Seite 2.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
führung gilt es vor allem anzustreben. Jeder vernünftige Arbeiter weiß heute, daß eine Ver⸗ kürzung der Arbeitszeit im Interesse der Kultur eine Notwendigkeit ist. Soll er Anteil nehmen am öffentlichen Leben, soll er Teil haben an den Kulturgütern, so braucht der Arbeiter Wissen und Bildung. Dies können sich die Arbeiter nicht selbst aneignen, weil sie durch den immerwährenden Kampf um ihre Existenz, durch ihr Abhängigkeitsverhältnis in der heutigen Produktion an die Arbeit geschmiedet sind und nicht Zeit übrig haben, sich ihrer Weiter⸗ bildung zu widmen. Für vernünftige, dem heutigen Stande der Kultur entsprechende Aus⸗ bildung der Proletarierkinder hat der heutige Staat keine Mittel übrig; die der besitzlosen Masse durch indirekte Steuern und Zölle abge⸗ preßten Millionen werden verschlungen durch den kulturfeindlichen Militarismus. ö
Harter Kämpfe wird es noch bedürfen, bis dieses Kulturhemmnis beseitigt ist; umsomehr muß es Aufgabe der Arbeiter sein, selbst das Möglichste für ihre Weiterbildung zu thun und sich die freie Zeit hierzu durch Erkämpfung des Achtstundentages zu erobern.
Deshalb unsere Maiforderung an die öffent⸗ lichen Gewalten: Zum Schutze der Arbeiter gegen maßlose Ausbeutung und zur kulturellen Hebung der Arbeiterklasse verlangen wir den Acht⸗ stundentag!
Wir haben ferner die Maiforderung des Weltfriedens besonders zu betonen. Trotz⸗ dem alle Mächte bei jeder Gelegenheit sich in Versicherungen ihrer Friedensliebe ergehen, trotz des„Friedenskongresses“ im vorigen Jahre konnte der Friede nicht erhalten werden. Kaum war die Komödie dieses Kongresses zu Ende, so brach der empörende Raubkrieg der Engländer gegen das kleine Burenvölkchen aus, hervorgerufen durch eine beutegierige Kapitalistenklique. Das Prole⸗ tariat ist sich einig in der Verurteilung dieser Greuel; niemals haben unsere Genossen unter⸗ lassen, gegen den Massenmord aufs schärfste zu protestieren. In England sind es denn auch wieder unsere Genossen allein, welche den schimpf⸗ lichen Ueberfall des freien Volks entschieden ver⸗ dammen. Nicht die Kirche, nicht das Christen⸗ tum sucht die Metzeleien zu verhindern! Erst mit der Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, mit dem Siege des Sozialismus wird diese Barbarei ver⸗ schwinden. Darum, Arbeiter und Genossen, auf zum Kampf für die Maiforderungen der Arbeit! Wir feiern das proletarische Weltfest, indem wir geloben, einzutreten
für den Achtstundentag,
für internationale Verbrüderung und den Weltfrieden,
für alle Klassenforderungen des Proletariat!
Hoch der erste Mai!
Politische Bundschau.
Gießen, 27. April. Zur Geschichte der Maifeier.
Es scheint uns nicht unangebracht, die Reso⸗ lutionen, welche in Bezug auf die Maifeier von den verschiedenen internationalen Kongressen be— schlossen wurden, unseren Genossen wiederum vorzuführen. Dabei sei bemerkt, daß auf dem Pariser Kongresse zunächst nur an die Forde⸗ rung des Achtstundentages und die übrigen für wirksamen Arbeiterschutz notwendigen Mindest⸗ forderungen gedacht wurde, welchen durch die internationale Manifestation Nachdruck gegeben werden sollte. Erst auf den Kongressen in Brüssel und Zürich wurde die Betonung der internationalen Solidarität der Arbeiter, die Beseitigung der Klassenunterschiede und Her⸗ stellung des Weltfriedens mit in die Maiforde⸗ rung aufgenommen. Die in Paris 1889 beschlossene Resolution lautet:
„Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große internationale Manifestation zu organi⸗ sieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in
allen Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen und die übrigen Beschlüsse des internationalen Kongresses von Paris zur Ausführung zu bringen.
In Anbetracht der Thatsache, daß eine solche Kundgebung bereits von dem amerikanischen Arbeiterbund auf seinem im Dezember 1888 zu St. Louis abgehaltenen Kongreß für den 1. Mai 1890 beschlossen worden ist, wird dieser Zeit⸗ punkt als Tag der internationalen Kundgebung angenommen.
