Ausgabe 
25.11.1900
 
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Seite 4.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Post aus Pretoria sollen die Buren ver⸗ schiedene Zentren organisirt haben, um den Widerstand gegen die Engländer fortzusetzen. Die Buren sollen gut mit Geld versehen sein und den Bürgern fünf Schillinge pro Tag be⸗

zahlen. General Bot ha soll über 150000 Pfd.

Sterling(drei Millionen Mark) verfügen. Von der von den Engländern geübten hunni⸗ schen Kriegführung in Transvaal entwirft der Brief eines englischen Veomanry(spr.: Jomänri gleich Milizkavallerist) folgendes Bild:Ich denke, daß der Krieg jetzt bald zu Ende sein wird, denn wir verbrennen jeden Bauernhof, an dem wir vorüberkommen. Es ist schrecklich, na⸗ mentlich für die Frauen und Kinder, denn unsere Truppen verbrennen Alles, das Haus, die Möbel und Scheunen. Wir nehmen alle Vorräthe mit, so daß sie, von Allem entblößt, auf den Feldern zurückbleiben. Es ist ein famoser Anblick, wie unsere Leute in so einem Hofe auftreten; binnen 10 Minuten ist die ganze Geschichte verwüstet.

Aus Kapstadt wird gemeldet, daß unter den Eingeborenen eine Seuche ausgebrochen sei, an der bereits mehrere Personen gestorben sind. Der Kolonialsekretär erklärt, er zweifle kaum daran, daß es sich um Bubonenpest handle. Bisher ist die Seuche auf Eingeborenenansiede- lungen begrenzt; die Weißen sind gegenwärtig nicht gefährdet.Alle Vorsichtsmaßregeln sind getroffen worden, heißt es. Was nützen diese, wenn Massenmorde und Verwüstung das Umsich⸗ greifen der Pest begünstigen?

Präsident Krüger wird in diesen Tagen mit dem DampferGelderland in Marseille angekommen sein.

Der Krieg mit China.

Dieunwiderrufliche Entschei⸗ dung bezüglich der von den Mächten gestellten Bedingungen macht ihrem Namen wenig Ehre. Nach der Meldung eines englischen Blattes haben die Gesandten die Friedensbedingungen schon dahin abgeändert, daß für die Prinzen nicht mehr die Todesstrafe, sondern nur die höchste Strafe, die das chinesische Gesetz zulasse, ver⸗ langt wird. Der Pekinger Korrespondent der Morning Post will wissen, daß der Gesandten⸗ kreis bereits für das nächste Frühjahr eine Expedition nach Singanfu diskutire, falls der chinesische Hof, was erwartet wird, die Bedingungen der Mächte nicht annimmt. Rußland, welches, um den Chinesen zu schmei⸗ cheln, seine Truppen aus Tientsin zurück⸗ zieht, würde daran natürlich nicht theilnehmen, ebenso wenig Ame⸗ ka, wohl aber Japan. Eine Expedition ins Innere Chinas. Das hat uns gerade noch ge⸗ fehlt. Sie würde wahrscheinlich eine unabseh⸗ bare Verlängerung des Krieges bedeuten.

Der Kaiser von China hat einen demü⸗ thigen Brief an den deutschen Kaiser gerichtet, worin er für die freundlichen Gefühle dankt und verspricht, die schuldigen Beamten zu be⸗ strafen. Nach Peking will er aber erst dann zu⸗ rückkehren, wenn die Friedensverhandlungen die gewünschten Ergebnisse zeitigen. Vor⸗ sicht ist besser, denkt die Kaiserin⸗Wittwe, die ja die eigentliche Regentin ist.

Inder russischen Presse tobt ein Ent⸗ rüstungssturm über die Hinrichtungen in Poa⸗ tingfu und die Kriegführung des Grafen Walder⸗ see. Die Noweja Wremja verlangt, daß die terri⸗ torialen Grenzen der Gewalt Waldersees ge nauer gezogen werden. Andere Blätter reden von einem Lynchgericht Waldersees, von wahn⸗ sinniger Vermessenheit und unerhörter Roh- heit. Die Hinrichtung eines Prinzen wird von allen für eine Unmöglichkeit erklärt. Die Ver⸗ handlungen werden gehässig und unversöhnlich geführt.

Abzug der Japaner. Aus Petersburg kommt die Nachricht, daß die japanische Regie rung beschlossen habe, ihre Truppen aus Peking zurückzuziehen. Der Beschluß soll verwirklicht werden, sobald die Verhandlungen darüber be⸗ endigt sind, wieviel Soldaten in der Residenz zum Schutze der Gesandtschaften zurückbleiben sollten.

Von Nah und Fern.

Gießener Angelegenheiten.

