Ausgabe 
25.11.1900
 
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

bertölpeln! Und im Großen wie im Klei⸗ nen. So wie sich die feinlichen Brüder Lie⸗ bermann und Zimmermann zu dem gleichen Programm bekennen, so gehören die beiden Lang Gönser Heerlager selbstverständlich zur Köhlerschen Truppe. ö

Stadtverordnetenwahlen in Frankfurt.

Genosse Quarck ist in der Stichwahl in Bockenheimge wählt worden. Wie mitgetheilt wurde, hatten unsere Genossen für die Stich⸗ wahlen die Parole ausgegeben: Gegen Demo⸗ kraten und Fortschrittler: Wenn das richtig ist, was wir jetzt nicht beurtheilen können, so müssen wir sagen, daß wir eine solche Taktik für ganz verfehlt halten.

Sozifressers Ende.

Sozifressers Ende. Aus Rothen⸗ bach bei Lauf(Mittelfr.) wird geschrieben: Von hier schied wieder ein großer Sozialistenfresser, ein Vorarbeiter der Conrady'schen Fabrik. Er bekleidete die Stelle als Vorstand des katholi⸗ schen Arbeitervereins, als welcher er sich oft über die Sozialdemokratie und ihre Organe heftig ausließ. Was nun plötzlich den christlichen Herrn bewogen haben mag, seine Auszeichnun⸗ gen dem Verein zurückzusenden und zu ver⸗ schwinden, ohne sich bei dem Präses und bei den Mitgliedern zu verabschieden, darüber herrscht keine Klarheit und es kursiren die ver⸗ schiedenartigsten Gerüchte.

Ein ungetreuer Kirchenkassirer.

In der Kirchenkasse der katholischen Pe⸗ terspfarrer zu Aachen ist ein Fehlbetrag von 120 000130 000 Mk. entdeckt worden. Schon vor 14 Tagen sprach man von einem Deffizit von 125 000 Mark. Die Bruderschaften der Peterspfarre verlieren etwa 5000 Mark, die der verstorbene Rendant, Nadelfabrikant Bock, gleichfalls unterschlagen hat. Ueber den Nach⸗ laß Bocks wurde auf Betreiben des Kirchenvor⸗ standes das Konkursverfahren eröffnet; die Bockschen Erben haben übrigens dem Kassenre⸗ visor der erzbischöflichen Behörde und der Pfarre einen Gegenrevisor gegenübergestellt. Die Affäre macht natürlich großes Aufsehen. Hinter dem frommen Möbelfabrikanten Bock hätte Niemand einen unehrlichen Mann ver⸗ muthet..

Wie Sternberg zu seinen Millionen kam.

Aus Sternbergs Vergangenheit werden in den Münchener Neuesten Nachrichten allerei in⸗ teressante Dinge veröffentlicht, die zwar nicht alle ganz neu sind, aber angesichts des gegen⸗ wärtigen Prozesses doch eine Auffrischung ver⸗ dienen. Seit mehr als 20 Jahren macht Stern⸗ berg schon von sich reden, bald in der Welt oder Halbwelt, in der man sich nicht langweilt, bald an dem Ort, an dem er seine Millionen zusammenrafft, an der Börse. Er hat viele Opfer auf dem Gewissen, denn es war das unabwendbare Schicksal der Sternbergschen Un⸗ ternehmungen, sie gingen zu Grunde und die Aktionäre verloren ihr Kapital. Eine der ersten Gründungen August Sternbergs war die Ver⸗ einsbank. Sie wurde 1881 ins Leben gerufen und schien sich entwickeln zu wollen, denn sie ver⸗ theilte im ersten Jahre 12,75 Prozent Divi⸗ dende. Sie entwickelte sich auch ganz im Interesse Sternbergs. Die Dividenden sanken und langten schließlich auf dem Nullpunkt an. Die Aktien wurden an der Börse gar niche mehr notiert und konnten höchstens als Tapeten Ver⸗ wendung finden. Die Aktionäre jammerten, aber bei der Liquidation schien ihnen wenig⸗ stens ein kleiner Theil ihres Vermögens ge⸗ rettet werden zu sollen man bot ihnen 40 Prozent. Das war an und für sich schon mehr als eine Pleite erster Güte; zu einem her⸗ vorragend skandalösen Betrug wurde sie aber erst dadurch gesteigert, daß man den Aktinären die 40 Prozent nicht in bar gab. Wenn Stern⸗ berg jemand die Taschen leeren wollte, so be⸗

sorgte er das Geschäft gründlich, und so gab

er ihnen die 40 Prozent in Aktien der Skas⸗

kaer Kohlenwerke. Das war eine der vielen Gruben, die er anderen gegraben hat.