Die Arbeiter der verschiedenen Nationen haben die Kundgebung in der Art und Weise, wie sie ihnen durch die Verhältnisse ihres Landes vorgeschrieben wird, ins Werk zu setzen.“
Der Brüsseler Beschluß(1891) sagt in seinem zweiten Teile:
„Der 1. Mai ist ein gemeinsamer Festtag der Arbeiter aller Länder, an dem die Aubeiter die Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen.
Dieser Festtag soll ein Ruhetag sein, soweit dies durch die Zustände in den einzelnen Ländern nicht unmöglich gemacht wird.“
Und der Kongreß von Zürich(1893) erneuerte den Brüsseler Beschluß, legte der Sozialdemo⸗ kratie eines jeden einzelnen Landes die Pflicht auf, die Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai anzustreben und erklärte:
„Die Kundgebung des 1. Mai für den Acht⸗ stundentag soll zugleich eine Kundgebung des festen Willens der Arbeiterklasse sein, durch die soziale Umgestaltung die Klassenunterschiede zu beseitigen, und so den einzigen Weg zu be⸗ treten, der zum Frieden innerhalb jeden Volkes wie zum internationalen Frieden führt.“
Maifest und Bürgertum.
„Das Maifest der Arbeiter ist ein Akt der Tyrannei gegenüber denen, die es nicht feiern.“ So verkünden bürgerliche Blätter. Und sie geben folgende„Beweis“ führung zum besten:
Niemand hat das Recht ein Fest zu feiern, welches nicht allgemein gefeiert wird. Darin, daß ein Fest nur von einem Teil des Volks, nicht allgemein gefeiert wird, liegt eine„mora⸗ lische Vergewaltigung“ derer, die es nicht feiern wollen. Wir wollen uns nicht auf eine Wider⸗ legung einlassen; wir wollen nicht antworten, daß die Arbeiter den Arbeitgebern ja gar nicht zumuten, den 1. Mai zu feiern— wir wollen bloß eine Thatsache erwähnen. In Deutschland haben wir protestantische und katholische Festtage. Es gibt protestantische, die nicht von den Katho⸗ liken, und katholische, die nicht von den Pro⸗ testanten gefeiert werden— zum Beispiel das Reformations⸗ und das Fronleichnamfest. Sind die spezifisch protestantischen Festtage eine Ver⸗ gewaltigung(„ Herausforderung“,„Demütigung“ usw.) der Katholiken, und die spezifisch katholischen eine Vergewaltigung der Protestanten? Der Reichstag, die höchste Vertretung des deutschen Volks, feiert durch Arbeitsruhe sowohl die spe⸗ zifisch protestantischen als die spezifisch katho⸗ lischen Festtage. Ist das„Vergewaltigung“? Und mehr noch: die deutschen Mititärbehörden sogar gestatten, ja gebieten den protestantischen und katholischen Soldaten die„Arbeitsruhe“ an den spezifisch protestantischen und spezifisch katho⸗ lischen Festtagen.
Die Argumentation der bürgerlichen Blätter ist aber auch gar nicht ernst gemeint. Das Maifest der Arbeiter ist eine Manifestation gegen die bestehende Ordnung, gegen die Kriegsgreuel, gegen den Militärismus und diese Manifestation jagt dem tapferen Freisinn schlotternde Furcht ein.— Wir freuen uns von Herzen über diese Wirkung unseres Weltfeiertags.
Internationaler Arbeiterschutz⸗Kongreß.
In Paris wird vom 25. bis 29. Juli ein vom französischen Handelsminister einberufener Arbeiterschutz⸗Kongreß tagen. Derselbe soll eine Fortsetzung des Züricher und Brüsseler Arbeiter⸗ schutz⸗Kongresses sein. Das Programm weist u. a. folgende Verhandlungsgegenstände auf:
Die gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit.
Vergleichende Uebersicht über die Gesetzgebung. a — Die gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit
für Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer.—
Das Verbot der Nachtarbeit. Folgen der Nachtarbeit.— Verbot der Nachtarbeit in der Gesetzgebung der verschiedenen Länder.— Kann man die Nachtarbeit für alle Kategorien von Arbeitern(Kinder, Jugendliche, Frauen und Mäaner) untersagen?
Die Gewerbe-Aufsicht. Die verschiedene Or⸗ ganisation der Gewerbe-Aussicht in den einzelnen Ländern.— Mitwirkung der Arbeiter an der Gewerbe⸗Aufsicht, Hilfsinspektoren, gewählte Ar⸗ beiterdelegierte, Kontrolle durch Gewerkvereine.
