Ausgabe 
29.4.1900
 
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Gießen, Sonntag, den 29. April 1900.

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e Muser Gruß zum J.

on all' den Festen, die es einst geblendet 1 Und uur verschärft der alten Ketten Druck, Hat sich das Volk im Innern abgewendet Mit einem Ruck, Und wo es ihnen scheinbar treu geblieben, Weil es die alte, gute Weise singt, n Da hat sich's einen neuen Text geschrieben, Der anders klingt. Doch weiter geht's, trotz hunderttausend Pfaffen; Der Nebel sank, der Blick ward weit und frei; Sein eignes Fest hat sich das Volk geschaffen: Den ersten Mai!

Und wie ein Blitz hat die Idee gezündet, Die so gewaltig ist, als schlicht sie scheint; Sie hat die Völker ringsumher verbündet Und sie geeint. Was keinem Buche tiefdurchdacht gelungen, Nicht dem lebend'gen Wort voll Glut und Kraft Das hat der Arbeit Frühlingsfest erzwungen Die Brüderschaft. Vom Südgestad bis zu des Nordlands Riffen Flog die Idee ein flügelstarker Weih, Und selbst die müde Dumpfheit hat begriffen Den ersten Mai!

Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckere, Neuenweg 28, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.

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Sie ziehn einher in Kitteln und in Blusen,

Nachdem besiegt die erste 1097 Scheu

Ein wunderbares Hochgefühl im Busen, Das ihnen nen!

Es weicht der Druck, den immerfort empfunden

Im Einerlei der Alltagsfrohn das Hirn,

Es küßt ein goldner Sonnenstrahl für Stunden Die braune Stirn. i

Und ihrer Macht sind inne sie geworden

Und daß die Arbeit unbezwinglich sei,

Wenn sie zusammenhält in Süd und Norden, Am ersten Mai.

Auch die Verzagten lernten wieder hoffen;

Des Festes Losung: der Achtstundentag

Hat darum die Bedrücker auch getroffen Als Nackenschlag.

Sie hatten Epigramme erst gekritzelt,

Die höhnisch waren, aber flach und dumm,

Sie hatten erst gespöttelt und gewitzelt Nun sind sie stumm.

Denn riesengroß und drohend ist erstanden,

Ein Siegfried für den Drachen Tyrannei,

Der Arbeit wimmelnd Volk in allen Landen Am ersten Mai.

(G.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33 ½

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% und bei mindestens

Wohl pochten sie auf ihrer Heere Mannen,

Als eine Mauer, die dem Sturm nicht weicht,

Doch können sie das dumpfe Grau'n nicht bannen, Das sie beschleicht.

Es fröstelt sie und wie ein banges Ahnen

Hat es an diesem Tag sie angeweht,

Daß es mit ihrer Macht auf steilen Bahnen Nun abwärts geht.

Der Arbeit Fest, sie müssen's grimmig hassen;

Ohnmächtig ballt sich ihre Faust beim Schrei,

Der sich elektrisch fortpflanzt durch die Massen Am ersten Mai.

Doch weil es so, weil sie die Fäuste ballen Und weil es Wermut träuft in ihren Wein, Soll dieses Fest das liebste uns von allen Für immer sein. Vom Fels zum Meer, von nordischen Gestaden Bis zu den Bergen, die den rauhen Fuß In ewig blauer Flut des Südens baden, Ihm unsern Gruß. Wir feiern es es soll die Arbeit ehren, Und wurmt's die satten Protzen nebenbei, So thut's uns wohl sie können doch nicht wehren Dem ersten Mai! R. L.

Der 1. Mai.

Wie nach langer Winternacht die Einkehr des Frühlings in jeder Menschenbrust Freude und Wonne erregt, so bringt auch diese Jahres- zeit dem arbeitenden Volke seinen schönsten Feiertag, den 1. Mai.

Was soll uns die Feier dieses Tages lehren? Sie soll uns immer aufs veue begeistern und stärken im Glauben an alles Wahre, Schöne, Gute. Wie der Frühling den finsteren Ge⸗ walten des Winters zum Trotz doch endlich siegt, so lehrt er uns auch, daß alles Schlimme, Böse, alle Verfolgungen, die uns der winter⸗ liche Kapitalismus auferlegt, ihr Ende finden, wenn der sozialistische Frühling dereinst die Herzen des Menschengeschlechts mit echtem Frühlings- und Freiheitsgefühl erfüllt.