Feine Ordnungsstütze. i

Von unserem Parteiblatte in Zwickau

wird der Besitzer des Ballhauses zur Wiener Spitze in Kirchberg i. S., Camillo Bräuer, eines Sittlichkeitsver brechens angeklagt. Dieser Mensch, eine fanatischeOrdnungsstütze, Inhaber ver⸗ schiedener städtischen Ehrenposten, eifriger So zialistenfresser hat sich Nachts wieder⸗ holt an seinem noch nicht 15 Jahre alten Dienst mädchen vergangen und es zur Duldung seiner Lüste gezwungen. Als das Mädchen endlich, um sich der Attentate des Sittenbildes zu erwehren, dessen Frau von den Dingen Mittheilung machte, wurde es von dieser noch beschimpft, worauf es den Dienst verließ und sich zu einer verheirate⸗ ten Schwester begab. Diese machte bald die Wahrnehmung, daß ihre Schwester krank war; die ärztliche Untersuchung ergab, daß das arme Kind syphilistisch angesteckt war. Die Frau be⸗ gab sich nun mit ihrer Schwester zum Bürger⸗ meister, dem der ganze Fall vorgestellt wurde. Bei einer späteren Unterhaltung auf dem Rath⸗ hause wurde Bräuer mit dem Mubdchen konfron⸗ tirt, wobei dieser sein Vergehen zugab. Diese Vorgänge liegen nun schon einige Monate zurück, aber es ist noch nicht bekannt geworden, daß die Staatsanwaltschaft sich des Falles ange⸗ nommen hätte, weshalb unfer Bruderblatt ihn der Oeffentlichkeit übergiebt. Aus Wetzlar.

-th. Siehan de Nas voll. Bei der neulich stattgefundenen Kontrollversanm⸗ lung wurde, wie das auch anderwärts der Fall gewesen ist, angefragt, wer sich noch als Frei⸗ williger nach China melden wolle. Aber selbst hier in unserer so militärfrommen Gegend hatte die Anfrage dasselbe Ergebniß, wie an manchen andern Octen es trat kein Ein⸗ ziger vor. Ueber die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit des Hunnenzuges scheint demnach im Volke eine gesündere Anschauung zu herrschen, als in den leitenden Kreisen.

Heilig istdas Eigent hum. Cigen⸗ artige Gedanken muß eine Schöffengerichts⸗ verhandlung vom vorigen Freitag bei Jedem erwecken, der überhaupt zu denken vermag. Ein zwölfjähriges Mädchen war des Diebstahls an⸗ getlagt und ihre Mutter der Anstiftung hierzu. Und der That bestand dieser Anklage. Das bedauernswerthe Mächen hatte sich einige Stückchen Abfallholz ans einem Schutth aufen hervor⸗ gesucht, um ihrerseits den zu Hause durch die hohen Kohlenpreise eingetretenen Mangel an Heizmaterial einigermaßen zu steuern. Sie wurde aber vom Schicksal in Gestalt eines Nacht⸗ wächters ereilt, der im Auftrag des Besitzers des Schutihaufens, des Millionärs Raab das Kind notirte und zur Anzeige brachte. Hoch- nothpeinliches Verhör. Aber die Angeklagten hatten Glück, das Gericht spricht sie frei. Vielleicht trat in diesem Falle dem Gerichte die Brutalität der heutigenOrdnung in be⸗ sonders krasser Weise vor Augen! Das Mädchen wird sich hoffentlich den Fall zur Lehre dienen lassen. Viele, die andere um Millionen betrügen und bestehlen fiehe Sternberg kommen nicht vor Gericht, sondern sind angesehene Leute.

Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. St. Marburg, 22. Novbr.

Gewerkschaftskommission. Wie in fast allen Städten, wurde auch hier vor einigen Jahren eine Gewerkschaftskommission ins Leben gerufen, deren Hauptzweck ist, den Zusammenschluß aller organisirten Arbeiter zu fördern und zu pflegen und in gemeinschaft⸗ lichen Sitzungen alle vorkommenden diesbezügl. Angelegenheiten zum Wohle der Gesammtheit zu erledigen. Es gehören der Kommission 14 Mitglieder an, welche die Verbände der Buch⸗ drucker, Holzarbeiter, Metallarbeiter, Schnei⸗ der, Schuhmacher, Weißbinder und der Zim- merer durch je 2 Delegirte vertreten, leider kommt es aber oft vor, daß von diesen 14 Dele⸗ girten in den Sitzungen nur drei bis vier an⸗ wesend sind, sodaß in letzter Zeit die Sitzungen öfters ausfallen mußten, trotzdem wichtige Punkte auf der Tagesordnung standen. Das muß in Zukunft anders werden, wenn. die Kom- mission ihren Zweck erfüllen soll. Wofür sind

denn die Delegirken gewählt, wenn sie ihren

übernommenen Verpflichtungen nicht nachkom⸗ men wollen? Wir hoffen, daß die einzelnen Organisationen ihren Delegirten etwas mehr Pflichteifer empfehlen werden.