Internationale Vereinigung für den gesetz⸗ lichen Arbeiterschutz. Ueber den Nutzen einer solchen Vereinigung und ihre Aufgaben.
Auch Mitglieder der sozialdemokratischen Partei Deutschlands sind eingeladen worden, sich an dem Arrangement des Kongresses zu beteiligen und ihren Namen als Miteinberufer zur Ver⸗ fügung zu stellen. Die Genossen Bebel, Auer und Liebknecht, denen Einladungsschreiben zu⸗ gegangen sind, haben geantwortet, daß sie, bei aller Sympathie für eine wirksame Arbeiterschutz⸗ Gesetzgebung, die Einberufungsschreiben nicht ge⸗ meinsam mit Angehörigen bürgerlicher Parteien unterzeichnen können, die im Klassenkampfe für die Befreiung der Arbeiter uns als Feinde gegenüberstehen.
Der Reichstag begann am Dienstag wieder seine Sitzungen. Das Haus begann seine Beratungen bei An⸗ wesenheit von ungefähr drei Dutzend Reichsboten. Auf der Tagesordnung stand u. a. die erste Beratung des Gesetzes betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten(Reichsseuchen⸗ gesetz':z. Unser Genosse Wurm bezweifelte, daß die Maßregeln, die der Entwurf vorschlägt, die erhoffte Wirkung haben werden. Den Krank⸗ heiten müsse vielmehr rechtzeitig vorgebeugt werden. Eine zweckmäßige Sozialreform sei die beste Waffe gegen Verseuchung des Landes. Die Schwindsucht könne am besten bekämpft werden, wenn man für gesunde Zustände in den Werkstätten und ausreichenden Lohn sorge und auch dem Arbeiter die Lebensmittel nicht ver⸗ teuere. Auch durch geeigneten Schulunterricht übec die Gesundheitspflege würde viel zur Ver⸗ meidung von Seuchen beigetragen werden. Ge⸗ nosse Wurm ist für Kommissionsberatung.— Am Schluß der Sitzung teilte der Präsident den Tod des Abg. Oertel(Sozd.) mit und ließ ihm die übliche Ehrung durch Erheben von den Plätzen darbringen. Schicksal der Lex Heinze.
Wie einem Berliner Blatte geschrieben wird, hatte der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld dem Ministerpräsidenten v. Crailsheim berichtet, daß die Lex Heinze in ihrer gegenwärtigen Fassung den Weg in den Papierkorb angetreten habe.— Auch der Kaiser soll sich dem Reichskanzler gegenüber mißbilligend über die„thörichten Beschlüsse“ der dritten Lesung ausgesprochen haben. Trotz dieser Meldungen werden die Gegner des gesetzgeberischen Mon⸗ strums gut thun, in ihrem Kampfe für Freiheit der Kunst nicht zu erlahmen.
Zu den Ersatzwahlen in Nürnberg haben die dortigen Parteigenossen in einer Ver⸗ sammlung Stellung genommen. Genosse Segitz erstattete das Referat. Er beklagte die schmerz⸗ lichen Verluste, die die Partei gerade in Nürn⸗ berg in den letzten Jahren erlitten hat, besprach die wichtigsten Fragen, die im Reichstag und Landtag demnächst zur Erörterung gelangen und forderte die Parteigenossen auf, am Wahltage ihre Pflicht zu thuu, damit der bevorstehende Wahlkampf mit einem glänzenden Siege der Sozialdemokratie abschließe. Darauf gab der Vorsitzende Scherm die Vorschläge der Ver⸗ trauensmännerversammlung bekannt, wonach Ge⸗ nosse Dr. Südekum als Kandidat für den Reichstag und Genosse Dr. med. v. Haller für den Landtag empfohlen wird. Ohne in eine
Diskussion einzutreten, genehmigte die Versamm⸗ lung einstimmig diese Vorschläge, was mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde.—
aitei bet bohrischen
aus! Erfindung
Edison ge lalte het,
leichten fcb, de lu de, geringer Wenn de bäh Eisen, f widerstan würbe eil bedingen. 1
1. 2 Stellungy erllütt, d nan nut den Zorn erlegt, 36.0 gende z Uebet wo sie und Stä viellicht eitlegene Kriegssch cbelsten! Weine,! Ein Wolf e einen vf lage; de lande f muß e alem der G Herr die G Wasser
hat die lichung Febtug Slatist De 60 Ta chalsäc der Kc Reisen Unterhn bon zu enz e Nun U 1 a Inge ber 6
kipin wurde,
Die


