten kri d 5 9 machen lassen e.. mein Fürsorge der Kranke geheilt und so vor Arbeits⸗ haben Sie ihn? Die udenten kriegen doch[Ehrenwort, Herr, mein Ehrenwort!... es it unfähigkeit bewahrt wird. 8
Bier um so Kör per ist, so wird gerade der Widerstandsunfähigste am meisten in