Unglücksfall. Am Samstag Abend fand man in einem Hause der Schwanallee zwei Mädchen in ihren Betten erstickt vor. Die Haus⸗ eigenthümerin ist verreist und das Dienstmäd⸗ chen, welches sich allein im Hause befand, hatte sich zur Gesellschaft ein Mädchen aus dem Ver⸗ sorgungshause geholt. Beide schliefen in einem Zimmer, in dem sich ein amerikanischer Füllofen befand, welcher defekt gewesen sein muß, denn als Todesursache wurde bei dem Dienstmädchen Erstickung durch Einathmung von Kohlengas festgestellt. Das andere Mädchen, welches noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde so⸗ fort in die medizinische Klinik verbracht und dürfte wieder hergestellt werden. Nach anderen Mittheilungen hatten die Beiden Kleidungs⸗ stücke und Portieren stark mit Naphtalin gegen Mottenfraß eingesprengt; der im Schlafzimmer befindliche Ofen soll übermäßig eingeheizt wor⸗ den sein, und es ist höchstwahrscheinlich, daß sich in Folge dessen giftige Gase gebildet haben.

Einbruch. In der Nacht vom Sonntag

auf Montag wurde in einem Hause der Schwan⸗

allee eingebrochen und eine Parthie Wäsche ge⸗ stohlen. Bei einem wiederholten Besuche wur⸗ den aber die Diebe verscheucht. Es wäre bald Zeit, daß unser Nachtwachtwesen etwas besser geregelt würde.

Wahrheit bleibt Wahrheit!

Herrn E. Weidemann in Liebenburg(Harz.) In Erfüllung einer lange unterlassenen Pflicht theile ich Ihnen nun Folgendes mit: Ich hustete seit drei Jahren und befand mich schließlich in einem Stadium, wo dabei stets eiternde, mit Blut untermischte Klümpchen aus⸗ geworfen wurden und endlich auch starke Blut⸗

ungen eintraten, außerdem ein starkes, knistern⸗

des und pfeifendes Geräusch beim Athmen von Tag zu Tag zunahm.

Appetitlosigkeit u. Schlaflosigkeit, sowie nächt⸗ licher Schweiß stellten sich ein, und ein ner⸗ vöser, peinigender Zustand verließ mich über⸗ haupt nicht mehr.

Nachdem ärztliche Behandlungen erfolglos blieben, gedachte ich nun noch ohne beson⸗ deres Vertrauen Ihren Thees(russ. Knö⸗ terich) zu versuchen.

Nach 30tägiger Kur(15 Packete Thee) stellte sich die erste Linderung ein und nahm so zu, daß ich mich nach weiteren 30 Tagen als voll⸗ ständig hergestellt betrachten konnte und alle vorgenannten Krankheits- Erscheinungen ver⸗ schwunden waren.

Dies war im Frühjahr vor 3 Jahren, und hatte ich seitdem nicht einmal mehr einen starken Schnupfen(der mich früher überhaupt fast nie verließ), geschweige denn gar einen schlimmen Husten zu verzeichnen, höchstens bei Verkühlung und dann nur mit ganz kurzem normalen Verlaufe.

Daß ich von einem Frühjahre zum anderen immer befürchtete, wieder zu Ihrem Thee grei⸗ fen zu müssen, und Ihnen hierbei berichten wollte, war der Grund meines langen Schwei⸗ gens, doch habe ich selbstverständlich in dieser ganzen Zeit Ihren Thee aufs Wärmste und aus vollster Ueberzeugung in allen mir bekannt gewordenen Fällen empfohlen und hoffe, daß schon so Mancher hierdurch Heilung gefunden . J e O. E., Fabrikant in O.

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, 25. November. Gießen. Sozialdem. Wahlverein Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig. Sonntag 26. November. Schlitz. Nachm. 3½0 Uhr: Versammlung bei Gast wirth Schmidt.

Cenossen! Agissert allerorts für die Parteipresse!

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