Lohnzahlungsbüche r. Nach 8 134 Abs. 3 der Gewerbeordnung in der Fassung der am 1. d. M. in Kraft getretenen Novelle vom

30. Juni d. J. ift in Fabriken, für welche

Lohnbücher oder Arbe tszettel durch den Bundes⸗ rath nicht vorgeschrieben werden, auf Kosten des Arbeitgebers für jeden Arbeiter unter 21 Jahren ein Lohnzahlungsbuch einzurichten. In das Lohnzahlungsbuch ist bei jeder Lohnzahlung der Betrag des verdienten Lohnes einzutragen; es ist bei der Lohnzahlung dem Minderjährigen oder seinem gesetzlichen Vertreter auszuhändigen und von dem Empfänger vor der nächsten Lohn⸗ zahlungsperiode zurückzureichen. Ueber das Wesen und die Einrichtung des Lohnzahlungs⸗ buches hat der preußische Minister für Handel und Gewerbe einen Erlaß an die Reprösidenten gerichtet, der auch für außerpreußische Länder von Interesse ist. Danach finden auf das Lohn⸗ zahlungsbuch die Vorschriften des§ 110, Satz 1, und des§ 111, Abs. 24 der Gewer be⸗ ordnung Anwendung. Die Einrichtung der Lohnzahlungsbücher ist also in das Belieben des Arbeitgebers gestellt, nur müssen die Bücher den Namen des Arbeiters, Ort, Jahr und Tag seiner Geburt, Namen und letzten Wohnort seines gesetzlichen Vertreters und die Unterschrift des Arbeiters enthalten. Eine Mit⸗ wirkung der Behörden bei der Aus⸗ stellungZ der Lohnzahlungsbücher ist im Gesetz nicht vorgesehen. Die Bücher werden weder unter dem Siegel und der Unterschrift der Orts⸗ polizeibehörde ausgestellt, noch haben die Letzteren dementsprechend ein Verzeichniß über die Lohn⸗ zahlungsbücher zu führen.

Zur Kohlenfrage. Mit der Aus⸗ gabe von Kohlen seitens der Stadt soll in den nächsten Tagen begonnen werden. Bekanntlich sollen die Kohlen nur an Familien, die nicht über 1500 Mk. Einkommen haben, in Quanti⸗ täten bis zu 5 Centnern abgegeben werden. Zum Nachweis über die Einkommenverhältnisse dient eine Karte, die gegen Vorzeichung des Steuerzettels ausgestellt wird. Nähere Bekannt⸗ machungen hierüber, sowie die Festsetzung der Tagesstunden, an welchen der Verkauf stattfindet, werden jedenfalls baldigst erfolgen. Wie wir hören, stellt sich der Preis 1.15 Mk. und 1.20 Mk. pr. Zentner.

Nützliches Büchelchen für Ar⸗ beiter. Man schreibt uns:Mangelnde Rechtskenntniß hat schon manchem Arbeiter Aerger gebracht und Opfer gekostet, namentlich, soweit es sich um Streitigkeiten aus dem Ar⸗ beitsverhältniß handelte. Zwar ist in umfang⸗ reichen Schriften das gewerbliche Recht eingehend behandelt worden, allein die Bücher haben nur bescheidenen Umsatz gefunden. Mangel an Geld und Zeit sind die Ursachen, weshalb diese Werke keine hohen Auflagen erlebt haben. Diesen Mangel zu heben, scheint ein kleines Werk, be⸗ titelt; Merkbüchlein über das Recht im gewerblichen Arbeitsvertrag, Verlog von Rich. Lipinski, Leipzig, Reud⸗ nitzerstr. 11, Preis 10 Pfg., berufen zu sein. Die kleine Schrift ist zweckentsprechend ausgestattet, 16 Seiten stark, und giebt die wichtigsten Bestimmungen des Bürgerlichen Ge⸗ setzbuchs und der Reichsgewerbeordnung wieder und enthält außerdem noch einen Abschnitt über das Klageverfahren. Der Stoff ist übersichtlich angeordnet, so daß der Leser sich schnell über die einschlägigen Fragen, sofort unterrichten kann. Der billige Preis wird Partiebezug noch bedeutend ermäßigt, sodaß die Organi⸗ sationen sehr gut das Büchlein unentgelt⸗ lich an ihre Mitglieder abgeben können.

Wir können nach Durchsicht des Werkchens uns dem oben Gesagten nur anschließen, und namentlich jedem Arbeiter die Anschaffung an⸗ gelegenlichst empfehlen. Auch der Arbeitgeber wird es mit Nutzen lesen. Bei dieser Gelegen⸗ heit möchten wir unsere Leser noch auf drei weitere Erscheinungen in der Parteiliteratur em⸗ pfehlend hinweisen. Im Verlage der Sozia⸗ listischen Monatshefte erschinen:Von Gotha bis Wyden, Vortrag von J. Auer. Der Verfasser giebt hier eine interessante und belehrende Darstellung der Schwierigkeiten, mit denen die Partei unter dem Sozialistengesetz zu kämpfen hatte und wie sie sich während dieser Zeit entwickelte. Weiter bietetdie d eutsche

Gewertschafrs⸗ Bewegung von B. Legien jeden organisirten Arbeiter Aufklärung

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in gewerkschaftlichen Fragen und schließlich be⸗

handelt Eum'sGenossenschafts⸗Be⸗

wegung eingehend den Nutzen der Konsum⸗

vereine für den Arbeiter. Broschüren kostete 20 Pfennige. Bestellungen können bei Schneider Sonnenstraße 25 be⸗ wirkt werden.

