5 ö .

Schreibarbeit fest,

Seite 2.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 31.

oder 40,6 Prozent einer oder mehreren Revi⸗ sionen unterzogen. 354 Anlagen wurden je einmal, 23 zweimal und 11 drei oder mehrmal durch den Inspektor besucht; 43 einmal, 44 zweimal und 3 Betriebe drei- oder mehrmal durch die Assistentin. In den revidierten Anlagen sind mit Einschluß der jugendlichen und weiblichen Ar⸗ beiter 10897 Personen beschäftigt. Der Kreis der zy. revidierenden Betriebe hat sich insofern erweitert, gls nach Anordnung der Regierung und afolge reichsgesetzlicher Bestimmung alle hol adwerks⸗ mäßigen Betriebe mit mehr als Arbeitern, (früher nur solche mit 10 Arbeitern) ferner die Roßhaarspinnereien, Hlar⸗ und Borsten⸗ zurichtereien, sowie Bürsten. und Pinselmache⸗ reien, ꝛc. bei der Erhebung mit berücksichtigt werden sollen.

Bei dem gegencärtigen Stande der Dinge bleiben natarlich noch eine große Anzahl Be⸗ triebe ohne Revision, einmal weil sie der Ge⸗ werbe⸗Aufsicht überhaupt nicht unterstellt sind, dann ist aber auch der Beamte zu überlastet, um alle Betriebe kontrollieren zu können.

Den Verkehr mit den Arbeitgebern be zeichnet der Gießener Beamte als einen ange⸗ nehmen; Empfindlichkeiten sind nicht direkt be⸗ merkt worden, er läßt aber durchblicken, daß manche Fabrilbesitzer der weiblichen Aussicht nicht besonders grün sind. 35 mal holten sich Gewerbeunternehmer Auskunft über Fabrikein⸗ richtungen, Neubauten, Schutzvorrichtungen ꝛe. Einige Fabrikbesitzer, welche Fragebogen über dieFabrikthätigkeit verheiratheter Frauen er⸗ hielten, beantworteten diese bereitwilligst und ausführlich.

Mit den Arbeitern war der Verkehr ein re⸗ gerer, als im Vorjahre. Nicht häufig zwar, aber öfter als früher suchten Arbeiter den Be amten auf, um Aufklärung zu erbitten oder Be⸗ schwerde wegen ungenügender Betriebseinrichtung zu führen. Von den oben erwähnten Frage⸗ bogen über dieFabrikthätigkeit verheiratheter Frauen gab die Beamtin 742 an verheirathete, verwittwete und geschiedene, in Fabriken thätige Frauen aus. 568 kamen beantwortet zurück, doch war teilweise die Ausfüllung von den Fa⸗ brikleitungen bewirkt. Von einzelnen Orten kamen nur wenige der verausgabten Frage⸗ bogen zurück. Das ist eine Erfahrung, die auch oft Gewerkschaften bei Aufnahme von Statistiken machen müssen, auch bei männlichen Arbeitern. Ueber den Zweck und Nutzen dieser Aufnahmen herrscht eben in Arbeiterkreisen vielfach Unklarheit, manchmal werden auch Befürchtungen aller Art gehegt. Sache der Gewerkschaften muß es sein, hier noch mehr als bisher auf⸗ klärend zu wirken.

Weiter stellt der Bericht wieder ein Steigen der im Verkehr mit den Behörden notwendigen

chre welche die Revisions⸗ thätigkeit des Beamten wesentlich einschränkt. Nach dieser Richtung hin müßte entschieden Ab⸗ hülfe geschafft werden; die 400 Mark die vom Landtage jeder Juspektion für Schreibhülfe be⸗ willigt sind genügen durchaus nicht.

Zu Ortsbesichtigungen und A b gabe von Gutachten bei Unfällen mit töt⸗ lichem Ausgange, wovon 8 Fälle vorkamen, wurde der Beamte von den Behörden nicht auf⸗ gefordert. Wir halten dessen Heranziehung bei solchen Vorkommnissen für unbedingt notwendig.

24484 1874 Politische Rundschau. Gießen, 27. Juli. Mords⸗ Patriotismus.

Wie die Ausfuhr ⸗Statistik ausweist, wurden in dem einen Jahre 1899 allein über Ham⸗ burg für 6 Millionen Mark Waffen und Munition nach China geschickt. Den deutschen Soldaten, gegen welche jetzt die Chinesen diese Waffen richten, werden hoffentlich keine Zweifel an dem Patriotismus der deutschen Unternehmer aufsteigen.