Aber auch mit neuer Liebe soll uns die Freiheitsfeier erfüllen. Wir wollen nicht das alte verlogene Märchen glauben, die Völker hassen einander, sondern hinweisen darauf, daß nur eine kleine Anzahl Menschen ein Interesse an der Völkerverhetzung hat. Bekämpfen müssen und wollen wir die Legende, es sei jemand, der innerhalb gewisser Grenzpfähle geboren werde, ein besserer Mensch wie andere; oder es sei ein Stand, eine Klasse mehr wert wie das übrige Volk, nein, alle Menschen sind gleich und ebenbürtig, alle freigeboren und nur eine Welt⸗ ordnung, die sich fälschlicherweisegöttlich nennt, trägt die Verantwortung für all die Sünden, die begangen wurden zur Unterdrückung und Knebelung der Menschen. Deswegen sei Friede das Zauberwort, mit dem wir dem alten Hasse der kapitalistischen Weltorduung an unserem Frühling entgegentreten, und wir wünschen, daß der sich immer wiederholende Appell an die

guten Eigenschaften der Menschen doch im Laufe der Zeit stark genug sein wird, den Hetzern und Zwietracht säenden Kapitalisten das Hand⸗ werk zu legen.

Millionen Menschen werden aber auch am 1. Mai mit neuer Hoffnung erfüllt werden. Mag sich der Einzelne schwach vorkommen, gerade die an diesem Tage mehr wie sonst offenbar werdende Solidarität und Verbrüderung des arbeitenden Volkes werden ihn stärken und die Gewißheit beibringen, daß diese Mil⸗ lionen nicht den Kampf aufgeben, bis unsere Ideale verwirklicht sind. Und was bedeutet diesem hohen Ziele gegenüber die Beschwerden, die der Einzelne tragen muß? Wer an die Auferstehung des Menschengeschlechts aus den Banden des Krpitalismus glaubt, was können dem Beschimpfungen, Verfolgungen, Ent⸗ behrungen schaden?

Deshalb wollen wir zum 1. Mai uns aufs neue geloben festzuhalten an dem Glauben an den Fortschritt, sestzuhalten an der Liebe zu unserem Mitmenschen ohne Unterschied der Nation und der Religion, festzuhalten an der Hoffnung, daß es gelingen wird, alle Men⸗ schen frei und glücklich zu machen. Ist auch der Weg noch ein weiter, so lockt uns doch das herrliche Ziel, welches wir in das eine Wort Völkerfrühling zusammenfassen können. Darum vorwärts durch Kampf zum Sieg, durch Nacht zum Licht,

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Der weltfeiertag der Arbeiter.

Zum zehnten Male begeht das Proletariat der ganzen Welt seinen Feiertag. Wieder reichen

sich die Arbeiter aller Länder im Geiste die

Bruderhände, um weiteres, zähes Festhalten an den Klassenforderungen der Arbeiterschaft zu ge⸗ loben. Und wir sind überzeugt, das diesjährige Maifest wird der Welt den Beweis liefern, daß in immer mehr Proletarierherzen der Mairuf Echo findet, daß die große Zahl der vom Kapi⸗ talismus Unterdrückten immer mehr den rich⸗ tigen Weg zur Befreiung erkannt hat. Das Proletariat hat längst erkannt, daß ihm die Aufgabe zufällt, die hohen Menschheits⸗Ideale Freiheit, Gleichheit und Wohlergehen Aller zu verwirklichen. Obgleich verhöhnt, ver⸗ spottet und drangsaliert ob dieses Strebens von der besitzenden Klasse, hat es nie das hohe Ziel aus dem Auge verloren, nie sich von seinem Wege abdrängen lassen.

Mit Jubel begrüßte die sozialistische Arbeiter⸗ welt den einstimmigen Beschluß des Pariser Arbeiterparlaments, der dem Proletariat einen gemeinsamen Festtag gab. Die Bourgeossie suchte mit allen Mitteln die Einführung des Weltfeier⸗ tages zu verhindern. Aber umsonst warf das Unternehmertum die Arbeiter, die ihn feierten, aufs Pflaster, umsonst waren alle Provokationen der erste Mai blieb Weltfesttag der Arbeit!

Das Bürgertum hat seine hundert Jahre vor dem Pariser Kongresse proklamierten Ideale nicht verwirklicht, der Arbeiterklasse bleibt es vorbehalten, Freiheit und Gleichheit aller Men⸗ schen zur Wahrheit zu machen.

Wir begehen die Maifeier nicht bloß, um eben einFest zu feiern, nicht um auszu⸗ ruhen vom Kampfe. Sie muß uns vielmehr anfeuern zu weiteren Kämpfen. Trotz der ungeahnten Fortschritte der Arbeiterbewegung sind wir noch weit ab vom Ziele, das wir er⸗ reichen wollen.

Der Achtstundentag ist eine Hauptforde⸗

rung der Maidemonstration. Seine Durch

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