Großenbuseck.

⸗ck. Vergangenen Sonntag fand hier eine Volksversammlung statt, die nur mäßig be⸗ sucht war. Genosse Vetters sprach über die in⸗ nere und äußere Politik der deutschen Regier⸗ ung. Redner geißelte besonders das Verhalten des Reichsamts des Innern bei Einbringung der Zuchthausvorlage, wie es durch die 12 000 Mark-Geschichte offenbar geworden sei. Hier zeige sich, wie die Besitzenden, in diesem Falle die Industriellen, die Regierungsleute nach ih⸗ ren Wünschen dirigiren. Weiter legt er dar, wie die Masse des Volkes durch indirekte Steuern und Zölle aller Art zu Gunsten der Besitzen⸗ den benachtheiligt und ausgebeutet wird. Auch die Weltmachtspolitik fand die gebührende Be⸗ leuchtung. Die Sozialdemokratie allein trete den Mißständen mit Entschiedenheit ent⸗ gegen. Wo sei der Abgeordnete des Kreises, der Antisemit Köhler? Man höre im Reichstage fast nichts von ihm. Auch die antisemiessche Presse sage nichts zu den Milliardenopfern, welche dem deutschen Volke infolge des Flot⸗ ten⸗ und Chinarummels zugemuthet werden, sie muß sich dagegen eingehend mit Ritual⸗ mordmärchen befassen. Zu den Ausführ⸗ ungen des Redners gab die Versammlung ihre Zustimmung zu erkennen. Beschlossen wurde, einen Wahlverein zu gründen, in dem sich 26 Mann einzeichnen ließen. Das ist nur ein klei⸗ ner Anfang; hoffentlich entwickelt sich bald eine kräftige Organisation daraus!

Antisemitischer Bundek krieg.

d. Von Lang⸗Göns wurde in voriger Nummer mitgetheilt, daß von Seiten des Kreis⸗ ausschusses dem Proteste gegen die Wahl des Bürge rmeisters Rompf nicht statt⸗ gegeben, die Wahl vielmehr als gültig erklärt worden sei. So, meint man nun, wäre alles erledigt. Das ist aber keineswegs der Fall. Vielmehr tobt im sonst so ruhigen, friedlichen und gutdeutschen Lang⸗Göns ein erbitterter Kampf in der Einwohnerschaft, die sich anläß⸗ lich der Bürgermeisterwahl in zwei Lager ge⸗ spalten hat, welche nun, die einen mit der Pa⸗ role:Hie Wenzel, die anderen mii:Hie Rompf gegeneinander zu Felde ziehen. Schon bei der Verhandlung vor dem Kreisausschusse waren von den Wenzel'schen ein knappes Hun⸗ dert Zeugen aufgeboten, die hoch und theuer beschwören sollten, daß die Gegenpartei ihren

Jede dieser drei

Kandidaten nur mit unlauteren Mitteln, nur vermöge Wahlbeeinflussung und Bestechung zur

höchsten Würde im Dorfe verholfen habe. Na⸗ türlich bleiben diese als ehrliche Leute auch nichts schuldig, sondern zahlen mit Zins und Zin⸗ seszinsen heim. Und so haben wir einen Zu⸗ stand, der dem imFaust geschilderten nicht unähnlich ist:

Wo groß und klein sich kreuz und quer be⸗

fehdeten,

Und Brüder sich vertrieben, tödteten.

Zwar fiel auf beiden Seiten noch keiner, aber beängstigend, unheilbringend schwirren die vergifteten Pfeil herüber und hinüber.(Ich meine das nur bildlich, wie Graf Pückler, nicht wörtlich). Wie es enden wird, weiß man, noch nchit. Möglich immerhin, daß das jetzige Dorf⸗ oberhaupt doch noch von seiner Höhe herab⸗ gestürzt und Herr Wenzel an seine Stelle gesetzt wird. Wäre für das Gesammtinteresse auch kein Unglück, denn Letzterer verfügt über eine Summe von Fähigkeiten und Kenntnissen. die ihm als Bürgermeister sehr zu statten kä⸗ nen. Möglicherweise kann aber auch irgend ein Anderer der lachende Dritte sein! Ges amt⸗ interese? Sinn für Gemeinwohl? Suche das einer bei Antisemiten! Nichts als nicht. Möglich immerhin, daß das jetzige Dorf⸗

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