Von den unfreiwilligen Freiwilligen.

schreibt der frühere Leutnant Rud. Krafft: Dienationalen Skribenten ärgern sich

wieder sehr darüber, daß die Sozialdemokratie an die freiwillige Teilnehmerschaft etlicher der Kämpfer gegen den gelben Drachen nicht so leichthin glauben will. Statt in billiger Ent⸗ rüsturig zu machen, möge dien tionale Prisse göllgst folgende Fragen beantworten: 1) Wurden oie Mannschaften über die in China herrschenden Verhältnisse eingehend aufgeklärt? 2) Ließ man ihnen nach dieser Belehrung genügend Zeit zur Ueberlegung?

Müssen diese beiden Fragen verneint werden, so ist es lächerlich, vonFreiwilligen zu reden, denn man kann nur von Ahnungslosen und Ueberrumpelten sptechen.

Wir können zu demselben Kapitel noch hinzu⸗ fügen, daß, als die erste Truppe für den Riche⸗ zug angeworben wurde, auch das Infanterie⸗ Regiment Nr. 116 in Gießen nachts allarmiert wurde, worauf man dann die noch halb schlaftrunkenen Leute fragte, wer von ihnen nach China wolle. Von diesem Regiment meldeten sich bei der eesten Anfrage genügen) Leute; man war sogar ziemlich wählerish und wies Vorbestrafte zurück. Für den zweiten Trupp hatte man jedoch Mühe, die erforderliche Anzahl zusammen zu bringen, war deshalb auch bezüglich der Vorstrafen nicht mehr so penibel. Em bei der ersten Anfrage wegen einer drei⸗ tägigen Arreststrafe Zurückgewiesener lehnte auf erneutes Befragen ab, sich zur Chinafahrt zu melden.

Bestrafung eines Chinafreiwilligen.

Durch die Zeitungen geht folgende Notiz: Ein Soldat des in Bautzen garnisonirenden sächsischen Infanterieregiments Nr. 103, der sich freiwillig zur Theilnahme an der Expedition nach China gemeldet hatte, aber zurückgewiesen worden war, wandte sich kurz entschlossen mit einem Bittgesuch an den Kaiser, worin er um seine Aufnahme nachsuchte. Das Schreiben ist nunmehr von Berlin aus an das Regiments⸗ kommando zurückgesandt worden mit der kaiser⸗ lichen Bestimmung, den Wunsch des jungen Kriegers bei einer späteren Expeditivn zu er⸗ füllen. Dieser Bestimmung wird Folge gegeben werden. Da aber der Btttsteller es versäumt hatte, den ihm vorgeschriebenen Instanzenweg zu betreten, so mußte er vorerst einen Tag in Arrest wandern. Der kann von Glück sagen. Wir erinnern uns eines lange zurück liegenden Vorfalles, bei dem die Betheiligten ebenfalls den Instanzenweg nicht eingehalten hatten, aber viel schlimmer dabei weg⸗ kamen. Eine Anzahl Land wehrleute be⸗ schwerden sich wenn wir nicht irren, von Erfurt aus direkt bei dem damaligen Kaiser Wilhelm J., weil sie in einem Viehwagen auf der Eisenbahn befördert wurden. Wegen dieser Frevelthat wurden die Beschwerdeführer kriegs⸗ gerichtlich zu langjährigen Festungs⸗ strafen verurteilt! Sollte die militärische Rechts⸗ pflege auch dem Grundsatz:Wenn zwei das⸗ selbe thun, ist es nicht dasselbe huldigen und die Strasthat des Chinafreiwilligen anders be⸗ urteilen, als die gleiche der beschwerdeführenden Landwehrmänner?

Weitere Folgen des Rachekrieges.

Auch von Krefeld wird derL. Vztg. gemeldet, daß sich dort der chinesische Krieg für die Arbeiterschaft äußerst unangenehm bemerkbar macht. Nachdem die Stofffabrikation sehr danieder⸗ liegt, greift die Geschäftsstille jetzt auch auf die Sammetindustrie über. In einer Anzahl Fabriken ist die Arbeitszeit auf 6⅛ Stunden reduziert worden. Die Direktion einer großen chemischen Fabrik machte am 18. Juli durch Anschlag be⸗ kannt, daß vom 25. Juli an die Arbeitszeit verkürzt und der Lohn reduziert würde.

In einer Maschinenfabrik, der größten in Krefeld, wo nur Maschinen für die Textilindustrie angefertigt werden, sind schon zirka 50 Arbeiter entlassen worden und weitere 50 stehen in Kün⸗ digung. Situgtionsberichte aus dem Aachener und Gladbacher Bezirk bringen gleiche Nachricht. Aehnliches wird aus dem Wupperthale berichtet. Umfangreiche Arbeiterentlassungen haben in der Elberfelder Textilindustrie wegen Geschäftsstockung

stattgefunden. Auch der gewaltige Betrieb der Farbenfabriken vormals Meyer u. Co. in Elber⸗ feld ist so stark in Mitleidenschaft gezogen, daß 400 Arbeiter die Kündigung erhielten.

Daß unter solchen Umständen die Begeiste⸗ rung für denRachekrieg unter den Gefrier⸗ punkt sinkt, ist leicht erklärlich. Was sagen wohl die Natiosalsozialen zu den Folgen der Weltpolitik, für die sie sich so sehr begeistern? DieHess. Landesztg. meldet nichts von den zahlreichen Geschäftsstockungen.

Gebet für das Gelingen des Chinazuges.

Nach einer Anordnung der höheren evangeli⸗

schen Kirchenbehörde sollen in das nach der Predigt zu verlesende allgemeine Kirchengebet bis auf weiteres nach der FürbitteBeschütze die deutsche Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande die Worte eingeschaltet werden:Nimm insbesondere in Deinen gnädigen Schutz unsere in fernem Lande im Kampfe stehenden Brüder und die, welch: jetzt hinausgesandt werden, um dort mit den Waffen für die Ehre und das Wohl unseres Volkes einzustehen. Laß sie auf den Wogen des Meeres und inmitten der Feinde Deine allmächtige Hilfe erfahren. Schenke ihnen Sieg und glückliche Heimkehr und mache uns ernst und treu in dieser schweren Zeit!

Aehnlich beteten auch die Engländer in ihren Kirchen um den Sieg über die Buren, genützt hat's ihnen aber nichts.

Mit der Not der Landwirtschaft scheint's nicht so schlimm zu sein, wie uns die Agrarier glauben machen wollen. So wurden bei der Neuverpachtung der Domäne Stey er⸗ berg bei Stolzenau in Hannover, die 200 Hektar groß ist, von dem bisherigen Pächter 2950 Mk. pro Jahr mehr geboten. Der bisherige Pächter muß wohl wissen, daß er trotz derNotlage der Land wirtschaft, trotz der sinkenden Getreidepreise auch bei der höheren Pacht keinen Schaden zu erwarten hat.

Von der Umsatzsteuer

will der Mittelstand selbst nichts wissen. Wie in dem Organ des deutsch⸗nationalen(antisemit.) Handlungsgehilfen-Verbandes, derDeutschen Handelswacht, mitgetheilt wird, lehnte der Verein selbständiger Kaufleute in Dessau jede Unterstützung der auf Besteuerung der Warenhäuser gerichteten Bestrebungen rund weg ab. Die Erfahrungen, die bisher mit der Umsatzsteuer gemacht worden sind, scheinen doch den Kaufleuten selbst einzuleuchten. Das wird aber die antisemitischen Demagogen nicht hindern, weiter für solcheMittelstandsrettung die Pauke zu schlagen, obgleich die zunächst Beteiligten sich dafür bedanken. Sonst fehlte auch eine Nummer in dem ohnehin wenig anziehenden Programm derUrteutschen.

Arbeiterfreundliches aus dem Reiche Stumms.

König Stumm giebt seinem Lande als absoluter Herrscher eigene Gesetze.§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmt bekanntlich, daß der Arbeiter des Anspruchs auf Lohn da durch nicht verlustig geht, daß erfür eine ver hältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert ist. Nach dieser Vorschrift ist also der Lohn auch Akkordlohn z. B. bei Wahrnehmung von Terminen, Kontrollversammlungen, kurzen Krank heiten(dadurch entfällt der Nachteil der Karrenz⸗ zeit) zu zahlen. Mit diesen Bestimmungen war indes Stumm unzufrieden. Durch Zusatz zu seiner Arbeitsordnung hat er für das Neun⸗ kirchener Eisenwerk festgesetzt:

Dem 8 10 der allgemeinen Arbeitsordnung für das Neunkirchener Eisenwerk wird folgender Satz vorangesatzt:

Der Arbeiter kann keinen Lohn für solche Zeiten beanspruchen, in denen er durch einen in seiner Person liegenden Grund an der Arbeit verhindert worden ist, auch wenn die Versäumnis entschuldbar und von nicht erheblicher Dauer ist.

Dieser Zusatz tritt 14 Tage nach heute in Kraft.

Neunkirchen, den 2. Januar 1900.

Brüder Stumm.

Es geht doch nichts über die patriarchalische Großmut, den unbeugsamen Rechtssinn, die

Unternt Vol le il N sahlen 5 kegieren lehteresz seit de Verwal Gunsten Euͤsluß hüllgis lehtere

dener

10 Heding füllen

Se wirksal Sozial und m stadt! Kriege letzten Sämt gliede Wah Besit rusun Bei d liche! beiden hierau gab 0

für de hage dessel bersta 15 20 und

Putte entwic

2

2 .